Nun doch, ja, auch ich habe ihn jetzt gesehen, dieses mit Preisen und Lob überhäuften „Must“ der Filmezunft. Empfohlen und echt ans Herz gelegt von einem Cineastenfreund, und von einem anderen Freund und Filmemacher, mit einem „Naja, naja,“ eher von einem Kinobesuch abgeraten. „One battle after another“, den man nun für 5,99, einem Monatsabo von HBO, sehen kann, falls einem danach ist, einen langatmigen, spannungslosen, holzschnittartigen, von abgepackten Sätzen aus dem Sprüchemuseum der Linksradikalen und Hollywoodrevoluzzer durchsetzten Streifen zu durchleiden.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so durch und durch langweiligen Film gesehen habe.
Und mir erging es dabei wie dem alten, genialen Haudegen der echten Cinéma-Guys, dem Drehbuchautor (Taxi Driver u.a.) Paul Schrader, der sich wünschte, dass alle sterben, da es unmöglich ist, sich auch nur mit einer Figur zu identifizieren.
Die einzige Figur für die ich ein bisschen Sympathie aufbrachte, war der indianische Killer, der sich am Schluss gegen das Töten eines Mädchens entschied, und stattdessen irgendwelche Arschlöcher zusammenschoss.
Aber sonst? Im Hintergrund immer wieder durchs Bild huschende Pulks von in die USA zu schleppende „Wetbacks“, seppeldämlich gezeichnete Rassisten, deren schon karikiertes Klischee in der Darstllung mir wenigstens einen trockenen Lacher entlockten.
Aber sicher ein großartiges Werk für alle Trumpfeinde in den Villen von Hollywood und solchen die es werden möchten.
Weitere Preise werden weiter folgen, wie das Menetekel an den Wänden von Hollywood:
«Mene mene tekel upharsin!“
Gewogen und für zu leicht befunden.
Der Schläger
(Nein. NIcht Trump. Geh weiter, Hater!)
Als ich vor Jahren zufällig in dem Ort war, wo ich zur Schule ging, wurde gerade zufällig ein Klassentreffen anberaumt. Ich ging hin, nur um festzustellen, dass dies das erste und einzige Mal war, dass ich an einem solchen Anlass teilnehmen würde. Deprimierend. Eine Ansammlung von Leuten, an die man sich nicht erinnert, die einen nicht das geringste angehen, mit denen man nichts gemein hat, und die einen auch nie interessiert haben.
Aber eins war doch nicht uninteressant. Ein Typ, der immer noch genauso aussah, wie damals und der denselben Schulweg hatte wie ich, erinnerte sich an mich als „Schläger“.
Ich sagte: „Schläger? Ach was.“
Aber, dass er mich als solchen wahrgenommen hatte, machte mich nachdenklich. Ich weiß, dass ich nie jemanden geschlagen hatte, aber ich war voller Energie und Kraft, und ich rangelte gern ein bisschen. Freundlich. Ohne jede Bösartigkeit. Aber, wie ich nun nach zig Jahren feststellen musste, konnten andere das durchaus anders sehen, so eher in Richtung Mobbing.
Der „Gemobbte“ war ein stiller Junge hinter dicken Brillengläsern, ein guter Schüler und der beste Zeichner der ganzen Schule, und beim Sport war er bei den letzten die ins Team gewählt wurden. Ich war so so ziemlich das Gegenteil. Einer der Klassenclowns, schlechter Schüler (außer in Fächern, die mich interessiertesehr gut), mieser Zeichner, aber im Sport bei den Ersten. Physisch hatte er mir nichts entgegenzusetzen, aber ich wollte ihm auch nichts antun; ich bewunderte ihn sogar um seine Zeichenkunst, und seine Inrovertiertheit.
Aber ich stupste ihn an, auf dem Schulweg, ich wollte ihn irgendwie aus seiner Reserve locken, nur, er blieb stur bei seiner „Verstocktheit“.
Was ich harmlosen, freundlichen Spaß unter Kollegen ansah, war für ihn offenbar etwas anz anderes. Ich war ein „Schläger“.
Einmal, viel viel später, hatte ich in einer Bar einen Streit mit meinem besten Freund, der es mochte, mich immer wieder mal zu provozieren. Ich packte ihn also vorne am Kragen, und er sackte ohnmächtig zu Boden. War es Show, oder wusste ich über mein „gutmütigen“ Kräfte nicht Bescheid?
Ich schätze beides. Denn mein Freund verlangte als Wiedergutmachung, dass ich einen Typen niederschlug, den er aus irgendwelchen Gründen nicht mochte.
Ich tat es nicht. Natürlich nicht. Ich bin kein Schläger.
Übrigens das „Mobbingopfer“ meiner Schulzeit wurde ein erfolgreicher Hotelier in Asien. Und ich? Nicht mal ein ordentlicher Schläger …
