„Stern“ goes theater (2)

Da ich immer wieder mal gefragt werde, wie’s denn so war, als „Stern“ in der Kellerbühne St.Gallen gegeben wurde, und ich, der Autor, im Publikum saß, möchte ich hier etwas dazu sagen:
Mein 2. Roman „Stern“ erschien 1989 bei Ed. Nautilus, Hamburg, ist also 35 Jahre alt, in etwa genauso alt, wie mich fühle. Es konnte also einiges schief gehen, da nicht gerade alles in „Stern“ gut gealtert ist, worüber ich mir aber erst Gedanken machte, als Alexandre Pelichet, jener Schauspieler, der den Part von Tom Stern übernommen hatte, gleich mit dem Anfang des Romans loslegte.

Ich könnte jetzt sagen, dass mir der Schweiß ausbrach, aber das wäre falsch, denn der Schweiß war immer da, denn mir ist meist zu heiß in geheizten Räumen. Warum der potentielle Schweißausbruch? Denn dem Anfang folgt die erste von vielen Sexszenen, die eben, wie ich schon anführte, nicht so toll „gealtert“ sind. Sie stammen aus einer Zeit, als es Usus war, von „ficken“ zu sprechen, auch wenn man eigentlich nicht ficken meinte, sondern etwas viel zarteres, leidenschaftlicheres und auch schmerzvolleres.
Aber 1989 lebte Charles Bukowski noch, dessen Werk von Carl Weissner übersetzt wurde, der Wörter wie „ficken“, „pimpern“, „vögeln» usw. in unseren Sprachgebrauch einschleuste.

Nun gut. Lassen wir das.
Aber der Schauspieler und Dramaturg Matthias Peter hatte sich des Textes in einer Weise angenommen, dass all die „Schweißausbruchszenen“ getilgt waren, und er letztlich den Kern von Stern auf die Bühne brachte.

Ich konnte nicht umhin, den Schauspielern Matthias Peter, Boglarka Horvath, Alexandre Pelichet, und dem Musiker Urs Gühr (ganz toll) nach der Vorstellung zu eröffnen, dass sie eigentlich den besseren Roman „geschrieben“ haben.
Und zwar auch in der Hinsicht, dass er nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt hat, was mir verschiedenlich nach der Vorstellung von Zuschauern bestätigt wurde. „Ist heute noch genaus so.“
(Wer mehr wissen will, kann sich den neuaufgelegten Roman bei „Songdog“ oder mir bestellen.)

Es waren 80 Minuten überaus unterhaltendes Theater, nie langweilig, was auch der wuchtige Schlussapplaus des gut besuchten Theaters vermuten ließ, ein Applaus, der auch dem Autor, der zum Verbeugen zum Team gebeten wurde, entgegenschallte.

Was soll ich sagen? Tolles Ding, schöner Abend. Gehet hin und sehet selbst. Noch zwei Vorstellungen am 16. und 17. Februar 2025.

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