Der gute Knappe und der böse Alte

Wenn ein alter weißer, vermutlich heterosexueller Mann etwas über Muslime sagt, dann hat er verdient, was dann kommt. Und auch die Journaille muss nur noch Partei ergreifen, und nicht mehr genau hinsehen, sondern nur noch schildern, was gefühlt geschieht. Wozu Argumente, wenns physische Angriffe auch tun. Man ist ja moralisch im Recht. (Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Ei-Wurf-Angriff auf Joschka Fischer.)

Im Video sehen wir einen Knappen, der einem Mann ein Ei auf’s Haupt knallt, und die Aktion mit dem Handy filmt. Der Mann dreht sich um, checkt wer-was, und versetzt dem Knappen eine Links-Ohrfeige. Die Sprecherin sagt: «Er schlägt dem 17-Jährigen mehrmals mit der Faust ins Gesicht.»

Wenn mir jemand von hinten was auf den Schädel knallt, kann es durchaus sein, dass ich genauso reagiere wie der Typ im Film. Reflexartig. Und das alles ohne dass gleich ein Supervisior und zwei Psychologinnen herbeibemüht werden.
Aber ich bin ja auch alt und weiß und hetero. Und das ist halt falsch.

„… oder ich sollte wieder einmal ein gutes Buch lesen.»

http://www.spiegel.de/video/australien-17-jaehriger-greift-politiker-mit-ei-an-video-99025759.html

…oder lesen Sie ein gutes Buch

Neulich musste ich eine Trauerkarte kaufen. Der Trafikant führte mich an ein Drehgestell. Ich sah mir die Karten durch. Auf 19 von 20 stand: „Aufrichtiges Beileid“.
Das regte mich auf. Ein wenig. Warum aufrichtig? Gibt es auch eine Karte mit „Fake Beileid“ oder „Ganz bestimmt geheucheltes Beleid“ ?
No na aufrichtig. Was sonst?
Ein wenig verstehe ich die Kartentexter. Nur einfach „Beileid“ hinzuschreiben macht keine schlanken Fuß. Aber muss es „aufrichtig» sein?

Oder: lesen Sie ein gutes Buch.
Gerade eben in der Predigt einer Spiegel-Kolumnistin gelesen. „… oder lesen Sie ein gutes Buch».
Diese Aufforderung verachte ich seit 50 Jahren. Was ist denn damit gemeint? Die Bücher der Empfehlenden? Schauen sie einen guten Film, essen Sie ein gutes Essen, haben Sie guten Sex. Das fuckin gute Buch. Es ist immer noch nicht tot.

… oder lesen Sie zur abwechslung mal einen guten Blog.

Vorbereitung

Ich werde älter. Ich habe, wenn ich den Kopf wende, eine  beachtliche Strecke im Blick. Ich bin ein bisschen rumgekommen. Hab einiges getan. Verschiedenes. Aber etwas blieb sich immer gleich: Kein Geld.

Nun erkenne ich den Sinn: Mein Leben war nichts anderes als die Vorbereitung auf die bevorstehende Altersarmut.

Frage

Ich hatte gerade drei Sekunden nichts zu tun, und stellte mir wieder mal die Frage aller Fragen: Was geschah eigentlich mit dem ganzen Gold, dass einer der drei Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind darbrachte?

Zwei Dinge

Viele Dinge ändern sich im Laufe eines Lebens. Überzeugungen kippen um, wie angesägte Fichten und stürzen rauschend zu Boden, Selbstverständlichkeiten verwandeln sich in WTF’s, Gewissheiten werden als Chimären entlarvt. Aber es gibt zwei Dinge, die bleiben ewiglich unerträglich: Das pfäffische Geschwätz von Kirchenmännern, und die abgepackten Sätze von Kommunisten und Linken.

Guter Mann!

Kim jong un ist ein guter Mann. Er nimmt nicht den Jet, er fährt mit der Eisenbahn.
Ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er der Hero der jungen Schüler-Klima-Bewegung wird.
Ein Beispiel für alle Politiker.

Nehmt euch alle ein Beispiel am guten Mann!

Unreife Banause

Einer der dümmsten, überflüssigsten und sensationslüsternen Filme die es gibt, ist, in my opinion, „Der Untergang“, mit Bruno Ganz als Hitler. Aber wenigstens ist er komisch. Was habe ich gelacht!

Aber mir ging es wie dem Schauspieler Josef Bierbichler, der ebenfalls losgehwiehert hat, dann aber bemerken musste, das alle um ihn herum, supiernst waren.

Jetzt wo Bruno Ganz tot ist, werden wieder überall Szenen aus dem Film gezeigt, was mir jedes Mal einige heitere Sekunden verschafft. Danke.

Bruno Ganz als Schauspieler gehörte für mich, zusammen mit Christoph Waltz, in die Kategorie „Ich-glaub-dir-kein-Wort“. Tut mir irgendwie leid. Aber ist nichts zu machen. Ich versteh kein Wort der Lobeshymnen, auf die beiden. Aber das liegt nur daran, dass ich keine Ahnung habe. Vermutlich bin ich der einzige, der keine hat.

Aber ein Alpöhi war der Ganz schon gar nicht. Wer Heinrich Gretler in dieser Rolle gesehen hat, weiß was ich meine. 

De mortuis nil nisi bene heißt es, und das habe ich auch nie verstanden. Muss ich jetzt über Hitler, Stalin und Mussolini Tolles berichten, nur weil sie von uns gegangen sind?

Fazit? Unreife Banause.

Das Sprüchemuseum (113)

«… nach Österreich kann man im Moment ja auch nicht hin!»

Christoph Waltz, auf die Frage, ob er seine Heimat öfter besuche.

Wir sagen: No seavas! Fuckin’ Pest ausgebrochen, oder was? Typhus? Masern? Cholera, Ebola, Horrorgrippe?
Und was ist mit uns? Verlässt uns jetzt auch noch der letzte wichtige Ösi?

Das Sprüchemuseum (112)

«Die «LOL-Liga» wirkt wie eine eingeschworene Clique, die gemeinsam Bier trinken geht und über andere ablästert – und am Ende will keiner mitbekommen haben, dass dabei Frauen belästigt worden sind.»

Die LOL-ers, angeblich  französische Elite-Intellektuelle nachdem sie als Rassisten und Misogyne enttarnt wurden.

Wir sagen: Wär’s nicht wieder einmal Zeit für die gute, alte und sehr analoge Tradition der „Für das kriegste was in die Fresse, feiger Mistbock!“
Wir finden schon. Gar keine Gewalt, ist eben auch keine Lösung.

Abschließend

Wir wollten ja nicht. Tun nun aber doch. Es ist einfach zu fidel.
Der Karl Valentin Orden an den Lederhosenhirschgeweihknappen Gabalier geht voll in Ordnung. In der Redaktion versteht niemand das Geschrei.

Hier einige Vorgänger des Holiduliühs aus Ösi-County:

Luis Trenker, Kardinal Ratzinger, Jürgen Möllemann, Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber, Maria Furtwängler und unser aller Liebling, dessen Pop-Coverscheiben in der Redaktion den ganze Tag kreisen und uns viel Feude bereiten: Heino.

Also: Woos is?