Hans Frick (hr2 kultur Feature)

Wir übernehmen heute wieder mal den Inhalt unseres befreundeten Blogs aus Dobler City und raten ebenfalls zu diesem Feature über den wichtigen, aber  fast vergessenen deutschen Schriftsteller Hans Frick:

HANS FRICK (8)

Heute, Hessischer Rundfunk, hr2 Kultur 18:04 Uhr

Blaue Stunden – Auf den Spuren des Schriftstellers Hans Frick
Ein Feature von Hanne Kulessa

„Hans Frick wurde 1930 in Frankfurt am Main geboren. Es gibt wohl keinen anderen Frankfurter Schriftsteller, der diese Stadt so hart porträtiert hat wie der im Gallusviertel aufgewachsene „Juddebub“. Mit dreißig Jahren schrieb Frick seinen ersten Roman, in dem ein KZ-Arzt, verfolgt von Schuld und Alpträumen, versucht, einen Prozess gegen sich selbst zu erwirken. „Breinitzer oder Die andere Schuld“ erschien 1965. Frick war befreundet mit dem Hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, mit dem Philosophen Georg Lukács, mit dem Schriftsteller Erich Maria Remarque. Er, der Autodidakt, der uneheliche Sohn einer Arbeiterin, fand große Anerkennung, aber seine Lebensangst und seine Wut auf die Gesellschaft blieben. Er schrieb sich in vielen Romanen, Hörspielen, Filmen diese Angst vom Leib, trank gegen sie an, aber trotz des immensen Alkoholkonsums blieb sie seine ständige Begleiterin. “Wann werde ich abgeholt?“ Diese Frage aus der Kindheit verfolgte ihn bis zum Schluss. Hans Frick veröffentlichte 1980 sein letztes Buch „Die Flucht nach Casablanca“. Danach zog er mit seiner Frau Karin zuerst nach Portugal, dann nach Spanien, wo er 2003 starb. Das Feature von Hanne Kulessa folgt den literarischen Spuren, die Hans Frick in Frankfurt hinterlassen hat, es kommen Weggefährten zu Wort und Frick selbst mit Auszügen aus Interviews und Lesungen.“ (hr2-kultur 2016)

Die Knallbar Diaries (50)

Ja, wen wundert’s? More of the same. Too much is not enough.

Die Zukunft allein genügt nicht: Wir brauchen mehr Zukunft. Für unsere Kinder, aber auch für uns selber. Mehr Zukunft verspricht einfach… mehr. Und was ist besser als mehr? Wir brauchen keine bessere Zukunft, sondern eben… mehr.
Von der unsäglichen Dämlichkeit dieser Werbung hätt ich auch gerne…

Eine Empfehlung

Ein Interview mit dem Schriftsteller Édouard Louis, der das wunderbare, wichtige, schmutzige, gewaltstrotzende, schöne und wahre Buch „Das Ende von Eddy“ geschrieben hat.

Nicht nur allen gelinkten Linken sei es ans Herz gelegt. Beides. Das Buch und das Interview:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/frankreich-die-linke-muesste-meine-eltern-ansprechen-ohne-soziorassistisch-zu-sein-1.3469363

Die Knallbar Diaries (49)

Verleger Moss ruft an.
-Was ist, Knallbar, hast du heute etwas zu den Zeitläuften zu sagen? Oder hälst dich wieder mal vornehm zurück.
-Hör zu, Moss, ich sag dir was: Wer in Sicherheit und Freiheit lebend, in seiner alten Heimat demokratisch den Faschismus wählt, ist ein widerwärtiges und verachtenswertes Stück Scheiße, und die innerste Zicke seines Wollens ist letztlich Krieg. Reicht das?
-Vollauf, Knallbar, vollauf.

