«Der Sturm der Entrüstung hat nun seine Früchte getragen…»
FPÖ-Justizsprecher Fichtenbauer

Im Sprung. Blog.
«Der Sturm der Entrüstung hat nun seine Früchte getragen…»
FPÖ-Justizsprecher Fichtenbauer
Was einem die Erinnerung für Streiche spielt. Und man hat so gar keinen Einfluss darauf, was auf der Festplatte gespeichert wird. Die banalsten Dinge aus der Kindheit. Nebensätze, gekappte Nebenhandlungen auf verdeckten Nebenschauplätzen, niemals die großen Ereignisse, das Wichtige, Entscheidende, die große Erzählung unserers Tun und Lassens hienieden, immer nur der Ausschnitt, die Miniatur; nicht das Bild das die ganze Story erzählt, nur immer der Popel den man nicht aus der Nase kriegt. Hässlich. Man könnte es satt bekommen.
Heute im Geisteszentrum, zum Beispiel, das Sonntagmorgen Stemmen. Wie hübsch es war. 10 schweigsame Männer auf 400qm, alle mit den Gewichten zugange, während eine Aretha Franklin Gedächtnisjodlerin das tat, was heutzutage als R&B bezeichnet wird: Das Rohr aufdrehen und es rauslassen. Bis der Arzt kommt. Dr. Death. Aber wen juckte es? Ne R&B-Schlampe mehr.
Ich begab mich zum Kniebeugenständer. Machte 20 mit 100, plattete die Hantel auf 60 runter, und machte «Umsetzen». Der Laie darf sich das in etwa vorstellen wie Gewichteheben. Stoßen. Nicht ganz, aber so ungefähr. Und nicht einmal in die Streckung, sondern viele Male.
Wenn ich es tue, muss ich an Ratko Mladic denken. Jenen Ratko Mladic, der des Völkermordes an bosnischen Muslimen beschuldigt ist. Warum muss ich an ihn denken? Ich vermute, weil ich ihn einmal im TV genau das tun gesehen habe, was ich heute Morgen auch tat: Umsetzen.
Das war vor mehr als 15 Jahren. Mladic in Uniform, mit hochgekrempelten Camouflage-Ärmeln. Die Hantel sah aus wie selbstgemacht. Eisenstange und zwei dicke, große Eisenräder an den Enden. Ich konnte sehen, dass er es gut machte, das Umsetzen. Und so hatte ich etwas gemeinsam mit einem Massenmörder. Vermutlich waren wir auch etwa gleich stark, gleich dick. Mladic und ich.
Und nun denke ich jedes Mal an ihn, wenn ich Umsetzen mache. Aber mal im Ernst: Wer will am Sonntagmorgen an Massenmord denken? An das Hinschlachten von Wehrlosen, an kaltblütig SS-mäßig angesetzte Genickschüsse?
Aber ich kann nichts dagegen tun. So gefährlich ist das Bild. Und auch das Wort. Nehmt euch in acht.
«Man ist halt herumgefahren und hat angefangen wahllos auf Leute zu schießen.»
Aussage eines 21 Jahre alten Wieners, der mit seinem 20-jährigen Freund über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen, etwa 14 Leute mit seiner CO2-Pistole verletzt hatte.
«Man hat halt…» oder «Man hat sich nichts dabei gedacht» oder auch «Man wollte nicht» – «Man war halt schlecht drauf…» Nicht etwa: «Ich hab halt…» oder «Wir haben uns nichts gedacht…» Man. Ja. Man gönnt sich ja sonst nix.
Strafe? Man kriegte einen Bedingten und den Rat in einen Schützenverein zu gehen. Und wer dort ist, weiß man ja, wenn man es wissen will, aber meistens will man ja nicht, weil man dann darüber nachdenken müsste, dass man da vielleicht einem Straßenschläger den Rat gegeben hat, doch lieber im Wirtshaus die Leute zu verdreschen. Es sehen dann nicht so viele zu, und die öffentliche Ordnung ist gewährleistet. Aber man denkt sich halt nichts dabei. Man.
Man, finde ich, sollte bei der Sprache anfangen.
