Das Sprüchemuseum (52)

«Woher kommt der blinde Hass auf Syriza?»

Robert Misik, derstandard

Wir sagen: Woher soll er schon kommen? Aus derselben Quelle die den Hass auf den Gemüsebetatscher im Supermarkt speist; den Gehsteigkacker, den Pegida-Wappler, die vollverschleierte Muslima oder den Alten, der nicht schnell genug zur Seite springt; er sprudelt aus demselben Fass, in dem auch der Hass auf diejenigen reift die mehr haben als andere oder der Hass auf die Arschgeige, die immer in der Garderobe sein Handy belabert, während er im Spiegel seinen Bizeps anbetet. Daher kommt er.
Wenn er denn irgendwoher kommen muss. Falls es wirklich Hass ist, der Syriza entgegenschlägt. Vielleicht ist es auch nur Misstrauen gegenüber populistischem Gequatsche – vielleicht …

Ansonsten könnte man sagen, dieser Hass ist einfach da.
Und es bedeutet Arbeit, ihm nicht das gesamte Terrain zu überlassen.
So ist das. Frag den Papst, der wird dir nichts anderes sagen …

Wie es euch gefällt (1)

Ja, darauf steh ich, auf die Heuchler, die jetzt zu Tausenden dem Papst an den Karren fahren, und der Meinung sind, er solle doch die Pappn halten, was Kindererziehung anlangt. Irgendwann, im Laufe ihrer klugoiden Plädoyers, stellt sich dann heraus, dass ihnen selber mal «die Hand ausgerutscht ist», und dass dies ihre Kinder wohl nicht traumatisiert hat, aber dass es doch auch nicht so supi war, und dass doch die anderen – und vor allem der kinderlose Papst – von ihren Fehlern lernen mögen und so weiter und so fort.
Gewäsch!
Sie sind wie jene Manager, die nach einer langen, erfolgreichen, bestens honorierten Karriere, plötzlich das Wollschweinezüchten und den Anbau von Bio-Stangenbohnen entdecken,  Bücher darüber verfassen, in denen sie uns nahelegen, es ihnen gleich zu tun. Die Biostangenbohnenzucht, nicht die super honorierte Mänätscherei.

Ich persönlich bleibe bei der guten alten Prügelstrafe für meine Kinder. Einmal wöchentlich gibts Senge, und danach müssen sich die Rangen für die Hiebe aus Liebe bei mir bedanken.

Heute in den Redaktionssälen

Angeregte Diskussion, heute Morgen, in unseren unterbeheizten Redaktionssälen.
Darf man eigentlich «Femen» doof finden?, war die Frage oder, wie unsere Lady, die die Crystal Meth Schälchen befüllt, einwarf: MUSS man Femen nicht doof finden?
Aber wie so oft, lief die Diskussion heiß und aus dem sprichwörtlichen Ruder. Wenn wir doch alle Charlie sind, und uns das Verspotten über alles geht, zumal das Verspotten von Religionen, so sollte es doch kein Problem sein, Witze über Hermaphroditen, fromme, heiratsselige Lesben und tuntenhafte Schwule zu machen?
Das, fanden einige, ging dann doch zu weit. Keine Witze über Frauen. Das ginge nun gar nicht.
Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin, war dann die aufgeschlossenste von allen, und fand: Doch. Darf man.
Und ermutigt von ihrem Statement, wagte sich nun auch unser Redaktionsoldie aus der Deckung und verkündete, dass die Minderheit, die am meisten ausgegrenzt (er sagte tatsächlich «ausgegrenzt») werde, doch wohl alte, weiße Männer seien, oder etwa nicht?
Damit meine er natürlich nicht sich selber, denn er habe es noch immer gut hier, und fühle sich aufgehoben und voll akzeptiert, aber eben: nicht alle alten, weißen Männersäcke, hätten es so gut wie er. Und da solle man doch mal was unternehmen. Zum Beispiel eine «Frigida-Demo» («Freigeister in geriatrischen Instituten denken anders»):
Die Idee stieß nicht nur auf Begeisterung und ungeteilte Zustimmung. Die Meth-Lady wollte noch etwas sagen, stolperte aber wieder mal und verschüttete Meth im Wert des Gehalts unseres Oldies. Und da wir uns das nicht  leisten können, waren wir bald alle auf den Knien und unsere Nasen saugten den Boden ab. Wieder einmal. So arm sind wir.

Aber Femen finden alle ziemlich doof. Das schon.

Das Sprüchemuseum (51)

«Der Papst sollte seine Sprüche besser handeln.»

Gerfried Sperl, «der Standard»

Wir sagen: Guter Rat. Aber wo sollte er seine Sprüche besser handeln? An der Sprüchebörse? Wie ist denn momentan so der Kurs für «Papstsprüche»? Oder ist der Standard gar am End keine deutschsprachige Zeitung mehr?

