Das Sprüchemuseum (14)

Gestern sagte der gute alte Jean Ziegler in der «ZiB 2» im ORF:

«Österreich hat die lebendigste Demokratie in Europa!»

Wir von der Blockredaktion sagen: «Schang, der war gut!»
Fügen aber etwas besorgt hinzu:»Lass dich doch mal bei Gelegenheit untersuchen, Herr Ziegler!»

Es war schön

Gestern war es schön. Das TV-Gucken. Im ORF. «Im Zentrum», der Polittalk. Die Blockredaktion hatte den Auftrag, sich die Sendung anzusehen. Am Anfang zappte die Frau Redakteurin dauernd nach ARD und ZDF, weil niemand glauben konnte, dass diese klugen, ruhigen und überhaupt nicht emotional rumbrüllenden Menschen Österreicher waren. Kein Politiker der sagte:»Das ist die falsche Frage», «Es kann nicht sein», dem sehen wir gelassen entgegen»,»Wir sind ein Opfer der linkslinken Medien» usw., sondern Menschen, die argumentierten, analysierten, Schlüsse zogen und Prognosen wagten; man hatte direkt den Eindruck, in einem ziviliserten Land zu leben, wo man einander ausreden ließ, nachdachte, abwog oder abwägte oder abwiegte, wie auch immer, es war einfach unglaublich.

Einige von uns weinten. Es war, als wären wir zwanzig Jahre durch die Hölle gegangen und endlich zu Hause, bei den Lieben, angekommen. Ein Hammer, Leute!

Und diese Menschen im TV machten lauter kluge Vorschläge wie man dies und jenes verbessern könnte, was dringend zu ändern wäre, und wie leicht es gehen würde. Es war, als mache alles plötzlich Sinn.

Aber die Menschen waren auch so klug zu wissen, dass es niemals geschehen würde. Der Ösi könnte wohl, aber er kann nicht. Das war die Konklusio, die uns von diesen gescheiten Menschen präsentiert wurde. Sie waren alle ein bisschen traurig. Die eine Frau lächelte resigniert und verlegen, und wir von der Blockredaktion schenkten Wein nach und wurden ebenfalls traurig. Und wir wussten wieder: Es wird einfach so weitergehen wie bisher, mit der Niedertracht, der Idiotie, dem Klientelismus und der Korruption. Es würde zumindest einen Krieg brauchen, um hierzulande etwas zu ändern.

Aber es war trotzdem schön. Nächsten Sonntag werden dann die Politiker wieder dran sein, und dann wird die Blockredaktion bereits tief und fest schlafen.

Die rechten Opfer

Neulich wurde in der Blockredaktion angefragt, ob es denn kein sicheres Mittel gäbe, die rechtsrechten Schlappschwänze eindeutig auszumachen?
Da mussten wir nicht lange rumdiskutieren. Ja, es gibt ein untrügliches Zeichen, das die rechtsrechten Schlappschwänze erkennbar macht: Sie sind immer Opfer.

Sieht man gerade wieder in der Schweiz, wo der Wildheuer Brunner von der SVP rumweint, weil man seinen Chefideologen Mörgeli aus guten Gründen aus der Uni geschmissen hat. Komplott. Mobbing. Linkslinke Verschwörung. Mit einem Wort: Opfer.

Und das «Opfersein» ist auch der Grund, warum man die wachsweichen rechten Schlappschwänze daran hindern muss an die Macht zu kommen: Denn Opfer sind immer im Recht, und was sie auch anderen antun, es dient nur der Gerechtigkeit. Opfer sind – moralisch- immer die Guten, und müssen daher ihr Tun niemals hinterfragen.

So, jetzt wisst ihr es.

P.S.
Inzwischen hat es auch schon die Ösi-Sozialdemokratie erwischt. Der Bundeskanzler wurde ein Opfer der Opposition. Laut Cap, dem Klubobmann. Aber der hält wohl das braune Zeugs, das aus seiner Birne tropft, noch immer für Honig.

Mancheiner fragt …

Mancheiner mag sich fragen, ob es etwas Heruntergekommeneres gibt als die österreichische Sozialdemokratie? Mal abgesehen von der österreichischen Volkspartei.

Mancheiner mag sich fragen, warum die westliche Öffentlichkeit wie pawlowsche Hunde auf den mordlustigen muslimischen Mob reagiert, der vorgibt irgendwas von irgendwem gehört zu haben der jemanden kennt der was gesehen haben soll, und der «Westen» deswegen immer gleich die Diskussion über die Freiheit anreißt?
Wann werden wir lernen, dass man Leute, die immer gleich beleidigt sind, nur beleidigen kann?

