Ich kann Schispringen nicht ab. Schispringen macht mich wütend. Nun ist wieder Schispringzeit im TV, täglich, so bis – gefühlt – zum Hitzesommer. Ich verstehe, warum das TV, der ÖRR, Schispringen zeigt: Es ist billig zu veranstalten und die magersüchtigen Kerlchen in den Flatteranzügen können immer.
Mir ist bewusst, dass, wenn ich mehr von diesem Sport verstehen würde, mein Urteil weniger harsch ausfallen würde. Aber ich will nicht mehr verstehen.
Ich finde, dies ist eine passable Analogie zu Meinungen. Je heftiger sie geäußert wird, umso weniger muss der Meinungsstarke den Durchblick haben. Oder umgekehrt: Wenig Durchblick = viel Emotion.
Ich bin davon leider nicht gefeit. Aber ich möchte. Mir stellt sich immer mehr die Frage, warum man sich zu allem eine Meinung „bilden soll“. Und warum sag ich nicht einfach: „Dazu habe ich keine Meinung.“
Ich habe zwei Straßen-Bekannte, deren Beruf es ist, die Straßen in unserem Grätzel zu kehren. Es ist ein guter Job für Otrovertierte. Also wärs auch einer für mich.
Ich habe immer wieder mal bei ihnen nachgefragt, was denn der Job so mit sich bringt. Es war (eigentlich nicht) erstaunlich: Es ist eine Welt. Aus Technik, Zeitplan, Anforderungen an Physis und auch Geist. Ärger mit den Chefs. Und man kann den Job gut, und auch schlecht machen.
Aber für uns, die wir den Mann in Aktion sehen wenn wir in den Gym pilgern, sehen wir nur den Mann mit dem Besen und dem Abfalltrolley, in dem die Schaufel steckt. Und ob die Straße gekehrt ist.
Das wird der Jahres-Vorsatz, der meinen persönlichen Weg in die Hölle pflastert: „Sorry, dazu habe ich keine Meinung. Davon versteh ich einfach zu wenig.»
Nicht der Spruch des Jahres
Es ist nicht der „Spruch des Jahres“, es ist der Spruch der letzten Dekaden, und ich kann ihn schon genau so lang nicht mehr hören: Er/Sie hat ihre Bestes gegeben. – „Ich werde mein Bestes geben. – Ich habe mein Bestes gegeben.
Er gehört in die Dämel-Kategorie zusamenn mit: Man ist nur so alt wie man sich fühlt. Und: Der Weg ist das Ziel. -Oder: Du kannst alles schaffen, wenn du willst. – Lebe deinen Traum und träume nicht das Leben.
Gestern Nacht traf sich die Haute Volée des TikTok-Imperiums in Miami, zu abertausenden, um den von Netfilx live übetragenen Fight des Influenzers und MMA-Fighters Jake Paul gegen den Ex Boxweltmeister im Schwergewicht Anthony Joshua zu begrölen.
Es kam natürlich wie es kommen musste.
Der deutsche Kommentator redete soviel Unsinn wie normalerweise nur deutsche Links- Politiker, denn er musste dem auf der Ringflucht befindlichen Influenzer immer wieder mal „Er hat sein Bestes gegeben“ attestieren, bevor dem die Luft auf seiner Flucht ausging und er mehr auf Höhe des Geschlechtsteils von Joshua kniete, als wäre es sein sehnlichster Wunsch, noch hier im Ring, einen Blow-Job zu absolvieren. Das wär vielleicht sein Bestes gewesen. Aber in Runde 6 kassierte er die verdienten Hämmer, und vorbei wars mit: Du kannst alles schaffen wenn du nur willst. Aber der Weg war in diesem Fall sicher nicht das Ziel, denn das Ziel war bestimmt die Millionen-Gage.
Vielleicht hat sich im vorherigen Kampf: Tyson gegen Paul, der 58-jährige Tyson auch nur so alt gefühlt wie ein dreißig Jähriger, aber sein Körper hat ihm dann gezeigt wie alt er ist. Nämlich genau 58.
Insgesamt war der Kampf, und vor allem das Resultat, zumindest auch für mich zufriedenstellend. Ich habe auf jeden Fall nicht mein Bestes gegeben um ihn anzusehen, und ich fühlte mich dabei genau so alt wie ich bin: 19. Und all meine Träume, die zu erreichen ich noch ein paar Leben brauchen würde, können mir gestohlen bleiben. Ich weiß nicht, ob ich immer mein Bestes gebe. Vermutlich eher nicht. Aber woher soll ich wissen, was mein Bestes Ist?