Letzten Sonntag begab ich mich ins Hamakon-Theater zu einer Werner Kofler-Lesung. Der Autor war nicht anwesend, denn er war vor einigen Wochen an Krebs gestorben. Das Lesen besorgten, freundlicherweise, Freunde und Kollegen des Hingeschiedenen.
Der Saal war brechend voll. So an die 130 Leute. Das ist beachtlich. Man könnte sagen, dass der Autor gut daran getan hat zu sterben, denn so ein Theater hätte er live nicht vollbekommen. Nur wäre ihm vermutlich lieber gewesen, der Saal wäre leer, aber er könnte noch immer sein Sonntagsbier im Engländer zischen.
Das Publikum war alt. Aber es gab auch welche darunter, die waren nicht gar so alt. Die kamen eine halbe Stunde zu spät und sahen aus, als stammten sie aus der alten Heimat Koflers, Kärnten, sie sahen aus, als hätten sie ihn persönlich gekannt, damals, als er gerade brunzen und Fut sagen lernte. Aber vermutlich irre ich mich. Wie meistens. Ich bin ein großer Irrer vor dem Herrn. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich liege fast pausenlos mit meinen Annahmen daneben. So glaube ich auch, dass Werner Kofler sich a bissl für ein Genie gehalten hat. Das ist nur normal hier. Das tun fast alle. Ich glaube langsam, dass die meisten die nach Wien gehen sich irgendwann für Genies halten. Das macht diese besondere Wiener-Luft. Man gönnt sich ja sonst nix.
Und ich glaube auch, dass die Steigerung von Genie, das «verkannte» Genie ist. Das ist überhaupt das Größte. Genie, und verkannt. Geiler geht’s nimmer.
Werner Kofler war natürlich nicht verkannt. Das ärgerte ihn vielleicht hin und wieder, und er war der Meinung, dass der Jandl ihm ab und an einen Preis hätte geben können. Und nicht immer nur Friederike Mayröcker und Robert Schindel.
Das ist so eine Sache mit den Preisen, hier, in Österreich. Der Maler Cornelius Kolig bastelte aus Holz und Schnurzügen eine Handattrappe, damit er Jörg Haider nicht seine fleischliche Hand geben musste, als der ihm den Kärtner Scheißhauslandessuperduper-Preis verliehen hatte.
Oder ganz super berühmte Autorinnen gehen nicht zur Presiverleihung, lassen sich aber den Raps auf’s Konto überweisen. Man hat eben ein bisschen ein gestörtes Verhältnis zum Staat in diesem Staat. So ein wenig DDR-mäßig. Es ist ja nicht alles schlecht. Das wusste auch Werner Kofler, wenn er seine Kollegen, literarisch, in die Pfanne haute.
Aber eben: Die fehlenden Preise. Das macht einem zu schaffen. Das Geld. Und so. Schnitzler war Arzt. Kafka Bürolist. Benn war auch Arzt. Céline ebenfalls. Und dazu noch einer, der die Leute umsonst behandelte. Jawohl. Das Geld. Bukowski schuftete als Hafen-und Schlachthausarbeiter. Miller arbeitete als Personalchef einer Telegraphenfirma und schnorrte noch mit 65 gebrauchte Cordhosen. Hemingway war Journalist. Büchner starb vor der Berufswahl. Glauser war Fremdenlegionär. Cendrars Hungerkünstler und Plantagenbesitzer. Rimbaud handelte mit Waffen.
Schriftsteller? Seltsamer Beruf, könnte man meinen. Das alles reicht doch. Da muss man doch nicht auch noch ein Genie sein.
Nach Theweleit tritt das Genie massiert in Untertanenkulturen auf. Es ist das künstlerische Äquivalent zum Diktator.
Die Griechen werden den Deutschen ihre Rettung niemals verzeihen.