Mancheiner wird sich fragen, warum es nicht längst allen klar war, dass die «Umsonstos», genannt «die Piraten», die «Contentmafia» und «Urheberrechte» nur ekelhaft finden, solange es der «Content» und die Rechte von anderen sind? Das liegt einfach in der Natur von Piraten. (Womit wir sie hoffentlich auch los sind… No na, net!)

Mancheiner mag sich fragen, warum die Zwetschken- und Pflaumenprosa von Wulff und Schramm und Konsorten nicht noch mehr Auflage haben, sich aber einige der Scheißgedichtbüchlein die im Songdogverlag erscheinen, auch schon über 100 X verkauft haben?

Mancheiner mag sich fragen, warum mancheiner sich das fragt.

Es ist Herbst, und die Sonne steigt nicht mehr über die Wipfel der schönen Bäume im Park des Palais Schönburg hinauf. Mancheiner mag sich fragen, warum?
Und das ist vollkommen berechtigt.

«Politikverdrossenheit»

Über etwas wundere ich mich hierzulande immer wieder: Wie lange der Schmäh der regierenden Politiker von der  «Politikverdrossenheit der Bevölkerung» noch zieht. Und dass es gälte, jener mit geeigneten Maßnahmen wie Transparenz, Antikorruptionsgeschwurbel und so weiter, entgegenzuwirken.

Aber den Politikern ist die Politikverdrossenheit der Bevölkerung sowas von wurscht. Das Volk ist lästig, und es gilt, es zu besänftigen, damit die Wiederwahl glückt.
Denn nach der Wiederwahl – das hat uns der Kanzler gezeigt – kommt man an die Geldtöpfe der Steuerzahler, und die kippt man über die «Presse» genannten Krawallnudelblätter aus. Die lassen sich nicht lumpen, und machen Stimmung auf das die nächste Wiederwahl glückt. That’s it. Da ist nicht mehr dran.

Vielleicht liegt ein Problem darin, dass die autochthone Bevölkerung zu blöd ist, um richtige Zeitungen zu lesen, von denen es doch zwei oder drei gäbe. Mit richtigen, klugen und unbestechlichen Journalisten.
Aber die stehen im Verdacht Intellektuelle zu sein, und des mog er net, der Eingeborene.

Eigentlich wundert es mich doch nicht.

Endlich mal eine gute Nachricht!

Ich möchte darauf hinweisen, dass mein neuer Roman «Goldene Tage» erschienen und erhältlich ist. Direkt beim Verlag (frei Haus – versandkostenfrei) oder in der Buchhandlung ihrer Wahl.

«Goldene Tage» ist eine Romantic-Crime-Story.

verlag@songdog.at

«Braunschlag»

Nächstens läuft im TV die neueste österreichische Linkmichel- und Niedertrachtsshow namens «Braunschlag» an, wie immer eine Fortschreibung des «Kaisermühlenblues» mit anderen Mitteln, und diesmal nicht aus Wien, sondern aus dem Waldviertel.
Aber bevor es soweit ist, schwärmt die Film-Crew aus, und erzählt uns auf diversen «Fernseh-Kulturplätzen», wie super das Waldviertel ist. Das trifft sich gut, weil so ziemlich alle Mitwirkenden (und das ist in etwa dreiviertel der austriakischen Schauspielercamarilla) wahnsinnig verliebt in das Waldviertel sind, und ebenda das eine oder andere Häuschen besitzen.
Nichts gegen das «Waldviertel». Im Gegenteil. Ich hätte auch gerne ein Häuschen ebenda, und bin sehr neidisch, weil ich mir keines leisten kann (und deswegen mach ich jetzt die Serie madig, claro, oder?).

Aber das, was man bislang an «Braunschlag-Trailern» sichten konnte, hat mit dem Waldviertel soviel zu tun, wie Winnetou mit dem Apachenhäuptling Geronimo, nur, des mocht nix, denn es geht darum -wie versichert wird- «uns einen Spiegel» vorzuhalten, uns wieder mal zu zeigen, wie wir wirklich sind: Geschwätzig, besoffen, geil, niederträchtig, gierig, heuchlerisch, neidisch, verlogen und scharf darauf, mit einem Megafon auf einem Kirtag rumzustolpern.

Nun, ich für meinen Teil, bin eigentlich gar nicht so. Ehrlich nicht!
(Auch wohnt kein Hitler in mir, wie Franzobel mir mal in einem Interview weismachen wollte. Ich habe das von meinem Hausarzt checken lassen.)

