Der neue Papa ist in Arbeit

Wann immer man das TV einschaltet, ist nicht Prime-time, sondern Papa-time, und selbst in den säkularsten Spieleshows wird rechts oben in der Ecke der schwarzrauchende Kamin des Konklave eingeblendet. Mehr Papa-show war nie, mehr in leuchtendes Rot gewandete Greise, die in Zweierreihen tausend Meter hohe Hallen abschreiten, gab es niemals. Das heißt, es gab sie schon, aber wir wurden verschont, und mussten es nicht mit ansehen. Warum? Es schien eine Zeit zu geben, als ein Leben ohne Papa nicht sinnlos erschien, sondern eher wünschenswert.

Die Depandancen des Peterdoms erfreuen sich normalerweise am Besuch von Millionen. Nur nicht während der Gottesdienste, da ist eher tote Soutane, denn dann lassen sich nur die asiatischen Touristen nicht von der handvoll Gottesdienstbesucher vom Selfiemachen abhalten.

Aber wer mag besser wissen, als die katholische Kirche selber, dass „No business, like Showbusiness“ gilt. Und da so ein Papa meist lange im Amt ist, muss man die Gelegenheit nutzen, wenn es mal einen Wechsel gibt. Ich, der ich ja schon einige Dekaden auf Erden weile, erlebte nur 4 Päpste. Den Johannes XXlll, Paul Vl, Johannes Paul ll, Benedikt (wirsind Papst) XVl, und eben den gerade durch den Medienfleischwolf geshangheite Franziskus.
Sind alle 17,25 Jahre ein Papa. Oder 0,0579 Papa pro Jahr. Nicht gerade viel.

Und falls es jemanden gibt, der das als eine Frivolität empfindet, dem sei gesagt, dass die Stunden in denen ich mich in katholischen Messen gelangweilt habe, den Tausender schon zwei, drei, vier Mal voll gemacht hätten, wenn ich der Sache nicht mit 16 einen Riegel verpasst hätte.
Aber als gelernter Kathole darf ich Witze darüber machen, so wie die Schwarzen „Nigga“ sagen dürfen, und ich nicht.

Aber so eine streng katholische Erziehung, wie man sie mir angedeihen ließ, hat doch einige Vorteile. Einer davon ist, dass sie wie eine Impfung wirkt. Und zwar nicht nur gegen den Katholizismus, sondern gegenüber allen Versuchen jeglicher dogmatischen Ideologien (Tautologie, ich weiß), in meinem Geist zu ankern.
Ich anerkenne, dass es viele aufrichtige und fromme Kirchenleute gibt, die Gutes am Mitmenschen tun. Fraglos. Es sei ihnen gedankt. Sie sind Beispiel. Sollten Beispiel sein.

Ein bisschen Verwunderung bleibt. Warum nur ist das mediale Interesse an der ganzen Papa-Sache so abartig aufgepudelt? Bin ich der einzige, dem der Zirkus nicht nur nichts sagt, sondern der auch schon ein bisschen genervt ist? Außer vielleicht dem ein oder anderen Muslim und Juden. Wobei ich von denen auch welche in die Elisabthenkirche bei mir um die Ecke tappen sehe. Verkleidet als Touristen, und deren Blicke mich streifen, wenn ich draußen vor dem Eingang sitze und einen „Porsche“( ©M. Schütz) paffe, und mich an den kleinen Kindern erfreue, die die fuckin Tauben herumscheuchen.

Aber der Zirkus ist viellecht gar nicht so verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Massen heute von jeglicher Politik frustriert, enttäuscht, angewidert und angepisst sind, so dass sie sich von so einem Papa einfach etwas anderes erhoffen. Vermutlich das Gegenteil: Frieden, Freude und Wahrheit. Aber was weiß ich schon, ich, der alte katholische Atheist, der ich bin.

Möge der neue Papa viel Gutes versuchen. Schwer genug wird’s sowieso.
Buena suerte, Papa!

