Der Prediger ll.

Marky Mark und Lady steckten schon wieder die Köpfe zusammen. Es war wie in der Schule, sie tuschelten – da vero. Unser Lektor strahlte über alle 4 Backen (glauben wir zumindest) weil er seine Maus wieder hat, genesen und sauber und nach Kriechöl duftend, und ihre Klicks kommen wieder frisch und knackig, wie Eisbergsalat.

Sind nun alle happy? Am Welttag des Hundes? Mitnichten. Lady hasst Hunde. Außer als Rheintaler Spezialität –Welpengulasch. Soll hervorragend sein. Und für einmal soll es nicht wie Hühnchen schmecken …

Aber Oldie, der sich seit geraumer Zeit, eher im dunkleren Teil unseres beinahe unermesslichen Palais herumtreibt, und irgendwas mit den Leuten, die den Schrein mit dem letzten Fingernagelschnitt von Jim Morrison bewachen, ausheckt, kam herangestampft wie ein anlandiges griechisches Fährboot, warf seine imaginären  Leinen Marky  Mark und Lady zu, und verkündete in seiner tiefsten Kapitänsstimme: „Ihr Stündeler und Bibelschmecker! Hat denn der Prediger auch was zur morgigen Wienwahl zu vermelden? Der gibt seinen Senf doch zu allem, oder ?»

Pepita spitzte die Ohren (© Karl May), während sie so tat, als sei sie ganz in die Übung ihrer tantrischen Türsteherei versunken. Aber Marky Mark strahlte glückselig, wie dereinst Hubert Huncke Jack Kerouac angestrahlt haben mag, als er ihm sagte: „Ich bin beat.“
Lady blätterte mit der Bajonettspitze in der dicken Lutherbibel die Seiten um, schob das Teil dann Marky zu, tippte mit der Spitze auf eine Stelle und Marky begann zu lesen:

„Es ist eitel, was auf Erden geschieht: es gibt Gerechte, denen es geht, als hätten sie Werke der Gottlosen getan und es gibt Gottlose, denen es geht, als hätten sie Werke der Gerechten getan. Ich sprach: Das ist auch eitel. Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.»

„No alsdann“, sagte Oldie gut gelaunt, „Mahlzeit, allerseits!»

Das Sprüchemuseum (68)

«Hitlers Comeback»

Spiegel online

Wir sagen: Wieso Comeback? Er war nie weg. In den deutschsprachigen Ländern gibt es kein business, das so fett zu Buche schlägt wie das Hitler-business. Hitler sells. Gibt es eigentlich schon die Oper?
Wir schreiben das Libretto…

Der Prediger

Die Lady die unsere Methschälchen befüllt, und zudem alle Romane von Joseph Roth gelesen hat, von denen sie einige auswendig hersagen könnte (wie es hierzulande heißt), ich meine, falls sie mal mehr als zwei zusammenhängende Sätze von sich geben würde, hatte sich – von den anderen nicht unbemerkt – mit Marky Mark  – der immer noch der Wiederkehr seiner virenerkrankten Computermaus harrt – zusammen getan, und eine offizielle Bibelwoche ausgerufen.

Nicht dass jemand interessieren würde.
Aber was für ein Bild!
Lady, in der einen Hand das Bajonett, in der anderen die Bibel, und Marky Mark, der für Lady den Methsack bewacht, der genau an jener Stelle steht, wo sonst seine Computermaus liegt.

Pepita, die gerade für ein Weiterbildungsseminar der «tantrischen Türsteherei“ übt, und durch reine Ausstrahlung ihres „Aral-Leibes“ – wie sie es sämig nennt –, die Einlassbegehrenden abweisen will, hatte den Daumen gehoben, was bedeutet, dass sie es really bronc findet. „Bibel und so, echt voll mürbe!“, hatte sie noch launig hinterhergeschickt.

Oldie versucht es zur Abwechslung mal mit Arbeit. Oder mit dem was er dafür hält. Erzählt jedem und jederin, die es nicht wissen wollen, dass er „an einer großen Sache“ dran sei. „Na kloa“, hatte Lady geunkt. „Große Sache, kleines Zumpfi!“
Nur mit gutem Zureden und zwei Watschen war Oldie davon abzubringen, die Hose runterzulassen. Dabei hat er sich an der Gürtelschnalle den Daumennagel eingerissen, worauf er flugs auf die Sanitäststation verschwunden ist. Als er zurückkam, roch er nach Bourbon und Gras, aber der einwandfrei angelegte Schildkrötenverband  machte uns alle Staunen.

