Charles Plymell wird 80.

… und wenn schon die befreundete Redaktion aus Dobler-City auf den 40-sten Todestag von Rolf-Dieter Brinkmann aufmerksam macht, was hier, in der Wiener Redaktion, betroffenes Teetrinken auslöste, so wollen auch wir auf ein Ereignis hinweisen, das am Sonntag den 26. April uns alle froh stimmen wird:
Der Dichter, Autor, Verleger, und vermutlich letzte Überlebende der Beat-Generation, dessen Werk auf Deutsch beim großartigen Peter Engstler Verlag erscheint und gepflegt wird, nämlich Charles Plymell, dessen Roman „Mocassins (Ein Beat-Kaleidoskop)“ und Gedichtbände in fast jedes Bücherregal gehören, wird 80. Bei, wie wir hörten, guter Gesundheit.

Halleluja! Und happy birthday!

Das ist wirkliche Satire (2.)

Neulich sah ich eine Doku über die banlieu von Paris. Ein afrikanischer Rapper machte für das Kamerateam den guide, denn Weiße (mit und ohne Kameras) sind dort nicht so gern gesehen. Aber der Rapper genießt den Respekt der Bewohner.

Man konnte den Rapper auch rappen sehen und hören. Sein Rapp war ziemlich niedlich. Es ging darum wie er die Kalaschnikow packt und so ziemlich alle Weißen und Politiker damit löchert und verbluten lässt.
Danach sah man ihn und ein paar Jungs draußen rumstehen und wir konnten daran teilhaben, wie sich darüber beklagten, dass man sie ausgrenze und dass man, völlig unbegreiflicherweise, Angst vor ihnen habe …

Das, ihr Weißbrote, ist wirkliche Satire …

Das ist wirkliche Satire

Dass die Russen nicht nur ein friedliebendes und gutmütiges Volk sind, das andere Länder nur zu deren Schutz und weil wir, die Homoeuropäer, sie dazu gezwungen haben, überfällt, wissen alle.
Dass sie uns jetzt auch noch zeigen, was wirkliche Satire ist, macht betroffen – und beschämt.

Jetzt kann Charlie Hebdo einpacken und Kurt Tucholsky rotiert im Grab, denn jetzt kommt „Scharsch i Pero“ und leuchtet uns Euroconchitas heim. Satire vom Feinsten. Alle Witze auf Kosten von Obama, Merkel und Konsorten. Ein Brüller.

Auf die Frage, ob denn auch Witze über Putin zu finden seien, antwortete der Herausgeber: «Es gibt Grenzen.»

Das, meine Freunde, ihr schwuchtigen Wursteuros, das ist wirkliche Satire!

Der Pegida-Rütlischwur

Zum zweiten Mal PEGIDA in Wien. Ein echter Eidgenosse war auch zugegen und hatte was zu sagen. Aber vor allem hatte er was zu zeigen, und mit dem was er zu zeigen hatte, bereicherte er die Welt. Nach dem Kühnengruß (drei Finger der rechten Hand ausgestreckt), der in Ösanien (nach Strache) der „Drei-Bier-bitte“-Gruß und in Serbien „Tschetnik-Gruß“ heißt, erklärte uns der wackere Eidgnosse, der voll gegen die Scharia ist, dass dieser Gruß nicht verboten sein könne, denn das sei der „Rütlischwur“.

Man kann sich vorstellen, wie stolz ich war. Der Rütlischwur! Hier in Wien?!
Leider goss dann gleich einer dieser Miesepeter Wasser in meinen Drink. Es sei gar nicht der Rütlischwur, sondern…

Das Sprüchemuseum (57)

«Denen (Schäuble, Schelling) macht es überhaupt nichts aus, die eigene Bevölkerung auszupressen bis aufs Blut.»

Posting eines derstandard-Leser/in.

Wir sagen: Jawoll, Schande über sie! Die eigene Bevölkerung auspressen! Dabei gäbe es doch auch bei der ausländischen Bevölkerung einiges auszupressen.

