Sag was!

SAG WAS!

„Sag was!“, sagt die Stimme. „Schreib was. Du bist doch Autor.“
„Zumindest manchmal, ja“, antworte ich.
„Was soll das jetzt heißen?“
„Soll heißen, zur Zeit nicht so.“
„Versteh ich nicht.“
„Okay, über was soll ich denn schreiben?“
„Im Ernst? Das fragst du?“
„Ja, ich weiß, ich weiß. Es war noch nie soviel los, über das man schreiben könnte …“
„So ist es“, schnitt die Stimme scharf in meinen Geist. „So ist es. Da hätten wir den Trump in USA, den Kickl vor Ort, da wär der nahe Osten, Israel und die Hamas-Fans hierzulande, islamistische Gewalt und Terror, die abfuckende Wirtschaft in Germany und bald auch hier, der Niedergang eines feige zitternden Europas. Nicht zu vergessen den verbrecherischen Krieg der Russen gegen die Ukraine und auch Westeuropa. – Muss ich weiter machen? Weiter aufzählen?“
„Ich denke es reicht.“
„Und?“
„Und was?“
„Und du schweigst dazu?“
„Sieht so aus.“
„Ich tu jetzt mal naiv und frage: Warum?“
„Ist einerseits zu früh, um was zu sagen, und andererseits bereits zu spät, und sowieso ist doch alles schon gesagt …“
„… ich weiß, ich weiß. „Es ist schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. – Karl Valentin.“
„So ist es.“ Ich wurde etwas mutiger.
„Aber es geht doch darum, sich zu positionieren, Stellung zu beziehen.“
„Tut es das?“
„Dir fehlt doch einfach die Courage …“
„Gegenfrage: Welches Risiko würde ich eingehen, wenn ich  „Stellung beziehen würde“? Das ist doch gleich null.“
„Und weil es „gleich null ist“ wie du sagst, – ohne Risiko – kann man’s auch bleiben lassen. Ist das richtig?“
„Im Prinzip ja. Und die Meinungen und Stellungsnahmen schwirren ja nur so herum. Wie Wespen, deren Nest gestört wurde …“
„Keine Tiervergleiche, bitte.“
„… und die nun versuchen den Störefried zu stechen und zu vertreiben.“
Ich fand, dass ich schon ziemlich mutig widersprach.
„Also, du bleibst dabei: Du wirst dich nicht äußern, nichts schreiben, keine Stellung beziehen?“
„Stellung, zu was genau?“
„Das fragst du noch?! Natürlich zu Trump. Zu Kickl. Zur Ukraine. Zu Nahost. Zum Klimawandel. Zu E-Autos. Zur ÖVP. SPÖ. Zur Deutschland-Wahl. Zu Meloni und Macron. Zum deutschen Buchpreis. Zu Jelinek und Burgtheater. Zur Literaturszene. Buchhandlungssterben. Overtourism. Lastenfahrräder und Bobos. Zu den Grünen und den Neos. Zum Rauchverbot im Freien. Zur Überregulierung des Staates. Veganismus und DEI. Zu LGBTQ+ und Transfrauen. Zu queerem Sex und alten weißen Männern. Zum globalen Süden und Gaza. Dem Palästinenserproblem und Israels Siedlungspolitik. Zum Rücktritt von Kardinal Schönborn und illegaler Migration. Zum Zuckerkonsum und Diabetes von Kindern …
„Stopp jetzt!“
„Dazu willst du also nichts sagen?“
„Doch, will ich.“
„Ich höre …“
„Ich muss mich jetzt ganz dringend um den Sauerteig kümmern. Der braucht neues Futter.“
„Ah, geh …! Schäm dich!“
Ich gehe. Zu meinem hungrigen Sauerteig. Ich schäme mich. Ein wenig. Ein kleines bisschen. Ach was, ich schäme mich überhaupt nicht …

Das Sprüchemuseum (172)

«Wie US-Podcaster junge Männer zu Trump getrieben haben.“

Headline von „DerStandard“

Wir sagen: Das ist echt shocking! Sie wurden „getrieben“, diese Armen. Mit was wurden sie getrieben? Mit Stockschlägen, Hundemeuten, elektrischen Viehtreibern und Peitschen?
Verdammte Demokratie, die noch immer das freie Wort für Männer erlaubt. Das sollte mal geändert werden. Ganz dringend.

