Sunday moaning comin‘ down (ein Poelem)

Wer es gesehen hat, wird sich lange daran erinnern: Rummenigge, wie er mit einem Seppl-blöden Gedichtlein den Uli Hoeneß ehrt. Maria und Josef, war das komisch! Aber damit nicht genug: Rummenigge hatte die zwei Vierzeiler auch noch von der HP (www.apk-gedichte.de) der Auftragsdichterin Annette Pfeiffer-Klärle geklaut und kriegt jetzt von deren Anwalt eine hübsche Klage an den Hals. Damit ist er aber noch bestens bedient. In Ösi-County kann man dafür erschossen werden.
Nun, was für nette und lustige Geschichten das Leben doch schreibt. Und alle umsonst.

Das Messer scharf geschliffen
aus dem letzten Loch ist schon gepfiffen
mein Leben schal und leer
Kurz, ich mag nicht mehr.

Auf die Glotze noch ein letzter Blick
da spricht Rummenigge, richtig schick
Ein Dankesgedicht für den Hoeneß Uli
Hang down your Head Tom Dooley.

Das Messer in der Hand, so stand ich da
konnt nicht glauben, was ich hört und sah
Was’n Poem, was’n super Gedicht
wie am Ende des Tunnels das berühmte Licht.

Rummenigge sprach sehr süsse Worte
braun und klebrig wie ne Sacher-Torte
Und immer noch in der Hand das Messer
dachte ich, kann das jemand besser?

Wieder fröhlich jetzt, und mit frischem Geist
fand ich raus, das Poem war nicht von Kleist
es war geklaut, von der Pfeiffer-Klärle Annette
von ihrer HP, einer Poem-dicounter-Kette.

So nett sind Menschen manchmal eben
retten flugs dein Leben
und versüssen es mit tollen Gerichtsgeschichten
und inspirieren einen noch zum dichten:

Ich tunte Dich, ich truck Dich sehr,
ich tunke Dich, das fällt nicht schwer,
Ich tunte Dir, tank Dich voll,
weiß gar nicht wie ich tucken soll.

Ich tinte Dich, Du bist ein Schlatz,
hab in meiner Hand dein kleinen Spatz,
ich tunke Euch, wo kommt ihr her:
Tante, Tunte, Tacker, bitte sehr!!!

Der Autor als Jukebox Vl.

Die äußerst großzügige Spende des Gönners Jakob G. ist völlig unerwartet, und deswegen umso erfreulicher, eingetroffen. Der Autor bedankt sich und spielt.

Als ich einmal von einer Kollegin, einer Drehbuchautorin, zu ihr nach Hause eingeladen wurde, war ich verblüfft. Hatte sie nicht vorher offen darüber geredet, dass ihr Haushalt äußerst chaotisch und unordentlich sei, und ich bitte, bitte entschuldigen müsse usw.?

Als ich bei ihr ankam und mich ein wenig umsah, konnte ich erkennen, dass das Gegenteil wahr war, blitzeblank alles, aufgeräumt; die Fenster, durch die die Abendsonne schien, waren geputzt und schlierenfrei, kurz, ein Juwel, und sie hätte das Chili ohne weiteres einfach auf den Küchenboden kippen können, ich hätts ohne Zögern, im Schneidersitz, von den Fliesen gelöffelt.

Was war da los? Sie erklärte es mir: Sie stecke in einer kleinen Schreibkrise, sagte sie, sie komme nicht weiter mit ihrem Drehbuch, sie hänge irgendwie durch; und das Schlimmste sei, dass sie sich vor der Arbeit drücke, und um dieses Herumdrücken erträglicher zu machen, fange sie an zu putzen.
Der Zustand ihrer Wohnung sprach beredt von einer ernsteren Schreibkrise.