Aber wie schon der großartige Schweizer Dichter Peter Morger sagte: Es gibt keine Illusion die ich nicht hatte.
Nicht falsch
Die Einschätzung von Trump, was den Niedergang Europas anlangt, ist nicht falsch. Und es würde vielen europäischen Politikerdarstellern, die nun auf dem hohen Ross der moralischen Überlegenheit in Schnappatmung verfallen und von „Feindseligkeit“ faseln, gut stehen nicht ganz so dumm zu agieren.
Wie sagte der französische Philosoph Michel Onfray:
„Wir werden daran sterben, dass wir die Ideen der Realität vorziehen.“
Das scheint mir ebenfalls nicht falsch.
Ende der Diskussion
Im Gym, in dem ich fast täglich zu finden bin, unterhalte ich mich immer wieder mal mit einem alten Sack, so einem, wie ich selber einer bin. Er ist ein Jahr jünger als ich, hat weniger Zähne, dafür noch volles Haar. Er ist Wiener, und war ein beeindruckend starker Kraftdreikämpfer und zuvor ein Bodybuilder, der an Wettkämpfen teilnahm. Und er hat einen guten Schmäh, was mir sehr zupass kommt.
Wir unterhalten uns also übers Training, über Gebresten, über die Wampe von Arnold, Ernährungszeugs, und shit like that. Es ist immer sehr humorig und voll gschmiertem Schmäh.
Ich weiß, dass er Corona-Leugner, Impf- und Maßnahmegegner war und ist, und er weiß von mir, dass ich 4 mal geimpft bin, und Corona für eine ernste Angelegenheit hielt.
Ich bin mir sicher, dass er, wenn er denn wählen tut, er die rechte FPÖ wählt. Ich bin libertär. Und Hedonist. Und Ausländer und kann nicht wählen.
Zwei oder dreimal hat er versucht mich in eine politische Diskussion hineinzuziehen. Das Übliche halt: Regierungsschimpfe, Ausländer und so weiter und so fort.
Ich habe ihm zu verstehen gegeben – ohne es explit auszusprechen – dass ich darüber kein Gespräch führe. Er hat’s verstanden.
Ich diskutiere nicht mehr über Politik. Ich akzeptiere jede Meinung, denn es ist eine Meinung, und damit irrelevant. Und die Akzeptanz dieser Meinung ist bei mir umso größer, wenn sie nicht geäußert wird. Und ich behalte meine auch bei mir.
Warum?
Zum einen ist es so, dass ich einfach besser informiert bin, und es dann so ist, wie mit einem emotionalen Gegener des Boxens, über die zugrundeliegende Kunst zu diskutieren. Was würde das für eine Sinn machen? Und zum anderen sind mir Meinungen einfach egal. Es sind Meinungen. Sie ändern nichts, und ich habe nicht mehr den Ehrgeiz jemand auf meine vermeintliche Seite rüberzuziehen. Niemand will sie ändern. Und kaum jemand tut es, auch wenn die Fakten eindeutig sind. Das macht das Meinungsbusiness ein bisschen schwierig.
Es ist aber nicht so, dass ich meinen Standpunkt nicht klar mache. Ich mache das, indem ich darüber schreibe. Das mach ich allein. Und jeder der will, kann mir eine Mail schicken, wenn er ein Problem damit hat. Vielleicht wird sie sogleich in den Spam geschickt. Oder es ist eine interessante Mail, die etwas in mir anstößt, das zu bedenken ich verabsäumt habe.
Kommt vor.
Aber ich diskutiere nicht mehr. Ende!
Leider wieder mal nicht unrecht
Am 16. Sept. 25 – nach Bekanntgabe der Shortlist des „Deutschen Buchpreis“ – schrieb ich unter dem Titel: „Einfach Blunzn“, folgenden Text:
«Sorry, liebe nominierten Autoren für den «Schweizer Buchpreis“, tut mir leid euch verkünden zu müssen, dass Dorothee Elmiger gewinnen wird.
Außer die Jury schafft es ausnahmsweise, sich vom „Deutschen Buchpreis“ zu emanzipieren, wo Elmigers Buch in die Shortlist aufgenommen wurde.
