Vor etwa drei Tagen habe ich an ihn gedacht, und Google angeworfen, nur um zu sehen, ob er, der Alte noch lebt, und heute erhielt ich die Nachricht, das er vorgestern diese Welt verlassen hat.
Er ist der Musiker, mit dem ich die meisten meiner Konzerte gesehen habe, denn er war einer der wenigen, die in den Neunzigern noch nach Wien kamen, obschon sich hier nur eine ziemlich orthodoxe Western-Fan-Gemeinde etabliert hat. Also Boys and Girls in Boots, Stetson, und umgeschnallten Revolvergurten. Und die hatten kein Interesse an Tex-Mex, was zur Folge hatte, dass die Konzerte nur von Kennern besucht wurden, was wiederum hieß, es waren wenige. Sehr, sehr wenige.
Ich weiß das so genau, weil ich auch solche Konzerte – auch mit seinem Bruder Santiago Jimenez – mitorganisert hatte.
Als er, zusammen mit Augie Meyers, Freddy Fender und Doug Sahm, genannt „Texas Tornados“, in der riesigen Kurhalle Oberlaa, die ca. 16’000 Leute fassen kann, auftrat fanden vielleicht 60 Aficionados den Weg dorthin. Und es wurde, in diesem leeren Saal, das beste Konzert das ich je erlebt habe. Es war einer dieser raren Gigs, bei dem der Funke sprang, und letztlich die Leute vor Begeisterung auf den Tischen tanzten, und der fast 60-jährige Akkordeonist Jimenenz stage diving vollführte. Was waren wir all aus dem Häuschen! Es war reine Magie.
Dann war ich zufällig im Berner Oberland, als er mit einer neuen jungen Combo in der „Mühle Rubigen“ sich die Ehre gab, und dort war der Laden brechend voll.
Als ich in einer Pause der Hitze entkommen wollte und mich draußen auf eine Bank setzte, kam er und setzte sich neben mich. Da saßen wir, und blickten schweigend in die Nacht, und es war irgendwie, wie damals als ich, Hirte auf einer Alm, manchmal neben dem alten Nachbar-Hirten im Gras saß und wir unseren Herden beim Grasen zusahen. Schweigend, lange, voll guter Gefühle, weil ich wusste, dass jedes Wort diesen Zauber brechen würde. Denn es war ja schon alles gesagt …
Du warst ein ganz Großer, „dünner» Mann, mi corazón llora.