Die Knallbar Diaries (48)

Eine Lieblingsfurcht des blutjungen Lev-André Knallbar war, sich der Vorstellung hinzugeben, ohne eine Münze in der Tasche (pleite wie immer), und ohne Vorwarnung, auf die Straßen von New York gebeamt zu werden, plötzlich am Times Square zu stehen oder in einem Straßenzug der Bronx, einfach so, piff-paff-puff. Da ging dem Kleinen aber der Reis! Wobei, so klein war er auch wieder nicht, nur jung.

Und so mühte er sich redlich, der Lev-André, diese Lieblingsangst zu überwinden, und lebte dahin, bis die Furcht sich in Lust verwandelt hatte. Das hielt er geheim, verriet es niemandem, bis er dann einmal darüber schrieb. Unter einem Pseudonym, das hier, an dieser Stelle, gelüftet werden soll: Martin Walser. Oder war’s doch Günter Grass? Oder Donna Leon? Zsusa Bank?

Die Knallbar Diaries (47)

Die Ahnung war vorhanden, jetzt ist es Gewissheit: wir, die Hippies, sind schuld an Trump, LePen, Putin, Pegida und AfD.

Macht nichts. Ich persönlich bin es gewohnt, schuldig zu sein. Wir sind schuld, weil wir gegen den Staat waren, die Familie, den Zwang, die bescheuerten Lebensperspektiven, die in einem Häusel in einem Vorort zu einem Ende finden sollten. Wir sind schuld, weil wir der Spießerhölle unserer Altvorderen entkommen wollten, weil wir Drogen einwarfen und Hermann Hesse lasen.
Gut, wir habens so halb verkackt, das Make Love not War, das Peace Brother, und den ganzen Rest der Revolution. Wir sind schuld. Geschieht uns recht.
Und irgendwie will man mich jetzt glauben machen, dass ich gewonnen hätte, und weil ich gewonnen hätte, würde ich jetzt Macht ausüben. Etwas dümmeres hab ich noch nie gehört.
Schuld bin trotzdem. Schuld, weil wir nicht den Endsieg davongetragen haben.

Aber wer ist eigentlich Schuld, dass wir Hippies wurden?
Eben.

Das Sprüchemuseum (76)

„Eine Ecke in Schöneberg erregt mich mehr, als der Schnee auf dem Mont Blanc.»

Jörg Fauser

Wir sagen: Das ist zwar nicht der Mont Blanc, nur die Jungfrau, aber Schöneberg ist auch nicht mehr was es einmal war.

