„Das Buch Maloch»

In wenigen Tagen erscheint bei Songdog (Bern) „Das Buch Maloch“.
32 als Story betitelte, kurze, sehr kurze, aber auch längere Texte zu und über „Maloche“.
Man kann, wenn man will, diese 165 Seiten als Gegenstück zu „Schreiben – Selbstbild mit Tier“ lesen. Dieselbe Münze, aber die Kehrseite.

Außerdem erfährt mein 2. Roman „Stern“ eine Neuauflage (ebenfalls bei Songdog), gerade auch im Hinblick auf die 5 szenischen Lesungen im Kellertheater St. Gallen.
Siehe Flyer.

Screenshot

Die kranke, faule Sau

Ich habe gerade Corona. Ich bin sozusagen krank, ausgestattet mit einem ordentlichen Strauß an Symptomen: Schnupfen, Husten, Abgeschlagenheit, bisschen Gliederschmerzen, kurzfristiger Verlust des Geschmacksinns (mal sehen, wie heute Abend der Whisky schmeckt), Fieberträumen ohne Fieber zu haben. Na ja, kränk eben.

Und nur rumliegen und dabei Netflix auswendig lernen, war mir ein bisschen zu fad, und so beschloss ich, mich endlich um den Wackelkontakt meiner Fender Squier Strat Schaltung (E-Gitarre) zu kümmern.

Gesagt, getan. Um an die Schaltung zu kommen, muss erst mal die Abdeckung der Front abgeschraubt werden, und im Zuge desssen, schraubte ich auch die Tonabnehmer ab, war aber als faule Sau zu faul um die Saiten zu entfernen.

Ich kam gut voran, und schon war die Schaltung ausgebaut und baumelte an den Drähten zusammen mit den Ton-Knöpfen. Der Wackelkontakt in der Schaltung verhinderte nämlich, dass die E-Gitarre wie eine E-Gitarre funktionierte, und nicht wie ein verdammter Kühlschrank ohne Strom.

Ich nahm also die Wasserpumpenzange und drückte den kleinen Schaltkasten so zusammen, dass der Hebel kein Spiel mehr hatte. (Ja, ich weiß: Ich bin ein Genie)

Ich schloss die zerlegte Klampfe an, und siehe da, der Wackel war behoben und ich ging daran das Ding wieder zusammenzubauen.

Es war die Hölle. Es gab die kaum zu lösende Probleme die Tonabnehmer wieder mit den Federn zu verbinden, und ich fragte mich, wie ich das vor längerer Zeit, mal hingekriegt hatte. Ich fluchte. Und zwar so ausgiebig und laut, dass selbst die lärmenden Bauschlöcher auf der Straße unten erschraken.

Ich entfernte also die Saiten, widerwillig, denn ich bin eine kranke, faule Sau. Aber das brachte mich kaum weiter. Es war schlimm. Ich verstand nicht, wie das überhaupt zu schaffen war, dieses Gefummel mit den Schrauben und den Federn und der Abdeckplatte. Ich wollte aufgeben, und das Shitding dem Müll überantworten, aber da ich nie aufgebe, war das auch keine Option.

Noch mehr Flüche. Kranker Corona-Schweiß tropfte in die Eingeweide der Fender Squier, und als ich es tatsächlich geschafft hatte, zwei Tonabehmer zu befestigen und der dritte und letzte, der schwierigste, mich bereits fertig zu machen drohte, bemerkte ich, dass ich ein Idiot war. Und zwar ein vollommener. Ein Trottel. Ein Ignorant. Eine kranke, faule Sau.

Denn die Abdeckung, das entdeckte ich, war eigentlich frei beweglich, und die Sache zusammenzusetzen war nicht schwieriger, als ein paar Schrauben in Dübel zu drehen. Und ich hätte die verdammten Tonabnehmer gar nicht entfernen müssen. Fuck!

Die ganze Angelegenheit wäre in einer Viertelstunde erledigt gewesen, und nicht in einer Stunde des Fluchens und Schwitzens.

Das ganze war so peinlich, dass ich mir schwor, es niemals jemandem zu verraten. Und das werde ich auch, da könnt ihr sicher sein.

Übrigens, die Fender fendert jetzt so gut wie noch nie, sie ist besser als sie noch neu war. Das, meine Lieben, ist alles, was ich euch verrate, und nicht wie es dazu gekommen ist.
Das ist mein gut gehütetes, schreckliches Geheimnis …

P.S. Der Whiskey schmeckt.

