Das Sprüchemuseum (6)

«Achtung! Ich bin nicht in Schottland.»

Mailaussendung meines Landsmannes, Kollegen und topografischen Leidensgenossen, Christoph Brändle.
Herrgottsack! Soll man einer sagen, die Schwiizer hätten kan Hamur!

«Anares»- Das anarchische Bücherversanddingsbumsseicherl

Einer der vielen linken Autoren des Songdog Verlags, wies den Verleger mal sanft aber bestimmt darauf hin, dass er sich doch darum bemühen sollte in dieses tolle «Anares»- Versand-Dingsbums aufgenommen zu werden. Hätte er super gefunden, der Autor. Aber der Pimperl-Verleger wollte nicht. Er war irgendwie  bockig. Er hielt sich nicht für links. Er wusste seit geraumer Zeit nicht mehr so richtig, was «links» eigentlich sein sollte. Seit er Verleger war, hielt er sich eher für ein nützliches Mitglied der Realwirtschaft. Er ermöglichte Autoren zu publizieren, zahlte Druckereien Druckkosten, Autoren ihre Tantiemen, schob der Ösi-Post die Knete bündelweise in den fetten, weichen Hintern, zahlte Gebühren für die Domain, für ISBN-Nummern, für Einträge ins VLB und manchmal sogar für das Führen der Homepage. Er war also kein Anarcho mehr, sondern so was wie ein Kapitalist. Oder so.
Da begab es sich, dass der Chef des «Anares»- Versand-Dingsbums, ein Herr Grüneklee, bei Songdog «dringend und eilig», zwei Bücher bestellte. Das war dem Verleger wie immer Befehl, und er schickte die Bücher gleich los. Auf der Homepage des Anares-Versand-Dingsbums las er:

«Gut, wir bestellen jedes lieferbare Buch. Doch hier haben wir eine nicht zuletzt eine Auswahl jener Medien zusammengestellt, die uns besonders am Herzen liegen. Doch nicht nur unser Sortiment ist besonders: Mit der Anares Kultur- und Mediengenossenschaft möchten wir ein besonderes Projekt realisieren, eine Genossenschaft an der Schnittstelle von solidarischer Ökonomie, emanzipatorischer Infrastruktur («Forum für Gesellschaftskritik») und ökologischem Profil.»

Das klang doch weit mehr als vertrauenserweckend. «Solidarische Ökonomie!» Hey, Leute! Keine Ahnung, was das sein soll, aber es klang einfach hervorragend. «Emanzipatorische Infrastruktur!» Mannomann. Und da war unser Pimperl- Verleger nicht dabei? Hergottsack! Er war drauf und dran, zu bereuen.
Als die Rechnung für die 2 Bücher nach 40 Tagen noch nicht bezahlt war, schrieb er eine Mail an den Herrn Grüneklee, und fragte mal nach. Keine Antwort. Kein Geld. Nach zwei Monaten noch mal ne Anfrage. Nichts. Keine Antwort, kein Geld.
Das war so ungefähr vor einem Jahr. Es folgte noch ein eingeschriebener Brief. Nichts.
Da ging dem Verleger auf, wie klug die Strategie des Anarchos Grüneklee war, um endlich der Gerechtigkeit zum Sieg, und dem Kapitalismus den Strick um den Hals zu legen: Man zahlte einfach die Rechnungen nicht. Da hört sich der Spass von selber auf. Autoren, Drucker, Börsenverein, Server, alle, sogar die Post. Senza frutti, Durrutti. Aus. Schluss mit lustig. Und wenn der Grüneklee so Pimperl-Verlage um Pimperlbeträge prellte, so konnte der gewiefte Anarcho auch sicher sein, vom Staat weitgehend davor beschützt zu werden, dass der Pimperl das Betreibungsamt bemühte. Oder so. Lohnte sich nicht.
Der Verleger war einerseits von der Linke des Anarchoseicherls beeindruckt, andererseits war er halt doch ein Scheiß-Kapitalist. Jedenfalls nahm er sich vor, sollte er dem Grüneklee eines Tages leibhaftig begegnen (und das war durchaus nicht unwahrscheinlich), dann würde er ihm auf eine handfeste Art demonstrieren, was Spießer wie er, unter Anarchie auch noch verstehen …

Mach dich nicht unbeliebt

Dass man wieder in Korruptanien ist, ist auch daran zu merken, dass man gut daran tut, nach dem Einkauf seinen Kassabon zu kontrollieren. Heute löhnte ich, zum Beispiel, für eine Knolle frischen Knoblauch € 2,99. Anstatt 0,99. Stolz. Beide Preise. Aber so ist das hier. Hier gibt’s keine Konkurrenz, hier bildet man Kartelle und baut Innungen mit denen man sich vor Konkurrenz schützt.

