Ich bin ein Rawdog

Und zwar ein geborener. Obschon ich kaum in ein Flugzeug steige, aber oft und lange im Zug sitze. Im Sommer z.B. 12 Stunden quer durch Germany. Meine mitreisende Frau sah sich die ganze Zeit über, das Olypia-Spring-Dressurreiten an, und ich tat Raw-dogging. Wie immer.

Es scheint sich zu einem Reisetrend entwickelt zu haben, für das ich eigentlich nur das Wort „Reisen“ hatte. Aber Reisen ist schwer heute. Heute wird man tranportiert.
Die wahre Härte des Raw-doggings ist nicht die Abwesenheit von Annehmlichkeiten (siehe unten), sondern die Härte ist das, was Sartre mal treffend bezeichnet hat: „Die Hölle, das sind die anderen.“
Diese Hölle muss man aushalten können. Und das ist DIE Prüfung. Ich will sie nicht im einzelnen schildern, aber wer mit der Bahn reist, kennt sie, die Hölle. Oder wer in einem Touristenort leben muss. Oder in meiner Gasse voller Bauschlöcher.

Ich werde der Bahn vorschlagen, eine weiter Klasse einzuführen. Nicht 2., nicht erste, nicht business, sondern die „Raw-Dog-Class“.
Und da sitzen wir dann, wir „Trend-setters“ und tun, was Raw-dogs eben so tun. Die Fresse geschlossen halten, das Phone, den Laptop und das Buch im Rucksack lassen, während unser Blick über die vorbeihuschende Lanschaft streift, und wir happy sind unseren Gedanken freie Fahrt verschafftzu haben, und vor allem, dass die Hölle erst einen Waggon weiter vorne stattfindet.

„Raw-Dogging“ ist ein Reisetrend, der Passagieren einiges abverlangt, denn dabei soll während einer Flugreise auf jegliche Ablenkung bzw. Annehmlichkeiten verzichtet werden. Ohne Handy, Laptop, Filme und sonstigen Ablenkungen soll die Aufmerksamkeit bei den eigenen Gedanken bleiben.

Glaub’s nicht mehr

Wie sagte Karl Valentin:
„Wenn die stille Zeit vorbei ist, wird’s dann auch wieder ruhiger.“

Allein, mir fehlt der Glaube …

Kärtner Straße, Wien (formerly knows as:die lebenswerteste Baustelle der Welt)

Warum?

Man könnte es beinahe als interessant bezeichnen (was ich aber nicht tue, denn die Intention der Antisemiten ist erkennbar), dass von verschiedener Seite, z. B. Uno, Amnesty (das inzwischen zu einem woken Club degeneriert ist) immer wieder gefordert wird, dass man Israel keine Waffen liefern soll, und das Israel überhaupt aufhören soll, mit was auch immer, und niemand, aber gar niemand fordert die Hamas auf, die Geiseln freizulassen und ihren Raketenbeschuss einzustellen.

Und das Öffentlichrechtliche TV übernimmt ganz selbstverständlich die Filmchen und Angaben zu Gaza, wie sie brühwarm von der Hamas abgesondert werden, und erwecken damit den Eindruck, dass hier Tatsächliches gespiegelt wird. Tut es nicht!

Warum? frage ich.

Bin ich zu skeptisch?

Nun wird wieder gejubelt. Ein Tyrann flüchtet, und die nächsten „Machthaber» installieren sich, geben sich gemäßigt und aufgeschlossen, wie damals die Taliban in Afghanistan.

Die Frage ist: Wie lange hält die Ansage, bis eine neue Tyrannei errichtet ist?
Werden nun diejenigen, die damals vor Assad hierher geflüchtet sind, zurückkehren und die Klinke in die Hand von Assad-Treuen geben, die jetzt zu uns strömen werden?
Oder werden beide Parteien hierbleiben, um sich hier zu massakrieren?

Bin ich zu skeptisch?
Wie damals, vor vielen Jahren, als ich vor Putin gewarnt habe, als alle noch von russicher Literatur schwärmten, und den Faschisten einen tollen Kerl fanden? Und es in Sozenkreisen immer noch tun. Nicht zu reden von den Rechts- und Linksextremen. Und den anderen Wapplern, denen man ins Hirn gekackt hat.

Bin ich zu skeptisch?
Ich hoffe es.

Psychologie im Laufe der Zeit

Ich war sechzehn und wollte unbedingt ein diagnostiziertes psychisches Problem haben. Ein Opfer sein, das von der Gesellschaft verrückt gemacht wurde. Ich bildete mir ein, an Migräne zu leiden, und seelisch ein „Hesse-indizierter-Steppenwolf“ zu sein. Ich hielt mich für dumm, weil ich mich fragte, ob ich intelligent war. Ich identifizierte mich sogleich mit jedem Protagonisten eines jeden Buchs, das ich las. Wenn er nur genug an der Welt litt.

