«Goldene Tage»

«Ein junger Krimineller, ein Touristenabzieher im Süden, verbringt den Großteil seiner Tage auf einem Hügel sitzend und beobachtet die Fremdenlegionäre beim Schlauch. Das ist es, was er eigentlich auch will. Warum? Er weiß es nicht genau. Aber er findet nicht den Mut, durch das Tor des Camps zu gehen. Er redet sich ein, dass dazu ein «ordentliches» Verbrechen nötig wäre.
Und so landet er mitten in den Jugendunruhen der achziger Jahre, den Häuserbesetzungen und Straßenkämpfen. Er lernt den alten, publikumsmüden und nur noch für sich selber schreibenden Schriftsteller Andreas kennen. Dieser nennt ihn «Rambo Rimbaud», und erzählt ihm von den sagenumwobenen Goldtransporten der Bahnpost. «RR» weiß nun, was er will. Dieses Gold klauen.
Und während die Straßen brennen und die Luft nach Tränengas riecht, feilt «RR» an seinem Plan. Er hält sich über Wasser mit Diebstählen und Einbrüchen, nutzt die «Bewegung» als Tarnung, schläft mit der schönen, flatterhaften Denise, verliebt sich in Zora, die Frau eines Freundes und ist manchmal einsam. Dann hört er Nick Drake, die einzige Musik, die ihm nicht auf die Nerven fällt, und verwandelt seine Küche in eine Gipsskulptur.
Und während auf den Straßen die Gewalt hochkocht, wagt er den Coup. Mit der Hilfe von Andreas. Aber diese Hilfe ist teuer …»

Das ist, in etwa, die Synopsis von «GOLDENE TAGE», dem Roman, den ich vor zwei Tagen beendigt habe. Im Herbst wird er erscheinen. Es ist ein «Roman troubles», ein Unruheroman.
Der Bericht eines «Scheißkerls», dem jede moralische Konvention egal ist.

«Goldene Tage» ist ein Roman aus dem Auge des Hurrikans. Mittendrin, und doch mit kühler Distanz, schildert «Rambo Rimbaud» die Anliegen, Kämpfe und Schlachten der «Bewegung» der achziger Jahre. Und seine eigenen auch.

Penalty

Hab ich denn nicht immer was zu meckern?
Aber ja doch. Fußball. Die Spiele dieser EM sehen aus wie die europäischen Flughäfen. Irgendwo steht, wo man gerade ist. Aber sonst gleichen sich die Dinger wie eineiige Zwillinge.
Kurzpassspiel. Tiki-taka. Nicht nur von der iberischen Halbinsel. Auch die Azzuri, die Germanen, die Briten. Globalisiertes Gekicke.
Nach einem halben Dutzend Spiele fragt man sich müde, wo denn der gute alte, nervtötende Catenaccio geblieben ist? Oder das laufdepperte «kick and rush» der Briten? Sack nach vorne, Flanke, Kopfball, Tor. Wie gute Prosa.
Jetzt sieht man alleweil geschicktes Ballgeklöppel.
Oh yeah, ich bin alt. Und vor allem: Ich versteh vermutlich nichts von Fußball. Aber das Maul drüber zerreißen, das kann ich noch.

Eric Cantonas macht jetzt Filme. Und der Vorgänger von Wayne Rooney, Paul Gascoigne wird im Ruhestand das tun, was er schon im Vorruhestand getan hat: Gurgeln und stolpern bis die Flanke kommt.

Aber all das beklagte ich schon zur WM 2010 (Danke, Michael). Ich wiederhole mich. Aber dass ich mich noch an meine Wiederholungen erinnere, beruhigt mich doch ein wenig. 2010 wurds dann noch richtig gut … Oder doch nicht?

Sunday morning moaning-blues

Kürzlich hab ich am Fernsehen wieder mal einen Film von Fatih Akim gesehen. Er hieß «Auf der anderen Seite», und war Scheiße. Und wie fast immer bei «künstlerisch wertvollen» und mit Preisen zugekackten Filmen, musste er auch noch Überlänge haben. Schmerzhaft. Ich hasste alle Personen in dem Film und hoffte, sie würden eines grausamen Todes sterben. Das war aber leider nur bei 2 der Fall. Oder waren es 3? Jedenfalls zu wenig. Komisch – unfreiwillig allerdings – war er nur, als bei Hanna Schygulla in einem Hotelzimmer in Instanbul der Schmerz über den Tod ihrer Tochter herausbrach und sie sehr eigenartig schrie.
Aber das Hotelzimmer fand ich schön.