Le Coq est mort

Es gibt keine treffendere Illustration des schönen und wahren Karl Valentin Wortes als gerade jetzt, wo der Papst „zum Vater“ aufgestiegen ist: „Es wurde schon alles gesagt. Aber noch nicht von allen.“
Und bis der letzte Hinterbänkler, der letzte Dorfpfarrer einer 4-Seelengemeinde, jeder bekehrte Atheist, und jeder Dom-Pfaff, jede katholische „Sexarbeiterin“ und jeder bigotte Knastbruder seinen Seim zum Pappa in der Öffentlichkeit abgestreift hat, werden noch Wochen vergehen. Wochen, in denen es für mich kein Fernsehen, und nur noch Radio mit klassischer Musik geben wird.
Nicht, das dies explizit schlimm wäre, aber es ist nicht frei gewählt. Und sowas hasse ich einfach.
So, jetzt habe ich mich auch eingereiht, in die beinahe endlosen Reihen, der Wortspendenen. Geschieht mir und euch ganz recht.



Besondere Kennzeichen und Merkmale

  • – Keine Tattoos
    – Trägt Schuhe und keine Sneakers
  • – Ist in der Lage schon mal 2 Minuten ohne Phone auszukommen
    – Fußgänger
    – Libertär
    – Wurde schon mal mit einem richtigen Buch gesichtet
    – Hält Ansammlungen von mehr als 4 Menschen für einen Deppenhaufen

    Um schonendes Anhalten wird gebeten …

Witz-Zölle

Welke, Böhmermann, Klien, Grissemann und Stermann und Artverwandte, sie alle sollten 80% Witzzoll an Trump entrichten. Das könnte dazu führen, dass sie ihre „Satire“ nicht nur an Trump ausrichten, sondern wieder mal versuchen, witzig zu sein.

Ein bisschen fies aber auch wahr

Bald ist Wienwahl.
Die GRÜNEN heischen um Aufmerksamkeit mit dem Plakat-Spruch_

«Ihr könnt „Klima“
nicht mehr hören.
Wir die Vögel.»

Ich auch nicht.
Wegen des Baulärms, für eure schick renovierten Altbau-Wohnungen im Bezirk.

Und wieder und wieder

erzählt mir die Zeitung, wie beschissen es der Bauwirtschaft geht, und auch der Gasttronomie.
Echt jetzt?
Ich lebe seit acht Jahren auf einer Baustelle, ich bin surroundet mit Baustellen, über, unter, vor, hinter, daneben, links, rechts Baulärm. 6 Tage die Woche.
Und man kann anderswo keinen Schritt in dieser Stadt machen ohne die Karawanen der Kastenwagen und Firmenfahrzeuge zu sehen und dabei den Lärm von Elektrohämmern aus den Fenstern zu genießen, und dem Cluster von mampfenden, stumpfsinnigen Bauschlöchern in den Supermärkte ansichtig zu werden.

Und wenn ich mal, was selten vorkommt, wegen all der Tourons die in die Lokale drängen, mal ein paar Drinks in meinem Stammlokal zu mir nehmen möchte, passiere ich auf dem Weg dorthin etwa sieben Lokale. Sie sind alle propenvoll. So auch mein Stammcafé.

So, ihr Arschlöcher der Medien, vielleicht solltet ihr mal rausgehen und euch ansehen, was wirklich los ist, als das dumme Zeug anderer Arschlöcher abzuschreiben.
Wär das was?