Das läuft in etwa so: Wenn sie den „Deutschen Buchpreis“ nicht gewinnen sollte, werden die Schweizer sie tröstend heimholen und ihr den ihrigen Preis verleihen.
Falls sie in Germany gewinnen sollte, wird es a bisserl schwierig, ihr den Schweiz-Preis nicht zu geben, was irgendwie ein Affront gegen die Deutschen wär.“
Nun? Heute geschah es. In Basel. Frau Elmiger kriegte den CH-Buchpreis für ihren Konjunktiv-Roman.
Das sollte ein Fanal sein. Im Konjunktiv kann sich man als erfahrungsarmer Autor allem bemächtigen und damit auch die überwunden geglaubten Konjunktiv-Romane aus den 70-ern ehren.
Jä no se de. Ich hab halt immer was zu meckern. Vor allem, wenn ich leider wieder mal nicht unrecht hatte.
Flugangst
Ich fliege nicht. Nicht mehr. Und schon zuvor, nur ganz ganz selten. Ich bin in meinem Leben in keine 10 Linienflieger eingestiegen. Ich habe Flugangst.
Meine Flugangst wurde aber sofort gelöscht, wenn die Räder des Fliegers den Boden verlassen. Ich mag das Gefühl des Schubs beim Start. Mir sind Turbulenzen Blunzn, und ich habe auch keine Furcht vor einem möglichen Absturz. Ich bin bis obenhin voll des Vertrauens auf die Fähigkeiten der Piloten, und mein Glück hinsichtlich eines Crash`.
Aber was ist den mit meiner angeblichen Flugangst?
Die bezieht sich auf die immer häufiger auftretende Situation, dass die Vögel – aus irgendwelchen Gründen – nicht starten dürfen, und man stundenlang, ohne Klimatisierung der fuckin Sonne ausgesetzt, gequetscht in einen Holzklassesitz ausharren muss, ohne zu wissen wann das Ding abheben wird.
Das ist meine Flugangst. Denn ich stelle mir vor, dass ich einfach aufstehen und den Notausgang mit der Rutsche aktivieren würde. Und das könnte fuckin teuer werden, und alles für die anderen Passagiere noch mehr in die Länge ziehen.
Und das wäre mir nicht recht.
5 Sterne
Für alle, die gerne Bücher nach 5 Sterne Amazon-Rezensionen kaufen, um danach selber Rezen zu schreiben: «Ich habe das Buch wegen der guten Rezensionen gekauft“.
Hier also die ersten dreizehn 5-Sterne Rezensionen des Buchs der neuesten Deutschen Buchpreis-Trägerin.
Ich kann nur hoffen, dass Sie nicht bildungsmäßig überfordert werden. Here we go:
– Die Lieferung und Verpackung war sehr gut. Ich bin absolut zufrieden und kann den Verkäufer sehr empfehlen.
Schnelle Lieferung, einwandfreier Zustand
Kann ich jedenfalls weiterempfehlen
Zum Buch wurde auch noch ein hübsches Lesezeichen mitgeschickt. Ein Anbieter mit persönlicher Note. Herzlichen Dank!
Bin voll und ganz zufrieden mit der Lieferung. Alles super !
Schnelle Lieferung, top!
Super Buch
Es hat alle super geklappt, herzlichen Dank! Wir freuen uns auf gemütliche Stunden und gute Lektüre!
Ein wunderschönes Buch, sorgsam verpackt und pünktlich geliefert.
Und ein wunderschönes Leseziechen dazu!
Alles zur vollsten Zufriedenheit:)
Bestellung wurde einwandfrei bearbeitet :-)
Alles wunderbar, jederzeit gerne wieder
Ging alles perfekt. Gerne wieder
Alles okay
Das Sprüchemuseum (180)
„Die Zeiten sind schlecht. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht mehr und jeder schreibt ein Buch.“
Zitat das Cicero zugeschrieben wurde, dann wieder von einer 5000 Jahre alten Steintafel stammen soll, und 1908 erstmal auftauchte (Gerüchten zufolge).
Wir sagen: Wir geben nichts auf solche Aussprüche, mögen sie noch so alt und jung sein. Sie sollen uns versichern, dass alles schon immer so war, wie es nie wurde.