Kris Kristofferson (1936-2024)

Er wollte Schrifsteller werden, wurde Hubschrauber-Pilot bei der US-Army, und dann einer der größten Poeten ever.

Wer’ s nicht glauben mag, soll sich mal die Lyrics von „Sunday morning comin’ down“ ansehen, um einen Begriff davon zu kriegen, wie ein großer Poet aus Worten ein ergreifendes, packendes, gültiges Bild malen kann. Von diesen Beispielen gibt es viele, in seinen Songs, die von allen, was Rang und Namen hatte, vorgetragen wurden. Und viele davon wurden Hits von diesen anderen, wie z.B. „Me and Bobby McGhee“ aus der Röhre von Janis Joplin.

«But, I’d trade all of my tomorrows, for one single yesterday.»

1972 war ich sechszehn, als ich mit Filzstift auf meinem Brotsack die Zeilen «Freedom is just another word for nothin‘ left to lose“ schrieb. Damals hatte ich den Namen Kris Kristofferson noch nicht gehört, und es dauerte weitere Jahre, bis ich entdeckte, dass nicht Janis diese Worte in meine Welt geworfen hatte.

Anfang der 90er Jahre kam er nach Wien, ins Konzerthaus. Beginn: 19h30.
Da ich noch nie in Wien von Irgendetwas einen pünktlichen Beginn erlebt habe, und mir Warten zuwider ist, aber ich dennoch nicht aus meiner Haut konnte, da ich immer pünktlich bin, kam ich dann doch nur 5 Minuten zu spät.

Die Türen des Saals waren zu, Männer standen davor und ließen mich nicht hinein. Ich hörte leise Kristoffersons Singstimme. Als sie nicht mehr zu hören war, wurde ein Flügel der Tür geöffnet und ich durfte hineinschlüpfen und meinen Platz suchen.

So etwas, habe ich in all den Dekaden, die ich hier lebe, nie wieder erfahren.

Ich fands großartig.

Nun hat er in Hawaii mit 88 Jahren diese Welt verlassen.

Soll ich jetzt sagen, dass sein Werk bleiben wird?
In einer gerechten Welt würde ich es sagen …

Dichtestress

Vor einigen Wochen waren wir per Bahn quer durch Deutschland unterwegs.
Für das letzte Stück erreichten wir gerade noch eine vollkommen überfüllte Regionalbahn, deren Anblick den Schluss zuließ, dass hier nicht mal mehr ein Suppenkaspar im Endstadium Platz finden würde. Aber er täuschte. Es fanden noch viele, viele Hulk Hogans Platz. An jeder Haltestelle kamen welche dazu. Wir standen dicht an dicht, und jeder Neuankömmling fand noch einen Platz für seine Füße.

Man könnte also meinen, dass hier der völlige Dichtestress herrschte. Nun ja, dicht war es, aber der Stress fehlte. Warum? Weil alle sich zu benehmen wussten. Niemand wurde pampig oder unfreundlich, niemand – bis auf eine Kopftuch-Muslima die ihre Logorrhöe an ihrem Phone abreagierte – musste quatschen, Filme schauen, fiepende Spiele spielen. Ruhig war es, solidarisch irgendwie. Zivil.

Was mich doch auf den Gedanken brachte, dass „Dichtestress“ überhaupt nichts mit der Menge oder Masse der Menschen zu tun hat, sondern mit ihrem Verhalten.

So wie ich einmal in einem 1. Klasse Wagen saß. Wir waren zu dritt im ganzen Waggon, und einer von uns drei musste in sein Phone labern, all the way. Das war Dichtestress.

Dichtestress ist dann, wenn du die Kontrolle über die olfaktorischen, optischen, ästhetischen, akkustischen und haptischen Komponenten des menschlichen Zusammenlebens verloren hast.

An was liegts also?
Dafür gabs früher ein Wort: Am Anstand.
Und noch früherer: Rücksichtnahme.

„You may say I’m a dreamer. Yeah, I’m often the only one.»

Ich, Schande der Misanthropie!

Während ich noch im Beitrag : „No english!“ Saubrachikos“ den guten Pfad der Misanthropie energisch beschritten hatte, war gestern schon wieder Ende Gelände des richtigen Weges.

Denn schon wieder machte ich der geschmähten und rechtlosen Minderheit der Misanthropen Schande. (Wer streitet eigentlich für die Minderheitenrechte von uns? Wir werden gedisst, beleidigt und immer wieder in den Medien niedergemacht. Damit muss mal Schluss sein!)