Austria, tu felix nonsens (5)

Wenn ein blutiges Affenarschloch von der FPÖ, die Zeitung „DerStandard“ ein „Scheißblatt“ nennt, kontert die Gerwekschaft GPA mit dem Ausruf „beispiellosen Angriff auf die Pressefreiheit“.
Kleiner hat die GPA es offensichtlich nicht. Wie auch: Es ist Österreich.
Man weiß gar nicht mehr, was man dazu sagen soll, wenn „Scheißblatt“ bereits ein „beispielloser Angriff auf die Pressefreiheit“ sein soll.

Dies ist für mich dann auch der Zapfenstreich um die Innenpolitik von Austria weiterhin zu kommentieren. Lieber wende ich mich dem geheimen Leben und Lieben der Bettwanzen zu, als mich noch weiter diesem dümmlichen, aufgeputschten Nonsens auszusetzen.

Macht es allein. Es gibt ja genug Austrianer, die es nicht abwarten können, ihr Mütchen in noch mehr irren Analogien und völlig verwichsten Metaphern und Aussprüchen zu kühlen, bzw. zu erhitzen.
Viel Spaß weiterhin …

Das Sprüchemuseum (172)

„Trotz Shitstorms zeigt sie sich uneinsichtig.“

„DerStandard» zu Statements der Rapperin „Loredana“.

Wir sagen: Was erlauben Rapperin Loredana?! Wenn Femnistinnen einen Shitstorm organisieren, da sie die Meinung der Rapperin nicht teilen, ja dann, ja dann hat man und frau sich sofort einsichtig zu verhalten und ihre Meinungen gefälligst zu ändern. Oder einfach die Schnauze zu halten.

Wer hat eigentlich Schuld?

Das ist die Frage, die nach dem Scheitern der ersten Koalitionsverhandlungen aufpoppt, und nun in aller österreichischen Lust-Wut, durchgekaut wird. Nun ja, naturgemäß hat – auch ganz österreichisch – immer der andere schuld. Soviel ist fix.

Wichtig ist die Schuldfrage vor allem, weil die Klärung unmöglich ist, und es auch an den Tatsachen nichts ändert. Das vor allem. Es ist auch ein unwürdiges Schauspiel, Hörspiel oder Federspiel, was wiederum eine „Nona“-Festellung ist («wie auch nicht», für Wienunkundige), denn es ist Österreich.

Dass meine Tochter ob der Entwicklung wirklich schockiert ist, stimmt mich traurig, weil sie natürlich völlig recht hat, wenn sie sagt, dass eine „Rechtsextreme Regierung in einer Demokratie, das Schlimmste ist.“ Der demokratische Supergau, sozusagen.

Ich fühle mich ja auch schuldig, weil ich, erstens: Bereits nach dem Bekanntwerden der Wahlergebnisse haargenau mit diesem Ausgang gerechnet habe. und zweitens, weil ich der Sache ziemlich stoisch ins Antlitz blicke, und auch – zugegeben – mit einer gewissen Spannung, was sich nun ereignen wird.

Wie sagte einst der Politiker Peter Pilz über den Werdegang der FPÖ: „Erst Oppositionsbank, dann Regierungsbank, dann Anklagebank.“
Hat bislang eine gewisse Schlüssigkeit gezeigt.

Muss diesmal aber nicht zwangsläufig so ausgehen. Ganz und gar nicht.
Wir werden erleben, wie es die Schleimspur–ÖVP, entweder so zerlegt, dass ihre alten Mitglieder sie nicht wiedererkennen werden, oder ob es doch noch ein Rest an Anstand und Festhalten ihrer Grundsätze geben wird, oder ob das alles keine Rolle mehr spielt, weil sie vollkommen in der FPÖ aufgehen wird.

Wer hat dann Schuld?
Ich weiß es.
Richtig:
Die anderen.





Austria, tu felix nonsens (4)

Es gibt tatsächlich noch Journalisten und andere Menschen, die überrascht sind, dass nun die ÖVP doch eine Koalition mit der FPÖ bilden mag. Der Standard hat sich die Mühe gemacht, all die Versicherungen der ÖVP-Granden, niemals und nie, und eher ist der Papst ein Muslim, mit dieser radikalen Partei zu regieren. Niemals. Nie. 1000% nicht.