Die ganze Zeit dachte ich daran, was ein Künstler wie Aki Kaurismäki aus dem Stoff gemacht hätte. An dem Stoff gab es eigentlich nichts zu bemängeln. Aber Fatih Akim hat für jedes Problem das beim Schreiben des Drehbuchs auftauchte, die simpelste und dümmste Lösung gewählt, eine, die jeden halbwegs intelligenten Zuseher beleidigt. Ein ziemliches Gestümpere. Kein Tempo, kein Drive, kein Zug aufs Tor, keine Lakonie. Und das an die zwei Stunden. Wie ein Roman von Adler Olson: Auf 500 Seiten ausgewalzter Wortmüll, der von einem einzigen wahren Satz eines richtigen Schriftstellers hinweggefegt wird. Wie getrocknete Ziegenköttel bei Nordföhn.

Aber so ist das in dieser Gesellschaft. Man muss sich nur die Bestsellerliste ansehen. Das sagt mehr über uns aus, als alle soziologischen Studien.

Manchmal weiß ich nicht, was ich machen würde, wenn es nicht doch noch die richtigen Künstler geben würde, die richtigen Schriftsteller, die richtigen Filmer, Komiker und Artisten. Wenn ich an sie denke, verspüre ich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, weil ich weiß, dass sie mir das Leben retten…

Das Sprüchemuseum (9)

«Ich mag diesen Mann nicht. Er fragt zu viel. Er will alles wissen. Er ist wie ich. Aber ich will die einzige sein, die so ist.»

Ella, 8 Jahre. Ihr Kommentar zu einer Szene mit Kevin Kline im Film «Dave».

Home of the Subventions-punk

Wie wir seit meinem Blog aus dem Jahre 2009 wissen, hat der Punk endlich ein zu Hause. Im Burgtheater zu Wien nämlich, dort, wo der österreichische Spießer noch Ladungen von Mist ausgebracht hat, damals, 1988, als unter Peymann Thomas Bernhards Heldenplatz gegeben wurde. Schön war’s. Damals.

Heute auch. Denn es werden zwei «Tote Hosen»-Konzerte auf den mürben Brettern der Welt angeboten. Und etwa dreitausend Superpunkfans stellten sich bereits nächstens in die Warteschlange, genaus so, wie sie es noch vor zwei Jahren an der Hand von Mutti, für den neuen Harry Potter getan hatten. Jetzt nutzen ihnen ihre Erfahrung im Schlangestehen. Und Tumulte gab’s auch. Und Ohnmachtsanfälle. Die «Toten Hosen» im Burgtheater, herrjeh. Wo bleibt eigentlich der Mist? Keine Angst. Das IST der Mist.

Ich kann nur sagen: ich hab’s kommen sehen.

Zum Glück gibt’s noch den alten John Lydon, formerly known as Johnny Rotten. Und an den wollen wir uns halten und die Pfeifen aus Germany und deren Austria-Pfeifen-Publikum gleich runterspülen.

(Mit Ihren Steuergeldern subventionierter Punk! Das ist, das muss man neidlos zugeben, einfach köstlich, und wir bleiben beinahe untröstlich…)

Man möge zu John Lydon, den Blog meines alten Bandkumpels Franz Dobler anklicken, einfach rüber cursern, ganz nach links…

Weniger Demokratie, bitte!

Heute war ich etwas später dran, so gegen 9 Uhr, und auf dem Weg ins Geisteszentrum konnte ich 5 Umsonstos erblicken, die sich ohne jede Scham und Zurückhaltung, die sonntägliche Ladung Geistesmüll aus dem Dispenser zogen, frank und frei, als wär’s das Selbstverständlichste der Welt, dass man sich die Münzen für den Schlitz einfach spart. Nicht, dass ich der Meinung wäre, dass die «Kronenzeitung», «Österreich» und Konsorten auch nur des Ignorierens wert wären, aber es ist schon interessant zu sehen, wie sich im Laufe der Jahre der Geist gewandelt hat. Während die Jüngelchen zu Hause sich ihren Musikmüll gratis aus dem Netz ziehen, ziehen sich die Alten den Zeitungsmüll gratis aus dem Plastiksackerl, laden sich sozusagen umsonst und analog ihr täglich Dämelbrot herunter.

