Niedermanns Block V

Axiome treten nicht so häufig auf, wie man vielleicht annehmen mag. Umso glücklicher schätze ich mich, in einem Land zu leben, das zumindest eines dieser hübschen Dinger wie ein Diadem am Opernball trägt: Nämlich jenes Axiom, dass Österreich und dessen Proponenten, Politiker, Würdenträger und die gelernten Eingeborenen, niemals und nie und unter keinen auch nur irgendwie gearteten Umständen für irgendetwas verantwortlich zu machen sind oder gar Schuld an auftretenden Zuständen tragen. Das ist ein Axiom.

Und darum verwundert es niemanden, dass die Finanzministerin «Schottermizzi» Fekter, gleich Tacheles redete, als das Triple A Österreichs von «Standard & Poors» geknickt wurde: Schuld hat das Ausland. Vornehmlich Italien und Ungarn. Nona, sagen wir hier von der Block-Redaktion, wer sonst?

Schön, dass das Axiom wieder mal so herrlich gleißen und schillern durfte. Danke, es war sehr schön. Weiter so.

Niedermanns Block lV

Ein junger Afghane, auf der Straße nach seiner Meinung zu jenem Vorfall befragt, bei dem 4 Marines auf drei tote Taliban-Kämpfer uriniert hatten, sagte – laut Übersetzung -, dass es nicht angehe, dass Amerikaner auf tote Muslime urinieren.

Die Empörung über den Vorfall ist im Westen enorm (zumindest medial). Leichenschändung, und so weiter und so fort. Nona, Herrschaften, es ist Krieg! Und bei den Urinierenden handelt es sich nicht um deutsche und österreichische Lageraufseher, die arme, wehrlose, abgemagerte Frauen und Kinder ins Gas geprügelt haben, sondern um junge Männer, die in einem Kampf andere junge Männer getötet haben, und ihr Überleben feiern. It’s done.

Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass auch ich mich (als Kämpfer, nicht als Zivi!) hingestellt, und mein Wasser abgeschlagen hätte. Man muss doch nicht so tun. Es ist Krieg. Testosteron, Adrenalin, permanente Todesdrohung, Wahnsinn, Paranoia, Anspannung bis zum Äußersten.

Die Aufregung über den Vorfall hält sich, zumal in Afghanistan, ziemlich in Grenzen, und die Empörung, wenn sie denn – wie bei dem jungen Afghanen – enbrennt, gilt offenbar nicht dem Akt des «Totenbepissens», sondern der Religionszugehörigkeit der Bepissten. Wären die Toten nicht Muslime – so hatte ich zumindest den Eindruck -, würde dem Vorgang nicht grundsätzlich die Berechtigung abgesprochen.

Das Sprüchemuseum

«… persönlich bin ich dafür, dass wir uns auf dieser Ebene etwas vorstellen könnten.»

(Angela Merkel 10. Jan.2012)

Niedermanns Block lll.

Der IT-Mitarbeiter, der in der Bank Sarasin zu Basel, die Kontodaten von Nationalbank Chef Hildebrand gestohlen und sie letztendlich dem SVP-Vize C. Blocher zugespielt hat, glaubt, dass er in «Gewissensnot» gehandelt hat.

Mit einer solchen «Gewissensnot» zu Christoph Blocher zu gehen, ist so, als würde man sich mit einer Gonorrhoe, an den Papst wenden.

Henks Blog 5

Niedermann liegt nicht falsch. Aber auch nicht richtig. Damit wäre eigentlich alles wesentliche zu seiner Person und seiner «Arbeit» gesagt. Tja, so ist das. Zumindest richtig ist, dass ich noch ne Weile rumtun werde, ihr wisst schon.

Schön-schmalziges Schichtchen, da, mit dem Hirten, der einfach den Blinden nimmt, als er glaubte, dass seine Kräfte nicht mehr ausreichen ihn zu ernähren. Ist ausbaufähig. Zukunftsträchtig. Bei den vielen Morschis, die wir bald ham werden. Schicken wir sie in die Berge, bevor unser Gesundheitssystem kollabiert. Eine Prämie für jeden, der seinen 80-ger nicht mehr feiern will. Die Kainz-Medaille, für einen besonders gesellschaftsfreundlichen Abgang. Der Dr.Death-Orden an der Windel, für den Mortus präcox. «Siech, aber nicht schiach», heißt das Motto.