Es geschah auf der Zugfahrt von Bregenz nach Wien. Ich, wie immer 1. Klasse, denn ich bin Misanthrop, und halte den normalen Dichtestress der 2. Klasse nicht gut aus.

Nun begab es sich, dass die ÖBB ein vollkommenes Chaos anrichtete. Und nein, nicht nur wegen des Hochwassers, das war nur Schubser, sondern wegen normaler Unfähigkeit.

Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, aber der Zug füllte sich so wie die Bettflasche eines Patienten auf Diuretika. Die Leute saßen, standen, lagen, stritten, fluchten, und die Schaffner:innen baten und flehten, man möge doch wieder aussteigen. Was natürlich niemand tat.

Ich hatte einen reservierten Sitz, und den überließ ich einer jungen Familie mit zwei kleinen KIndern (so um die 6, 7 Jahre alt), die dann auf Mamis Knien saßen, während sie ihnen aus einem richtigen Buch vorzulesen versuchte. Der Papa hatte sich irgendwo bei den Gepäckstücken festgekrallt. Ich saß derweil auf dem Nebensitz, der bei der übernächsten Station, in LInz; von jemandem reserviert war. Die Dichte wuchs mit jeder Haltestelle. Niemand stieg aus. Alle wollten hinein. Und es stellte sich heraus, dass die Familie, im allgemeinen Stress und Chaos, in den falschen Zug gestiegen war.

Als aufrechter Misanthrop hätte ich deutlich machen müssen, dass ich meinen Sitz wieder beanspruchen muss, und die Frau und die beiden KInder halt leider ein Opfer der Umstände waren, und nochmals leider, leider, in LInz auszusteigen haben. Oder zu stehen, oder auf dem Boden zu liegen haben, wie der Rest der unreservierten Welt.

Aber was tat ich? Ich stand in Attnag-Puchheim auf, packte die Tasche, und überließ meinen Sitz, den schönen, sicheren, reservierten, dieser fehlgeleiteten Familie. Eine gottverdammte Schande.

Da stand ich nun, am Bahnhof von Attnang-Puchheim, und wartete auf die Westbahn. Die sich ebenso füllen würde, wie der Zug, den ich gerade verlassen hatte. (Und so war es auch. Zudem löhnte ich noch 25,90 zusätzlich)
Ich stand also in Attnang Puchheim.
Attnang-Puchheim!
Das geschah mir recht..
Mir, der Schande der Misanthropie!

„No english.“ Saubrachikos

Ich glaube, es war in den 90er Jahren, als man in Interlaken, dem Ort meiner hellen und freien Kindheit, befürchtete, dass man den Anschluss an den modernen Tourismus verloren hatte. Niemand, außer amerkanischen Backpackern, wollte noch in diesem weltbekannten Ort urlauben.
Nicht einmal, dass Goethe hier war, Lord Byron, Brahms, Mendelsohn Bartholdy, Conan Doyle (der einen seiner Sherlock Romane in der Ecke spielen ließ), ja, und nicht mal, dass der 2. James Bond-Film George Lazenby über die Steilwand über Lauterbrunnen skibrettern ließ, zählte mehr.
Was war bloß los?

In den sechzigern waren die Briten, die Erfinder des Alpinusmus, die Gäste. Vorwiegend ihre süßen Töchter, die sie in die vielen Internate schickten, und die uns Jungs träumen machten, und die uns die Mode und die neuste Musik aus London mitbrachten.

Kein Zufall, dass hier eine der besten Bands des Landes entstand: Rumpelstilz mit ihrem Frontmann Polo „National“ Hofer.

Dann ging den Briten das Pfund aus, und sie kamen nicht mehr. Dafür kamen in den 70ern knickrige Holländer mit ihren Wohnwagen voll mitgebrachten Konserven, Mecker-Germanen, die alles zu teuer fanden, und darauf folgten diese wandelnden Fotoapparate-Cluster: Die Japaner.

Und natürlich die Amerikaner. (Sie blieben dem Ort immer gewogen.)
Und die waren es auch die in den 90ern noch kamen, aber nur vereinzelte Backpackers, die im weltberühmten „Balmers Hostel“ abstiegen. For drinking, shouting and fuckin’. Und Abenteuer: Helikopter-Bungee, Canyoning, Deltasegeln, Wingsuiten.
Einige fanden beim Canyoning im Saxtebach den Tod, weil man nicht auf die einheimischen Warner gehört hatte. Ein blitzschnell aufziehendes Gewitter spülte die Leute in die Lütschine, und die tranportierte die Leichen in den Brienzersee. Großer Skandal.

