Ich bin ein Rawdog

Und zwar ein geborener. Obschon ich kaum in ein Flugzeug steige, aber oft und lange im Zug sitze. Im Sommer z.B. 12 Stunden quer durch Germany. Meine mitreisende Frau sah sich die ganze Zeit über, das Olypia-Spring-Dressurreiten an, und ich tat Raw-dogging. Wie immer.

Es scheint sich zu einem Reisetrend entwickelt zu haben, für das ich eigentlich nur das Wort „Reisen“ hatte. Aber Reisen ist schwer heute. Heute wird man tranportiert.
Die wahre Härte des Raw-doggings ist nicht die Abwesenheit von Annehmlichkeiten (siehe unten), sondern die Härte ist das, was Sartre mal treffend bezeichnet hat: „Die Hölle, das sind die anderen.“
Diese Hölle muss man aushalten können. Und das ist DIE Prüfung. Ich will sie nicht im einzelnen schildern, aber wer mit der Bahn reist, kennt sie, die Hölle. Oder wer in einem Touristenort leben muss. Oder in meiner Gasse voller Bauschlöcher.

Ich werde der Bahn vorschlagen, eine weiter Klasse einzuführen. Nicht 2., nicht erste, nicht business, sondern die „Raw-Dog-Class“.
Und da sitzen wir dann, wir „Trend-setters“ und tun, was Raw-dogs eben so tun. Die Fresse geschlossen halten, das Phone, den Laptop und das Buch im Rucksack lassen, während unser Blick über die vorbeihuschende Lanschaft streift, und wir happy sind unseren Gedanken freie Fahrt verschafftzu haben, und vor allem, dass die Hölle erst einen Waggon weiter vorne stattfindet.

„Raw-Dogging“ ist ein Reisetrend, der Passagieren einiges abverlangt, denn dabei soll während einer Flugreise auf jegliche Ablenkung bzw. Annehmlichkeiten verzichtet werden. Ohne Handy, Laptop, Filme und sonstigen Ablenkungen soll die Aufmerksamkeit bei den eigenen Gedanken bleiben.