S. Namredin
Ich bin Fußgänger. Wie oft schon, habe ich einen Blogeintrag mit diesem Satz begonnen? 5 Mal bestimmt. Warum? Weil es stimmt. Zudem ist es ein schöner altmodischer Satz, der uns aus einer anderen Zeit anatmet, aus einer Zeit, als Menschen ihre Absätze noch mit Eisenhalbmonden beschlagen ließen. In Jörg Fausers Roman «Rohstoff» (aus den 80-ger Jahren) heißt es: «Heute gehen in Deutschland nur noch Snobs oder Penner zu Fuß, und nur Penner hätten uns für Snobs gehalten.»
Bin ich ein Snob? Schon, irgendwie. Weil es mir wichtig ist, unabhängig zu sein und ich gerne flaniere und über meinen nächsten Buchflop nachdenke, und im Gehen schöne Sätze formulieren kann, die ich dann wieder vergesse.
Als Fußgänger kann ich mir auch öfter ein Taxi leisten, da ich ja keine eigene Kiste erhalten muss. Aber Fußgänger leben abenteuerlich und vor allem: gefährlich. Besonders die Amateuere unter uns. Und diejenigen die sich an die Gesetze halten. Jeder Profifußgänger weiß, dass eine grüne Ampel höchstens eine Empfehlung darstellt, und den Pietone keineswegs davon entbindet die Autos aus den Augen zu lassen. Die meisten von uns werden auf Kreuzungen bei Grün, von Links-oder Rechtsabbiegern umgebracht.
Der kluge, erfahrene Fußgänger quert die Kreuzung bei Rot. Keine Links-und Rechtsabbieger. Und vor allem sind die Sinne hellwach und geschärft. Das zeitgenössische Fußgängertum ist eine Allegorie auf unser Leben: Vergiss alles, und trau nur noch dir selber. Was den Pietone wiederum dem Philo Kant nahebringt (oder umgekehrt): Wage es, deinen Verstand zu benützen. Traue deinem eigenen Urteil, und halte deine Deckung oben.
Oder wie unser grenzgeniale Bundesmann Faykanzler heute proletete: «Ich gebe es zu, wir haben noch nicht das Ende des Ziels erreicht.» Tja, so sehen österreichische Ziel eben aus: Sie sind lang und beschwerlich, aber zumindest ist man schon vom Start weg dort.
Wer intelligentes Blocken sehen will, der clicke auf der Blogroll den Block von Franz Dobler an, der immer ein paar Dinge vorzustellen weiß, die es mehr als wert sind, vorgestellt zu werden. Zum Beispiel das neue Tiamat-Buch von Ry Cooder «In den Straßen von Los Angeles», von Dobler himself ins Deutsche übertragen, und das dieser Tage erscheint.
Seit Henk wieder mal auf Achse ist (oder tot), und ich selber nur noch in Kneipen rumsitze und mich darüber wundere, dass dieses kleine Land etwa 8 Millionen Nahostexperten zählt, wobei kaum einer von diesen Experten (die mit bösen Ben Gurion Zitaten um sich werfen können, dass man vor Neid mit den Zähnen knirscht) den Rang des Großvaters in der Wehrmacht kennt, tut sich blockmäßig nur noch Mäßiges.
Aber dem Beispiel Doblers folgend, werde ich meinen Block aus dem Verließ der Betulichkeit und dem Kerker des Tagebuches befreien und auch auf tolle neue Sachen hinweisen:
«Ashes & Fire», z.B. Von Ryan Adams.
Ziemlich neu, ziemlich americana, ziemlich gut. Aber nur für Heulsusen wie mich. Für butterweich gekochte Drake-Jünger und abartige Bürschchen im mittleren Alter, die nur noch richtig gut drauf kommen, wenn die Songs traurig und schön sind. Wie das Leben itself.
Aber eigentlich möchte ich gar nicht, dass ihr die gleichen Scheiben auflegt wie ich. Oder die gleichen Bücher lest. Ich möchte alles nur für mich ganz allein. So ist das.
FAST EIN PAAR GEDANKEN ZUR BUCHPREISBINDUNG:
Am 11. März wird in der Schweiz über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung abgestimmt. Die Kampagne der Befürworter, vor allem die des Buchhandels, läuft auf Hochtouren. www.ja-zum-buch.ch wirbt mit einer etwas verhärmten Heidi, die rütlischwurmäßig ein Buch in den veralpten Himmel reckt, für die Annahme der Initiative. Für «Die Buchvielfalt. Gegen den Discountereinheitsbrei». Im Hintergrund tollt der Geißenpeter mit seinen Lieblingsziegen vor der hübschen Skyline einer Stadt, die vor der Skyline der Alpen prangt, herum. Sieht aus wie SVP-Werbung gegen das «Ausländerbuch» resp. JA für das Schweizerbuch.
