Sorry, dazu habe ich keine Meinung!

Ich kann Schispringen nicht ab. Schispringen macht mich wütend. Nun ist wieder Schispringzeit im TV, täglich, so bis – gefühlt – zum Hitzesommer. Ich verstehe, warum das TV, der ÖRR, Schispringen zeigt: Es ist billig zu veranstalten und die magersüchtigen Kerlchen in den Flatteranzügen können immer.

Mir ist bewusst, dass, wenn ich mehr von diesem Sport verstehen würde, mein Urteil weniger harsch ausfallen würde. Aber ich will nicht mehr verstehen.

Ich finde, dies ist eine passable Analogie zu Meinungen. Je heftiger sie geäußert wird, umso weniger muss der Meinungsstarke den Durchblick haben. Oder umgekehrt: Wenig Durchblick = viel Emotion.

Ich bin davon leider nicht gefeit. Aber ich möchte. Mir stellt sich immer mehr die Frage, warum man sich zu allem eine Meinung „bilden soll“. Und warum sag ich nicht einfach: „Dazu habe ich keine Meinung.“

Ich habe zwei Straßen-Bekannte, deren Beruf es ist, die Straßen in unserem Grätzel zu kehren. Es ist ein guter Job für Otrovertierte. Also wärs auch einer für mich.
Ich habe immer wieder mal bei ihnen nachgefragt, was denn der Job so mit sich bringt. Es war (eigentlich nicht) erstaunlich: Es ist eine Welt. Aus Technik, Zeitplan, Anforderungen an Physis und auch Geist. Ärger mit den Chefs. Und man kann den Job gut, und auch schlecht machen.
Aber für uns, die wir den Mann in Aktion sehen wenn wir in den Gym pilgern, sehen wir nur den Mann mit dem Besen und dem Abfalltrolley, in dem die Schaufel steckt. Und ob die Straße gekehrt ist.

Das wird der Jahres-Vorsatz, der meinen persönlichen Weg in die Hölle pflastert: „Sorry, dazu habe ich keine Meinung. Davon versteh ich einfach zu wenig.»