Das Sprüchemuseum (50)

«Wenn eine vom Westen gesteuerte Drohne eine unschuldige arabische oder afghanische Familie auslöscht, ist das ein genauso verabscheuenswürdiges Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris, und es sollte uns mit der gleichen Betroffenheit und dem gleichen Entsetzen erfüllen.»
Sahra Wagenknecht

Wir sagen: Nein, ist es nicht. Das erste ist ein fürchterlicher Unfall und ein unendlich trauriges Unglück, das zweite ist ein verficktes und genau so gewolltes Verbrechen.
Frau Wagenknecht weiß das natürlich, aber sie muss – und will – die Anti-USA-Neurose ihrer Klientel hutschen, die der USA eine reine Babykiller-Absicht unterstellen will. Nazigleich, am Liebsten.

Das Sprüchemuseum (49)

« Wir alle sind Lehrmeister des Grauens.»

Jakob «Die Amis sind schuld» Augstein

Wir sagen: Du schon, Augstein, aber wir nicht.
Wir sind zärtlich und sanftmütig, und erheben nur unsere Stimmen gegen die Dummheit und die Verallgemeinerungssucht von paranoiden Linken.

So macht man Pegida!

Wien ist eine offene Stadt. Einladend, liebenswürdig, aufgeschlossen. Wer nicht alles schon hier war! Vor allem letztes Jahr. Erdogan, Putin, Dugin, die Identitären, schlagende Burschenschafter. Herzlich willkommen!

Jetzt gibt es auch Pegida in Wien. Endlich.
Aber Wien ist eben anders, und da hält man sich nicht gerne mit humanistischem Gesülze à la Piefke-Pegida auf, von wegen «Sorgen» und «Lügenpresse» und dergleichen Weicheier-Zeug mehr. Nein, hier kommt man gleich zur Sache. Arm raus und «heil Hitler» und die netten Hooligans bringen auch ein wenig Stadionfeeling mit: «Wer nicht hüpft, ist ein Jude!»
Wer möchte denn da keine Luftsprünge machen? Vor Freude.

Und da alles, was intelligenter als ein Batzen Hundescheiße aussieht – und somit unter «Intellektuellen Verdacht» steht -, verbannt ist, fühlen sich alle wohl, wohl, wie die Industriellenvereinigung beim Putin-Besuch.

Nehmt euch ein Beispiel, Deutsche!
So macht man Pegida!

Das Sprüchemuseum (Nr. 48)

«Griechenland gebärdet sich wie eine erpresserische Schlampe, die um jeden Preis ausgehalten werden will. Weigert sich der Deutsche, wirft sie sich dem Russen an den Hals.»

Dr. med. Anna Rainesen

Wir sagen: Liebe Frau Doktor, das sind harte Worte zu einer harten Sache, die noch bedeutend härter werden wird.

Irgendwie süß und widerlich (wie das Dschungelcamp)

In den siebziger Jahren verkehrte ich eine Weile mit Kommunisten. Das war – in mancher Hinsicht – faszinierend. Einige meiner Freunde aus dem Lehrlingsheim waren der Partei beigetreten und was sie zu berichten wussten, war einfach süß.
Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Atomkraftwerke: War die Partei dagegen oder dafür? Sie war natürlich dagegen. Aber nur im kapitalistischen System, beim Klassenfeind. Nach der Revolution war man für AKW’s, denn die Diktatur des Proletariats brauchte die Unterstützung des Atoms, um den Hegemon und Imperialisten zu besiegen.
MIt der Aufrüstung verhielt es sich genauso. Dagegen bei den Kapitalisten, dafür bei den Kommis. So wurde mit allen damaligen, drängenden Fragen und Problemen der Zeit verfahren.

Seit zwei Tagen fühle ich mich wieder in die siebziger Jahre versetzt. Jubel von Links (und ganz, ganz rechts!) über den Sieg von Tsipras. Dass dieser Tsipras mit einem antisemitischen, paranoiden Nationalisten und Anhänger faschistoider Regime wie Russland, koaliert, stört nicht weiter. Verwerflich, inakzeptabel und Grund für lautes Geschrei wäre eine Kolaition mit Panos Kammenos nur, wenn sie von der demokratischen Rechten eingegangen würde.

Irgendwie süß und widerlich. Wie das Dschungelcamp.
Aber bestimmt nichts Neues.

Wiener Kunstsponsoring

Wer sich schon mal gefragt hat, wer eigentlich vom österreichischen Bundesministerium für Kultur so gesponsert wird, dem wurde die Frage gestern Nacht beantwortet. Denn gestern Nacht konnte man in Jauchs Millionenshow eine Wiener Künstlerin (provozierende Medienkunst) sehen, die Jauch frisch von der Leber erzählte, dass sie für ihre Teilnahme an der Millionenshow von eben diesem Ministerium finanziell unterstützt wurde.

Fanden wir alle gut. Einhellig. Dass Jauch darob staunte, zeigt doch nur, dass die Piefkes wieder mal keine Ahnung haben, wie man ordentlich mit der Steuerknete umgeht. Denn anstatt teures Armeematerial anzuschaffen, sponsort Österreich lieber die Künstler, die dann bei Jauch 125 Tausender abcashen.

Wir sagen dies im Wissen, dass es möglicherweise nicht gar alle so sehen mögen, wie wir in unseren, großzügig vom Ministerium für Kultur gesponsorten, palaisgleichen Redaktionssälen.
Vielleicht wird’s ja noch lustig. Wir sind auf jeden Fall dafür. In jedem Fall. Entweder und oder. Wie es sich für diese Stadt gehört …