Im Gym, in dem ich fast täglich zu finden bin, unterhalte ich mich immer wieder mal mit einem alten Sack, so einem, wie ich selber einer bin. Er ist ein Jahr jünger als ich, hat weniger Zähne, dafür noch volles Haar. Er ist Wiener, und war ein beeindruckend starker Kraftdreikämpfer und zuvor ein Bodybuilder, der an Wettkämpfen teilnahm. Und er hat einen guten Schmäh, was mir sehr zupass kommt.
Wir unterhalten uns also übers Training, über Gebresten, über die Wampe von Arnold, Ernährungszeugs, und shit like that. Es ist immer sehr humorig und voll gschmiertem Schmäh.
Ich weiß, dass er Corona-Leugner, Impf- und Maßnahmegegner war und ist, und er weiß von mir, dass ich 4 mal geimpft bin, und Corona für eine ernste Angelegenheit hielt.
Ich bin mir sicher, dass er, wenn er denn wählen tut, er die rechte FPÖ wählt. Ich bin libertär. Und Hedonist. Und Ausländer und kann nicht wählen.
Zwei oder dreimal hat er versucht mich in eine politische Diskussion hineinzuziehen. Das Übliche halt: Regierungsschimpfe, Ausländer und so weiter und so fort.
Ich habe ihm zu verstehen gegeben – ohne es explit auszusprechen – dass ich darüber kein Gespräch führe. Er hat’s verstanden.
Ich diskutiere nicht mehr über Politik. Ich akzeptiere jede Meinung, denn es ist eine Meinung, und damit irrelevant. Und die Akzeptanz dieser Meinung ist bei mir umso größer, wenn sie nicht geäußert wird. Und ich behalte meine auch bei mir.
Warum?
Zum einen ist es so, dass ich einfach besser informiert bin, und es dann so ist, wie mit einem emotionalen Gegener des Boxens, über die zugrundeliegende Kunst zu diskutieren. Was würde das für eine Sinn machen? Und zum anderen sind mir Meinungen einfach egal. Es sind Meinungen. Sie ändern nichts, und ich habe nicht mehr den Ehrgeiz jemand auf meine vermeintliche Seite rüberzuziehen. Niemand will sie ändern. Und kaum jemand tut es, auch wenn die Fakten eindeutig sind. Das macht das Meinungsbusiness ein bisschen schwierig.
Es ist aber nicht so, dass ich meinen Standpunkt nicht klar mache. Ich mache das, indem ich darüber schreibe. Das mach ich allein. Und jeder der will, kann mir eine Mail schicken, wenn er ein Problem damit hat. Vielleicht wird sie sogleich in den Spam geschickt. Oder es ist eine interessante Mail, die etwas in mir anstößt, das zu bedenken ich verabsäumt habe.
Kommt vor.
Aber ich diskutiere nicht mehr. Ende!