Ich bin mehr als einmal angefragt worden, ob ich nicht, als Kleinverleger und Autor, den Komitées beitreten möchte. Wollte ich nicht. Ich wollte auch keine rührenden Geschichten über die an der Buchfront aufopfernd kämpfenden Buchhändler/Innen verfassen, über die Buch-Davids, die sich heroisch gegen die drögen Discounter-Goliaths stemmen, jene Branchenriesen, die die Bestseller zu Schleuderpreisen rausjassen, aber ihre Marge auffetten indem sie (z. B.) auf die Bücher des Pimperl-Verlags Songdog, richtig was draufhauen. Und zwar soviel, dass niemand mehr sie kaufen will, die Songdog Bücher. Das hat, wie wir gleich sehen werden, auch noch andere Gründe.
Aber ich bin solidarisch. Ich stimme mit Ja. Allerdings ohne tiefere Überzeugung.
Nicht selten treffen hier Mails oder gar Anrufe von kaufwilligen Kunden ein, denen der gute Buchhändler – der nun meine Solidarität einfordert – beschieden hat, dass nämliches, vom Kunden gewünschtes Buch aus dem Songdog Verlag überhaupt nicht lieferbar sei. Irgendwann fragt man sich, warum dem so ist. Und dann findet man heraus, dass sich viele Buchhandlungen kein VLB-Verzeichnis (Verzeichnis lieferbarer Bücher) mehr leisten, und nur noch in den Barsortimenten und Auslieferungen herumklicken und mauseln. Das ist nicht gut für Pimperl Verlage wie Songdog. Denn die können oder wollen sich oft den Killer-Bedingungen von Auslieferern nicht ausliefern. Dann merkt man auch, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Buchhändlern und Buchverkäufern.
Ich kenne Buchhändler/Innen. Das sind Frauen und Männer, die dem Kunden jedes gottverdammte Buch besorgen, und wenn sie persönlich – weil es z.B. vergriffen ist – zum nächsten Antiquariat stiefeln müssen und dessen Ramschkiste durchwühlen. Bis sie es haben. Ja, solche kenne ich. Das sind Buchhändler/Innen.
Dann gibt es die Buchverkäufer/Innen. Das sind die Klicker und Mausler, und die, die noch nie etwas von einem Internet gehört haben. Außerdem sind es -anscheinend- funktionale Analphabeten, da es ihnen nicht möglich ist, den gesuchten Titel, den Autor, in eine Suchmaschine einzutippen und so den Verlag ausfindig zu machen. Der Kunde erhält lediglich den schnöden Bescheid: Nicht lieferbar. Und damit ist der Kunde weg. Nicht alle machen sich danach die Mühe und suchen selber im Netz.
Niemand, liebe Buchhändler/Innen, verlangt, dass ihr die Produkte des Pimperl-Verlags Songdog in euren Regalen stehen habt. Aber wäre es nicht angebracht, dass auch ihr euren Job ordentlich erledigt? Vielleicht auch mal einen Schritt neben den Barsortiment-Trampelpfad setzt, und dem Kunden dabei behilflich seid, dass er auch zu dem Buch kommt, dass er haben will? (Und es sind nicht die «großen Ketten» die sich verweigern!) Es ist nicht so schwer. Bestimmt nicht. Und zudem, liebe solidarische Buchhändler/Innen, gibt es, auch wenn Sie direkt beim Verlag bestellen, dennoch Prozente, und das Buch ist innerhalb von 2-3 Tagen in Ihrem Laden, beim Kunden.
JA zum Buch. Auch für die etwas «Schwierigeren». Okay?