Meine Art, mich vor der Arbeit zu drücken, ist, mich herumzustreiten. Auf Foren von Tageszeitungen z.B., mit E-Mails oder auch mal mit Blogtexten. Ich versuche Leute in Diskussionen zu verwickeln, Schwachstellen rauszufinden, Deckungen zu durchbrechen; Lücken zu suchen, durch die ein guter Punch zu landen ist. Der Übergang vom richtigen Argumetieren in einer Sache, bis zum Ausleben der Streitlust ist fließend. Denn es ist durchaus lustvoll zu versuchen, jemanden kleinzukriegen. Aber das funktioniert nicht immer. Manchmal wird man selber fertig gemacht. Weil man zu sorglos eingestiegen ist und gleich zu Beginn, aus Schlampigkeit und Unterschätzung des Gegners, einen Fehler macht; zu wenig versiert ist und sich aufs Eis hat ziehen lässt, in Hinterhalte gelockt wird, sich hoffnungslos in Halbargumenten verheddert und Trümpfe ausspielt die kalt abgestochen werden, usw.

Kurz, es ist eine Art Kampf. Die alten Griechen nannten es Disput. Sie schulten sich darin. Eine Variante des Unterrichts war, nicht den eigenen Standpunkt zu vertreten, sondern den Gegenteiligen. Man kann es ein geistiges Sparring nennen. Man trainiert etwas ganz bestimmtes. Wie man sich beim Boxsparring auf die Eigenheiten, das Können und die physischen Gegebenheiten des wirklichen Gegners, vorbereitet.

Was hat das alles für einen Zweck? Es ist eine zivile Art – sowohl das Boxen als auch der Disput – das Mördertier im Menschen zu zähmen. Und als ich heute morgen darüber nachdachte, schweifte mein Blick über das Bücherregal und es blieb auf «Benjamin Korn / Kunst, Macht und Moral» hängen. Ein schmaler Band mit Essays des Theatermannes und Schriftstellers. Ich las «Die manichäische Falle«. Der Essay beginnt mit den Worten:

Wie kommt es, dass jeder von uns glaubt, jederzeit Recht zu haben, und zwar mit solcher Leidenschaft, dass er bereit ist, seinen Tischnachbarn niederzuschreien, im ein Glas Schnaps in den Kragen zu schütten, ihn windelweich zu prügeln?

Es ist ein formidabler Text, gerade wenn man darauf wartet, dass sich das kleine Mädchen erhebt, damit man ihm Frühstück machen kann. Es ist ein harter Text. Vor allem auch, weil der Autor Benjamin Korn sich ebenfalls zur Disposition stellt. Ist es ein deprimierender Text? Steht da weiter vorne nicht:
Kurz, unsere mörderischsten Aggressionen suchen sich in unsern Köpfen eine edle Moral, und wenn sie keine edle finden, eine heroische Feindschaft, einen Religionskrieg, eine Strafexpedition, dann prügeln sich ahlt zwei Bauern um einen Quadratmeter Erde, und die Kinder setzen die daraus entstehende Todfeindschaft fort. Die Gründe? Haben wir vergessen.

Aber es ist ein wahrer Text. Das wird umso klarer, je weiter ich lese. Fast atemlos. Gierig. Gierig auf was? Auf eine Art Erlösung? Dass es doch nicht ganz so schlimm um uns bestellt sein möge. Kommt aber nicht. Es wird noch schlimmer. Obschon es erst nicht danach aussieht. Korn, der Theatermacher spricht über die Kunst, die Katharsis, das Mitleiden.

Müde in eine Theater gehen und zwei Stunden später wach herauszukommen, freundlich zueinander, enstspannt und frei zu sein, großzügiger, «besser» zu sein als eben noch beim Hineingehen.

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl. Nach dem Kino. Nach der Lektüre eines wahren Buchs.

Die Kunst erlaubt es uns, jene Fähigkeit zum Mitleiden auszuleben, die wir in der Wirklichkeit, zugunsten unserer egoistischen und herrschsüchtigen Impulse, zurückstellen und vernachlässigen müssen. Ihre Wirkung ist kruzfristig wie die eines Traums.

Und dann:
Katharsis ist ein vorübergehender Sieg gegen den Hass in uns, der aber aus einer unstillbaren Quelle in uns kommt.

Ist das nun wahr? Es ist. Immer wieder wundere ich mich darüber, warum der Pegel meiner Wut ansteigt, auch ohne sichtbare Anlässe. Ich werde mit Zorn gleichsam «aufgeladen». Wo ist die Stromquelle?

