Praktisch täglich, auf dem Weg in den Gym, schlendere ich am Palais Schönburg vorbei, einem Park von der Größe zweier Fußballfelder, mit vielen schönen, goßen Bäumen, mit ausladenden Kronen, die für mich oft die einzige Natur sind, die ich zu Gesicht bekomme. Darum ist es mir immer eine Freude, diese hundert Meter Rainergasse entlang zu gehen.
Nun ist Herbst, die Blätter der Bäume gelb, und jeden Tag sind es weniger. Zumal in den Kronen, aber viele auf der Wiese und der Einfahrt zum Palais.
Und so erblicke ich fast jeden Tag diesen schlanken Mann mit dem Laubrechen, der den letzten Blattabwurf zusammenrecht und in große, weiße Säcke schiebt. Und zwar auf der ganzen Fläche des Parks.
Ich bin sein Fan. Und der Fan seiner Arbeitgeber (vermutlich den Anwälten der Kanzlei, die im Palais residiert).
Wieso ich sein Fan bin? Weil er sich hingebungsvoll um das Laub kümmert, und zwar so, wie man es tun soll: Ohne fuckin Laubbläsergelärme!
Was er tut, ist gesund für ihn, da er sich an der (hoffentlich) frischen Morgenluft bewegt und ein bisschen anstrengt. Es ist gut, für alll das Getier, dass da im Laub und in der Wiese lebt, es ist ein Tonikum für die Nerven der Mitmenschheit, und es ist eine lebhafte Freude für meine Augen, jeden Tag.
Es soll Leute geben, die die Regulierung (nicht Verbot!) von Laubbläsern als Attacke des Bürgertums auf die Freuden des Proletariats, des kleinen Mannes halten.
Mögen sie ein langes Leben mit den Freuden des Proletariats haben.
Ich ziehe die elitäre Variante vor, wenn sie denn so daher kommt, wie im Palais Schönburg.