Die fucking Story am Sonntag – mit viel fucking, aber eher wenig Cocksucker

  • – Täusche ich mich oder hast du fucking zugelegt?
  • – Das ist jetzt nicht dein fucking Ernst, oder?
  • – Ich wollte nur höflich sein.
  • – Brauchst du nicht. Ich weiß, wie ich aussehe. Zur Zeit.
  • – Dann ist ja gut. Fucking viel bist geworden.
  • – Wie meinst du das?
  • – Na ja, ohne Blumen: Fucking fett.
  • – Fucking Rauchstopp.
  • – Gratuliere.
  • – Was gibt’s da zu gratulieren? Siehst ja was daraus geworden ist. Fucking 15 Kilo mehr.
  • – Und was unternimmst du dagegen?
  • – Unternehmen? Was soll ich unternehmen? – Nichts.
  • – Weiß doch jeder, dass das Rauchen den fucking Darm daran hindert alle Nahrung aufzunehmen und man daher mehr essen kann. Musst halt ein bisschen Sport machen. Wie wär’s mit fucking Joggen?
  • – Geht nicht. Bin zu schwer. Fucking Gelenke.
  • – Radfahren?
  • – Kann ich nicht.
  • – Im Ernst?
  • – Im Ernst.
  • – Fucking Fitnessstudio?
  • – Das ist doch deprimierend. All die fucking Cocksucker, die sich vergebens mühen jung und aktiv zu bleiben und am Ende doch den fucking Löffel abgeben.
  • – Bist du ein fucking Kauz, oder was!
  • – Stimmt doch. Fucking no! Definitiv: Kein fucking Fitnessstudio.
  • – Ich hab’s: Du schaffst dir einen fucking Hund an. Die Spaziergänge mit ihm bringen dich wieder auf Trab…
  • – Ich kann Hunde nicht ausstehen.
  • – Du kannst Hunde nicht ausstehen? Was bist denn du für eine strange Art von Cocksucker?
  • – Einer der vielen, die fucking Hunde nicht mögen. Nichts weiter.
  • – Wie wärs mit Appetitzüglern?
  • – Verträgt mein Magen nicht.
  • – Mit Willenskraft weniger futtern?
  • – Vergiss es.
  • – Ich habs: Fucking Schwimmen.
  • – Ja, das könnte gehen. Schwimmen ist fucking cool.
  • – Na super. Dann haben wir das Problem ja gelöst…
  • – Nee, stopp, geht nicht. In Hallenbädern zieh ich mir immer einen fucking Pilz auf, und in Naturgewässern meldet sich meine Algenallergie. Da bin ich nur noch am Niesen und rotzen.
  • – Dio mio, du bist vielleicht kompliziert. Aber ich geb nich auf.
  • – Wie du willst.
  • – Fucking Rudern?
  • – Mein fucking Arsch passt in kein Boot.
  • – Bergwandern?
  • – Siehst du hier irgendwo einen fucking Berg?
  • – Skilanglauf? Eislaufen?
  • – Wir haben fucking 34 Grad.
  • – Pilates, Yoga, Aerobic, Bodybuilding, Boxen, Thai Chi oder japanischer Schwertkampf…
  • – Drehst du jetzt durch?
  • – Nein. Aber ich gebe nicht auf. Niemals.
  • – Du bist eben ein fucking echter Freund.
  • – Stimmt. Und jetzt hab ich die fucking Lösung…
  • – Und die wäre?
  • – Du kaufst dir eine Schachtel Zigaretten…

Die fuckingfreie fucking story am Sonntag (2)

«Ich liebe Mussorgsky»


Jung-Bauer Modest Moor, der sich nach dem Tod seiner musikverrückten Mutter in Max umbenannt hatte – man hatte ihn als Kind nur „Modi“ gerufen -, bewirtschaftete seinen kleinen Hof im schroffen Holltal allein, und es fehlte ihm an nichts.
Als sich aber irgendwann, ein leiser, dann stetig anschwellender Schmerz in seiner Brust einistete, dachte Max erst einmal an hartnäckiges Sodbrennen. Er sollte vielleicht seine Ernährung ändern, dachte er, und ging zu Bett und vergass das mit der Ernährung gleich wieder.

Eines Morgens wachte er auf, und hatte das Gefühl, dass aus dem Gelege des Schmerzes, kleine, hungrige Schmerzchen geschlüpft waren, die krähend und lebensgierig nach Nahrung verlangten.
Und dieses Gefühl blieb – und wuchs.
Einmal vetraute er sich dem Dorfwirt Wastl an, und der sagte nur: „Max, du brauchst eine Frau.“
Er riet Max, ein Inserat aufzugeben.
„Und stell dein Licht nicht unter den Scheffel“, sagte er. „Die Frauen mögen keine bescheidenen Männer. Trag ruhig mit dem Schaufelbagger auf.“

Max beherzigte Wastls Rat, allerdings mit schlechtem Gewissen.
Er war nun nicht mehr 1,72m groß, sondern 1,82, besaß nicht sieben Kühe, sondern zwölf, sein Haus war kein bescheidenes Anwesen mehr, sondern ein moderner Bungalow mit Hollywoodschaukel, auf der er, wie er schrieb, mit seiner Braut in den Sonnenuntergang schaukeln würde. Dass die Sonne im schroffen Holltal bereits gegen 15 Uhr hinter den gezackten Graten verschwand, erwähnte er nicht.
Er zeigte das Inserat Wastl, der nickte, klopfte ihm auf die Schulter, und das Warten begann.