Haben wirs nun kapiert? Sind wir hoffnungslos verloren im Manichäismus? Noch einmal fordert Korn etwas von uns:

…Die nicht zuunterschätzde Macht der Dummheit besteht darin, dass sie ihre Sätze unendlich oft wiederholt…Die Dummheiten werden seit Jahrhunderten wiederholt, und die abhängigkeitserzeugende Kraft des Gebets liegt in der puren tausendfachen Wiederholung der Litanei. Ebenso müssen wir unentwegt die Wahrheit wiederholen; aber man muss das Gefühl von Peinlichkeit und falscher intellektueller Scham abschütteln; es wäre unverzeihliche Blasiertheit es nicht zu tun! Wir müssen jedes Vorurteil, jede rassistische Äußerung ausreißen wie Unkraut im Denken…Es ist ein Graben-undAbnutzungskrieg, bei dem die Dummheit die besseren Waffen hat…

Das wird von uns gefordert. Nicht mehr, und auch nicht weniger.
Korn beschliesst seinen Essay, in dem er uns endgültig reinen Wein einschenkt:

Wir sind ewig dazu verflucht, unsere Ideen vom Dasein weder zum Leben erwecken noch aufgeben zu können; und so läuft neben der Erfahrung vom Schlimmen und Bösartigen der Welt immer die Idee des möglich Guten vor uns her, wie die Karotte vor dem Mund des Esels, die ihn laufen macht und die er nie erreicht.

Wie seltsam. Oder auch nicht. Mir fiel nun dieser altgewordene Veteran aus Sacremento ein, der in Ken Burns Film The War, seine erfahrene Hölle in den Ardennen beschrieb: die Qual der Müdigkeit, des Hungers, der Kälte und der niemals schlafenden Todesfurcht; wie er mit dem altersmilden Lächeln des guten Mannes sagte: Man sagte sich immer: wenn die Kameraden das ertragen können, dann kann ich das auch!

Benjamin Korn
Kunst, Macht und Moral
Essays
Suhrkamp Taschenbuch

A thousand thank you’s, dear americans!

Ich habe es leider versäumt, rechtzeitig auf die großartige, epische Dokumentation von Ken Burns hinzuweisen, die unter dem Titel: The War in Arte in einem Mehrteiler gezeigt wurde.
Burns hat die Geschichte des 2. Weltkrieges aus der Sicht von Zeitzeugen, GI’s und deren Familien in den Städten Mobile, Luverne, Sacramento und Waterbury erzählt.

Hier ein Ausschnitt aus einem Interview mit dem Regisseur Ken Burns, das auf der Homepage von ARTE nachzulesen ist:

Was haben Sie aus dieser intensiven Beschäftigung mit dem Konflikt gelernt?
Wir waren alle sehr beeindruckt über die Bescheidenheit dieser alten Männer, die mit achtzehn oder neunzehn Jahren an der Landung in der Normandie teilgenommen, Konzentrationslager befreit oder auf Iwo Jima gekämpft haben – in einem Alter, wo die meisten von uns nur den Luxus eines unbeschwerten Lebens kennen gelernt haben. Jede Familie, jede Straße in jeder Stadt war in den Vereinigten Staaten vom Zweiten Weltkrieg betroffen, daher auch das Gefühl, gemeinsam für dieselbe Sache zu kämpfen und dafür Opfer zu bringen. Diese ganz gewöhnlichen Menschen wurden in die größte Katastrophe der Geschichte hineingerissen und haben ihren Mann gestanden. Sie haben unglaublichen Mut bewiesen, aber auch Gräueltaten begangen.

Etwas bessers über diesen Krieg gibt es nicht. Berührend, anrührend und schockierend, eindringlich und trotzdem cool. Und nach jeder einzelnen Staffel empfand ich etwas, nämlich: Dankbarkeit.

A thousand Thank you’s, dear americans, dass ihr uns, unter diesem gewaltigen Blutopfer, von jenem irren, mickrigen, größenwahnsinnigen, impotenten und verkrampften österreichischen Versager befreit habt.
Ihr wart wirkliche Helden.
A thousand thank you’s!

(Ich schreibe dies mit dem Wissen, dass wir es das nächste Mal alleine schaffen müssen.)