Vor ein paar Tagen fiel mir mal so ein «Österreich» in die Hände und da ich auf eine Pizza für die Kinder wartete, las ich ein wenig rein. Zuerst hielt ich den Text über Fiona Grassers Tierliebe für eine Satire von Florian Scheuba, der sich gerade mit einem mörderischen Kater plagte und seine 5 Sinne in die Schuhe gekotzt hatte, dann merkte ich: Die meinen das ernst.

Zur Zeit wird in Ösi-County gerade über mehr direkte Demokratie diskutiert, und ich frage mich, ob es diese Leute sind, die Krone und Österreich konsumieren, die mehr Demokratie wollen?

Nun ja, ich bin dagegen. Ich bin für weniger Demokratie. Es muss ja nicht immer alles mehr werden, oder? Und Leute die am Sonntagmorgen aufstehen um zu stehlen, um sich dann Texte dieser Art reinzuziehen, vor denen muss man sich in acht nehmen. Vor allem in Demokratien. In Diktaturen fallen sie nicht so ins Gewicht.

Außerdem sollte man die vorhandene Demokratie einfach besser nutzen, bevor man noch mehr davon macht. Das ist der korrekte Weg der Hypertrophie. Auch bin ich dafür, dass jede/r eine Demokratieveträglichkeitsprüfung ablegt, dass er zumindest das Prinzip der Rechtstsaatlichkeit versteht, den Begriff der Realsatire definieren kann, und außer dem Hund noch 2 Tiere kennt, die er nicht isst.

Neulich war der VIze der Ösi-Regierung in der Schweiz und hat sich eine Landsgemeinde in Glarus angekuckt. Aus verlässlicher Quelle weiß ich, dass der Spindi nicht allzu viel verstanden hat.
Es ist so wie in einer Folge von «Two and a half men», in der Alan sich als Frauenheld und sein Sohn Jake sich als Säufer versuchen. Es endet in der Katastrophe. Und Charlie sagt (in etwa) am Schluss: «Ihr seht mich trinken und mit Frauen rummachen und glaubt, das ist leicht. Ihr überseht dabei, dass es jahrelange Übung dazu braucht.»

So verhält es sich auch mit mehr direkter Demokratie.

Gunst und Ginstler

Mein Umgang mit der Menschheit ist nicht friktionsfrei. Ich versuche ihn daher runterzudimmen wie einen betrunkenen HMI in einem Stück von Strindberg oder auszudünnen, wie die alte Hure den räudigen Pelz in ihrer Bikinizone. Ansonsten habe ich Umgang mit ganz gewöhnlichen Menschen: Kassiererinnen, Schustern, Kindern, Trafikanten, Fitnesstrainern, Angebern, Quatschköppen, Streithanseln, Weinverkäufern und Friseuren. Aber manchmal auch: mit Künstlern.

Es gibt welche, die sind wie ich, und haben in etwa denselben Umgang. Aber es gibt auch welche, die ausschließlich mit Künstlern verkehren. Sie haben ihr Leben der Kunst gewidmet. Sie atmen gewissermaßen Kunst, sie kennen alle und jeden, und wenn man mit ihnen spricht, besteht die Unterhaltung aus einem nichtendenden Namedroping, die Namen der Berühmtheiten tröpfeln aus ihnen heraus, wie aus einem ausgeleierten Wasserhahn in einem Pimperzimmer von bolivianischen Kumpeln aus’m Bleibergwerk. Das macht Spass. So an die 14 Minuten.

Wenn man sie fragen würde, was ein Hamstrings ist oder ein Quadrizeps, hielten sie es für diese altgriechische Gedichtform, von der ihr Freund Genanzino neulich mit ihrem guten Kumpel Christiane Hörbiger gesprochen hat.

Wenn sie Spaghetti «Alio/Olio» verdrücken, fällt ihnen sofort die aufregende Story ein, wie sich ihr guter Freund Mario Adorf fast die Eierstöcke am Kochwasser verbrüht hat … oder war’s doch H.C. Artmann, dem die Brille ins Krügerl-Schnapsglas fiel, damals, als er gerade ihr Trauzeuge sein sollte und dann doch lieber dem Pfarrer an die Wäsche wollte?

