Z’Nüni und Highnoon

Auf meinem Weg zur Station Wengwald passierte ich einen Schafstall, vor dem eine Gruppe Männer und Frauen in der ortsüblichen Ausrüstung lagerte. Es war 9 Uhr und 2 Minuten und sie mampften. Ab 9 Uhr wird in der Schweiz gemampft. Zumindest bis 9 h15. Um diese Zeit findet man in keiner Kneipe des Landes einen freien Sitzplatz. Warum ? Es ist Z’Nüni, und da muss landesweit die Brotlaube befüllt werden.

Gerade neulich stieß meine betagte Mutter einen Schrei aus. Es hörte sich an, als wäre sie dem Geist ihres verstorbenen Mannes begegnet. Sie schrie: «Jessas, es ist zwölf!»

Es war 12 Uhr mittags, Highnoon, und sie war mit dem Mittagessen noch nicht ganz zu Rande gekommen. Es könnte, das drückte der Schrei aus, gar 12 h 03 werden, bis das Papperl auf dem Tisch steht.

Freunde von mir erzählten, dass es in der Schweiz nicht mehr möglich ist, außer Haus Mittag zu essen. Alles voll. Jede Parkbank, jede Bordsteinkante, jede Hühnerstange, jeder Platz im Migros. Voll von Oldies die genau um 12 Uhr ihr Papperl brauchen, und Bürolisten die es brauchen, weil sie genau zu dieser Zeit eben Mittagspause haben.

Das hat mich schon genervt als ich noch hier lebte, diese Paralyse um 9 Uhr morgens, diese 15 Minuten Pause in der Evolution. Selbst der Weltuntergang müsste warten, bis der Schweizer seinen Z’Nüni Cervelat runtergewürgt hat.

Und mein Bruder stöhnt über die Rentner, die an Highnoon spachteln müssen, wie Vampire, die nur nächtens Adern anzapfen können.

Wenn man sich überlegt, dass dies  vielleicht der Endpunkt der Evolution ist: Menschen die nur um 9 -und 12 Uhr essen können. Und die dafür jeden Unbill in Kauf nehmen wollen oder müssen. Mamma mia!

Mich friert ein wenig, compadres!

Kein Kommentar (2)

Kein Kommentar zur Tatsache, dass Österreich faktisch, juristisch, praktisch und auch zukünftig aus dem Knast regiert werden kann. Wer nicht mehr als 11 Monate und 28 Tage unbedingten Knast – wegen  Wiederbetätigung, z.B. – fasst, kann weiter Bundeskanzler, Landeshauptmann, Landeshauptmannvize sein.

Kein Kommentar

Diese Dauerwerbeveranstaltung mit den Boxeinlagen der beiden Schwergewichtsboxerdarsteller Klitschko und Thompson, kommentiere ich nicht. Nur so viel: Die Euro-Krise ist nicht das Hauptproblem in diesem Europa!

Hitze-Hikikomori

Wien ist die heißeste Stadt Europas. Da haut sich selbst der Alm-Öhi vor Lachen mit der Hacke ins Bein. Aber es stimmt: Tag für Tag 37 Grad. Und jetzt, kurz vor halb 10 hamma noch 34, und wenn das irgendjemand «geil» findet, mag er sich doch hier einfinden, und sich von mir die Fresse polieren lassen.

Man sitzt zuhause vor dem Venti, schwitzt und grantelt und balanciert am Rande des Rappels. Aber ich hab’s ja geahnt: in Wien kann man Sommers nicht mehr leben. War schon vor 2003 schwierig, aber seither, als wir das erste Mal 39,9 Grad hatte, ist es aus. Schwer erträglich, sag ich. Aber in Österreich ist «unerträglich» ja steigerbar, was einem halb um den Verstand bringen kann. Wenn man nicht aufpasst. Bei der Gluhitze. Man würde dann z.B. sagen: Am aller unerträglichsten ist die Hitze in der Nacht. Das gilt hier als gutes Deutsch. Sehr schwer erträglich. Bei dieser Hitze.

Aber morgen fahre ich in die Berge. Dort schreibe ich dann ein «Bergtagebuch». Das wollt ich schon immer mal tun. Mit lustigen Geschichten aus dem Berner Oberland, wo’s den ganzen Tag regnet, und wenn’s nicht regnet, der Föhn einem das Resthirn aus den Ohren pustet.

Ich bin strikte gegen jegliches Wetter.
In einer gerechten Welt gäbe es kein Wetter.
Und es gilt immer noch der Spruch meiner Lieblings-Janis: «No feeling, is the best feeling.»

