«Blumberg» goes solo (thurn)

Vom 31. Mai 2019 – 2. Juni 2019 wurde der Autor mit dem Roman „Blumberg“ zu den „Schweizer Literaturtagen in Solothurn geladen.

Hier die inkriminierten Veranstaltungen:

https://www.literatur.ch/de/startseite/programm_1/festival-andreas-niedermann-11138-28.html

„Varanasi» von Susann Klossek

„…Nach einem kleinen Auffahrunfall, in dessen Zuge sich beide Fahrer sekundenlang anschrien, um dann einfach in verschiedene Richtungen davonzufahren, erreichten wir Assi Ghat am Ufer des Ganges. Ich stieg aus und trat in einen Haufen Kuhscheiße. Ich war angekommen.»

Dieses kleine Intro, irgendwo aus dem Anfang des Buches von Klosseks „Varanasi, Endstation Ganges“, gibt die Tonart vor, in der es von nun an weitergeht. Und das ist großartigster Céline. Denn in seinem Jahrhundertroman „Reise ans Ende der Nacht“ gibt es eine Stelle, in der sein Held Bardamu, den das Schicksal in den Dschungel Afrikas verschlagen hat, den Einbruch der Nacht beschreibt, wie ein gewaltiges Gebrüll und Geschrei der Tiere anhebt, eine Nacht voll „gekrümmter Erektionen“, ein Metzeln und Jagen, und Bardamu all dies mit einem einzigen Satz kommentiert: „Das war etwas für mich, der ich die freie Natur nicht ausstehen konnte!»

Das ist komisch. Höllisch, schmerzlich, und noch mal komisch. Das eine wie das andere. Und deswegen ist Susann Klossek meine Heroine.

Zum Inhalt von „Varanasi“ muss man nicht viel sagen: Der Gewinn eines Literaturstipendium bringt die Autorin (1966 in Leipzig geboren, seit 1990 in der Nähe von Zürich wohnhaft) in das Alice Bonner Institut in Varanasi vulgo Benares, der heiligsten Stadt Indiens.
Das war es schon. Das ist wenig genug, aber gleichzeitig auch schon zuviel, gemäß dem Rock’n’Roll Motto: Too much is not enough! Niemals genug Lärm, niemals genug Menschen, niemals genug Armut, niemals genug Schmutz, Dreck, Tod, Kuhscheiße; niemals genug Genug.

Der spendierte Aufenthalt erweist sich als „une saison en enfer“, eine Zeit in der Hölle, die Frau Klossek mit  Stärke, viel Verständnis, und getragen von mächtigem Humor durchlebt, und die Wochen in dieser irren Stadt in große, warmherzige Literatur verwandelt.

Ich habe in letzter Zeit (und diese letzte Zeit ist nicht klein), in deutscher Sprache nicht annähernd großartiges zu lesen bekommen, wie dieses schlanke Werk von Susann Klossek.
Ich verneige mich.

Susann Klossek
VARANASI
Endstation Ganges

Freiraum Verlag
€ 14,95  /sfr. 18,95
Überall zu beziehen wo es Bücher gibt
oder bei der Autorin:

http://nichtsundwiedernichts.blogspot.com

Das Sprüchemuseum (118)

«Wir distanzieren uns von der Distanzierung des ORF von den Äußerungen Jan Böhmermanns in seinem Interview mit dem ORF in der Sendung ‚Kulturmontag‘ am 6.5.2019 anlässlich seiner Ausstellung im Grazer Künstlerhaus.»

Berühmte österreichische Schreibende zur Causa Böhmermann.

Wir sagen: Kann man sich eigentlich von der Distanzierung eines anderen distanzieren? Egal. Wir distanzieren uns auf jeden Fall mal von der Distanzierung dieser berühmten Schreibenden, die sich von der Distanzierung des ORF distanzieren.
Aber nach einiger Überlegung möchten wir uns nun doch, in FPÖ-Manier, von unser Distanzierung der Distanzierung der Schreibenden von der Distanzierung des ORF, distanzieren.
Oder wir distanzieren uns gleich mal von der Distanzierung der Distanzierung der Distanzierung der Distanzierung.
Macht das Sinn?
Ist das hier die Frage?

Doppelt und dreifach

Thomas Bernhard bezeichnete die Östrerreicher einmal als: „Sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige.» Bernhard war Österreicher.
Neulich kam der deutsche Jan Böhmermann und glich in einem Interview die Zahlen an und sagte: „Jetzt sind es acht Millionen Debile.»

Das ist bösartig, irre übertrieben – und witzig.

Findet aber ein Anwalt nicht, und verklagt Böhmermann wegen „Herabwürdigung des Staates Österreich“. Das ist ein gutes Beispiel für Bernhards und Böhmermanns Aussage.
Aber ich finde, Böhmermann hat unrecht. Es sind nicht acht Millionen. Es sind viel mehr. Denn einige, wie dieser Anwalt, gehören doppelt und dreifach gezählt.

Und zerrts endlich die Knochen von Bernhard aus der Gruft, damit man ihm den Prozess machen kann!

