Leider wieder mal nicht unrecht

Am 16. Sept. 25 – nach Bekanntgabe der Shortlist des „Deutschen Buchpreis“ – schrieb ich unter dem Titel: „Einfach Blunzn“, folgenden Text:

«Sorry, liebe nominierten Autoren für den «Schweizer Buchpreis“, tut mir leid euch verkünden zu müssen, dass Dorothee Elmiger gewinnen wird.
Außer die Jury schafft es ausnahmsweise, sich vom „Deutschen Buchpreis“ zu emanzipieren, wo Elmigers Buch in die Shortlist aufgenommen wurde.

Das läuft in etwa so: Wenn sie den „Deutschen Buchpreis“ nicht gewinnen sollte, werden die Schweizer sie tröstend heimholen und ihr den ihrigen Preis verleihen. 
Falls sie in Germany gewinnen sollte, wird es a bisserl schwierig, ihr den Schweiz-Preis nicht zu geben, was irgendwie ein Affront gegen die Deutschen wär.“

Nun? Heute geschah es. In Basel. Frau Elmiger kriegte den CH-Buchpreis für ihren Konjunktiv-Roman.
Das sollte ein Fanal sein. Im Konjunktiv kann sich man als erfahrungsarmer Autor allem bemächtigen und damit auch die überwunden geglaubten Konjunktiv-Romane aus den 70-ern ehren.

Jä no se de. Ich hab halt immer was zu meckern. Vor allem, wenn ich leider wieder mal nicht unrecht hatte.

Flugangst

Ich fliege nicht. Nicht mehr. Und schon zuvor, nur ganz ganz selten. Ich bin in meinem Leben in keine 10 Linienflieger eingestiegen. Ich habe Flugangst.

Meine Flugangst wurde aber sofort gelöscht, wenn die Räder des Fliegers den Boden verlassen. Ich mag das Gefühl des Schubs beim Start. Mir sind Turbulenzen Blunzn, und ich habe auch keine Furcht vor einem möglichen Absturz. Ich bin bis obenhin voll des Vertrauens auf die Fähigkeiten der Piloten, und mein Glück hinsichtlich eines Crash`.

Aber was ist den mit meiner angeblichen Flugangst?
Die bezieht sich auf die immer häufiger auftretende Situation, dass die Vögel – aus irgendwelchen Gründen – nicht starten dürfen, und man stundenlang, ohne Klimatisierung der fuckin Sonne ausgesetzt, gequetscht in einen Holzklassesitz ausharren muss, ohne zu wissen wann das Ding abheben wird.

Das ist meine Flugangst. Denn ich stelle mir vor, dass ich einfach aufstehen und den Notausgang mit der Rutsche aktivieren würde. Und das könnte fuckin teuer werden, und alles für die anderen Passagiere noch mehr in die Länge ziehen.

Und das wäre mir nicht recht.

5 Sterne


Für alle, die gerne Bücher nach 5 Sterne Amazon-Rezensionen kaufen, um danach selber Rezen zu schreiben: «Ich habe das Buch wegen der guten Rezensionen gekauft“.

Hier also die ersten dreizehn 5-Sterne Rezensionen des Buchs der neuesten Deutschen Buchpreis-Trägerin.

Ich kann nur hoffen, dass Sie nicht bildungsmäßig überfordert werden. Here we go:

– Die Lieferung und Verpackung war sehr gut. Ich bin absolut zufrieden und kann den Verkäufer sehr empfehlen.

Schnelle Lieferung, einwandfreier Zustand
Kann ich jedenfalls weiterempfehlen

Zum Buch wurde auch noch ein hübsches Lesezeichen mitgeschickt. Ein Anbieter mit persönlicher Note. Herzlichen Dank!

Bin voll und ganz zufrieden mit der Lieferung. Alles super !

Schnelle Lieferung, top!

Super Buch

Es hat alle super geklappt, herzlichen Dank! Wir freuen uns auf gemütliche Stunden und gute Lektüre!

Ein wunderschönes Buch, sorgsam verpackt und pünktlich geliefert.
Und ein wunderschönes Leseziechen dazu!

Alles zur vollsten Zufriedenheit:)

Bestellung wurde einwandfrei bearbeitet :-)

Alles wunderbar, jederzeit gerne wieder

Ging alles perfekt. Gerne wieder

Alles okay

Das Sprüchemuseum (180)

„Die Zeiten sind schlecht. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht mehr und jeder schreibt ein Buch.“ 

Zitat das Cicero zugeschrieben wurde, dann wieder von einer 5000 Jahre alten Steintafel stammen soll, und 1908 erstmal auftauchte (Gerüchten zufolge).