Mein Gott, wie recht sie hatte …

Langnasen-Hikikomori

Der Grant hat mich in seinen Fängen. Seine schwärigen Pranken auf meinem alten Fleisch, die Krallen in der Leber, so versucht er mich herumzudrehen, damit er seinen finalen Biss anbringen kann. Ich wehre mich so gut es geht und schiebe ihm – als amuse geule gedacht -, die gesamte spanische Tiki-takanaccio-Mannschaft in den Rachen, schütte eine Flasche Carbernet-Merlot hinterher. Der Jim Beam ist auch schon gemixt. Aber der Drecksack kriegt einfach nicht genug. Nicht mal das viele Eisen half, nicht die vorteilhaften Spiegelbilder im Geisteszentrum, die mich zeigen wie ich mich fühle und nicht wie ich wirklich aussehe. Nichts, nichts, nichts.

Ich habe die Krise. Die Euro-Krise sowieso, muss man nicht speziell erwähnen. Vielleicht ist es die postromanische Depression? Soll es geben. Wie auch immer. Ich rege mich schon auf, wenn irgendein Arsch das kommende «Sommer-Wetter» preist. 37 Grad! Sind die noch bei Trost? Oder sind es nur die normalen Wiener Frühpensionisten, die mit 37 Jahren für immer von Arbeit frei, in den Freibädern ihre Schnitzel mampfen? Fuck’em all!

Der Grant macht aus mir einen Hikikomori.
Ich liebe die Japaner. Die wissen über die wichtigen Dingen des Lebens Bescheid. Essen, Kampfgeist, menschliche Distanz und Disziplin. Wäre ich nicht so ne verdammte Langnase, würde ich mich einem Aufräumtrupp in Fukushima anschließen.
Und sie haben schöne Worte für schlimme Zustände.

Hikikomori, ist so eins.

Die halten sich wohl für was besseres

Eine Wiener Grünen-Politikerin fährt im Knüll (kolportierte 1,9 Promille?) auf ein anderes Auto auf, und schon hat der Boulevard seine Sensation, und der Wiener Spießer seine Hetz: Eine Grüne, eine Frau, in einem Auto. Das darf schon mal gar nicht sein. Grün & Auto, das ist in den Augen des Spießis, wie FPÖ und Islam.

Nun ja, wir habens schon immer gewusst: Die Grünen sind eh wie alle anderen.

Was die Grünen aber letztendlich total diskrediert: Die Politikerin ist sofort nach dem Unfall von allen Ämtern zurückgetreten.
Da sieht man’s wieder: Die halten sich für was besseres!

«… sein kostbares Pulver zu injizieren.»

Einmal schickte ich ein unfertiges, schlampig überarbeitetes Typosskript an den Verlag und erhielt vom Lektor den Bescheid, dass das Ding «eine Menge schiefer Bilder und falscher Metaphern» enthalten würde. So kann’s gehen. Das Typos kam zurück. Richtigerweise. Es hätte aber auch in Druck gehen können, und ich hätte  den Büchnerpreis gekriegt.

Lief aber nicht so. Es lag vielleicht daran, dass ich keine dreiteiligen Anzüge trage, kein katholischer Ayatollah, kein Kämpfer gegen Blasphemie, und kein Bildungsscheinriese, mit einem Wort: dass ich nicht Martin Mosebach bin, jener Büchnerpreisträger, der nicht schreiben kann, und neuerdings Blasphemie hart bestraft sehen möchte. Vermutlich muss der Blasphemiker alle Mosebach Bücher lesen.

Das Schöne an jeder Giftpflanze: das Antidot wächst gleich daneben. Und wer sich auf Niveau köstlich amüsieren möchte, sollte folgenden Link anklicken (oder was auch immer):

http://jungle-world.com/artikel/2008/05/21117.html

Der Mann, der Autor, Peter Dierlich mit Namen, der sich Mosebachs Roman «Ruppertshain» annahm, dieser fast 500 Seiten Schmonzette, in der sich Leute «kostbares Pulver injizieren», dieser Mann ist so wunderbar klug,  gebildet und sprachgewandt, wie er von Mosebachs Geschwurbel angewidert ist.

Lest es. Es ist heilsamer Litera-Rock’n Roll.

Videobeweis für mein Leben

Gut, der Sack war über der Linie. Na und? Hat der Torrichter halt nicht gesehen. Oder wollt’s nicht sehen. Aber warum soll’s dem Fußball besser gehen als uns, die wir nicht spielen sondern leben müssen, mit all den Ungerechtigkeiten, der Unfairness, der Übervorteilung, der Demütigung, der Schmach, dem Tod und verlogenen österreichischen Politikern. Wenn die im Fußball den Videobeweis einführen, dann kuck ich erstens nicht mehr, und zweitens fordere ich den Videobeweis für’s Leben. Für mein Leben.