Mit mir stimmte einfach nichts, und niemand interessierte es. Ich nahm eine Menge LSD und rauchte alle Tage Haschisch. Mehrmals am Tag. Ich nahm auch andere Drogen. Schmerzmittel, Chloroform, TCE, Opium, Muskatnuss, Psyloszibin, Fliegenpilz und Morning Glory und was weiß ich noch alles.

Es musste einfach etwas geben, um aus dieser Wirklichkeit zu entkommen, einer Wirklichkeit ,die bei mir aus einem Leben in einem Labor bestand.

Ein Arzt gab mir einen Plastiksack voll Valium. Zwei Tage später spülte ich alle zusammen mit einem Glas Wermut in meinen Magen, schrieb einen Abschiedsbrief, und erwachte am nächsten Morgen erfrischt und wie neu.
Mein Arzt war Jude, und er hatte geahnt was ich vielleicht mit den Pillen tun könnte, und hatte mir netterweise Placebos überreicht.

Dann ließ ich mir einen Psychiater verschreiben, ging voller Erwartung hin, saß auf dem Stuhl vor seinem erhöhten Schreibtisch und wartete darauf, dass die „Sache“begann.
Der Mann schrieb mit der Hand in eine Kladde, und richtete das Wort nur ein einziges Mal an mich, um mir mitzuteilen, dass die Stunde um war, und wann ich wiederkommen sollte.

Das nächste Mal war es genauso. Ich saß eine Stunde auf einem Stuhl und sah einem Psychologen oder Psychiater dabei zu, wie er schrieb. Dieses Schreiben war durchaus bemerkenswert: Er schrieb und schrieb und schrieb, ohne ein einziges Mal aufzusehen, sich am Kopf zu kratzen, oder überhaupt etwas anderes zu tun als den Stift übers Papier gleiten zu lassen.

Ein drittes Mal ging ich nicht mehr hin.
Irgendwie hatte ich die Botschaft vernommen.
Er hatte mir in dieser Stunde, in der ich darauf wartete, dass er sich um meinen Psychomüll kümmerte, ihn mit Fragen herauskitzelte, die Zeit und Ruhe verschafft, zu checken, dass ich ihn gar nicht brauchte.
Das zu bemerken, ließ bei mir den Gedanken keimen, dass ich vielleicht doch nicht so dumm war, wie ich glaubte, und vielleicht doch nicht so ein Opfer war, wie ich annahm.

Das war es, was mir einfiel, nachdem ich ein Interview mit einem Psycholgen gelesen hatte, der die heutige Situation, und die Bedürfnisse von jungen Leuten beschrieb, die nun in die Praxen der Psycholgen strömten. Die meisten davon verlangten nach einen diagnostizierten Opferstatus, der alle anderen zur Nachsicht zwang.

Wie sagte schon der Prediger: „Alles ist eitel. Nichts Neues unter der Sonne.»

«Die Sprache kommt zu wenig zur Sprache.»

Die „Buch Wien“ tut etwas, was viele sich längst herbeiwünschen: Eine Jury kritisiert Rezensenten, die Bücher besprochen haben. Und wenn man das als Fortschritt ansehen mag, dann könnte man ja auch die Jury kritisieren, die Rezensenten kritisiert, die Bücher und Autoren kritisiert haben.

Falls ich das täte, wäre wieder eine Kritik fällig, die meine Kritik an der Kritik kritisert, was natürlich sofort Kritiker der Kritik der Kritik der Kritik auf den Plan rufen muss.

Mir gefällt das ausgezeichnet. Ich war schon immer ein Bewunderer des Beamtenapparats, der nur einen einzigen „Fall“ braucht, um bis in alle Ewigkeit dieses Ding hin-und-herzuschieben ohne jemals zu einer Entscheidung zu kommen.

Und da die Buch Wien in Österreich stattfindet, darf natürlich der Satz: „Die Sprache kommt zu wenig zur Sprache“ nicht fehlen.
Was wiederum dem Beamtentum nahekommt: Die Sprache genügt sich selber, wenn sie nur genügend zur Sprache kommen kann. Dann brauchts noch ein bisschen Schweigen um die Nazivergangenheit eines Onkels, und fertig ist der Bestseller.

So, jetzt wär wieder eine Kritik fällig …

Ein bisschen zuversichtlicher (2)

Zum zweiten Mal, auf dem Weg in den Gym, wie immer den schönen Park des Palais Schönburg passierend, sehe ich etwas unglaubliches.

Ich sehe massenhaft Laub auf dem weitläufigen Rasen, und ich seh einen Mann (beide Male), der mit einem Laubrechen zugange ist. Ein Laubrechen, Freunde und Feinde, ein fuckin’ Laubrechen, und nicht etwa das Folterinstrument der Retardierten, den fuckin’ Laubbläser.

Es war unglaublich. Es war, als sähe man den ruhigen Flug eines Adlers über Wengen: lautlos, elegant, erhaben und ehrfurchtgebietend.

