„Keine Tickets an Schweinsgesichter!»

Der „Comedian“ Kurt Krömer hat ein Buch geschrieben. No na (wie auch nicht) wie man in Wien sagt. Denn er ist ein Promi, steht auf der Bühne, ist im Tv, und da ist es praktisch bereits eine Verpflichtung ein Buch zu schreiben. Wenn nicht gleich einen ganzen Schwung.

Toll ist natürlich auch, wenn man Übles zu berichten hat: Verrückte Familie, Missbrauch, Alkoholismus, Krebs, Depression, Einsamkeit.
Und natürlich schreibt der Promi das nur auf, weil man „anderen Betroffenen helfen will“. Und ebenso natürlich überwindet man, wie Krömer, Alkoholismus und Depression mit feiner und bester ärztlicher und psychotherapuetischer Unterstützung, eine Unterstützung und Behandlung auf die ein auch davon Betroffener, aber nicht prominenter Leser vermutlich jahrelang in der Warteschleife dümpelt.
Wenn er dann einen Termin findet, kann es einer auf dem Friedhof sein.

Und jetzt geht der gute Krömer auf Lesetour in DACH, und lässt schon mal verlauten, dass es „für AfD-Wähler keine Tickets gibt“.
Das ist ein aufrechter Linker seinem folgsamen Publikum und seiner Einstellung schuldig, denn er will zumindest „in keine Schweinsgesichter gucken“.

Nun ja, claro, wer will das schon? Meist schützt den Vortragenden, meiner Erfahrung nach, das Frontlicht, so dass man ein Schweinsgesicht nicht von einem versehentlichen abgestellten Wischmob unterscheiden kann. Man darf also annehmen, dass der genesene Krömer zumindest davon verschont bleibt.

Interessant ist aber, die technische Umsetzung seines Vorhabens. Wie, und nach welchen Kriterien werden nun die AfD-Wähler aussortiert? Wahlen sind ja geheim.
Türsteher: „Du hast Schweinefresse. Du kommst hier nicht rein!“
Türsteher: „Blaue Krawatte, Sakko? Geh weiter!“
Türsteher: „Wer ist cooler? Stalin oder Hitler?“

Schätze, in Österreich kommen keine „FPÖ»-Wähler rein, und in der Schweiz verdächtig nach SVP-Wähler Aussehende.

Ich weiß es nicht.
Aber ich kann mir vorstellen, dass vielleicht AfD-FPÖ-SVP-Wähler nicht unbedingt das Zielpublikum für Krömers Lebensbeichte stellen.
Vielleicht grassieren dort auch weniger Depression und problematischer Alkoholkonsum, oder man betrachtet solche Dinge eher als Privatsache, mit der man allein oder in der Familie klarkommen muss.

Wie gesagt: Ich weiß es nicht.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass Krömers Wunsch auch von anderen aufgegriffen wird. In ganz diversen Ausformungen.

Während ich und sicher auch andere die Bücher schreiben und Schriftsteller sind, sich einfach darüber freuen, dass Zuhörer den Weg zur Lesung finden. Wie spießig …

By the way: Maxim Biller, der ein richtiger Schriftsteller ist, hat ein richtiges Buch geschrieben, einen großartigen Roman. Er heißt:

Schwarze Samstage: Roman eines Jahres