Opferalkoholiker-Blues (S.S. Namredin)

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
schon mein Opa klemmte sich den Finger ein
als er die Waggontüre schloss, bei der Judendeportation.

Nicht genug damit,
das Schicksal ist erbarmungslos
In Mauthausen er fett vom Wachturm fiel
da war er auch sein Leben los.

Meinem Vater gings nicht besser
Arbeit hat ihn umgebracht
mit 36 schon in Frühpension
weil ihm die Säuferleber so zu schaffen macht.

Und auch ich, sein armer, netter Sohn
bin ein Opfer
geprellt um Ehre
und auch Lohn.

Denn das Überbein am kleinen Zeh
tut den ganzen Tag so richtig weh
weil ich in meim Trafikerl steh
wie ein verwundet Reh im Schnee.

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
verkaufe Zigaretten, Lottoscheine, Lose
mein Leben ist der reine Hohn.

Alles was mir blieb
ist die Krachen in der Lad
ich warte nun auf einen Dieb
einen Räuber, einen Tschuschenkamerad
der mich frech berauben möcht.

Ich warte lang, und jeden Tag
das endlich einer rauben mag
dem ich dann, was soll ich machen
eins verpassen muss, mit meiner Krachen.

Nun liegt er da, jetzt is er tot
der Bimbo, Tschusch und Dieb
hätt er halt nicht stehlen sollen
ihr wisst’s, ich bin sonst eh ganz lieb

Ich bin ein Opfer, ein Opfer
in der dritten Generation
Auf Notwehr verstehn wir uns
das gehört bei uns zum guten Ton.

Wer sich hier ins Unrecht setzt
dessen Leben ist verwirkt
und wer recht hat, das wissen selbst die Koffer
bin ich, auf jedem Fall, das arme Opfer.

…einfach feige verstorben…

Der Polizeibeamte, der vor einigen Wochen einen 14-Jährigen Einbrecher in einem Supermarkt von hinten abknallte, wird nun doch vor Gericht stehen müssen. «Fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen», nennt sich das.
Die Forensiker und die Experten haben dem Beamten nachgewiesen, dass er praktisch über alle Details des Hergangs gelogen hat. So hat er sich – wie er angab – bei der Schussabgabe nicht hingekniet, sondern stehend abgedrückt, und die Distanz betrug nicht 4-5 Meter, sondern ganz 1,8 Meter, und so weiter und so fort.
Und wer einem Jungen aus 1,8 Meter – das ist ungefähr die Schlagdistanz von Valujew-, eine 9 mm Kugel aus einer Glock in den Oberkörper pumpt, der weiß was er tut, und er weiß auch, was dann, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, geschieht.
Man darf nicht gespannt sein, wie das Urteil ausfällt. Schätze mal, es ist längst ausgedealt.

Der Beamte war nach der Tat wochenlang traumatisiert und konnte zum Tathergang nicht einvernommen werden. Und hier nähern wir uns dem tatsächlichen Problem dieses Falles und seiner juristischen Wägbarkeiten.

Es muss die Frage gestattet sein, wie dieser Beamte dazu kommt, traumatisiert zu sein. Womit hat er das verdient, um es mal populär auszudrücken? Während der Einbrecher die Sache überstanden hat, in dem er einfach feige verstarb, hat der Beamte sein Leben noch vor sich und muss nun damit klar kommen, dass dieser «Bursch», der da einbrechen gegangen ist, nicht mehr lebt. Und dass er irgendwie damit zu tun hat, und sogar vor Gericht gestellt wird. Wie kommt er dazu?

Das bedeutet eine enorme Belastung. Auch für einen Polizisten, der mit der Unterstüzung des Landeshauptmannes rechnen kann, aber dennoch Nacht für Nacht mit seinem Trauma alleine klar kommen muss. Ein Leben lang.

Es muss in diesem Zusammenhang auch die Frage gestellt werden, scharf und unmissverständlich, ob nicht ein Weg gefunden werden muss, um die Hinterbliebenen des Toten zivilrechtlich zu belangen. Es darf in dieser Sache keine Tabus geben.
Die Traumatisierung und die möglichen Schuldgefühle verursachen dem Beamten Pein. Und diese Pein könnte, wie bei körperlichen Schmerzen auch, durch Schadersatzforderungen resp. Zahlungen, gelindert werden.

