«Blumberg“ l.

Im Februar erscheint „Blumberg“, ein Kriminalroman.
Anders als bei vielen Kollegen, war mir ein Spannungsbogen wichtig, ein Plot, ein Rätsel, zu dessen Lösung es am Schluss kommt. Andererseits war mir der Plot auch nicht wirklich wichtig. Es sollte kein echter „Whodunnit“ werden. Das auf keinen Fall. Kein gewaltiger Plot mit Menschenhändlern, Kriegschausplätzen und dem Elend von Migranten, Drogenschiebern und dem Orgeln der Flak in Afghanistan.

Nein. Ein Roman über eine Frau in den Fünfzigern, eine Ex-Punkerin und ehemalige Journalistin und ihrer eigenwilligen, noch immer gültigen Interpretation von „No Future“. Nämlich: Hier. Heute. Jetzt.

Mehr Infos dazu gibt es auf der Songdog HP und bestellt werden kann der Roman beim Verlag (verlag(at)songdog.at), in der Buchhandlung Ihrer Wahl und nach Erscheinen auch bei Amazon.

Wenn ein Buch fertig ist…

Wenn ein Buch fertig, aber noch nicht gedruckt ist, denkt der Autor an den Tod. Er hat mit einem Mal Furcht, dass ihn, bevor er das Ding an dem er zwei Jahre gearbeitet und gelitten hat in den Händen hält, ein verdammter Bus überfahren könnte. Oder dass er des Morgens vom Fahrradergometer stürzt. Tot. Herzbaracke. Oder dass ihm die Hantel beim Bankdrücken entkommt und seine Kehle zerschmettert .

Wenn ein Buch fertig ist, ist der Autor verletzlich wie ein rasierter Igel. Eine Schildkröte die den Panzer eingebüßt hat, ein alter Hund beim Kacken, ein kleines Mädchen zu Fuß auf der Autobahn.

Wenn ein Buch fertig ist, will der Autor gleich ein neues beginnen. Es rumort bereits in ihm, aber er hat Angst. Er erinnert sich noch daran, wie mühsam es war, und dass letzlich nicht ein einziger Satz so stehen geblieben ist, wie er ihn hingeschrieben hat.

Er wird das alles vergessen. Wie Eltern die ersten drei mühsamen Jahre in der Kindergroßziehung. Er wird es wieder tun. Er ist ein verdammter Wiederholungstäter. Schande über ihn…

Das Sprüchemuseum (81)

«Ich würde mir wünschen, dass wir jenseits von Sensationen und Voyeurismus die Gelegenheit ergreifen, um über unser Zusammenleben zu reden.»

Corinna Harfouch (Schauspielerin, 62) in der NZZ

Wir sagen: „Ich würde mir wünschen“?? Übernehmen jetzt Künstlerinnen bereits den Merkelsprech? Warum wünscht sie es nicht einfach?
Es erinnert an den Zettel auf einer Ferienhaustoilette: «Wir würden Sie bitten, keine…»

Hans Werner Kettenbach 1928-2017

Der großartige Kölner Autor von ebenso großartigen Kriminalromanen ist von uns gegangen. Warum nur?

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/hans-werner-kettenbach-ist-tot-erinnerungen-an-den-krimi-autor-a-1186730.html

Das Sprüchemuseum (80)

„Unzivilisert ist es, andere mit dem eigenen Selbst zu belasten.“ Richard Sennet

(Zitat aus Robert Pfallers Buch: „Erwachsenensprache– über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur“, das wir uneingeschränkt zur Lektüre empfehlen.)

Schaun Sie sich das an!

Als letzte Blog-Aktion in diesem Jahr dürfen wir hier an dieser Stelle auf die tollen, lakonisch humorigen Texte von Kollegin Susann Klossek hinweisen. Zieht’s euch rein. Ihr werdet es nicht bereuen…

http://nichtsundwiedernichts.blogspot.co.at

Guten Start ins 2018!

Weil heute heute ist

auxoffana r untan gristbam

waun d keazzn brenan.
auxoffana
unta d zweigaln
unta d engaln
unta d süwafen
und da windbocharei

und ka söö dabei
und ka söö dabei nem dia
de wos da r aum nextn dog
de woxdropfm aus n aunzug beglad
med an leschbabia

und wer ramt s gschbeibat weg?
eh kloa.
kana.
deswegn kummt s näxte joa a
kana.
bessa wirds
neama.
oba waßtas?

(aus: H.C. ARTMANN; med ana schwoazzn dintn.)

Literatur. Als Serie. Grandios.

Gibt es das literarische Äquivalent zu den diversen atemraubenden Serien wie „True Detectives“, «The Wire», „Deadwood“ usw. ? Oder musste man sich damit abfinden, dass die Romane unserer Zeit filmisch sind?
Müssen die Autoren, denen es aus verschiedensten Gründen nicht gegeben ist, Drehbücher für Serien zu verfassen, verzweifeln? Und was ist gefragt, falls man sich an die Sache ranwagt?
Personale Erzählperspektive, ja. Wissen um die Psychologie der Charaktere. Keine der üblichen, überlangen pastoralen Pamphlete, die uns vom Feuilleton noch und nöcher als die „großen, neuen Romane“ aufgeschwatzt werden.

Virginie Despentes hat es gemacht. Mit „Das Leben des Vernon Subutex“. Und wie sie es gemacht hat!
Ein Roman wie ein Panoptikum, großartig und wunderbar. Inspirierend. Hammerzart und voll grellem Humor und einem schriftstellerischen Aplomb, dass einem der Atem stocken möchte.
Der Roman des Jahres 2017.
Und im Februar erscheint Band 2. Wer es im Orginal versuchen will, der kann bereits zulangen…

Schule des Ungehorsams

Der österreichische Mittelstandscartoonist Haderer hat eine „Schule des Ungehorsams“ ins Leben gerufen.
Nun ja. Was wird da gelehrt? Werden da alle gehorsam den Ungehorsam üben? Und wird es letztlich nicht darauf hinauslaufen, dass in dieser Bunch der üblichen, notorischen Ungehorsamen, es letztlich der auf den Gehorsam Pochende ist, der als einziger ungehorsam ist?

Moralproletarier

Gestern hörte ich es das erste Mal: Moralproletariat und Moralaristokratie.

Gefällt mir. Ich weiß jetzt nicht, ob es bei der Linken opportun sein wird „Moralproletarier aller Länder vereinigt euch!“ zu fordern. Das Moralprotelariat ist, denke ich, ein wenig pfui. Ich gehöre auch dazu. Ich esse Fleisch, das nicht aus nachhaltig geführten Farmen stammt, ich gehe auch schon mal zu McDonalds, ich verachte Israelbokottierende Künstler, ich bin nicht der Meinung, dass ich Schuld an der Korruption und dem allgemeinen Versagen von afrikanischen Staaten habe.

Vielleicht könnten die beiden Begriffe noch um „Moralsnob“ erweitert werden. Als Verächter von Öfis, ÖV, usw. und überzeugten Fußgänger darf man mich darunter zählen. Denn es gilt immer noch das Wort von Curd Jürgens: «Ich kann auf alles verzichten, außer auf Luxus.»

Ist Moral Luxus?
Wie war das mit Brecht?