Der Knobelpreisträger

Heute entbrannte in der Redaktion eine heiße Diskussion. Schuld daran war der verstorbene Günther Grass. Aber eigentlich war unser Redaktionsoldie der Auslöser.
Knurrig nahm er die TV-Berichte über den Tod von Grass zur Kenntnis, die Würdigungen von Kollegen und Fastkollegen.
„Niemand sagt was gegen ihn. Keine und keiner“, murrte er, und Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin ätzte nur: „Who the fuck, ist dieser krasse Grass?“
„Danke, Pepita!“, sagte der Oldie erfreut. „Ja, wer war der krasse Grass eigentlich?“
„Meine Rede“, sagte Pepita. „Wer?“
„Ich weiß es“, mischte sich die Lady, die unser Crystal Meth Schälchen befüllt, ein. „Ein Knobelpreisträger.“
„Du meinst wohl Nobelpreis …“, warf jemand aus der hinteren Reihe ein.
„Kennst du Knobelbecher?“, fragte unsere Lady, die gerade mit ihrem Bajonett einen neuen Plastiksack mit Meth aufschnitt. Ihr Ostakzent war nicht zu überhören.
„Knobelbecher? Nie gehört.“
„Aber ich schon“, sagte die Lady. „Meine Familie kommt aus Galizien. Da kennen alle noch Knobelbecher.“
„Das war jetzt unpassend“, sagte ich. Alle sahen mich verständislos an, bis auf die Lady, die ihre linke Augenbraue lupfte, was sie für einen Augenblick wie Sonja Zietlow aussehen ließ. Aber niemand bemerkte es. Voll unwissend, der Redaktionshaufen!
„Weißt du, was Dürrenmatt über Grass gesagt hat?“, nahm unser Oldie den Faden wieder auf.
„Ja“, sagt ich. „Aber lass stecken. Der Mann ist tot, die deutsche Nation in Trauer. Ein bisschen Respekt, bitte!“
„Ja, Chef, sehr wohl Chef, wie sie wünschen, Chef! Ich sags aber trotzdem: Dürrenmatt soll gesagt haben, dass ihm der Grass für seine dicken Bücher zu wenig intelligent sei.“
„Und das findest du jetzt passend?“, sagte ich mit einem strafenden Blick – oder sowas. „De mortuis nil nisi bene.“
„Jo mei“, fing der Oldie zu bayern an,“jetzt kommst uns mit deinem humanistischen Griechenquatsch …“
„Latein“, sagte ich kalt, um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen.
„Trotzdem: Die Bücher sind zu dick. Dürrenmatt hatte recht. Und falls dich mal nach einer guten Prosa gelüstet, hab ich eine Empfehlung für dich …“
„Nämlich?“
„Dürrenmatt.“
„Dürrenmatt, Dürrenmatt? War das nicht der Lover vom Frisch?“, meldete sich Pepita, die sich bereits wieder zu langweilen begann und versuchte mit ihrem Handy die Site eines Kampfsportartikelladens zu öffnen.
„Diese Jugend, diese Jugend“, stieß der Oldie aus. „Alles voll vergendert und verhomosexualisiert. Wo soll das alles noch hinführen?“

Und so gings dahin. All day long. Irgendjemand sollte auch mal was arbeiten. Sonst brauchen wir selber bald mal einen Knobelpreis. Wegen der Miete … und so.

Das Sprüchemuseum (56)

„Causa Alijew: Mordprozess beginnt ohne verstorbenen Hauptangeklagten.»

Schlagzeile „derStandard online»

Wir sagen: Da ist Revision vorprogrammiert.

Das Sprüchemuseum (55)

„Russische McDonalds-Konkurrenz: Putins Bürger planen Putin-Burger.»

S.P.O.N.

Wir sagen: Gute Idee. Hoffentlich kein Fake. Denn wo Putin drauf steht, muss auch Putin drin sein.

Literatur und Wein

Das könnte uns so passen. Gemütlich Wein süffeln, ein echter Kulturnik sein, ein Bildungsspießer (wie ich?), einer von diesen gewandelten Bionade-Biedermeier-Tscherfeln, die jetzt nachhaltig gekelterten österreichischen Biowein verkosten, zusammen mit dem Berater eines Ost-Diktators, dem Ex-Bundeskanzler und Sozen, dem Gusenbauer Fredi – ich meine, könnte sein, denn es ist ja der Wein, der alle zusammenbringt, die Gemütsspießgesellen, die Drangler, die Biachlschreiber, die Nachhaltigkeitswappler mit ihrem Faible für die Extremschrammeln, die Wean hean Nostalgiker mit der H.C. Artmann Nekrogroup Band, die neue Bio-Bobo-Biedermeier-Literatur und immer dabei, der gute Wein, ja, der Wein, der «Rebensaft», dieses von Bakterien vorverdaute Gesöff, und die von Produktmanagern vorverdaute Literatur, gepriesen von bezahlten Mietlingen, und ja, genau, bevor ich es vergesse, der Wein, der Wein in den Kellern, und wie das alles so wunderbar zusammenpasst, Wein und Literatur, dieses Gesüffel und Gelese, Geraune und Gerülpse, das ist doch mal was, da foa ma hin, Waltraud, des is sicher leiwant, i zohl und du foast, vielleicht treff ma den Polt … odr glaabst, den gibts goa ned in echt?, wurscht, Literatur und Wein, das ist mal was anderes, denn wenn das erste fad is, so passt sicher der Wein … so samma imma auf der sicheren Seite. Kein Risiko, null. Was gibts besseres als Literatur und Wein? Vielleicht, Wein und Wein oder Koks und Comic, Meth und Musik, Speed und Skulptur, Heroin und Handwerk, Rohhypnol und Rock, Meskalin und Malerei, Brownsugar und Ballett ..

All sowas.
Wir, von der Reaktion, finden’s auf alle Fälle klass!