Schon fragte man sich, ob das nun alles sei? Was war zu tun?

Ich habe keine Kenntnis über Ideen und Projekte, aber mit einem Mal waren die Brahmanen da, die den indischen Filmteams nachspürten, die im Berner Oberland eine Landschaft für ihre Bollywood-Filme vorfanden , eine Landschaft, die sie an den verbotenen und gefährlich umkämpften Kaschmir erinnerte.
Man kann nicht sagen, dass die Hoteliers diese Touristen gerne beherbergen. Cultur-Clash. (Ich werde jetzt nicht auf kolportierte unappetitliche Details eingehen.)

Und plötzlich: Saudis. Burkinis. Hijabs usw.

Chinesen. Koreaner. In asiatischen Maßen. Es war wie der indischstämmige Raj in der Serie „The big bang theory“ über seine alte Heimat klagte: „ Es sind soviele Menschen dort. Und sie sind überall.“

Dann die Pandemie. Und niemand durfte mehr kommen. Aber es waren nun die Landsleute, die die Gelegenheit nutzten, unter ihresgleichen auch mal aufs Jungfraujoch zu tuckern, oder durch Mürren zu tappen, und in Grindelwald einen Eigertee oder sowas kredenzt zu bekommen.

Pandemie vorbei. Und eine Flut an Saubrachikos (Saudis, Brahmanen, Chinesen, Koreaner) brach in die Region ein. Vor allem in Interlaken, denn dies ist das verkehrtechnische Herz der Region, die sich „Jungfrauregion“ nennt. Abertausende, jeden Tag.

Nun wurde Interlaken zum Schweizer Hotspot des „Overtourism“. Wobei eigentlich „Overtourism» nur der Vorname ist.

Ich komme gerade von dort, da ich wieder ein paar Tage in Wengen verbringen durfte. Der Nachname von „Overtourism“ ist „Destruktiver Irrsinn“.

Und so habe ich eine neue Seite an mir kennengelernt: die unfreundliche, abweisende, ignorierende und zu keiner Hilfsbereitschaft neigende.

In den Zügen stehe ich und blicke aus dem Fenster, um die Saubrachikos nicht sehen zu müssen. Sie existieren eigentlich gar nicht. Wenn sich die Türen der Bahn öffnen, und sie bereits in Trauben davor stehen, steige ich aus und gehe einfach durch sie hindurch, als wären sie nicht vorhanden.

Spricht mich jemand an (was leider immer wieder vorkommt, weil ich ganz offensichtlich einen freundlichen und kenntnisreichen Eindruck mache – was auch tatsächlich der Fall ist – so schnalze ich nur: „No english.“ Und damit ist die Sache erledigt.

Heute saß ich auf einer Bank beim Bahnhof in I’laken, aß ein Sandwich und wartete auf den Zug. Da kam ein älterer Brahmane daher und fragte: „Are you lonley?“
„No english.“
Er trollte sich sogleich, wobei er noch eine verächtliche Geste machte.
Ein Rassist und Chauvinist vor seinen Göttern.

Aber mir geht es gut dabei. „No english“.

Im Zug von Zürich nach St. Gallen sprach mich ein dunkelhäutiger Schnorrer an, und fragte, ob ich italienisch spreche. Ich sprach, und gab ihm mein Kleingeld, nachdem er mir seine Lügen erzählt hatte.

Ich bin noch als Misanthrop einfach viel zu menschenfreundlich.

Nicht wahr, Saubrachikos?

Über Prophetie

Als Anlass einer szenischen Lesung meines Romans „Stern»in der Kellerbühne St. Gallen (mehr davon später), wird der vergriffene und nicht mal mehr antiquarisch erhältliche Roman bei Songdog wieder aufgelegt. Erschienen ist er ersmal 1989 bei Ed. Nautilus.

Und heute hat mich der Verleger auf die eine und andere prophetische Textstelle aufmerksam gemacht. Eine ist die (1989):

«Irgendwann wird jemand auf den Gedanken kommen, dass der Tretroller zu lange im Schatten der anderen Fahrzeuge gestanden hat, und jeder und jede wird plötzlich mit so einem Ding durch die Gegend flitzen.» 

Ich gehe davon aus, dass der Neuerfinder der Scooter meinen Roman gelesen hat, und befunden hat: „Ja, doch. Shitty-Buch, aber gute Idee. Des moch i!“

Gesagt, getan.
Die negativen Auswirkungen treten immer deutlicher zutage. Scooterholes wixen auf den Gehsteigen dahin, und so weiter und so fort.

