Work-Life-Balance

Gerade durfte ich erfahren, dass wir, die Boomers neidisch sind auf die Gen Z, die «nicht mehr soviel hackeln will“.
Nun ja, ich weiß nicht so recht. Neidisch?
Ich weiß auch nicht so genau, was der Begriff „Work-Life-Balance“ bedeutet.

Ich, zum Beispiel, wollte eigentlich nie arbeiten. Ich brauchte keinen Job, ich brauchte Geld. Das Problem, dass mit dieser Einstellung aufpoppte, war, dass die Optionen dafür im tiefen einstelligen Bereich lagen: Arbeiten oder Kriminell.

Oder ein bisschen von beidem. Ist das dann die Work-Life-Balance?

Ich habe mitunter sehr hart gearbeitet, zum einen weil ich es gut kann und konnte, zum andern, weil mir einfach nichts anderes einfiel um die Miete aufzubringen. Zwischendurch war ich auch ein bisschen kriminell. Nur so ein bisschen, nicht viel, nicht wie Benko oder ein Schlepper, eher wie so’n luscher Ladendieb oder ein kleiner Verticker von Pflanzenharz.

Das war aber selten der Fall, und nur zur Überbrückung von Notlagen angewendet. Ich bin kein guter Krimineller. Wegen der Work-Life-Balance, vielleicht. Zuviel Stress und Paranoia, und Geld, was über die Befriedigung meiner eher frugalen Bedürfnisse ging, interessierte mich nicht sonderlich. Leider, könnte ich heute klagen, wenn ich meine Mikro-Renten erhalte. Aber ich klage nicht. Wie heißt es im Song von Hannes Wader: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort … hab es selbst so gewählt …“
Nun ja, vielleicht auch nicht. Darüber denke ich des öfteren nach: Was ist es, was einen dies oder jenes wählen lässt? Wie frei ist man in seinen Entscheidungen? Was einem zur Frage bringt: Warum bin ich so, wie ich bin.

Wer so eine „Work-life-Balance“ hinter sich hat, landet schnell mal bei der Philosophie oder der Literatur. Was eigentlich dasselbe ist. Und von Nietzsche wissen wir, dass Philosophie aus dem Körper entsteht, nicht, wie irrtümlich viele annehmen, aus dem Geist. Der Geist folgt dem Körper. Und der Körper folgt was?

Tja, nun haben wir den Salat. Den Genen, der Erziehung, oder unserem unverstandenen eigenen Wesen. Bin ich nun ein Mystiker? Und wenn ja, ist das meiner katholischen Erziehung geschuldet?

Ich vertrete ja die Ansicht, dass unsere Physiognomie es ist, die uns die Partei wählen lässt, die wir wählen, und der wir uns zugehörig fühlen.

Und das mit der angestrebten „Work-Life-Balance“ der Gen Z?
Soll’n se.
Aber das hat und wird Konsequenzen zeitigen.
Nicht jammern, bitte, wenn die Rechnung auf den Tisch kommt.

Neid?
Wie sagte einst ein Musiker-Freund von Bob Dylan: „Denk dran, Bob: Kein Neid, keine Niedertracht.“
Genau!