Ich hätte in Tränen ausbrechen können. Es gab noch Menschen hier, in dieser Gegend, auf dieser Baustelle namens Wien, deren erster und letzter Impuls es nicht ist, herumzulärmen.

Es macht mich wieder ein bisschen zuversichtlicher.

Alles auf Bluesky?

Jetzt hat sich ein Teil der bekannten österreischischen Journalisten (und andere?) von X abgemeldet und bei „Bluesky“ angeheuert. Wurde ihnen zu dreckig bei Musks X. Oder wie Timothy Snyder es beschrieb: «Oligarchisches Geld plus Userdaten plus Social-Media-Verbreitungssysteme plus demotivierende Message.“

Okay, versteh ich nun nicht ganz, aber wurscht, ich bin bei keinen Souschelmidias gemeldet, konsumiere auch keine, mein Mitteilungsbedürfnis lebe ich auf meinem unregelmäßigen geführten Blog aus, und ansonsten lese ich Zeitung; habe gar ein bezahltes Abo von einer.

Die neuen Bluesky-Schurnis sind offenbar voller Hoffnung auf ein von Müll und Wahn unverseuchtes Medium.
Nun, ich wünsche ihnen alles Gute dabei.

Könnte mir aber vorstellen, dass sich das einige Müll- -und Wahnfabrikanten nicht gefallen lassen und auch auf Bluesky anheuern, um dort ihren Shit abzuladen.
Ich mein ja nur.

Vielleicht erinnert sich noch der ein und die andere an die „Demokratie-Euphorie“, als das Internet so richtig populär wurde. – Eben …

Ich bin leider, leider der Ansicht, dass den meisten heutigen Menschen es das größte Anliegen ist, alles in eine Müllkippe zu verwandeln.

Das mag einen traurig erscheinen. Sowohl diese Ansicht, als auch die Tatsache.

Der Text hier, ist so ein bisschen wie die Tweets dieser Welt: hätte es nicht wirklich gebraucht. – Gibt es aber trotzdem …

„Stern“ goes theater (2)

Da ich immer wieder mal gefragt werde, wie’s denn so war, als „Stern“ in der Kellerbühne St.Gallen gegeben wurde, und ich, der Autor, im Publikum saß, möchte ich hier etwas dazu sagen:
Mein 2. Roman „Stern“ erschien 1989 bei Ed. Nautilus, Hamburg, ist also 35 Jahre alt, in etwa genauso alt, wie mich fühle. Es konnte also einiges schief gehen, da nicht gerade alles in „Stern“ gut gealtert ist, worüber ich mir aber erst Gedanken machte, als Alexandre Pelichet, jener Schauspieler, der den Part von Tom Stern übernommen hatte, gleich mit dem Anfang des Romans loslegte.

Ich könnte jetzt sagen, dass mir der Schweiß ausbrach, aber das wäre falsch, denn der Schweiß war immer da, denn mir ist meist zu heiß in geheizten Räumen. Warum der potentielle Schweißausbruch? Denn dem Anfang folgt die erste von vielen Sexszenen, die eben, wie ich schon anführte, nicht so toll „gealtert“ sind. Sie stammen aus einer Zeit, als es Usus war, von „ficken“ zu sprechen, auch wenn man eigentlich nicht ficken meinte, sondern etwas viel zarteres, leidenschaftlicheres und auch schmerzvolleres.
Aber 1989 lebte Charles Bukowski noch, dessen Werk von Carl Weissner übersetzt wurde, der Wörter wie „ficken“, „pimpern“, „vögeln» usw. in unseren Sprachgebrauch einschleuste.

Nun gut. Lassen wir das.
Aber der Schauspieler und Dramaturg Matthias Peter hatte sich des Textes in einer Weise angenommen, dass all die „Schweißausbruchszenen“ getilgt waren, und er letztlich den Kern von Stern auf die Bühne brachte.

Ich konnte nicht umhin, den Schauspielern Matthias Peter, Boglarka Horvath, Alexandre Pelichet, und dem Musiker Urs Gühr (ganz toll) nach der Vorstellung zu eröffnen, dass sie eigentlich den besseren Roman „geschrieben“ haben.
Und zwar auch in der Hinsicht, dass er nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt hat, was mir verschiedenlich nach der Vorstellung von Zuschauern bestätigt wurde. „Ist heute noch genaus so.“
(Wer mehr wissen will, kann sich den neuaufgelegten Roman bei „Songdog“ oder mir bestellen.)

Es waren 80 Minuten überaus unterhaltendes Theater, nie langweilig, was auch der wuchtige Schlussapplaus des gut besuchten Theaters vermuten ließ, ein Applaus, der auch dem Autor, der zum Verbeugen zum Team gebeten wurde, entgegenschallte.

Was soll ich sagen? Tolles Ding, schöner Abend. Gehet hin und sehet selbst. Noch zwei Vorstellungen am 16. und 17. Februar 2025.