Die Frage muss lauten: Warum hat die Familie des in den Rücken geschossenen Burschen nicht verhindert, dass dieser sich in den Rücken schießen ließ? Ungeschützt! Sollten nicht alle Eltern verpflichtet werden ihren Sprösslingen schon mal prophylaktisch schusssichere Westen anzuziehen? Vor allem, wenn sie sich abends aus dem Haus begeben? Auch wenn sie nur Freunde treffen wollen.
Zu diesem Behufe könnte eine Weste speziell für Österreich entwickelt werden, eine, die sich auch wesentlich billiger herstellen ließe, da sie nur den Rücken bedecken müsste.
(Die Firma Glock könnte damit beauftragt werden. Würde wieder Arbeitsplätze schaffen.)
Eine Überlegung: Diese Anschaffungen könnten doch aus dem Kulturbudget subventioniert werden. Oder aus dem Geld, das man für Asylwerber aus dem Fenster schmeißt. Oder für Kärnten.

Denn eines ist klar: Es ist den östereichischen Polizeibeamten nicht länger zuzumuten, dass sie sich traumatisieren lassen, nur weil Jugendliche und andere Einbrecher, Rumänen und solches Gelichter, einfach keine schussicheren Rückenschutzwesten tragen.

Also diesem Jungen, der so fahrlässig ungeschützt rumlief, und sich in den Rücken schießen ließ, werden wir das nicht einfach durchgehen lassen. Soviel ist mal klar.
Und übrigens: den Holocaust verzeihen wir den Juden auch nicht.

Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Manchmal werden Gedichte auch von den Schreibern und Texterinnen der Teletextnachrichten verfasst. Hier ist eines. Ich fand es am 2. Januar auf dem T-Text von SF2.

Silvesternachschau

In Locarno
Wurde einem Mann
Bei einem Streit
Ein
Finger
abgebissen.
Zwei
Italiener
Konnten verhaftet
Werden.

Noch weitere 5. Tage…

So, wir haben jetzt den 2. Januar. Kann mir mal jemand sagen, was man so an einem 2. Januar tun soll?
Was ist das überhaupt für ein Tag? Wo liegt seine Daseinsberechtigung? Was trägt so ein zweiter Januar zum Allgemeinwohl der Tagegemeinschaft bei? Könnte man nicht auf ihn verzichten? Und wenn wir schon dabei sind, warum nicht auch auf den 3.,4.,5., und auch den 6.? Könnte man das neue Jahr nicht mit dem 7. Januar beginnen?
In Interlaken ist am zweiten Jänner «Harderpootschetä». Soll mich niemand fragen, was das ist. Aber besser als so ein mieser, kleiner, leerer, unsinniger 2. Jänner hier, ist es alleweil.
Die «Feiertage» wurden erfunden um uns Agnostiker und Antischifahrer zu quälen. Diese Welt gehört den Infantilen und den Schifahrern. Die religiösen Schwafler faseln von «innehalten» im hektischen «Getriebe der Zeit». Finde ich gut. Aber muss ich es tun, wenn es alle andern auch tun? Warum werde ich permanent zwangsbeglückt? Warum kümmern sich die kirchlichen Schwafler nicht um die betriebseigenen Kinderficker aus Irland? Das wäre doch eindeutig ein Beitrag zur Klimaverbesserung, so einen Schwung Kindervögler-Bischöfe in den Knast zu schicken?
Ich finde, das wär eine sinnvolle Beschäftigung für so einen 2. Januar.
Also, ihr Schwafler, ihr wisst was ihr zun habt!
Und putzt erst mal eure Pissbecken!