Sagt man, z. B., Hodenkrebs, dann schwallen sie gleich ab, und haben eine Geschichte parat, die von den drei Eiern der Senta Berger handelt, und wie ihr neulich eins runtergefallen ist, so flutsch-kabutsch, das linke Hosenbein runter, und dann direkt vor dem Maul des unvollständig kastrierten Säbelzahntigernachkommen «Guzzihupp» landete, dem überintelligenten Kater eines Enkels von Paul Klee, der mal im Suff (der Kater), einen Miro kopierte, der dann fälschlicherweise Beltracchi zugeordnet wurde.

Tja, und so geht’s mit ihnen dahin, diesen Künstlern. Wenn sie wieder gehen, will man zwei Wochen von Kunst und Kultur nichts mehr wissen. Oder sinds zwei Jahre?

Man möchte nur noch zusehen, wie der Löwe das Gnubaby zerfleischt, wie das Rudel in der Dunkelheit geduckt heran schleicht, und dem Baby alle Beine abreißt.
Das ist schließlich auch Kunst, wie mein Freund Heiner Lauterbach neulich sagte, als er beim Sackkratzen einen alten zerfaserten Teddybären fand, den er vor Jahren mal seinem Sohn schenken wollte, aber dann doch lieber mit Georg Baselitz ins Hallenbad ging, wo gerade ein Film von Jimi Hendrix lief. Jimi Hendrix, mit dem Baselitz ein Groupie teilte, das später eine berühmte Okarinaspielerin wurde. Aber dann musste ihr rechter Fuß amputiert werden, da ihr auf einer Party der Tiger von Mike Tyson drauf gepinkelt hatte. Und das nur, weil der sich von der Kette losgerissen hatte, die vom zugekoksten Alan Alda nicht richtig befestigt worden war. Denn der konnte einfach nicht aufhören auf Merryl Streeps Beine zu starren, die sich gerade bückte um einen Tausender aufzuheben der Clint Eastwood runtergefallen war. Clint wollte damit den Bruder des Masseurs von Paul Auster, der ein guter Bekannter von Julian Schnabels Maniküre war, bezahlen. Auster, der wieder mal kein Kleingeld dabei hatte, weil er alles Philipp Roth borgen musste, der es mit einer Hure von den Shetland-Islands auf den Kopf hauen wollte. Diese war aber, wie sich aber herausstellte, ein Mann, und mit Tim Robbins verheiratet, der gerade in die kristallene Koksschale von William Schattner kotzte. Diese Schale war aus Swarowskisteinen zusammengenietet, die ein erleuchteter Freund von Elliots Goulds Rebbe – so tuschelt man – höchstpersönlich aus Fiona Grassers feuchtem Schmuckkästchen gezüngelt hatte.
Tja, so kanns gehen. Das kennen wir doch alle.
Machen wir uns nichts vor!

No fear, but bitterness

Am 3. November 2009 schrieb ich im Blog mit dem Titel: «Der langsamste Mann der Stadt» über einen Typen in meinem Grätzel, der zum Überqueren der Straße drei Grünphasen brauchte. Pro Schlurf  (Schritt wäre ein unzuläßiger Euphemismus) schaffte er ca. 5 cm Weg. An Krücken.

Ich hätte nicht gedacht, dass es mit ihm wieder wird. Er hatte diese Angst im Gesicht. Als säße der Tod in der Brusttasche seines karierten Hemdes. Jetzt, fast drei Jahre später, ist er immer noch da. Ich seh ihn hin und wieder, wenn ich aus dem Geisteszentrum komme. Er sitzt nun auf der Bank in der Bushaltestelle «Rainergasse» und raucht Filterzigaretten. Die Angst in seinem Gesicht ist weg. Dafür gibt es einen etwas bitteren Zug um den Mund. Nicht mega, nur super (wie Harry Coltello sagen würde). Aber Bitterkeit ist alleweil besser als Angst. Finde ich.

Ich finde auch, dass er ein taffes Kerlchen ist. Irgendwie. Mit seinen Scheiß-Krücken, und seinen kleinkarierten Hemden und seinen stundendauernden Einkaufstouren über die Favoritenstraße.

