Heute, in der Redaktion

Als heute morgen die Lady die unser Crystal Schälchen befüllt, die Redaktionsräumlichkeiten betrat, zog sie sofort alle Blicke auf sich. Was war mit ihr los? Was war mit ihr geschehen?
Sie schwebte und flatterte gleichsam wie Alis Butterfly von Schälchen zu Schälchen und ihr sting war die großzügig bemessene Portion Meth. Aber das war es nicht. Es war die neue Leichtigkeit, die uns allen auffiel. Jawoll! Neue Leichtigkeit. Sie hatte abgespeckt. Aber richtig. (Man erinnere sich an den Redaktionsbeschluss vom 29. Dezember 2014.)

«Und ich weiß auch wie», sagte Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin, die ebenfalls ein wenig spitz um die Nase geworden war.
«Ach ja», meinte unser Oldie, der erstaunlich behände aus seinem tiefen Redaktionssessel aufstand und heran glitt wie Roger Federer auf einen Netzball zu. Sein hährener, schwarzer Pullover, der sonst seinen Korpus verhüllte, wie das enganliegende T-Shirt mit dem Peacezeichen eines seiner «Jesus Superstar-Freunde» von damals, schien wahrhaftig zu flattern. Was war hier denn los, fragten wir uns alle und sahen uns mit brüllender Ratlosigkeit im Blick an.
«Ich weiß es auch», sagte er ungewohnt sanft und gut gelaunt. «Hab das Buch in ihrer Tasche auch erblickt.»
«Was für’n Buch?», fragte jemand.
«Endlich Kokain», antwortete Pepita vorlaut.
«Endlich Kokain?»
«Na klar. Von diesem Typen, der diese verschwatzten Ego-Romane schreibt …»
«Die kann sich doch kein Kokain leisten.»
«Unser Crystal tut’s auch. Als Appetitzügler.»
«Und was ist mit dir, werte Pepita? Was ist es, was dein süßes Näschen so angespitzt hat?»
«Dinnercanceling», sagte Pepita und verzog angewidert das Gesicht.
«Harte Sache», sagte unser Oldie mitfühlend.
«Geht so», sagte Pepita verächtlich. «Ich zögere das Dinner bis zum «Dschungelcamp» hinaus, schaufle mir dann den Teller voll und sehe die Wappler all diese Kameleier und Krokodilpenisse schlucken. Das war’s dann mit Dinner. Und was ist mit dir ?»
Aber unser Oldie grinste nur, tänzelte zurück zu seinem Redaktionssessel. Und dann geschah es: Er ließ sich wie weiland Jack Palance bei der Verleihung eines Ehrenoscars zu Boden sinken und machte 5 einarmige Liegestütze. Na gut. Jack Palance war damals 72.
Wie alt ist eigentlich unser Oldie?
Egal. Palance hatte weit mehr als 5 geschafft. Da würden noch ein paar Kilos runter müssen.

Bei uns allen, verdammich, bei uns allen …

Je ne suis plus Charlie

Ich schrieb «Je suis Charlie» um 15 Uhr in den Blog, knapp drei Stunden nach dem Massaker. Erschien mir notwendig. Und auch die Karikaturen mussten drauf.
Inzwischen sind alle Charlie, man weiß gar nicht mehr so genau, wer eigentlich nicht Charlie ist, und wenn alle Charlie sind, mag ich nicht mehr Charlie sein. Denn ich bin ja nicht Charlie. Diejenigen die wirklich Charlie sind, sind tot.
«Je ne suis plus Charlie». Bin auch nicht «Ahmed» oder «juif».
Schätze, ich bin wieder ich. Was hart genug ist. Wer möchte denn ich sein? Ich jedenfalls nicht. Aber Charlie zu sein, ist auch keine Lösung – jetzt wo alle Charlie sind.
Irgendwann müssen auch all die Charlies wieder nur «ich» sein.
Denn: Nur Charlie ist Charlie.
Vielleicht wäre es besser Sepp Blatter zu sein. Oder Arnold Schwarzenegger. Oder ein Typ, der eine Knarre hat …

Der Tag nach Charlie

Bedrückend. Ein Gefühl wie nach naineleven. Als wär in der Nachbarschaft was heftiges und grausames vorgefallen, und man fühlt es: Es wird nicht wieder sein wie zuvor.

Die Amerikaner waren in gewisser Weise besser dran, der Terror kam von außen und sie konnten etwas dagegen tun. Wir können nichts tun. «Die Zeit der Mörder bricht an», schrieb Rimbaud und als ich es las, war das Attentat von Rechtsradikalen in Bologna (1980?) mit etwa 80 Toten, und in den Bahnhöfen detonierten manchmal Bomben und man dachte jedes Mal daran, wenn man in den Unterführungen an den Schließfächern vorbeiging. Das war so ein Gefühl. Zwischen all den Schließfächern. Später hat man sie verlegt und man geht nicht mehr automatisch an ihnen vorbei. Terror. Ja, Mann, wir sind verletzlich, immer und überall und das Schrecklichste steht plötzlich vor einem, nicht als Chimäre, sondern als plausible Möglichkeit.
Und in dieser Bedrückung ging ich heute los und fand mich auf dem Westbahnhof. Eine Stunde zu früh. Ich war eine Stunde zu früh losgegangen.
Ich holte mir einen Espresso von Subway, setzte mich in der schönen Bahnhofshalle an einen Tisch und las in der «Zeit», wie man mich beim Olivenölkauf, brüsselkonform, betrügt.

