Frage

Wie ist das eigentlich: Darf man Flüchtlinge kritisieren? Darf man Fragen stellen? Dumme, vielleicht? Oder grundsätzliche? Darf man von sich selber ausgehend, nach einem bestimmten Verhalten fragen, darf man das? Oder ist es – seit den barmherzigen Worten des Papstes zur Katastrophe in Lampedusa – einfach ein Fact, dass ich/wir (Europäer) an dem Unglück schuld sind?

Glaubt man den Berichten über die Flüchtlinge, verbringen viele von ihnen Wochen und Monate an der afrikanischen Küste und warten auf den Tag X. Sie warten auf ihr Boot, ihr Schiff, ihre Überfahrt. Sie überleben irgendwie. In der Nähe des Ufers. Sie werden in horrormäßig überfüllten Schiffen tagelang unterwegs sein. Nur sie und das Boot und das Meer. Sie können nicht schwimmen. Sie können nicht schwimmen.

Wäre es nicht naheliegend, dass sie in jenen Wochen und Monaten, die sie wartend an der Küste verbringen, es lernen sollten? Das Schwimmen. Sollte man nicht schwimmen können, wenn man sich aufs Meer wagt? Zumindest so gut, dass man  eine Chance hat, länger als eine Minute zu überleben, falls man ins Meer fällt? Dass die Retter auch eine Chance kriegen, einen rauszuziehen?

Muss man, wenn solche Tragödien verhindert werden sollen, nicht beim elementaren beginnen? Wasser=schwimmen können? Sollten diejenigen die es geschafft haben, den anderen, die es noch versuchen wollen, nicht eindringlich raten, schwimmen zu lernen? Es ist nicht so schwer. Man lernt es in wenigen Stunden.

Oder ist Pragmatismus in diesem Fall moralisch verwerflich? Wie in der katholischen Kirche das Kondom? Nur Enthaltsamkeit schützt vor AIDS.

Frage.

Das Sprüchemuseum (30)

«Es ist absolut beschämend, dass es Länder und Völker gibt, die so intolerant und ignorant sind. Das ist peinlich.»

Bode Miller, der letzte Individualist des Skirennsports, zum faschistischen Russland, wo man, über Homosexualität sprechend, ins Gefängnis geworfen werden kann, und wo die nächsten Olympischen Winterspiele ausgerichtet werden.

Wir sagen: Wir sollten derartigen Kommentare auch von anderen Athleten erwarten dürfen. Oder würde man sich im «Österreicherhaus» auch den Kim aus Nordkorea schönsaufen? Und zwar nicht nur die österreichischen Sportler?
Außerdem hat, dem Vernehmen nach, der Verbandspräsident Schröcksnadel angeordnet, dass bei allfälligen Wortmeldungen erst die Hand gehoben werden muss.
Uns wurde auch zugetragen, dass man das in Athletenkreisen nur recht und billig findet. Meinungsfreiheit ja, nur müsste man zuerst mal eine haben. Aber die hat bereits der Schröcksnadel. Und für eine zweite reicht leider die Subvention nicht … Vielleicht sponsort die Kronenzeitung eine Zweitmeinung?

Leider sympathisch

Dass ich gestern Nacht, beim Kampf Klitschko-Povetkin, mich auf der Seite von Klitschko fand, ist eigentlich unverzeihlich. Aber man ließ mir keine Wahl. Nicht mal «Sascha» Povetkin, den ich für einen sauberen, ehrlichen und überaus versierten Boxer halte, kein Mann der vielen Worte, aber im Ring technisch beschlagen, unermüdlich angreifend und auch fair. Aber dass man in Moskau glaubte, den Kampf ideologisch aufpeppen zu müssen, brachte mich auf Klitschkos Seite.
Der ehrliche, «weiße russische Ritter» gegen den im Westen aufgestiegenen Ukrainer  – und Putin sollte, so wurde gemunkelt, auch noch am Ring auftauchen-, da waren die Würfel gefallen. Dass dann Klitschko seinen berüchtigten no-risk-much-money-Stiefel runterboxte, und so jede Aktion seiner selbst und auch die des Gegners mit Clinch und drauflehnen abschloss, verdross. Aber Putin ist schlimmer. So ist das.

Und ich gehe so ziemlich jede Wette ein, dass der verklemmte russische Präsident sich den Kampf in der Nähe des Stadions angesehen hat, um, wenn sein Mann gesiegt hätte, den Ring zu entern.
Wenigstens dieser Anblick blieb uns erspart.

Zu Gunsten Klitschkos muss gesagt sein, dass kaum ein anderer in seiner Situation darauf verzichtet hätte, den Gegner mit verbotenen Hinterkopfschlägen zu traktieren, er unterließ dies aber, der Wladimir, und das ist, leider, leider, ziemlich sympathisch.

Sie richten es sich

Schon Karl Kraus wusste, wie der Österreicher «es sich richtet», und es war ihm zuwider. Ja. Manchmal weiß man gar nicht so recht, wie sie es sich richten, aber hin und wieder geht der Spot an, und alle können es sehen.

Wie gerade jetzt, wo der Rechnungshof die Wiener Polizei kritisiert. Zuviele Chefs, zu wenig Außendienst. Man nahm sich offenbar ein Besipiel an der österreichischen Armee, tutti capitani, ein Haufen Lametta -und Orden behängter Schwabbelbäuche. Und so ein Chef sitzt schön im Warmen und Trockenen, ist einfach gemütlicher, oder?

Und dann, als zweiten Streich, zieht man aus denjenigen Bezirken, wo es öfter mal zu Sache geht und Beamte von Nöten wären die Leute ab und versetzt sie in die spießige Josefstadt, wo eh nix los ist.