Aber in der Tat, Freunde, ich hatte einen schönen Jahreswechsel. In der Hütte eines Freundes. Kein Strom. Und im Schlafzimmer hatte es nie mehr als 4 Grad. Celsius. Das Kabäuschen warm zu bekommen, hieß: Heizen, heizen, heizen. Mit Holz. All day long. Las mich, im Schein von Petrol-und Gaslampen, durch die Bibliothek. Die alten Sachen von meinem alten, leider viel zu früh dahin geschiedenen Freund Chazz aus den Siebzigern. Die Siebziger, Freunde! Das beste Jahrzehnt ever. Da gerat ich ins Schwärmen. Die schönsten Girls, die geilste Mode, die beste Musik. Und alle waren wir so unschuldig. Gute Drugs. Und Love and Peace. Ist schon eine Weile her. Und kommt nie wieder. Da liegt Niedermann schon richtig: Das ist traurig. Wie alles, das ein Ende hat. Wie dieser 1. Blog im 2012…

Stets Euer Henk

Niedermanns Block ll.

Was soll ich sagen? Henker Henk ist abgängig. Zumindest nicht zu erreichen. Mobile abgedreht. Die paar Leute, die er nicht abgrundtief hasst, wissen auch nichts genaues nicht. Da stellt man sich Dinge vor.

In einem früheren Leben erreichte mich einmal ein Anruf, und dieser Anruf hatte zur Folge, dass ich einige Wochen später, als dicker, weicher, atemloser Bubi in den Bergen herumkroch und nach 80 Rindern und Kälber Ausschau hielt, die ich über den Sommer begleiten sollte. Ich hatte diesen Job angenommen, weil der eigentliche Hirte nicht mehr auffindbar war. Und «nicht mehr auffindbar» hieß in diesem Fall: Er war so weg, dass man ihn auch nicht mehr finden würde. Vielleicht in einigen Jahren, und zufällig. Ein paar, vom Fuchs verschleppte, menschliche Knochen. Er hieß Peider, war knapp über 50 und hatte sein Leben lang im Sommer auf den Alpen Vieh gehütet, und im Winter Holz geschlägert. Harte Jobs, Freunde, ein hartes, knochentrockenes Leben, von dem ich auch mal gekostet habe. Aber eben, nur gekostet.

Als ich mich, das Greenhorn, das ich war, nach den Umständen für sein plötzliches Verschwinden erkundigte, erklärte mir der alte Greidg in dürren Worten, dass damals viele Männer seiner Profession, so ihr Leben beendeten. Wenn sie spürten, dass ihre Kräfte für die Arbeit nicht mehr ausreichten, dann gingen sie. Manchmal fand man ihre Leichen im Rhein, manchmal stieß ein Jäger auf ein paar Gummistiefel mit faulenden Socken, manchmal fand man gar nichts. Ich finde das traurig und schön.

Henk wär’s zuzutrauen. Aber ich glaube, er ist noch nicht fertig mit uns. Noch lange nicht.

Niedermanns Block

Henk ist nicht auffindbar. Ich denke, die Feiertage waren einfach zu viel für ihn, zu viel für sein aufbrausendes Temperament. Er bewegte sich ziemlich rasant auf das zu, was man früher als Blutsturz bezeichnet hat. Ein Choleriker hat es schwer in diesen Zeiten. Da können die Herren Hessel und Ziegler sagen, was sie wollen.

Henk, so könnte man sagen, ist das Gegenteil eines Wutbürgers. Ich glaube, er empfindet keine Wut, sondern Zorn. Und auch Hass. Wie auch immer: Er ist weg. Und: Recht hat er! Schlimmer als alle Feiertage zusammengenommen, ist Sylvester. In Wien wird man das Gefühl nicht los, dass die Leute nach einem Krieg dürstet. Ganz gleich, was sie auch zu Protokoll geben mögen: In Wahrheit wollen sie töten. Schießen. Niederkartätschen. Sie wollen zusehen, wie es anderen Ohren und Münder zerfetzt, wie Nägel aus Fingern gezogen werden, wie richtiges, lebendiges Blut fließt. Die Innenstadt, der sogenannte Sylvesterpfad, wird zum Kriegsschauplatz. Knallfurzende Demonstrationen betrunkener Niedertracht.