Wir sagen: Wir geben nichts auf solche Aussprüche, mögen sie noch so alt und jung sein. Sie sollen uns versichern, dass alles schon immer so war, wie es nie wurde.

Aber zumindest die Sache mit dem Buch, die stellen wir nicht in Abrede. Das kann man tagtäglich erfahren, wenn man nur eines der Medien anpeilt.
Interessant vielleicht in diesem Zusammenhang: Es liest kaum mehr jemand Bücher. Was nicht heißt, dass Bücher nicht gekauft werden. Sie werden es. Am Liebsten jene von Schauspielern und anderen Promis jedweder Kategorie, die sich mit dem Buch die höheren Weihen und Distinktionsgewinn versprechen (aber da alle Bücher schreiben, ist es auch bald Essig mit dem Distinktionsgewinn).

Diese Bücher, wie andere Bestseller auch, werden vornehmlich verschenkt, was auch dem Schenker Distinktionsgewinn verschafft, denn er hat ein Buch gekauft, und wusste, dass dieses Buch angeblich gerade im Gespräch und „außerordentlich wichtig“ sein soll.

Werden diese Bücher gelesen? Schätze, die wenigsten. Sie gehen halb ausgepackt ins Regal oder auf den Stapel mit den anderen, deren Lektüre immer wieder verschoben wurde.

Am Besten gefallen uns die Empfehlungen von „Bücherprofis“ – sprich Autoren, doch „mal ein gutes Buch zu lesen“.
Wenn es gute Bücher gibt, dann muss es auch schlechte geben.
Aber wer täglich stundenlang TikTokt, für den ist jedes Buch ein gutes Buch, solange er sich dafür nicht mehr als 22 Sekunden konzentrieren muss.

Es gilt inzwischen als gesichert, dass der Untergang jeder Zivilisation damit eingeleitet wurde, dass die Leute dümmer und dümmer wurden, vor allem weil sie nicht mehr lasen, und die Bücher nach und nach verschwanden, weil niemand mehr sie kopierte.

Wir sind der Überzeugung, dass wir uns in dieser Phase des Niedergangs befinden.
Und mit den Büchern ist so mit mit Gedichten: Jeder schreibt sie (irgendwann), aber niemand liest sie.

Unsere Empfehlung: Hören Sie Ben Webster und Oscar Peterson.

Der Laubrecher

Praktisch täglich, auf dem Weg in den Gym, schlendere ich am Palais Schönburg vorbei, einem Park von der Größe zweier Fußballfelder, mit vielen schönen, goßen Bäumen, mit ausladenden Kronen, die für mich oft die einzige Natur sind, die ich zu Gesicht bekomme. Darum ist es mir immer eine Freude, diese hundert Meter Rainergasse entlang zu gehen.

Nun ist Herbst, die Blätter der Bäume gelb, und jeden Tag sind es weniger. Zumal in den Kronen, aber viele auf der Wiese und der Einfahrt zum Palais.

Und so erblicke ich fast jeden Tag diesen schlanken Mann mit dem Laubrechen, der den letzten Blattabwurf zusammenrecht und in große, weiße Säcke schiebt. Und zwar auf der ganzen Fläche des Parks.

Ich bin sein Fan. Und der Fan seiner Arbeitgeber (vermutlich den Anwälten der Kanzlei, die im Palais residiert).

Wieso ich sein Fan bin? Weil er sich hingebungsvoll um das Laub kümmert, und zwar so, wie man es tun soll: Ohne fuckin Laubbläsergelärme!

Was er tut, ist gesund für ihn, da er sich an der (hoffentlich) frischen Morgenluft bewegt und ein bisschen anstrengt. Es ist gut, für alll das Getier, dass da im Laub und in der Wiese lebt, es ist ein Tonikum für die Nerven der Mitmenschheit, und es ist eine lebhafte Freude für meine Augen, jeden Tag.

Es soll Leute geben, die die Regulierung (nicht Verbot!) von Laubbläsern als Attacke des Bürgertums auf die Freuden des Proletariats, des kleinen Mannes halten.

Mögen sie ein langes Leben mit den Freuden des Proletariats haben.

Ich ziehe die elitäre Variante vor, wenn sie denn so daher kommt, wie im Palais Schönburg.