Seit einiger Zeit haben sich die Supermärkte was Neues einfallen lassen: Sie schreiben Aktionen aus, die dann aber an der Kasse als Normalpreis durchgehen. Und dann gehste nach der Bonkontrolle hin, die Schlange am Band, gefühlte 25 Meter, bis nach hinten zum Obst, und klagst die 1,37 ein, um die man dich hintergangen hat. Da biste Kandidat für den Lieblingskunden des Monats, oh yeah!

Und wer ist schuld daran? Dumme Frage. Hier ist Korruptanien. Hier ist niemand zuständig. Hier weiß man generell nie von etwas, das hat Tradition, das reicht ein paar Jahrzehnte zurück, damals hat auch niemand was gewusst, und heute weiß man noch weniger.
Aber ich weiß Bescheid. Ich lebe lange genug hier, um zu wissen, wer die Schuld an all den täglichen Bescheißereien trägt: ICH.
Denn würde ICH den Kassabon nicht kontrollieren, würden mir die kleinen Unstimmigkeiten auch nicht auffallen. Viel ärmer würde ich nicht dabei, die Schlange würde nicht länger, die Kassierinnen hätten ihre Ruhe und der Konzern seinen Reibach. Alle wären zufrieden.

Also. Mach dich nicht unbeliebt. Lass den Bon einfach unbesehen liegen, okay?

Back in Korruptanien

Kaum verabschiedet sich unsereiner mal für ein paar Tage in die Berge und gärtnert im Garten und sanitätert im Nassbereich (tauscht unter lästerlichen Flüchen zwei Wasserhähne), geschehen die tollsten Sachen. In der Welt. Auch in Deutschland. In Korruptanien sowieso. Manchmal an allen Orten zugleich. Ein Nobelpreisträger schreibt ein so wahnsinnig tolles, wahres Gedicht. Zum Besipiel. Die Korruptanier machen einen Deal mit der Schweiz, damit die Lieblingskorruptanier der Oberkorrupten ihr Geld weiterhin steuerschonend außer Landes bringen können. Lauter so Sachen. Hervorragend. Als würde die Welt nur drauf warten, dass ich mich nicht mehr um sie kümmere, und schon flupp, bringt sie die Supershow.

Auch das Theater. Endlich kommt das Stück über den Kachelmann-Prozess! Wer hat es nicht längst sehnlichst erwartet? Wessen Geist dürstet nicht nach der Erbauung die uns dieses Drama verspricht? Aber lassen wir doch die Macher selber sprechen:

«Dabei soll es auch darum gehen, wie der Fall  (Kachelmann) «von der Umwelt ausgeschlachtet und vermarktet wird, sei es von Zeitungen, der Filmbranche oder auch uns Theatermachern», heißt es in einer Pressemitteilung des Theaters Felina-Areal. Nicht im Mittelpunkt stehe hingegen die Frage, wer von den beiden Recht habe.»

Wenn ich es richtig verstanden habe, schnitzen die uns jetzt ein Stück aus dem Material eines vorhandenen Stücks, dessen Inhalt das Schnitzen eines Stücks aus dem Material eines vorhandenen Stücks ist, dessen Inhalt das Schnitzen eines Stücks … Nun ja. Grenzgenial, würde ich sagen.
Der Zuschauer darf im Theatersaal noch einmal erleben wie er etwas erlebt hat, das er nicht erlebt hat. Er schaut sich sozusagen auf der Bühne zu, wie er sich auf der Bühne zusieht.

So etwas muss einfach glücklich machen. Und tut es auch. Echt.

«Gehwegschäden» (Roman)

Während das Fäuleton und ihre übersättigten Mietschreiberlinge sich  – wie die Fliegen auf den Scheißhaufen – auf dem leicht aasig riechenden Roman von Christian Kracht «Imperium» niederließen, und der Meister des Bücher-in-den-Kübel-schmeißens, Denis Scheck, gar ein Komplott gegen Kracht zu wittern vorgibt, eine Aussage, die in ihrer Dämlichkeit kaum zu übertreffen ist, zumal der gute Georg Diez für seine Kracht-Kritik dermaßen Prügel bezogen hat (und zwar von der vereinten Kritikergilde!), dass ihm heute noch schwindlig sein dürfte; Prügel, die Krachts Roman in die Bestsellerlisten gepeitscht haben, lese ich, davon vollkommen unbeeindruckt, gute Bücher.

