Gut. Ein neues Jahr. Für mich das siebzigste neue Jahr. Was soll man da noch sagen? Happy new year? Wär ein Anfang. Aber warum happy? Wird es ja doch nie. Zum unserem Glück, gibt es keine ganzjährige Happiness.
Im Film „Out of Africa“ fragt die zurückgekehrte Farmbesitzerin (M. Streep), ihren schwarzen Verwalter wie es ihm gehe, und er antwortete: „Gut genug“.
Das hat Eindruck hinterlassen. Bei mir. Gut genug. Yes, Sir and Madame, Gut genug, ist gut genug.
Ich würde jetzt nicht soweit gehen wie der etwas puristische Philosoph Epikur, der Glück als Abwesenheit von Schmerz definierte, wobei es gerade bei mir so ist, denn ich habe ein Jahr voller Unbill, Schmerzen, Ärgerlichkeiten, Notfall-Aufenthalten, OPs, Untersuchungen und vor allem auch monatelange Abstinenz (Abstinenz von jeder körperlicher Betätigung) hinter mir. Das alles ist nun Geschichte. Also bin ich glücklich. Gehe wieder täglich in den Gym, und habe das Rudern als Sport für mich entdeckt. Ein einigermaßen komplexe Angelegenheit. Man würds nicht glauben, wenn man nicht wüsste, dass man vorsichtig sein sollte mit dem Glauben.
Die Weltlage gebietet es, in Sack und Asche zu gehen, und sich zerknirscht zu geben. Sorry, ich kann nicht dienen. Aber so ist es eben: Das Persönliche überlagert (in den meisten Fällen) das Allgemeine. Im Guten, wie im Schlechten.
Außerdem lese ich wieder mal die über 400 Jahre alten Essais von Michel de Montaigne. Wie immer auf dem Fahrrad Ergometer. Für mich sind sie eine Offenbarung. Ich glaube, wenn ich mich für nur ein einziges Buch entscheiden müsste, wären es diese Essais. Aber vermutlich würde ich, wenn man mich vor diese Wahl stellte, so angefressen sein, dass ich mich für KEIN Buch entscheiden würde, um selber eins zu schreiben.
Was meine etwas schweren Gedanken, meinen nahen Geburtstag betreffend, verblasen hat, war der Ausspruch eines Mannes, der von Jörg Fauser als Hamlet bezeichnet wurde: Clint Eastwood. Er sagte: „Don’t let the old man in.“
Und ich erinnerte mich wieder an die Männer in ihren Siebzigern, die ich vor 40 Jahren, in den frühen Morgenstunden im Schwimmbad angetroffen habe, und ihnen zusehen konnte, wie sie formvollendete Kopfsprünge vom Sprungturm machten.
In einem Gedicht schrieb ich: „Damals, wie heute meine Vorbilder.“
Sie haben den alten Mann nicht reingelassen.
Äs guets Neus, allersitts!