Das Sprüchemuseum (117)

«Die Leser irgendwelcher Weiberzeitungen, die gehen mir wirklich am Arsch vorbei.»

Thomas Gottschalk, zu Kommentaren in einschlägigen Zeitschriften zum Ende seiner Ehe.

Wir sagen: So geht das nicht, Herr Gottschalk! Was soll die rohe Sprache? Es heißt, bitte, nicht Leser, sondern Leserinnen. Danke.

Das Sprüchemuseum (116)

«Na ja, es war ja nicht Gewalt. Es war eine flotte Detschn.»

Waltraud Klasnic, Leiterin der Anlaufstelle für Opfer von kirchlichem Missbrauch.

Wir sagen: Österreich, wie es sich gefällt: Aufgeschlossen, herzlich und großzügig in der Einschätzung eigener Gewaltausübung. Nix für Pussys und Warmduscher.
«Na ja, das war kein Missbrauch, er(sie)  hat mir nur einen runterholen müssen.»

Das Sprüchemuseum (115)

«… Als Arbeiterkind bin ich im Laufe der Zeit zu einem radikalen Befürworter der bürgerlichen Kultur geworden. Denn meine Klasse, meine Schicht kauft keine Bücher… Der vielgescholtene Betrieb bildet eine Schutzzone, und man braucht diese Schutzzone, denn wenn es wirklich nur marktwirtschaftlich zuginge, wäre ich weg vom Fenster. Und nicht nur ich… Wir sind sozusagen Angehörige einer Sekte.»

Feridun Zaimoglu, Schriftsteller, in einem Gespräch mit dem „Standard»

Wir sagen: Da ist viel wahres dran. Und das mit der Sekte ist etwas beunruhigend, aber deswegen nicht falsch. Im Gegenteil. Was tun, wenn man kein MItglied dieser Sekte sein möchte? Das ist die fuckin’ Frage…

Kunst ist umsunst

Es gibt nicht wenige Künstler, die von sich behaupten, dass sie etwa 80% ihrer Zeit dafür aufwenden um Gesuche zu schreiben, auf den Souschelmidias ihr Image zu pflegen, sich zu „vernetzen“, zu vermarkten, Arschzukriechen und zu betteln.

Gut. Ihr business. Man wird allerdings das Gefühl nicht los, dass ihnen das ganz recht ist, dass sie froh sind, dass man „heute als Kunstschaffender auch für seine Vermarktung sorgen muss“. Es scheint ihnen sehr wichtig zu sein, zu sagen, dass sie von ihrer „Kunst leben können“, obschon sie meist nicht von der Kunst, sondern vom Steuerzahler ausgehalten werden. Aber das ist offenbar ein zu vernachlässigender Aspekt.

Würden sie neben ihrer Kunst arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, würde sie das vielleicht in eine mittlere Identitätskrise stürzen. „Ich bin Künstler, ich kann gottverdammich nicht Pakte austragen“, sagen sie.

Sie finden es entwürdigender Pakete auszutragen, als sich überall dort ranzuwanzen, wo ein kleiner Beitrag, ein Ministipendium, eine Förderung usw. rauszuholen ist.

Als Gegenleistung machen sie dann «politische Kunst». Die vorgibt, sich für die Belange von Paketausträgern einzusetzen.

Aber andererseits, zugegeben, ist das natürlich auch Arbeit. Nur tut diese Arbeit vielleicht der Kunst nicht so besonders gut.

Friday for future

Heute hab ich fürs Klima gestreikt. Nichts geschrieben. Das wird der verdammten Welt eine Lehre sein.

P.S. Ich habe gelogen. Ich habe doch geschrieben. Nur schon das hier. Und anderes auch.
Meine jüngere Tochter würd’s „cool“ finden, wenn ich bei „Parents for future“ mittun würde.
Das wird wohl nicht, hab ich geantwortet. Ich würde die anderen Parents vermutlich schwer aushalten. So an der Seitenlinie stehen und klatschen? Toll, wie meine Nachkommen rebellisch sind, wat? Vielleicht noch reinrufen, wie beim Fußball. Schon dort war mir das zuwider. (Aber ich war dort.)

Hoffnungsloser Fall, der Alte. Nun ja, nicht ganz: Kein Fliegen, kein Auto (nicht mal Führerschein), passionierter Zufußgeher. Nicht mal Öffinutzer (woher kommt denn der Strom, hä?)
Also: Ich kann mich sehen lassen.

Jetzt müsst ich es nur noch schaffen zu streiken…

Das wird vermutlich nix.

Das Sprüchemuseum (114)

„Ich ficke dein Video!»

Youtuber El Ar-Schlogg zu Konkurrent Al-v-Ollhiafla

Wir sagen: Warum nur das Video? Nur nicht so zaghaft. Wie wär’s mit: Ich ficke deine Fürze! Ich fick deinen Stuhlgang, deine Munddusche, deine Reserverad oder – unser heimlicher Favorit: Ich ficke dein geficktes Geficke.