Peter Bichsel 1935 – 2025

Zum seinem 80er habe ich ihm noch auf diesem Blog gratuliert. Zu seinem 90er in ein paar Tagen hätte ich es ganz bestimmt wieder getan. Aber er mochte nicht warten, er machte sich davon.
Im Mai 2019, bei den Schweizer Literaturtagen in Solothurn habe ich ihn gesehen, natürlich im Gastgarten des „Kreuz“, seiner Stammbeiz. Er hielt „Hof“ und ein Kollege von mir (Name der Redaktion bekannt) hat sich dazu gesetzt, und danach sagte ich zu meinem Kollegen: „Der Bichsel sieht gut aus mit seinen 84 Jahren“, und der Kollege sagte im Stil eines Schamanen: „Hm, das wird sein letzter Sommer sein.“
War es nicht, wie wir wissen.
Peter Bichsel war ein Dichter. Ein großer. Und er wäre auch einer gewesen, hätte er keine einzige Zeile geschrieben. Und er war ein Sozialdemokrat, ein Linker, aber einer dieser richtigen Linken, die ein Herz und Hirn für die Arbeitenden hatte. Und das, dem Vernehmen nach, ist er auch geblieben. Nona, wie man hier sagt. (Wie auch nicht)
Was den Unterschied ausmacht, zwischen einem linken Dichter und einem reinen Ideologen kann man in dem Buch von Niklaus Meienberg „Reportagen aus der Schweiz“ zweifelsfrei erkennen: Das Vorwort von Bichsel ist immer noch so lebendig und frisch, wie damals, als das Buch 1974 erschien. Die Texte von Meienberg: hölzern und staubbehaftet.

Bichsels schmales Werk hat mich nie besonders interessiert, es unterscheidet sich vielleicht zu stark von meinem, aber ich habe ihn immer verehrt. Und als er für den Film „Zimmer 202“ in Paris im Hotel Paris abstieg und die ganze Zeit über, bis auf kleine Gänge um den Block, in eben dem Zimmer 202 blieb, war ich einfach nur sein Fan. Paris, und der Mann bleibt einfach im Zimmer! Das war nur cool. (Gibt’s übrigens auf Youtube).
Was mich ihm sicher auch näher brachte, war sein Zug zum Alkohol. Da hatten (und haben) wir etwas geminsam.

Er wird nun in den internationalen Nachrufen als größter und einziger Intellektuelle der Schweiz gehandelt. Mag sein. Mag auch nicht sein.
Er war ein Dichter, und das, finde ich, reicht vollends.



Klarstellung

Eine schimpfende Greisin im Rollstuhl, der das Garnknäuel runtergefallen ist, hat mehr toxische Männlichkeit an sich, als ein Kerl der Whiskey trinkend, Zigarrenrauchend der Trompete von Chet Baker lauscht, und dabei das Schwinden des Lichts am Horizont betrachtet.

Das Sprüchemuseum (174)

«Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth planen Trump-Oper.»

DerStandard

Wir sagen: Welch großartige Idee! Endlich kommt ein zu Unrecht von der Weltöffentlichkeit Vergessener zu verdienten Ehren. Man hört ja sonst nichts von ihm.
Ich hoffe, das Vorhaben wird großzügig vom Steuerzahler als Subventionsgeber unterstützt.
Oder in anderen Worten: Endlich san auch mia völlig Balabalabala.

Ich hege die Vermutung

Nachdem in Villach ein syrischer Chauffeuer mit seinem Auto einen ebenfalls syrischen Killer, der bereits einen Jungen erstochen hatte, angefahren und damit Schlimmeres verhinderte, geschah folgendes: Der Mann wurde als Held gefeiert, die Presse rauschte an, das TV, Interviews en masse, und alles mit vollständigem Namen und Bildern.

Nun, der Mann ist tatsächlich das, was man einen Helden nennt. Er wird verehrt, aber was noch wesentlicher ist, er wird bedroht. Mit dem Tod. Und zwar von Syrern.

Es sind diese „Refugees are welcome“-Syrer, die in Österreich Aufnahme fanden, die nun einen der ihren bedrohen, weil er einen syrischen Islamisten daran gehindert hatte, noch mehr zu töten.

Und nein, man ist kein Hetzer, und noch weniger ein Nazi, wenn man daraus den Schluss zieht, dass diese syrischen Bedroher des Helden, islamistische Attentate gutheißen, und somit Gefährder sind.

Wenn der Staat, der das Gewaltmonopol für sich reklamiert, und somit für unsere Sicherheit zuständig ist, seinen Job machen würde, dann gäbs zumindest einen schnellen Flug nach Bagdad.

Aber ich hege die Vermutung, dass der einzige, der nun nach Syrien flüchten muss, der Held ist, da er und seine Familie in Österreich nicht mehr sicher sind.