«Starke Frau»

Heute fragte ich mich wieder mal, was eigentlich aus der „schwachen Frau“ geworden ist. Und so wie die „Leute“ (außer in der Schweiz, siehe Blogeintrag) verschwunden sind, respektive in „Menschen“ verwandelt wurden, so ist auch eine Frau kaum mehr ohne das Attribut „stark“ zu finden. Dieses Attribut ist schon so mit dem Substantiv Frau verlötet, dass es nicht mehr zu trennen ist. Eigentlich ist „starke Frau“, medial gesehen, bereits eine Tautologie.

Falls jemand das vielleicht schon letzte Exemplar einer schwachen Frau sichtet: Bitte melden.
Als Belohnung winkt ein kleiner, herziger #Metoo-shitstorm.

Gemesserter Journalist

In Naumburg, Sachsen-Anhalt, wurde ein Journalist von drei Neonazis angegriffen und gemessert. Er liegt mit einem Bauchstich im Spital.

Gibt es jetzt auch Demos der Bevölkerung? Zum Beispiel gegen messernde Neonazis?
Und wenn, sieht man dann nur junges Volk mit farbigen Haaren oder auch das „Wir sind das Volk“?

White Rabitt

Gelangweilt von Despentes Subutex 3. Teil, noch nicht reif für den neuen Fante bei Maro, stieß ich bei den Kollegen aus Augsburg wieder mal auf den Lottmann Blog, und dort geradewegs auf das neue Buch von Matthias Mattusek.

Nicht, dass ich Mattuseks ältere Bücher kennen würde, ich lese äußerst selten Bücher aus Germany, aber dies klang nach guter Unterhaltung, Nachrichten und die Abenteuer von einem Mann, der in meinem Alter, mit ähnlich vielen Brüdern, eine ähnliche katholische Erziehung durchlief, dann Hippie wurde, wie ich, ein Widersprecher und Außenseiter, und auch ein verdammt guter Schreiber, wie er in diesem, seinem neuesten Buch, klar unter Beweis stellte.

Sehr unterhaltsam und inspirierend, ein Buch, das von einem weniger guten Autor verfasst, nerven würde. Aber es nervt nicht (nur manchmal ein bisschen), sondern man liest es mit Freude und Lust.

Ob das die Intention der Kollegen war? Vermutlich eher nicht.
Aber so geht’s manchmal…

«Blumberg» in der Presse

„Blumberg“ in der Schweizer Presse:

Nach „Migroszeitung», „Saiten“, „Weltwoche» nun auch in „Tagesanzeiger», «Basler Zeitung» und «Der Bund».

https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/moerderisch-heisser-sommer-in-wien/story/23457232

Das Sprüchemuseum (97)

«In vielen Fällen kennen wir die Fakten nicht. Es ist obszön, etwas eine Bewegung zu nennen, was eigentlich eine Reihe von individuellen Anklägern, Opfern und Vorwürfen ist. Wovon einige unbegründet sind. Mittlerweile besteht der Geist dieser #Metoo-Bewegung größtenteils darin, Männer und Frauen zu spalten»

Sean Penn

Wir sagen: Gut gesprochen, Sean. Wir stehen (fast) geschlossen hinter dir. Aber klingt deine Aussage nicht auch wie ein verklausuliertes: „Ich steh auf Hassmails, und Filme will ich auch keine mehr drehen!“
Wir hoffen nicht.

Die Kraft des Namens

Inger-Maria Mahlke wird den deutschen Buchpreis gewinnen.
Ich schätze, das wird sie zu etwa 33,333 % weil sie weiblichen Geschlechts ist, und vermutlich geht der Rest auf das Konto ihres Namens. Nichts gegen ihr Buch. Aber die anderen Nominierten hätten ihn vermutlich auch verdient.
Mit dem Namen Susanne Röckel (die andere nominierte Autorin), kann man zur Not noch in einem Büro oder in einer Anwaltskanzlei jobben. Als Inger-Maria Mahlke geht das nicht. Wo käme man da hin. So jemand ist schon des Namens wegen gezwungen, Autorin zu werden. Oder Geigerin.

Wie auch immer: Vermutlich irre ich mich. Wie meistens.

Neulich hörte ich einen Comedian sagen:“Eines Morgens wachte ich auf, und mir war klar, dass alles was ich bis anhin gedacht habe, falsch war.»

Das gefiel mir. Dieses Gefühl kenne ich…

Unterschiede

Was ist der Unterschied zwischen einem Autor und einem Koch für Kinder?

Im Prinzip keiner. Beide geben ihr Bestes. Und das Publikum hält «Nudeln mit nix» für das Größte.

Der Grund

Heute saß ein Neuer vor dem Laden. Er war ziemlich jung, hatte einen Bart und hockte auf einem Bündel, vielleicht seinem Schlafsack. Er war dreckig, und alles an seiner Kleidung war zerschlissen. Keine Frage: Ein Sandler.
Er hatte eine Platz beinahe in der Mitte des Gehsteigs gewählt, saß da, beide Hände zu einer Bettelschale geformt.

Als ich den Laden verließ, suchte ich einen Euro heraus, ging zu ihm hin und legte die Münze in die Handschale. Der Typ sah nicht einmal auf, sagte kein Wort, und ließ die Münze mit einer fließenden Bewegung in seiner Hemdtasche verschwinden, als hätte ich bei ihm eine längst fällige Schuld beglichen.

Ich ging weiter und lachte. Der Scheißkerl zwang mich, darüber nachzudenken, warum ich ihm den Euro gegeben hatte. Ja, warum eigentlich? Der Typ war mir egal, wie jeder andere, den ich nicht kannte. Er konnte von mir aus verhungern, es scherte mich nicht. Und trotzdem hatte ich ihm Geld gegeben. Ich hatte keine Antwort. Das war interessant.

Ich glaube, ich habe ihn verwechselt. Mit einem anderen Penner, den ich manchmal morgens im Laden das erste Billigbier zischen sah. Ich glaube, ich wollte ihm zu seinem ersten Bier verhelfen. Aber er war es nicht. Es war ein anderer. Der trank vielleicht nicht mal Bier.

Ich hoffe, morgen ist wieder die reguläre rumänische Bettlerin beim Eingang. Sie hat ein bezauberndes Lächeln voller Zahnlücken, und winkt mir immer schon vor weitem zu. Und wenn ich vorbei gehe, spricht sie mit mir, sprudelt los, obwohl ich außer:“Wie geht’s?“ nie etwas sage.

Ich mag sie. Das ist der Grund, warum ich ihr (fast) immer was gebe.

Das Sprüchemuseum (96)

„…Der deutsche Wettbewerbsbeitrag hält sich eng an die Vita von Gerhard Richter, vermag aber nur auf recht einfältige Weise vom Wechselverhältnis von Kunst und Leben zu erzählen…»

DerStandard

Wir sagen: Wie fertig Deutschland zur Zeit hat, zeigt sich allein schon im Umstand, dass die teigige Regiepflaume Florian Henckel von Donnersmarck mit seinem Streifen „Werk ohne Autor“ in den Oscar-Wettbewerb geschickt wird.
Es passt, wie man sagt, wie die Faust aufs Auge. Was schon vor Jahren mal funktioniert hat, wird bestimmt immer noch funktionieren. Ad infinitum.

Wir wünschen rundheraus: Gute Gesundheit.
Vielleicht wär mal ein Untersuch angebracht?