Alle sind sturzbesoffen, werfen mit Böllern, Krachern, Luftheulern und Raketen um sich, und nennen es Party. Aber es steht mir nicht an, zu moralisieren. Sollen sie.

Gestern habe ich den Film «Margin Call» gesehen. Was soll ich sagen? Ich bin heilfroh, dass es noch Menschen gibt, die solch großartigen Dinge hinkriegen. Ich kann ihn nur empfehlen. Kluge Dialoge. Hervorragendes Schauspiel und eine packende Story, die in der Einsicht gipfelt, dass einem zum Schluss doch nichts anderes bleibt, als ein Loch in den Garten zu schaufeln, um den toten Lieblingshund zu begraben. Wozu also die Aufregung?

Auch der Niedergang, mein Lieben, ist ein Abenteuer.

Henks Blog 4

Hab dann den Abend doch nicht mit den Obdachlosen verbracht, denn der Papst kam vorbei und wir haben zusammen ein Fläschchen aufgemacht und geleert. Feiner Kerl. Muss ich sagen. Wir verstehen uns irgendwie. Und er hat ja recht -meistens-, und ich bin ja auch empfänglich für das Gute, obschon ich meistens nur Abscheu empfinde. Abscheu vor meinen Mitmenschen. Das findet der Papst nicht so gut, und er schimpft immer ein bisschen mit mir, aber andererseits lobt er mich auch, weil ich mich bemühe weniger Abscheu zu empfinden.

Sartre, der hatte ja auch recht: «Die Hölle, das sind die anderen.» Aber wer hat’s heute noch mit Sartre?

Und um gleich einem Irrtum vorzubeugen, ihr hominiden Masturbanten: Dass die anderen die Hölle sind, heißt nicht, das man sie schlecht behandeln soll. Das hat Sartre nicht gesagt. Auch der Papst nicht. Nicht mal ich, Henk. Ich finde, man soll den Mitmenschen gut behandeln und hilfreich sein wo’s nur geht, aber ihm auch ohne zu zögern was auf die Glocke donnern, wenn’s sein muss.

Der Papst fand dieses «Postulat» etwas fragwürdig. Aber Scheiße, der Gute hat ja auch einen ziemlich harten Job. Und er macht ihn gut. Meine Meinung. Wer erkannt hat, wie der Mensch wirklich ist, der kann nur Katholik werden. Oder Papst. Denn es geht darum, die miesen Triebe von uns Arschlöchern im Zaum zu halten, und das ist ein gottverdammter Knochenjob, bei den Massen an miesen Trieben, die wir so haben. Und das ist eben dem Bene sein Job: Dafür zu sorgen, dass wir halb lang machen. Und Bene scheißt auf die Papierkathos, ich meine, so würd er das nicht ausdrücken wollen, aber stimmen tut’s doch.

Ich glaube, er hat den Sartre auch noch gekannt. Ja, traurig irgendwie, denn wenn Bene dereinst den Blinden nimmt, dann wird’s schwierig. Typen wie Sartre gibt’s auch nicht mehr, nur noch so Philodarsteller wie den Herrn Precht und die Pümpernelle Klottersyk.

Aber wie schon mein alter, leider viel zu früh verstorbener Freund Chazz über Sartre und die alten Philosophen sagte: «Sie rüttelten an allem und jedem. Und wenn man sich heute die Menschen anschaut, kann man gar nicht glauben, dass es sich dabei um dieselbe Gattung handelt.»

Jetzt wären wir wieder am Anfang. Ob das gut ist?

Euer Henk

Henks Blog 3

Weihnachten ist Scheiße. Ich hab’s bereits in einem vorigen Blog erwähnt. Weihnachten ist die Rache der Frauen an uns Arschmännern, weil wir ihnen gleichen Lohn für gleiche Arbeit verwehren. Wenn ein Semibreckerl sich jetzt fragt, wie ich da drauf komme, soll er sich mal umschauen. Alles zugemüllt von Weihnachtskram, von Mistel-und Tannenzweigen, von Keksen und shoppenden Arschlöchern all over the World. Ist das männlich? Na ja, heutzutage vielleicht schon. Weihnachten ist die temporäre, aber totale Herrschaft des Konsumismus, sie ist das Hackebeil, dass die schöne Alltagsschlagader durchtrennt, und uns erzählen will, dass sie unser Aneurisma operiert; Weihnachten ist der Triumph des Spießigen über die wahren Lügen; Weihnachten ist der Veitstanz des Merkantilismus der seine Fresse nicht mehr schließen kann, und Weihnachten dauert viel zu lang. Monatelang.

