Wer als Beinahe-News-Junkie in diesen Tagen durch die Feuilletons vagabundiert, trifft allerorten auf den Autor Clemens Meyer, der nett ausgerastet ist, als man ihm die Penunze des deutschen Buchpreis nicht aufs Konto überwies.
Nun ja, das mag gravierend sein, wenn man 35’000 Miese beim Staat hat, wobei sich unsereins fragt, wie man sowas hinkriegt als Autor. Soviel Preisgelder?
Schätze mal, „die Wichser“ der Jury (Meyer-O-Ton) würden sofort zu Mitgliedern von einer überaus kenntnisreichen und verständigen Fachjury umgemünzt, hätte der Clemens den Plämpel angesteckt bekommen. (Weiß nicht genau, ob’s einen Plämpel gibt, oder einen Pokal oder nur warme Worte plus kalte Penunze.)
Tja. Das ist so ne Sache mit den Preisen, Stipendien und Anerkennungen.
Als ich mich einmal für einen Förderpreis (oder sowas) beworben habe, war ich ziemlich sicher, dass ich ihn auch verdient hätte.
Und tatsächlich kriegte ich einen fetten Batzen für einen Roman. Es war berauschend.
Während der offiziellen Preisverleihung, bei der auch bildende Künstlerinnen und Musiker ausgezeichnet wurden, tappte ich auf die Bühne und sagte, dass ich was sagen wolle.
Ich sagte, sinngemäß, dass mit der tatsächlichen Verleihung etwas passiert sei. Nämlich, dass ich, als die Entscheidung noch nicht gefallen war, ordentlich überzeugt war, diesen Preis auch zu verdienen. Und dass ich jetzt, wo ich ihn tatsächlich bekommen habe, das Gefühl, ihn gar nicht verdient zu haben, das erstere restlos ersetzt.
Ich weiß nicht genau warum es mich drängte, dies loszuwerden, aber ich tat es, weil es die Wahrheit war.
Interessant war, dass im Laufe des Abends, so ziemlich alle Ausgezeichneten (die ich nicht kannte), zu mir an den Tisch kamen, und mir offenbarten, dass sie genauso empfänden.
Aber ich hatte auch keine 35’000 Miese beim Staat, und war auch nicht der Ansicht, dass Preise dafür da sind, um teuere Scheidungen zu finanzieren.
Ich war in der privilegierten Lage, mir dieses Gefühl leisten zu können.
Inzwischen bin ich wieder überzeugt, dass mit mir der Richtige ausgezeichnet wurde. Vermutlich unverdient …