Liebe Gemeinde,

das Jahr 2009 war ein Jahr mit fett Nullen. Das ist jetzt vorbei. Fast. Das neue Jahr, 2010, hat ebenfalls fett Nullen. Nur ein wenig anders arrangiert. Man könnte, um einen Vergleich zu bemühen, sagen, das Fett hängt nun nicht mehr nur auf der Plauze, sondern auch am Arsch. Schaut besser aus. Ist aber vom gesundheitlichen Aspekt her nicht wirklich eine Verbesserung, da der Fettanteil insgesamt nicht gesenkt wurde. Und während die 9 noch einen stämmigen und ansehnlich muskulösen Eindruck zeitigte, macht so eine 1 nicht wirklich viel her. Es besteht also enormer Trainingsbedarf, und so dürfte es noch ein ganzes Jahr dauern bis die Fetten abtrainiert und die Muskelmasse mit einer weiteren 1, zu 2011, verdoppelt werden kann.

Der Autor bei der Arbeit (Ansprache)
Der Autor bei der Arbeit (Ansprache)

Liebe Gemeinde,
so sieht es aus. Wer Bilanz ziehen mag, mag Bilanz ziehen; wer nicht, der nicht. Wir wissen aus Erfahrung, dass gute Vorsätze den Weg zur Hölle pflastern. Lassen Sie das Vorsetzen und Vorsätzen. Nehmen Sie sich nicht vor, mit dem Pofeln aufzuhören, denn Sie werden es nicht schaffen. Süchte wird man nur mit übergroßem Leidensdruck los. D.h. begeben Sie sich auf dem Pflaster der Vorsätze direkt in die Hölle, und sie werden einiges schaffen. Vorher eher nicht.
Nehmen Sie sich gar nichts vor. Aber auch das ist ein Vorsatz, also lassen Sie es. Lassen Sie alles fahren. Kommen Sie nach Wien und lassen Sie sich von betrunkenen Grenzdebilen aller Herrenländer die Trommelfelle mit Krachern voll Nudel machen, trampeln und rempeln Sie sich durch den Silvesterpfad, saufen Sie sich die Hucke voll, und seien Sie lustig, wenn Sie’s nötig haben, lustig zu sein. Chacun à son gout, wie der Berner Oberländer sagt.

Wir hier, liebe Gemeinde, wir machen einfach weiter unseren Job. Uns Autoren ist es vollkommen blunzen was für ein Jahr ist. Wir stehen auch diese Feiertage durch, mit all den Amateursäufern und ihrem Zwang zur Fröhlichkeit und zum Kauf von Glücksbringern. Wir glauben nicht ans Glück. Wir Autoren glauben ans Schreiben und an die Arbeit, an Großzügigkeit, Rache, Herzensgüte und Nassrasur. Wir glauben daran, dass man sich tüchtig verirren, und trotzdem wieder auf den Weg kommen kann. Wir glauben an Drogen und Alkohol. Manchmal an die Liebe. Und wir glauben daran, dass wir uns bemühen müssen. Wir glauben an die Freiheit und an gute Gedichte, und an die grundgütige Wirkung von rotem burgenländischen Wein und viel Sport.

So, liebe Gemeinde, sieht es aus. Aber das sagte ich bereits. Aber ich sage es halt gerne, denn auch wir altruistischen Autoren, die wir unsere Gemeinde mit Gratis-Erbauung versorgen, brauchen unsere kleinen Freuden.

Liebe Gemeindemitglieder, bleiben Sie uns gewogen.
Wir hier, auch die Grant- und Meckerecke, wünschen allen und allinnen die guten Willens sind, ein feines und trainingsreiches neues Jahr.
Prosit.

Ihr Bloggerteam

Vor-Silvester-Haiku eines liebenswerten Skeptikers

Saerdna Namredin (* 1926) Aufgewachsen in Konolfingen, wo er mit Friederich Dürrenmatt befreundet war. Der Sohn eines malayischen Bullenkastrators und einer norwegischen Wikingerbootsbauerstochter von den Lofoten, kam durch seinen Freund Dürrenmatt zum Schreiben, dessen Werk er nicht unmaßgeblich beeinflusst hat. So soll Dürrenmatt die Figur der «Alten Dame» ganz nach seinem Vorbild gestaltet haben, ebenso die Figur der Aufseherin in «Die Physiker». Namredin lebt heute zurückgezogen auf einer Hühnerfarm in Hilterfingen, wo er sich um die Zucht der Kapaune kümmert.

Das neue Jahr naht
Es sei mir hoch willkommen
Hab ich denn die Wahl?