Wer hat eigentlich Schuld?

Das ist die Frage, die nach dem Scheitern der ersten Koalitionsverhandlungen aufpoppt, und nun in aller österreichischen Lust-Wut, durchgekaut wird. Nun ja, naturgemäß hat – auch ganz österreichisch – immer der andere schuld. Soviel ist fix.

Wichtig ist die Schuldfrage vor allem, weil die Klärung unmöglich ist, und es auch an den Tatsachen nichts ändert. Das vor allem. Es ist auch ein unwürdiges Schauspiel, Hörspiel oder Federspiel, was wiederum eine „Nona“-Festellung ist («wie auch nicht», für Wienunkundige), denn es ist Österreich.

Dass meine Tochter ob der Entwicklung wirklich schockiert ist, stimmt mich traurig, weil sie natürlich völlig recht hat, wenn sie sagt, dass eine „Rechtsextreme Regierung in einer Demokratie, das Schlimmste ist.“ Der demokratische Supergau, sozusagen.

Ich fühle mich ja auch schuldig, weil ich, erstens: Bereits nach dem Bekanntwerden der Wahlergebnisse haargenau mit diesem Ausgang gerechnet habe. und zweitens, weil ich der Sache ziemlich stoisch ins Antlitz blicke, und auch – zugegeben – mit einer gewissen Spannung, was sich nun ereignen wird.

Wie sagte einst der Politiker Peter Pilz über den Werdegang der FPÖ: „Erst Oppositionsbank, dann Regierungsbank, dann Anklagebank.“
Hat bislang eine gewisse Schlüssigkeit gezeigt.

Muss diesmal aber nicht zwangsläufig so ausgehen. Ganz und gar nicht.
Wir werden erleben, wie es die Schleimspur–ÖVP, entweder so zerlegt, dass ihre alten Mitglieder sie nicht wiedererkennen werden, oder ob es doch noch ein Rest an Anstand und Festhalten ihrer Grundsätze geben wird, oder ob das alles keine Rolle mehr spielt, weil sie vollkommen in der FPÖ aufgehen wird.

Wer hat dann Schuld?
Ich weiß es.
Richtig:
Die anderen.





Schreibe einen Kommentar