Eines Tages lag ein parfümierter Brief im Briefkasten, und zwei Wochen später traf Max sich mit Olivia in einem Café der Kreisstadt.
Olivia war groß, dunkel und schlank, mit träumerischen Augen, die Max das Gefühl gaben, dass alle krähenden Schmerzchen in seiner Brust gerade wohlig satt waren.

Sie verabredeten, sich am nächsten Wochenende bei Max zu Hause zu treffen.
Die nächsten Tage blieben die Vögelchen in Max’ Brust ruhig. Dafür meldete sich das schlechte Gewissen. Er schämte sich jetzt und wünschte, er hätte nicht so übertrieben.
„Ach was,“ sagte Wastl. „Nur immer brav den Kurs halten. Dann wird das schon.“

Max bangte dem Wochenende mehr entgegen, als dass er es herbeisehnte.
Als Olivia dann kam und er ihr alles gezeigt hatte, sagte er: „Du hast wohl bemerkt, dass ich ein wenig übertrieben habe.“
„Ja“, sagte Olivia, „aber ich bin auch ein kleines bisschen von der Wahrheit abgewichen…“
„Aber nicht so extrem wie ich, oder?“
„Wie mans nimmt“, sagte Olivia und verschleierte ihren Blick verführerisch. „Ich bin – ein Mann.“
„Okay“, sagte Max. „Aber ich muss noch was gestehen: Ich heiße nicht Max, sondern Modest. – Schlimm?“
„Aber nicht doch. Ist perfekt“, sagte Olivia, „Ich liebe Mussorgsky.»
Wastl wurde Trauzeuge.

Die Knallbar Diaries (46)

Verleger Moss rief an. (Wie oft hab ich das schon hingeschrieben? Leichtfertig. Unbedarft. Aber nichtsdestotrotz absolut wahr.)
Er war der Meinung, dass ich mich zu still verhielte. Ich müsse politisch Stellung beziehen, und all sowas, sacht er. Alle täten es, sacht er, nur der Knallbar hält sich wieder mal vornehm zurück. Fracht er, ob dies aus Feigheit geschähe oder doch nur meiner weltberühmten Faulheit geschuldet sei.

Fuck you, cocksucker, sach ich ganz freundlich, hat denn nicht bereits jeder und jedin zur Sache gesagt, was es zu sagen gibt? Und dies auch noch mehrmals? Soll ich auch noch meinen intellektuellen Seim abstreifen, frach ich. Nö, sacht Moss, aber wieder mal ein Wort von dir zur Lage wär schon angebracht.
Hab nichts zu sagen, was nicht bereits mehrmals gesagt wurde, sach ich.
Ja, und sonst? Nichts?
Na ja, sach ich. Kaum was.
Ach, komm, jeiert Moss, irgendwas is doch immer.

Also gut, sach ich, hurch zue: Heute morgen, nach dem Schwangerschaftsturnen, hat ich’s eilig und ging wie üblich bei Rot über die Straße. Steht so eins von diesen neuen, grünen Pussymännchen mit Söhnchen vor der roten Ampel, einer von diesen neuen Typen, die jetzt weiblicher als die Muttis ihrer Blagen sind, und ruft mir nach: «Danke, dass Sie meinem Sohn ein Vorbild sind!“
Sach ich: „Sehen Sie zu, dass SIE ihrem Sohn ein Vorbild sind. Das reicht vollkommen!“

So läuft das jetzt also bei diesen, vom herrschenden Solzialstaat deppert gefütterten Mulchen: Jetzt muss jeder und jedin auch noch Vorbild für ihre Gschroppen sein.
Eigentlich hätte ich der Pussy eine langen sollen, aber du weißt ja wie ich bin: Gutmütig bis zum Exzess. Stimmts Moss?
Aber da hatte er schon aufgelegt. Der wollte gar nicht wissen, was ich von der Weltlage hielt, der Cocksucker…