Aber zumindest die Sache mit dem Buch, die stellen wir nicht in Abrede. Das kann man tagtäglich erfahren, wenn man nur eines der Medien anpeilt.
Interessant vielleicht in diesem Zusammenhang: Es liest kaum mehr jemand Bücher. Was nicht heißt, dass Bücher nicht gekauft werden. Sie werden es. Am Liebsten jene von Schauspielern und anderen Promis jedweder Kategorie, die sich mit dem Buch die höheren Weihen und Distinktionsgewinn versprechen (aber da alle Bücher schreiben, ist es auch bald Essig mit dem Distinktionsgewinn).
Diese Bücher, wie andere Bestseller auch, werden vornehmlich verschenkt, was auch dem Schenker Distinktionsgewinn verschafft, denn er hat ein Buch gekauft, und wusste, dass dieses Buch angeblich gerade im Gespräch und „außerordentlich wichtig“ sein soll.
Werden diese Bücher gelesen? Schätze, die wenigsten. Sie gehen halb ausgepackt ins Regal oder auf den Stapel mit den anderen, deren Lektüre immer wieder verschoben wurde.
Am Besten gefallen uns die Empfehlungen von „Bücherprofis“ – sprich Autoren, doch „mal ein gutes Buch zu lesen“.
Wenn es gute Bücher gibt, dann muss es auch schlechte geben.
Aber wer täglich stundenlang TikTokt, für den ist jedes Buch ein gutes Buch, solange er sich dafür nicht mehr als 22 Sekunden konzentrieren muss.
Es gilt inzwischen als gesichert, dass der Untergang jeder Zivilisation damit eingeleitet wurde, dass die Leute dümmer und dümmer wurden, vor allem weil sie nicht mehr lasen, und die Bücher nach und nach verschwanden, weil niemand mehr sie kopierte.
Wir sind der Überzeugung, dass wir uns in dieser Phase des Niedergangs befinden.
Und mit den Büchern ist so mit mit Gedichten: Jeder schreibt sie (irgendwann), aber niemand liest sie.
Unsere Empfehlung: Hören Sie Ben Webster und Oscar Peterson.
Der Laubrecher
Praktisch täglich, auf dem Weg in den Gym, schlendere ich am Palais Schönburg vorbei, einem Park von der Größe zweier Fußballfelder, mit vielen schönen, goßen Bäumen, mit ausladenden Kronen, die für mich oft die einzige Natur sind, die ich zu Gesicht bekomme. Darum ist es mir immer eine Freude, diese hundert Meter Rainergasse entlang zu gehen.
Nun ist Herbst, die Blätter der Bäume gelb, und jeden Tag sind es weniger. Zumal in den Kronen, aber viele auf der Wiese und der Einfahrt zum Palais.
Und so erblicke ich fast jeden Tag diesen schlanken Mann mit dem Laubrechen, der den letzten Blattabwurf zusammenrecht und in große, weiße Säcke schiebt. Und zwar auf der ganzen Fläche des Parks.
Ich bin sein Fan. Und der Fan seiner Arbeitgeber (vermutlich den Anwälten der Kanzlei, die im Palais residiert).
Wieso ich sein Fan bin? Weil er sich hingebungsvoll um das Laub kümmert, und zwar so, wie man es tun soll: Ohne fuckin Laubbläsergelärme!
Was er tut, ist gesund für ihn, da er sich an der (hoffentlich) frischen Morgenluft bewegt und ein bisschen anstrengt. Es ist gut, für alll das Getier, dass da im Laub und in der Wiese lebt, es ist ein Tonikum für die Nerven der Mitmenschheit, und es ist eine lebhafte Freude für meine Augen, jeden Tag.
Es soll Leute geben, die die Regulierung (nicht Verbot!) von Laubbläsern als Attacke des Bürgertums auf die Freuden des Proletariats, des kleinen Mannes halten.
Mögen sie ein langes Leben mit den Freuden des Proletariats haben.
Ich ziehe die elitäre Variante vor, wenn sie denn so daher kommt, wie im Palais Schönburg.
Das Sprüchemuseum (178)
„Es gibt Schulen, die besonders attraktiv für nicht-intelligente Menschen sind. Nicht-intelligente Menschen haben keinen Humor. Die orthodoxe Linke ist attraktiv für Doofe.“
Harald Welzer
Wir sagen: This saying made our day! Almost …