Ich würde ihn gerne ins Geisteszentrum einladen und ihm dort zeigen, wie man die Muskeln der Quadrizeps, der Hamstrings und der Waden kräftigt. Das könnte was bringen. Vielleicht sollte ich ihn mal ansprechen? Aber das ist schwer. Ich fürchte, dass es dann ganz anders ist, als ich mir vorstelle. Davor hab ich Schiss, da will ich mal lieber nichts riskieren.

Wie die Alte, die hier im Grätzel da und dort anzutreffen ist (allerdings schon lange nicht mehr gesehen), und die immer nur krächzt: «Schullige, hasdueinEuro?», die, wie ich mal vernahm, durchaus vermögend sein soll, aber bevormundet, und deren Schnorrerei ziemlich erfolgreich ist (war?).

Wer gibt denn einer alten Inländerdame keinen Euro? Außer mir, natürlich. Aber ich habe ja auch kein Herz, wie mir immer wieder bescheinigt wird.

Vielleicht habe ich Glück, und ich seh den alten Krückenheinz wieder mal über die Favoritenschlucht kriechen, angstlos und ein wenig bitter. Wie ich.

Das Sprüchemuseum (8)

«… da konnte der Vater in der Schule sein Blutbad verrichten.»

Da erwehrte sich wieder einmal ein österreichischer ORF-Reporter des Verdachts, der deutschen Sprache mächtig zu sein. Durchaus mit Erfolg, wie ich finde.

Fuck, odrrr?

Es ist immer auf’s Neue spannend, nach einigen Tagen unterwegs (bei Freunden in Deutschland und Schweiz) gutgelaunt wieder nach Wien zurückzukehren. Ich frage mich jedes Mal, wie lange es dauert, bis mich der Grant wieder hat; der Hass, die Abscheu, die Verachtung.

Heute morgen, nach 4 Tagen, war es so weit. Nach dem Training im Geisteszentrum. Auf dem Weg in den Supermarkt. Ich ging förmlich in den Grant hinein, Schritt für Schritt, ohne jeden erkennbaren Anlass. Strange. Als würde ich vergiftet. Über die Luft, die ich einatmete.

Gestern, spätnachts, fiel ich beim finalen Zapp noch in einen «Club 2» im ORF. Da waren sie zugange, die Weaner, die nichtanonymen Alkoholiker, der  Roland Neuwirth, der Arik Brauer und Konsorten, und beklagten wortreich winselnd den Niedergang des Wiener Idioms. Vor allem Neuwirth hätte am liebsten losgeplärrt, schaffte es aber doch nur, wie immer, auf die Deutschen zu schimpfen. Wie der Dummkopf Heinz Sychrovsky in seiner tamischen Büchersendung «erlesen» im ORF-Kulturkaneu, zusammen mit dem dummen Miguel Herz-Krestanek, einem bedeutungslosen Schauspieler, der als Autor nun seine jüdische Familiengeschichte ausgeschlachtet hat. Selbst der nette, kluge Franz Schuh, der auch in der Runde saß wie Buddha höchstpersönlich, wirkte genervt von Herzens Platitüden, und der grenzdebilen Deutschenfeindseligkeit von Sychrovsky.
Aber ich schwiff ab. Schwoff ab.

Wie blöd diese Wiener Aborigines sind, zeigt sich auch in ihrer, alle paar Sekunden neu proklamierten Ansicht, dass das Wiener Idiom ja so reich sei, so wahnsinnig reich, so irre reich, so unerreicht reich an Ausdrücken für den Tod und so. Aber da sie Wien nie verlassen, diese 16-er Blechdödel, nur immer mit ihresgleichen rumkarabasken, können sie nicht wissen, dass alle Dialekte, Idiome und Soziolekte reich an Ausdrücken sind.

Dann musste Neuwirth noch das Wiener Begräbnislied zum Besten geben.
Dabei gibt es nur ein einziges wahres Wienerlied, gesungen von Kurt Sowinetz zur Melodie von Beethovens Ode an die Freude:

Refrain
Alle Menschen samma zwider , i mechts in die Goschn haun
Mir san alle Menschen zwider, in die Goschn mecht ichs haun.
Voda, Muada, Schwester, Bruada und de ganze Paklraß
Alle Menschen samma zwider, wann i Leit sich geh i haaß

Was, Ihr kennt mi a net leiden, und es sogts i bin net gscheid,
oba mit so blede leit werd i mi no lang net streiten …

Irgendwas ist mit dieser Stadt, das ist sicher…