Aber ich gehe jede Wette ein, dass sich auch «Braunschlag» wie der Zweiteiler «Der Aufschneider» desselben Regisseurs entwickeln wird: Am Ende haben alle alle gefickt, hintergangen, abgezogen und belogen, geschlagen, ausgebootet, verraten und mies gemacht, in den Arsch getreten, bedroht, bedrängt, befummelt, schwanzgelutscht, angeschwärzt, sich verlassen und wieder versöhnt.
Und ganz am Ende dann, sitzen sie wieder am Lieblingsmöbel der Nation, dem «Runden Tisch», und es ist alles wie zuvor. Nur der «Piefke», der sich zufälligerweise nach Braunschlag verirrt hat, ist nicht mehr da. Aber er hat an allem Schuld.

Das ist, etwas gerafft, die Fama des Landes. Sie wiederholt sich. Immer und immer und immer wieder.

Und das Schöne ist: Die kriegen nie genug davon. Nie.

Das Wort zum Sonntag

Solange der Otto Normalo Geld für eine Karte bezahlt, um in einer Schwergewichtsboxerdarstellerhinrichtung à la Klitschko rum zugrölen, dessen schmalztriefendes Porträt-Intro Hansi Hinterseer auf der ARD vor seiner Almhütten wie einen Punker wirken ließ, und solange ein ähnlicher Otto Geld für ein Buch von Bettina Wulff ausgibt, die sich jetzt durch aufgeziegelte und werbewirksame Klagen gegen Jauch und Google von den Medien ein bisschen Nuttenparfum anpümpeln lässt, solange dieser Otto und diese Ottin für diese Dinge Geld haben, ist das Reden über die Krise nur eines: nämlich Gerede. Amen.

Gemüse schauen

Gestern besuchte ich wieder mal den Wiener Naschmarkt. Was soll ich sagen? Dasselbe wie zu Clint Eastwoods öffentlichem Stuhlgang bei Romneys Wahlveranstaltung: Traurig, traurig, traurig.
Ich fühlte mich als krasser Außenseiter. Wie der arme Irre, der an eine Vernissage geht und sich Kunst ansehen will. Denn ich wollte etwas Gemüse für das Ratatouille kaufen, dass ich heute im Kinderhort brauen werde (Die kleinen Supergourmets werdens nicht essen, aber das ist Nebensache und mir wurscht! (Aber sie habens dann doch gegessen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder)).

Gedränge. Gedränge. Gedränge. Man diskutiert allerorten über das Gemüse. Aber keiner kauft was. Die Touristen gehen Gemüse schauen. Man lascht zwischen den Ständen durch, sozusagen als «Amuse geule», für den überteuerten Fraß, den man sich dann in einem der 100 angesagten Fresscontainern servieren lässt.

Oder wie mir Gurken-Leo, bei dem ich neulich ein Kilo Champagner-Kraut erstanden habe, verriet: «Die Jungen kochen ja nix mehr!»
Nicht nur die Jungen, hab ich geantwortet. «Ja», sagte Gurken-Leo, «die schauen nur noch die Kochshowpornos. Den Rest kannst dir ja denken …»

Touristen und andere Gscherte gehn auf dem Naschmarkt schön arrangiertes  Gemüse schauen. Ich finde,die Standler sollten Eintritt verlangen.

Uns anderen Irren, die richtig was kaufen wollen, bleiben die frostigen Winter -und die Regentage.

Blasphemie

Der österreichische Filmemacher Ulrich Seidel hat sich von Erz-Katholiken eine Anzeige wegen Blasphemie eingehandelt. Es soll sich bei der inkriminierten Stelle in seinem neuen Films «Paradies: Glaube», um  «Masturbation mit einem Kruzifix» handeln.

Jawohl! Wer, außer den Mitgliedern einer Religionsgemeinschaft, deren Proponenten die ihnen anvertrauten Kinder sexuell missbrauchen, schlagen, quälen, und danach jede Schuld leugnen und von ihren Vorgesetzten gedeckt werden, verfügt über die moralische Integrität, einen als  blasphemisch empfundenen Künstler in die Schranken zu weisen, und ihn der gerechten Strafe zuzuführen?

Wir hier von der Blockredaktion sagen nur: Schämen Sie sich Ulrich Seidel, und tun sie Buße: Lesen Sie das Gesamtwerk von Martin Mosebach! Das sollte genügen. Auch für den Rest ihrer Sünden.