Ich frage mich nun (nein, tue ich nicht), wo diese von dem 180 Grad-Schwenk der ÖVP Überraschten, die letzten dreißig Jahre gelebt haben? Woseliwo?

Ich persönlich bin eher geneigt Putin zu glauben, dass er niemals die Ukraine angriffrn hat, als irgendeiner Verlautbarung eines ÖVP-Mitglieds. Aus Erfahrung. Natürlich gibt es Ausnahmen. So im einstelligen Bereich. Diesmal war es Nehammer.


Aber das ist eben auch eine Form des Wahnsinns: Nicht nur immer dasselbe tun , und andere Resultate zu erwarten ,sonder auch, immer überrascht zu sein, wenn ÖVP-Politiker erkennen lassen, dass ihr Wort nicht mal soviel gilt, wie der Furz eines Fiakerpferds.

Aber so ist es eben. Hier, in Austria.
Weiterhin viel Spaß in der Klapse …

Austria, tu felix nonsens (3)

Man hat genug von der jetzigen Situation.
Es muss alles anders werden.
Und dabei genau gleich bleiben, wie zuvor.
Das ist die Änderung, die sich Austria wünscht.

Prosit Neujahr, und weiterhin viel Freude in der Klapse.

Austria, tu felix nonsens (2)

Meine Annahmen, was die Regierungsverhandlungen in Austria anlangen, scheinen sich zu bestätigen: Koalitionsgespräche 1 und auch 2 geplatzt. Nehammer ist ein Held, hat sich geopfert und tritt zurück. Damit führt kein Weg mehr an einem Kanzler Kickl vorbei. (Nach österreichischem Ermessen) Nur das arme Schwein oder die Schweinin aus den ÖVP-Reihen, die den oder die Vize macht, muss noch erwählt werden.

Ich bin echt soooooo geschockt …

Austria, tu felix nonsens

Die Regierungsverhandlungen zwischen den drei Parteien, von denen zwei Beton (SPÖ, ÖVP) sind, und eine wirklich was verändern wollte (NEOS), sind gescheitert.
Welche Überraschung!!, rufe ich, und viele andere, nicht aus. War klar, zumindest für uns Realisten, dass es nicht funktionieren wird.

Nun, was wird geschehen? Mein Tipp:

Viele, viele, viele Talkshows im TV, die Neos, und vor allem die gute, fesche Frau Meinl-Reisinger, wird schuldig gesprochen; in den Hinterzimmern, in denen längst ein Deal zwischen ÖVP und FPÖ ausgehandelt wurde, wirds grad hektisch, der Noch-Bundeskanzler Nehammer (ÖVP), der unglücklicherweise nicht mit dem Kickl (FPÖ) kann, wird als wahrer Held sterben und zurücktreten; die Industriellenverbindung der ÖVP wird sich durchsetzen, und man wird ein armes Schwein suchen (oder am besten eine Schweinin), die dann der/die Vize für’n Kickl macht. Fertig ist die Laube, und mia ham eine FPÖ-Regierung.

Nochmals: Welche Überraschung!!

Na klar, ich kann mich irren.
Aber wohin?

P.S. Unsereins würde ja so gerne entsetzt, wütend, enttäuscht, traurig, aufgebracht, niedergeschmettert, aggressiv-enthusiastisch, kämpferisch-hoffnungsvoll oder einfach nur a bisserl schockiert sein. Ist aber nicht. Wurde alles bereits in den Jahren vorher aufgebraucht. Blieb nix mehr über, für uns, die wir die ganze Haider-Sache mitgekriegt haben. Und den Rest auch.

Schätze, es wird sein wie immer in Austria: Große Worte, große Ankündigungen (im Guten, wie im Schlechten), und letztlich kaum was dahinter, außer, dass sich die verschiedenen Lager entweder aufregend ereifern, oder aufregend ereifern darüber, dass sich die anderen aufregend ereifern. Sicher auch Geifer, Niedertracht, HInterzimmerpolitik, Verrat, Schuldzuweisungen, Gejammer, künstliche Aufregung und dergleichen mehr, mit einem Wort: Österreich.

Aber vielleicht ist auch alles ganz anders. Dann, ja, dann rufe ich aus: Welche Überraschung!