Die kranke, faule Sau

Ich habe gerade Corona. Ich bin sozusagen krank, ausgestattet mit einem ordentlichen Strauß an Symptomen: Schnupfen, Husten, Abgeschlagenheit, bisschen Gliederschmerzen, kurzfristiger Verlust des Geschmacksinns (mal sehen, wie heute Abend der Whisky schmeckt), Fieberträumen ohne Fieber zu haben. Na ja, kränk eben.

Und nur rumliegen und dabei Netflix auswendig lernen, war mir ein bisschen zu fad, und so beschloss ich, mich endlich um den Wackelkontakt meiner Fender Squier Strat Schaltung (E-Gitarre) zu kümmern.

Gesagt, getan. Um an die Schaltung zu kommen, muss erst mal die Abdeckung der Front abgeschraubt werden, und im Zuge desssen, schraubte ich auch die Tonabnehmer ab, war aber als faule Sau zu faul um die Saiten zu entfernen.

Ich kam gut voran, und schon war die Schaltung ausgebaut und baumelte an den Drähten zusammen mit den Ton-Knöpfen. Der Wackelkontakt in der Schaltung verhinderte nämlich, dass die E-Gitarre wie eine E-Gitarre funktionierte, und nicht wie ein verdammter Kühlschrank ohne Strom.

Ich nahm also die Wasserpumpenzange und drückte den kleinen Schaltkasten so zusammen, dass der Hebel kein Spiel mehr hatte. (Ja, ich weiß: Ich bin ein Genie)

Ich schloss die zerlegte Klampfe an, und siehe da, der Wackel war behoben und ich ging daran das Ding wieder zusammenzubauen.

Es war die Hölle. Es gab die kaum zu lösende Probleme die Tonabnehmer wieder mit den Federn zu verbinden, und ich fragte mich, wie ich das vor längerer Zeit, mal hingekriegt hatte. Ich fluchte. Und zwar so ausgiebig und laut, dass selbst die lärmenden Bauschlöcher auf der Straße unten erschraken.

Ich entfernte also die Saiten, widerwillig, denn ich bin eine kranke, faule Sau. Aber das brachte mich kaum weiter. Es war schlimm. Ich verstand nicht, wie das überhaupt zu schaffen war, dieses Gefummel mit den Schrauben und den Federn und der Abdeckplatte. Ich wollte aufgeben, und das Shitding dem Müll überantworten, aber da ich nie aufgebe, war das auch keine Option.

Noch mehr Flüche. Kranker Corona-Schweiß tropfte in die Eingeweide der Fender Squier, und als ich es tatsächlich geschafft hatte, zwei Tonabehmer zu befestigen und der dritte und letzte, der schwierigste, mich bereits fertig zu machen drohte, bemerkte ich, dass ich ein Idiot war. Und zwar ein vollommener. Ein Trottel. Ein Ignorant. Eine kranke, faule Sau.

Denn die Abdeckung, das entdeckte ich, war eigentlich frei beweglich, und die Sache zusammenzusetzen war nicht schwieriger, als ein paar Schrauben in Dübel zu drehen. Und ich hätte die verdammten Tonabnehmer gar nicht entfernen müssen. Fuck!

Die ganze Angelegenheit wäre in einer Viertelstunde erledigt gewesen, und nicht in einer Stunde des Fluchens und Schwitzens.

Das ganze war so peinlich, dass ich mir schwor, es niemals jemandem zu verraten. Und das werde ich auch, da könnt ihr sicher sein.

Übrigens, die Fender fendert jetzt so gut wie noch nie, sie ist besser als sie noch neu war. Das, meine Lieben, ist alles, was ich euch verrate, und nicht wie es dazu gekommen ist.
Das ist mein gut gehütetes, schreckliches Geheimnis …

P.S. Der Whiskey schmeckt.

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