Das Dementi ist noch nicht draußen. Aber es wird sich von den anderen, die täglich von Politikern abgesondert werden – wenn man sie an ihre Verantwortung erinnert, nicht unterscheiden. Da braucht man nur das letzte hernehmen, des passt immer.

Das Sprüchemuseum (29)

Raj (Hindu) und Howard (Jude) stehen in einer Kirche und betrachten den gekreuzigten Jesus.
Raj: «Unsere Götter haben nicht solche Sixpacks.»
Howard: » Ja, das war der letzte Jude, der noch Sit-ups gemacht hat.»

Aus der Serie «The big bang theory».

Wir sagen: Wir hören hierzulande immer wieder Leute, die von «billigem Ami-Serien-Scheiß» palavern. Ihr Burschen, ihr Mädels, habt ihr sie eigentlich noch alle?

Da hilft nix

Man muss ja das ewige nach rechts rücken und das ewige Fortbestehen der großen Koalition in Österreich nicht mehr kommentieren. Schon gar nicht als Ausländer, als einer von etwa 800’000 anderen, nicht Wahlberechtigten.
Ich möchte aber doch auf den Block des Kollegen Dobler verweisen, der die Bayern Wahl mit diesem Kommentar bedachte:

SERVUS, BAYERN

Ist auch hier gültig. Da hilft nix.

Das Sprüchemuseum (28)

«Ich kann Betrunkene nicht ausstehen. Nicht mal besoffen.»

Ausspruch eines unserer Redaktionsmitglieder, das namentlich nicht erwähnt werden möchte. Mobbinggefahr.

Wir sagen: Da bedarf es dringend einer Korrektur. Auf ans Oktoberfest. Zur Kur.

Der beste Block aller Zeiten

Heute gelang mir der beste Block aller Zeiten. Der Zug rollte gerade aus Salzburg hinaus, verließ das Land Austria, fuhr ganz langsam über eine Brücke, und ich sah auf den fetten, Andeer-Granit-grünen Fluss hinunter, und da war er auch schon da, der beste Block aller Zeiten. Ich meine, ich war eben am Schreiben und während ich schrieb und mir dabei beinahe die Tränen kamen, rollte der Zug immer schneller nach Deutschland, fiel ein in dieses Land, wo es gerade satt regnete, und dann war das WLAN weg und mit dem WLAN der beste Block aller Zeiten. Nicht zwischengespeichert.
Daraufhin weinte ich wirklich, hörte mir Willi Nelson und Jorma Kaukonen an, starrte aus dem Fenster bis wir bei Kufstein über den Inn wieder nach Ösi-County pressten, wo das WLAN wieder kam, aber der beste Block aller Zeiten nicht. Aber dafür ein verficktes Tiroler-Gleis-Geschüttel das einem die Finger durcheinanderwirbelte und man jedes Wort 4 Mal schreiben musste, bis nur noch zwei Tippfehler drin waren.
So eine Scheiße, sage ich. Echt.
So ein Block wird mir nie wieder gelingen. Niemals. Und kein Schwein hat ihn gelesen. Und wer ist schuld? Natürlich wieder mal keiner.
Na ja. Ich vielleicht…

Romancier-Tränen

Eines unserer älteren, grantigen Redaktionsmitglieder wurde auserwählt, an einem internationalen Slam Poetry Wettbewerb als Juror zu fungieren. Ein Wettbewerb, wo sich die Kapazunder des Slam um Summen matchen, die einem popeligen Romanautor die Tränen in die Augen treiben. Es tut richtig weh und ruft mir in Erinnerung, wie ich letztes Jahr bei der Verleihung eines Literaturpreises in Solothurn zugegen war. Die Laudatio dauerte länger als der Autor danach brauchte, um den Geldpreis an der Bar zu vertrinken. Traurig, traurig, traurig.

Wenn man die Kapazunder des Slam, die sich um Födergelder den Mund zerfransen auf den Bachmann-Wettbewerb umlegen würde, dann wäre es, als würde die Oberliga der deutschsprachigen Literatur um die Wette lesen: Jelinek, Handke, Walser, Grass, Enzensberger et alii.

Aber vielleicht täuscht sich unser älteres und grantiges Redaktionsmitglied auch. Zum Glück schreibt es keine Romane. Oder etwa doch?

Die Litterer und die Cleaner

Heute las ich, dass in der Schweiz ein «clean-up-day» veranstaltet wurde. Bürger machten sich auf, um den von anderen Bürgern auf öffentlichen Plätzen u.ä. liegengelassenen Müll wegzuschaffen.
Mit dieser Aktion wolle man ein Zeichen gegen das «littering» setzen.

Ich frage mich, ob es sich hier um den weltberühmten Humor der Eidgenossen handelt oder ob man sich vielleicht nur in der Wortwahl vertan hat, oder, ob es sich gar um eine andere, ebenfalls weltberühmte helvetische Eigenart handelt: Das Hinterherputzen. Die einen littern und die andern cleanen. Das nennt man wohl Arbeitsteilung.

Ob mit dem Hinterherputzen bei Mülliegenlassern allerdings das richtige «Zeichen» gesetzt wird, darf man hinterfragen.

Setzt das «Rote Kreuz» ein Zeichen gegen Krieg, wenn es auf dem Schlachtfeld die Überlebenden zusammenkratzt, einsammelt und wieder aufpäppelt?

Vielleicht würde (ich weiß, dass kommt jetzt ganz reaktionär) ein bisschen Erziehung Abhilfe schaffen. Vielleicht schon bei kleinen Kindern?