Als ich dann in der geöffneten Schiebetür zum Bahnsteig stand, sprach mich eine junge Frau mit ländlichem Dialekt an und bat beinahe flehentlich um 3 Euro 10, die ihr fürs Ticket nach Hause fehlen würden. Ich gab sie ihr. Danach fühlte ich mich etwas besser. Denn hier ging es westliche, christliche Werte: Wer bittet, dem wird gegeben werden.
Daran halte ich mich.

Fette Jahre?

Die fetten Jahre sind vorbei. Kein Grund zur Sorge. Wir meinen das nicht im übertragenen Sinn. Sondern wortwörtlich. Die Redaktion wurde von der Redaktion einstimmig (naja, fast einstimmig – der Alte, you know …) zu einer Ernährungsumstellung gezwungen.
Sonst bleibt alles beim Alten. (Aber das war jetzt ein Witz.)
Wir wissen genauso wenig was wird, wie jeder andere und jede anderin auch. «The future is uncertainly – an the end is always near» – sang Jim Morrison, jener Jim, mit dem unser Oldie einige Schöppchen geleert hat, damals, im Quatier Latin zu Paris, kurz vor dem letzten Tango. Das müssen wir uns immer wieder anhören. Wie die Stories aus der Armeezeit, von der Lady, die unser Crystal Meth Schälchen befüllt.

«Grundgütiger war Jim in dieser Nacht dicht – und geil – mein Gott, mein Gott … er hat sogar versucht einen Hydranten zu sodomieren …»
Und Silvester kommt ja erst noch! Die Firmenfeier. Das Redationsbesäufnis mit finalem, gemeinsamen Hinüberdämmern, weil es natürlich keine und keiner schafft, bis zum Gongschlag um 12 auf den Beinen zu bleiben. Aber ich will jetzt nicht ins Schwärmen geraten.
Wir bemühen uns, auch im neuen Jahr einen kühlen Kopf zu bewahren, obschon einige von uns durchaus etwas mordlüstern wirken. Aber wir kriegen das hin. Wir hoffen, Sie kriegen das auch hin. Selbstverständlich ist das nicht, oh nein.

Schätze mal, einiges wird uns am Glutäeus maximus vorbeigehen. Einiges misslingen. Hoffentlich nicht alles.
Aber was soll’s?
Wir glauben noch immer ans Schreiben – und – an die Güte des Zufalls.
Zu mehr wirds nicht reichen, aber das reicht auch.

Na dann, auf ein Neues!

P.S. Für Silvester gilt noch immer gilt das Wort des großen Ludwig Hohl:

«Die anderen trinken, damit sie Fest haben, und ich, um ihr Fest zu überstehen.»

Missbrauch

Prallen ist ein schönes, kräftiges und wildes Wort. Ich mag es.
Aber es wird missbraucht. Von Nachrichtensprechern -und Innen. In Nachrichten ist der Missbrauch von Worten offenbar das Hobby von Redakteuren oder sie machen es aus – Langeweile. Oder weil sie keine Ahnung von Worten haben.

Petra Gerster sagte: «Die Tsunamiwelle prallte gegen den Strand.»
Nee, tat sie nicht. Prallen geht nur fest gegen fest. Nicht flüssig gegen fest.
Aber vermutlich fühlen sich die Textverschreiber des ZDF auch ein wenig als Dichter und Schriftsteller und suchen nach einem Wort, einem Verb, das was hermacht. Und dann prallt eben das Wasser gegen den Strand. Dass ein Tsunami einfach den den Strand überflutet ist zu banal, belanglos, das kann doch jeder.

In den Schweizer Nachrichten haben sie aufgepasst, und wissen, dass «prallen» nur fest gegen fest geht. Aber trotzdem geht ihnen grundlegende Kenntnis und Feingefühl im Umgang mit dem Wort ab.
«Der Bus prallte in einen Baum.»
Tat er nicht. Denn der Bus prallte gegen einen Baum.

Was verdienen eigentlich diese Texter so?
Eins ist sicher: Mehr wie gegen mich …

Protest

Auf den Brüsten einer Femen-Aktivistin, die in Vatikan-Stadt das Jesuskind aus der Krippe entführen wollte, stand «God is a woman».

Unsere intersexuelle Redaktion protestiert aufs Heftigste.
Gott ist Hermaphrodit!

P.S. Wir anempfehlen den Femen eine weitere Religionskritische Action: In Mekka, vor der Kaaba, die Titten mit dem Schriftzug «Mohammed was gay» zu entblößen. Nur so …

Das Sprüchemuseum (47)

«Altkanzler Schröder fordert «Aufstand der Anständigen!»

Schlagzeile SD

Wir sagen: Was macht eigentlich Schröder zu einem Anständigen?
Seine Freundschaft mit Putin? Oder eher seine Maßanzüge? Die ungefärbten Locken? Sein Bankkonto oder doch seine Arroganz gegenüber Bürgern die eine andere Meinung haben?

Das Sprüchemuseum (46)

«Matthias Schweighöfer wünscht sich ein Weihnachten ohne PEGIDA.»

S.P.O.N.

Wir sagen: Dazu ist Weihnachten ja da, jeder kann sich wünschen was er will.
Wir, zum Beispiel, wünschen uns, dass wir für unsere TV-Gebühren nicht über Gebühr und ungebührlich mit Schweighöfer-Neubauer-Berben-et alii-Filmchen traktiert werden.
Hilft’s was? Die Erfüllungschancen sind bei PEGIDA wesentlich größer …