Eines davon heißt «GEHWEGSCHÄDEN» von Helmut Kuhn, ein Roman der mich, den ausgewiesenen Verächter dicker deutscher Bücher, eines Besseren belehrt. Dicke, deutsche Bücher müssen nicht öd sein! Was ne Erkenntnis!
437 Seiten Prosa. Ein Berlin-Roman. Klug, und in den Details kenntnisreich geschrieben, und zwar mit Zug auf’s Tor, stark und schnell, humorig, verzweifelt, lachhaft, schmerzlich wahr, man glaubt mitunter Jörg Fauser sei, schon vor Ostern, von den Toten erstanden oder habe zumindest dem Kuhn die Feder geführt. Nicht der Fauser von 87, sondern der von 2012.
Um was es geht? Um uns, natürlich. Um was sonst?
Kostprobe?

«Erstermaiwiderstand. Gerechtigkeit und Bier. Das Gesetz westlich des Landwehrkanals. Vollkommen degeneriert … Erstemaitour. Terrortouristen. Visagen, Eis und Weißbier kauend, Tourismusterror; einerlei. Da tauchen auch noch diese affig gewandeten Multikampfmusiker auf und terrorisieren ihn (T.Frantz) mit ihrer immergleichen Fünfvierteltaktbeschallung, Sitar, Trommel, Tröte, Bandoneon, Unsinn, Musik ist nicht gegen Gewalt, Musik ist Gewalt.»

Das Sprüchemuseum (4)

«Stellen Sie sich vor, es ist ein Beachvolleyballturnier, und ich würde nicht hingehen!?»

Gerhard Dörfler, FiK-Partei (Freiheitliche in Kärnten), seines Zeichens Landeshauptmann, zu den Repräsentationspflichten und den daraus resultierenden «Anfütterungseinladungen».

(Grundgütiger!!! Man stelle sich das nur mal vor!)

DRECKSACK 3. Jahrgang Heft 1

Was Bene Kramer (Superbastard) für Augsburg, ist Florian Günther für Berlin. Sie sind beide Herausgeber.
Der Schriftsteller und Dichter Florian Günther, von dem gerade neulich ein Hammerteil beim Peter Engstler Verlag erschienen ist: «Ausgemistet» (Gedichte 1989-2011), ein schöner Ziegel, praktisch umsonst, aber voller guter Gedichte, gibt auch regelmäßig unregelmäßig den DRECKSACK, die «lesbare Zeitschrift für Literatur» heraus. 12 Seiten Gedichte, Romananfänge, Storys, und in dieser Ausgabe ein Special zum Tod Carl Weissners, im Februar 2012.
Ich persönlich bin immer auf Seite 2 gespannt. Eine ganze Seite Gedichte. Diesmal von Jerk Götterwind. Immer herzerwärmend, diese Seite, sie lässt einen staunend, glücklich und oft etwas ungläubig zurück: Dass ich das noch erleben darf! Soviel gute Poetry! In deutscher Sprache! Meist erschienen in kleinen, winzigen und noch winzigeren Verlagen.

Diese Ausgabe bringt u.a. Texte von: Lydia Lunch, Günther himself, Götterwind, Auszug aus Hermann Borgerdings Roman «Ausgehöhlt – im Krebsstrudel», Poetry von Michael Hillen, Michael Arenz, Anna Rheinsberg, Marvin Chlada, Susann Klossek, Katja Horn, Max Pfeifer, Urs Böke, Ralf Göhrke.
Rezensionen von Axel Monte, Böke.
Interviews und eben das Special zu Carl Weissner mit Texten von Penzel, Maher, Hermann, Vetsch, Ploog, Niedermann, Haller, Böger, Dobler.

DRECKSACK kostet 2 Euro und kann bezogen werden bei:
edition.In@web.de
etick@gmx.net
heinrich50@gmx.de

SUPERBASTARD Nr. 3

KOLLAPS

Nach der Nullnummer «Bastard» aus dem Jahr 2008 – herausgegeben von Franz Dobler, und erschienen im Alexander Verlag Berlin –  ist das Nachfolgeheft, genannt «SUPERBASTARD» nun bereits in der 3. Nummer erschienen. Das ist mehr als nur nett. Das ist auch unerwartet und bestimmt auch ein wenig unerhört, gibt man ansonsten solchen aus Wut und Kampf und Idealismus herausgegebenen Literaturprodukten die halbe Halbwertszeit einer Halbtagsfliege. Aber der Herausgeber, der Augsburger Poet und Filmemacher Benedikt Maria Kramer lässt nicht locker, und so ist, nach 1 & 2, die Nr. 3 zu haben. KOLLAPS, der Untertitel. Aber nichts da. Zumindest nicht, was dieses Heft anlangt.