Ich darf Ihnen, nach «Der Bericht» von Christoph Bauer, die nächste Rezension eines Songdog Buches in der «Neuen Zürcher Zeitung (NZZ)» präsentieren. Diesmal betrifft es den Poetry-Band «Round & Round & Round» von Hadayatullah Hübsch und Florian Vetsch.
Lesen Sie! Die Besprechung. Und das Buch!
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/buchrezensionen/kaffee_allah_und_zigaretten_1.14748368.html
KAFFEE, ALLAH UND ZIGARETTEN
als. Man kann sich die Begegnung dieser beiden Dichterschamanen als ein lichterlohes Feuerwerk der Synapsen vorstellen: Mit dem im letzten Jahr überraschend verstorbenen Frankfurter Publizisten, Poeten, 68er Aktivisten und Imam Hadayatullah Hübsch und dem Schweizer Ira-Cohen-Übersetzer und Herausgeber unzähliger Underground-Lyrikbände, Florian Vetsch, scheinen tatsächlich zwei sehr ähnliche Sonnensysteme aufeinandergeprallt zu sein – wobei die aus diesem Zusammentreffen entstandene Supermasse fortan eine dunkel raunende Gravitation auf die Tastaturen sämtlicher Schreibgeräte ausüben sollte. Offensichtliche und leise Korrespondenzen zwischen dem 1946 in Chemnitz geborenen Hübsch, der 1969 zum Islam konvertierte, und dem langjährigen Marokko-Reisenden Vetsch gab es viele, nicht nur das Blut der Beat-Poeten, von dem sie beide getrunken haben. So haben Hübsch und Vetsch im Herbst 2007 beschlossen, einen literarischen Schlagabtausch einzugehen, indem sie sich in regelmässigen Abständen gegenseitig ein Gedicht zuschickten, auf das der andere dann in seinem nächsten Text antwortete, es weiterführte oder transformierte. Entstanden ist dabei unter dem Titel «Round & Round & Round» ein Gedichtzyklus aus 52 Texten, in denen Frank Zappa, Bob Dylan und die Stones die Tonlage früher Morgenstunden angeben, blasses Licht, in dem die Gläser leer und die Herzen voll scheinen. «Und meine Seele beginnt mein Herz / Zu wärmen, als hätte ich Sonne / getrunken», hält Hübsch etwa am Ende von «Radio Inner City» fest, und Vetsch antwortet ihm «In Joe’s Garage» begeistert: «Gott ist der beste / Gitarrist, spielt mit dem Plektron / Auf den Strahlen der Sonne / Trinkt Kaffee und raucht Zigaretten»
Es gibt etwas das immer und immer und immer wieder verlässlich wunderbar ist: Wenn wir das Glück haben, jemandem zuschauen zu dürfen der seine Arbeit wirklich versteht. Das wusste bereits Goethe: «Arbeit ist schön, stundenlang könnte ich zusehn».
Entgegen der Meinung von Zynikern und Faulenzern meinte Goethe – ein wahrer Connaisseur- es nicht halb hämisch, halb gönnerisch, sondern eben genau so, wie er es sagte. Und wenn einer seine Arbeit versteht, ist es vollkommen blunzen, ob er in einer Schubkarre Zement mischt, als Barkeeper Biergläser füllt, köstliche Leberhaken setzt oder, und jetzt kommt’s: Als Schauspieler auf der Bühne steht.
Und diese wunderbare Arbeit kann man jetzt sehen. Im Nestroyhof, im Hamakom-Theater, wo der gewaltige Michael Gruner mit Präzision und einem atemraubend hinreißenden, und hingebungsvoll arbeitenden Ensemble, Else Lasker-Schülers «IchundIch» inszeniert hat.
Außerdem ist das Stück auch noch komisch. Obschon man den Eindruck nicht los wird, dass es in Wien noch nicht gestattet ist, über dümmlich ergebene Nazis zu lachen
Und als absolute Dreingabe ist der Autor dieses Blogs auch noch in einer wahrhaft tragenden Rolle zu sehen, bzw. zu bewundern.
«IchundIch» Hamakom Theater, Nestroyplatz, 2. Wien.
Vom 24. Januar bis 18. Februar (fast täglich)
http://www.hamakom.at/index.php?id=599