Dann könnt ihr sehen wie ich schufte und tue, wie ich trainiere und schreibe und einkaufe und für einen verdammten Haufen Kinder koche, wie ich freundlich E-Mails beantworte, Aussendungen gestalte, Bücher setze und Manuskripte lese, wie ich Türen repariere, Waschmaschinen, Schuhe, Brillen und Kinderspielzeug, wie ich Glühbirnen wechsle, abgeschmetterte Gesuche in den Mülleimer stopfe und Löcher in meinen Hosen, wie ich den Müll runtertrage und die tausend Flaschen, die ich jeden Abend leer mache, in den Glascontainer knalle, und wie ich vor dem Einkauf meine Groschen umdrehe.

Das könnt ihr mit dem Videobeweis sehen. Und dann halte ich meinen Steuerbescheid in die Kamera. Da könnt ihr erkennen, was mir das alles einbringt. Das habt ihr davon, ihr Videobeweisforderer! Das wird euch eine Lehre sein. Und ihr werdet demütig zu den Ungerechtigkeiten des Fußballs zurückkehren, und euch nie mehr darüber beklagen.

Und noch immer stimme ich dem schottischen Trainer William «Bill» Shankly vollauf zu, der da sagte: «Es gibt Leute, die denken, Fussball ist eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.»
Für sowas gibt es keinen Videobeweis.

Preise und Hämorrhoiden

Otto Sander, der Schauspieler (gibt’s einen anderen?) hat mir heute seine Preise gezeigt. Mannomann, ganz schön viele. Auch eine große Pfeife ist darunter, und so Ernst Lubitsch Zeuch und so, steht alles in seiner Wohnung. Tolle Staubfänger, wie’s bei Ray Chandler heißt, und Ray Chandler habe ich geliebt und liebe ihn immer noch, mein Gott, was habe ich gelacht beim Lesen seiner Bücher, und, verdammt noch mal, es gibt keinen der besser schreiben konnt als er.

Jetzt hat Otto Sander auch einen Film gemacht. Und auch Jane Fonda und Pierre Richard und Geraldine Chaplin. Überall vögeln nun die Alten rum, entführen Flugzeuge, reden übers Ficken. Sie leben in WG’s und wollen uns klarmachen, dass sie auch noch da sind, und dass Bumsen im Alter supernormal ist, und wir, die noch nicht so Alten, das gefälligst zu schlucken haben, und Geld zahlen, um uns das im Kino anzusehen, wie sie, die Alten übers Bumsen reden, Flugzeuge entführen und sich in der Badewanne gegenseitig berubbeln.
Und die jüngsten der Filmemacher machen Filme in denen sie uns zeigen, wie gestörte Arschlöcher sich kleine Jungs halten und missbrauchen. Und auch sie wollen, dass ich Geld zahle, um mir das anzusehen.

Aber ich bin gerade ein bisschen störrisch. Weiß auch nicht woran das liegt. Vielleicht weil ich selber alt werde und demnächst Bücher schreibe, wie ich als Alter Arsch mich ans junge Fleisch schmeiße, oder zumindest so mittelalt rumtue, wie Meryl Streep und einer der Baldwin Brüder. Okay. Meryl ist ziemlich sexy, fast so sexy wie Rays Stil, aber ich finde trotzdem sie sollten alle mal halblang machen, mit ihrer «Welken-Fleisch-Beschau».

Alt ist nicht sexy. Alt ist scheiße. Eine Zumutung der Natur, und ich verstehe alle die des Jugendwahns fette Beute werden.  Weisheit ist ja auch nicht mehr, was sie mal war, und heute orientiert sich der Mittelalte nicht am Alten sondern fragt das Kind um Rat, dem er in allem nacheifert. (Sieht man prächtig in der Schweiz)

Und das ist, meine Lieben, echt keinen Film wert. Nicht mal einen Preis. Denn immer noch gilt das Wort von Billy Wilder: «Mit Preisen ist es wie mit Hämorrhoiden: Im Alter kriegt sie jedes Arschloch.»

Das Sprüchemuseum (10)

«Griechenland ist das Land, in dem die Verurteilung eines «Fakelaki-Empfängers» (Bestochener) nur durch ein Fakelaki erwirkt werden kann.»

(Der griechische Schriftsteller Andreas Nedomanlikakis in einem Interview mit dem Rolling Stone.)