Auf 60 Seiten sind Beiträge von 16 Autoren und Autorinnen versammelt. Ein Special: «10 Jahre War On Terror»

U.a. mit dem überaus seltsamen und sehr strange anmutenden «Auszug aus dem Verhörprotokoll Mohammed al-Qahtanis», und befremdenden Fotos von GI’s mit getöteten Irakis.

Im Rest des Heftes gibt es Storys, und einiges an Poetry von Böke, Günther, Kramer, Dobler, Schittko, Pohl und anderen. Mich persönlich freut es, dass ich in den Arbeiten der jungen Dichter richtig gute Dinger finde (Die etwas älteren,z.B. Günther und Dobler muss man nicht mehr loben. Aber lesen sollte man sie.) Da ist richtig was gelungen.

Das Heft kostet € 3.-, und kann bei www.superbastard.de bezogen werden. Oder auch per E-Mail bei verlag@songdog.at.

Schweinebeineinsolvenz

Es gibt ein Bild, das dem Pimperl-Verleger Niedermann vors innere Auge zieht, wenn er den Namen Lojze Wieser hört. Dann nämlich sieht er den Kärtner Verleger, wie der an seinem Stand an der BUCH-WIEN steht, groß und bärig, vor dem prächtigen, cheminéeartig aufgebauten Massiv seiner Prachtbände, schwer und wuchtig wie Barren wertvollen Metalls, die ihre Bedeutung in die Buchwelt hinausholleien, wie der Bergsteiger seinen Gipfelruf.

Wieser ist umringt von Publikum. Da er auf einem Podest steht, überragt er alle um einen halben Meter, all jene, die ihm dabei zusehen, wie er mit einer dünnen scharfen Klinge den gepökelten Quadrizeps einer Wildsau zersäbelt, einer Sau, die er vermutlich eigenhändig in einem Maisfeld von Gotschuchen aufgespürt und mit der Saufeder abgestochen hat. So wirkt er. Zumindest auf unseren eingeschüchterten Pimperl-Verleger, der gerade dabei ist in sich zu gehen. Er muss sich fragen, ob ihn wieder mal der Neid benage. Der hässliche, gratscherte Neid auf die gebundenen Bücher, den Schinken, den Bart, das Publikum, den Ruf, und last but not least, auf die Subi. Und er muss es sich ehrlicherweise eingestehen: Er ist ziemlich neidisch. Nona. Wie sollte es anders sein?

Denn die eigene Produktion, die schmalen, broschierten Bände Prosa, und die noch dünneren Bändchen Poetry des Pimperl-Verlegers, verkommen, gleich schräg gegenüber, in einem Sammelstand, ludern zusammen mit zig anderen Pimperln auf den Regalen, und wirken gegen Wiesers Massiv wie Fix und Foxi Heftchen.

Aber der Pimperl-Verleger gibt vielleicht Fix und Foxi Heftchen heraus, aber er ist nicht dumm. Er weiß, was solche Prachtbände in der Herstellung kosten, und er weiß auch – wenn er die wenig berühmten Namen auf den Buchrücken liest – wieviel sich davon verkaufen lassen.  Was nur schon das Wildschweinbein gekostet hat? Die Standmiete. Der Transport. Das Personal. Aus dieser Marie schnitzt sicht der Pimperl-Verleger locker ein, zwei Jahresproduktionen von seinen Fix und Foxi Büchern.

Aber eben. Es ist Ösi-County. Und hier muss man noch nicht wahrhaben, dass Pracht und Schein noch keinen Inhalt ergeben, und dass es einfach nicht reicht, Subi-Geld in verlustreiche Unternehmungen zu pumpen, so edel, hilfreich und gut, ihr Credo auch sei.

Der Neid des Pimperl-Verlegers verflog. Nicht ganz, aber doch. Der Schinken duftete, aber unser Pimperl war Vegetarier. Er ahnte, dass dies auf Dauer nicht gut gehen würde. So Griechenlandlike. Schulden loswerden, indem man mehr Schulden macht. Und dann, wenn nirgendwoher mehr Kohle kommt, ruft man: Insolvenz, und beschimpft die Welt, weil sie nicht mehr lesen mag.

Heute hat der Verlag des Lojze Wieser, Insolvenz angemeldet. Es fehlt beinahe eine Million Euro.

Ich hoffe, dass wenigstens die Autoren zu ihren Euronen kommen. (Als Autor würd ich nicht darauf hoffen)

Nun zu etwas komplett anderem:

Heute habe ich die Abrechnung für einen Sammelband bekommen, in dem auch eine Story von mir drinnen ist. Er hat sich 749 mal verkauft. Mein Honoraranteil beträgt € 55,78.

Ist das nicht großartig?

Das sind die Labels in der etwas tiefer gelegten Fix und Foxi-Liga.

Natürlich, ohne Schweinebeine.