Also, seid vorsichtig mit euren Gedanken. Sie könnten handfest werden …

Confiteor 2

Mit mir wird’s, politisch gesehen, immer schlimmer. Nicht, dass ich ratlos wäre, oder meine Position (die ohnehin eine verlorene ist, da liberal) wanken würde, nein, es ist mehr so, dass sich in mir immer der Gedanke verfestigt, dass es einfach nicht lohnt, sich, zumal emotional, für oder gegen etwas zu engagieren oder gar zu ereifern.

Harris oder Trump? Kickl oder der andere? Impfen oder nicht impfen? Merz oder Scholz?
Putin oder nicht Putin? Souschelmidia oder keine Souschelmidias?

Alle Unternehmungen, alles Gutgemeinte, alles anfänglich schön und gut scheinende, alles richtig und aufrichtig sich präsentierende, geht dann doch durch die Hände eines umgekehrten König Midas: Es wird zu Scheiße. Grosso modo.

Kein Grund zur Verzweiflung! Aber nicht doch.

Es ist halt so, wie in diesen vielen Jahren, in denen ich für verschiedene Theater gearbeitet habe: Das meiste war Mist, und die Anstrengung, Mühe und Streitereien nicht wert. Aber dazwischen kam immer wieder mal ein Ding daher, selten genug, aber doch, es kam, so dass man weitermachen mochte, da es schlicht großartig war. Und zwar in jeder Hinsicht.

Danach kamen wieder die Nieten. Aber man wusste doch, es gab dieses Ding …
«Keep on truckin’“, wie Free Wheelin’ Franklin von den Freak Brothers zu sagen pflegte. (vielleicht war’s auch ein anderer)

Das Sprüchemuseum (169)

«Der prominente Meteorologe (Kachelamann) warnt vor der Verharmlosung der Regenmengen in Niederösterreich. Sein einst schwer angeschlagener Ruf ist großteils wiederhergestellt.»

Birgit Baumann (derstandard)

Wir sagen: Der weibliche Standard at its best. Da kommt ein Kachelmann daher und kritisiert als Meterologe die Maßnahmen vor dem kommenden Jahr-irgendwas Hochwasser, und Frau Baumann erinnert sich daran, dass der Meteorloge vor Jahren zu Unrecht von einer Geliebten vor Gericht gezerrt wurde.
Es war die Frau, die verurteilt wurde.
Für Kachelmann gab es keinen „Ruf wieder herzustellen“.

Das ist widerlich und infam, und eigentlich Rufmord.




Wen ich wählen werde

Ich glaube, es war Ende der 70er oder Anfang der 80er, als der Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt die Behauptung, dass das Schweizer Fernsehen links unterwandert sei, als „Witz des Jahrhunderts“ verlachte.

Ich frage mich, ob er das heute noch immer tun würde, in einer Zeit, in der praktisch alle Jornalisten und Medienschaffenden Grün-links-woke sind. Das ergaben verschiedene Erhebungen. Und wer nicht links ist, ist eben „rächdz“.

Ein schlechter, unlustiger und derber Witz kann heute eine Karriere benden, so gerade in Wokermany, wo ein unvorsichtiger Comedian gerade ein faktisches Berufsverbot eingeheimst hat.

Oder in CH, wo ein paar Schüsse auf ein Madonnenbild, einen unverermesslichen Shitstorm der vereinigten Heuchler provozierte, und nicht nur eine Karriere vernichtete, sondern es auch nötig machte, die Familie der Schützin unter Polizeischutz zu stellen.

Zugegeben: Beides waren überflüssige und nicht unbedingt sehr durchdachte und schlaue Aktionen; beide zeugen von schlechtem Geschmack, etwas Dummheit und Überheblichkeit, aber mich erinnern die Konsequenzen doch schon stark an Damals, als der eiserne Vorhang noch hing, und man dahinter, für gute Witze, sein Auskommen im Knast und dann später im Ausland fand.

Und denjenigen, die diese moralische Despotie verharmlosen, und es eine MInderheit nennen, sei ins Poesiealbum geschrieben, dass diese Leute nicht auf Baustellen arbeiten oder Alte betreuen, sondern in die Medien drängen um dort, wie es bereits sichtbar ist, ihren Gramsci in Tat umzusetzen: Kulturelle Hegemonie.

Und ich werde, wenn ich in der Schweiz wähle, jene Partei wählen, die sich dieser Despotie entgegenstellt. Wie immer ihr Name sein auch möge.