Niedermann hat sich schlauerweise vom Acker gemacht. Nach Prag. Um den toten Vaclac Havel zu ehren. Das ist schlau. Das ist gut. Das ist richtig. Und ich bin neidisch.

Mein Sohn hat angerufen und mir mitgeteilt, dass ich mich ja nicht blicken lassen soll. Heute Abend. Noch einer der vernünftig ist. Nun sind es bereits zwei. Vielleicht haben wir doch noch eine Chance.

Ich geh vielleicht in die Gruft zur Obdachlosenweihnacht, um mich ein wenig aufzuheitern.

Stehn wir’s irgendwie durch, und geben uns keine Blöße.

Wetzt schon mal die Messer…

Euer

Henk

Henks Blog 2

Man kennt das ja: Man will nur seinen Job tun, sich um sein blödes Ding kümmern, und schon kommt einer daher und muss einen anquatschen. Auf die Ungute. Und ungut ist nicht etwa, wenn einer seinem gefühlten Feeling freien Lauf lässt, das find ich immer erfrischend (wie ein Johnny Walker mit Eis und Averna), denn manchmal ist es richtig lustig den winzigen Pimmel zu sehen, wenn einer, der sich sonst schön bedeckt hält, mal die Hose runterlässt, nein, das meine ich nicht, sondern wenn man ’n Kollegen erwischt, der sie nicht halten kann, und einen zutextet, und man sich fühlt wie in ’nem Gefängnisausbruchsfilm: zwei Typen mit Fußfesseln aneinander gekettet und weit und breit kein Hackebeil, nicht mal ne Nagelschere.

Nun, so war’s gestern. Ich möchte ja noch nicht verraten in welche Jobmisere ich gespült wurde, aber der Kollege schwallte andauernd was von einem Schwab ab, einem Werner Schwab, und da mir der Name überhaupt nichts sagte, sah er mich an als würd ich vor seinen Augen ein Eichhörnchen fellieren. Dann sog er an seinem Zigarillo, blies den Rauch in meine Richtung, und… sagte erst mal gar nichts. Der Typ sah aber auch richtig Scheiße aus. Fetttriefende Federn, aufgequollene Fresse mit Brille plus teigiges Bodylein. Man musste sich fragen, in wieviele Hörner der gestoßen hatte, um diesen Job zu kriegen. Als er den Schock absorbiert hatte, ging der Fließtext weiter, und ich erfuhr alles über Werner Schwab. Nicht, dass mich das in irgendeiner Weise auch nur für einen vernudelten Bit interessiert hätte (und ich vergaß auch gleich das meiste wieder), aber irgendwann fiel ein Ausspruch, der mich aufhorchen ließ. Dieser Schwab war angeblich ein Dichter gewesen, ein berühmter sogar, einer, der mit 36 Jahren in einem 4 Promiller den Blinden genommen hatte, und der mal gesagt haben soll: «Ein berühmter Dichter ist gut. Ein unbekannter Dichter is a Schaas (Furz).»

Da musste ich unwillkürlich an meinen Zweitarbeitgeber Niedermann denken, und was der wohl dazu sagen würde? Der Spruch hat natürlich etwas für sich, und während der restlichen Plackerei des Tages, wollte er mir nicht mehr aus dem Kopf. Das nervte. War wie so’n Ohrwurm. Aber vielleicht war das nur ein genialer Trick meines Gehirns, das mich vom Dauergequatsche meines Kollegen ablenken wollte. Wer weiß? Denn, was gehen mich die Dichter an? Ich finde Peyton Quinn stark, und den kennt auch keiner von diesen klottrigen Kulturniks, da könnt ich ja auch den ganzen Tag abschwallen. Tu ich aber nicht, da ich noch einen gewissen Restanstand besitze.

Aber eins weiß ich sicher: Auch wenn Niedermann ein Schaas ist: wegen eines 4 Promillers nimmt der nicht den Blinden. Das ist amtlich. Und wie sagte der gute Peyton: «Die sicherste Methode einen Kampf zu gewinnen, ist, ihn zu vermeiden.»

In diesem Sinne

Henk