Marky Mark riss sich zusammen, kletterte auf den Stuhl und machte das Intro für Lady:
„Werte Redaktionsmitglieder, heute liest uns Lady einen Kommentar vom Prediger zur letzten Demonstration. Denkt darüber nach. Meditiert darüber. Fühlt euch ertappt. Schämt euch. Geht in euch.
Bitte, Lady:

„Auch wenn der Tor auf der Straße geht, fehlt es ihm an Verstand, doch er hält jeden anderen für einen Toren.»

Tja. Und so gingen alle in sich, aber nicht auf die Straße, und die Arbeit blieb wieder mal liegen…

I’m deeply sorry

Vor einiger Zeit rief ein Journalist bei mir an.
(Ein paar Mal hintereinander, bis er geknissen hat, dass es besser ist, mir was auf die Box zu sprechen, da ich bei unbekannten Nummern nicht abhebe.)
Okay, dachte ich, endlich wird man auf den rührigen Pimperlverlag aufmerksam, der still und unsubventioniert, wenige, aber nicht allzu miese Bücher herausbringt. Das Gute setzt sich also doch durch. Am Ende.

Aber es kam anders. (Welche Überraschung, nicht wahr?)

Denn der Mann war Fernsehjournalist, und bei einer Recherche auf einen Blogeintrag von mir gestoßen. Mit dem knappen und schneidigen Titel: Neid ist gut.
Und nun wollte er mich überreden, zur „Barbara Karlich Show“ zu pilgern, um mich dort – mit ein paar anderen Wapplern – auf die Bühne zu setzen, und „Neid ist gut“ zu argumentieren. Natürlich für lau, no na. („Wir zahlen aus Prinzip keine Honorare!“)
Ich lehnte – wie man so sagt –  höflich aber bestimmt ab. Und wieder mal wurde nichts aus der großen Reportage über den winzigen Verlag. Das Warten geht also weiter.

Nun zu etwas ganz anderem vom Gleichen:

Manchmal sehe ich mir die Statistiken an, die Blog-Quoten, sozusagen. Sehr interessiert bin an „Search Keyphrases“ (Top ten). Also, auf welchen Pfaden die Lesenden zu meinen Einträgen gelangen .

Heute fand ich einen sehr hübschen: «kann man mit hämorrhoiden im arschloch ficken.»

Tja. Da Hämorrhoiden richtig geschrieben war, kopierte ich den Satz in Google, und stieß dort schon bald auf einen meiner Einträge vor 4 Jahren. Hier ist er:

http://songdog.at/blog/?p=3013

Ich fürchte, ich konnte dem oder der Ratsuchenden nicht wirklich weiterhelfen.
I’m deeply sorry!

Die Denke

Die unwillkürliche Denke bei unreflektiertem Konsum täglicher Nachrichten:

– Putsch in Burkina Faso? Kommt alle her.
– Überschwemmung in Indonesien? Macht euch auf den Weg.
– Taliban erobern Kundus? Na, kommt schon.
– Dürre in Somalia? Her mit euch.
– Waldbrände in California? Was hält euch zurück.
– Hochzeitsfeier im Jemen bombardiert? Ist ja nicht weit bis zu uns.
– Anschlag in Tunesien? Allez venez.
– Bombenserie in China? Auf was wartet ihr noch.
– Erdbeben in Chile? Vamonos, Compadres.

Pepita liest ein Buch

Als unser Redaktionskorrektor, Marky Mark, dessen Lieblingscomputermaus noch immer beim Virendoktor liegt, Pepita mit einem Buch in der Hand in der Tür lehnen sah, war ihm die Überraschung anzusehen. Pepita? Mit Buch? War denn der Papst zum Islam konvertiert? Lachten Islamisten über Charlie Hebdo Karikaturen?

Er lächelte auf seine stille Art in sich hinein, das erste Mal seit Tagen, denn die Sorgen um seine Maus drückten doch sehr. Aber gerade als er sich zu seinem Schreibtisch begeben wollte, wankte Oldie, von Wand zu Wand torkelnd,  durch den Flur. Wir alle wussten, was das zu bedeuten hatte. Es war wieder mal „Kotz auf die Kulisse“-Gedenktag. Jährlich gedachte Oldie dem vor 45 Jahren verlorenen Job beim Theater, weil er sich betrunken auf die Kulissen erbrochen hatte. Dies soll seinem Leben die entscheidende Wendung gegeben haben. Lady hält das für baren Unsinn, aber sie spielt immer mit, und lässt Oldie an diesem Feiertag eine Extraportion Meth aufziehen.

„Was lies’n da?“ lallte Oldie, und hob Pepitas Buch an.
„Alter! Weg mit die Wixxgriffel, aber subito!“
„Leitfaden für Misanthropen?“, las er laut.  «Spinnst du?“
„Warum?“, sagte Marky Mark und schüttelte traurig den Kopf. „Warum, warum?“
Lady, die gerade ihr Methsackaufstechbajonett ableckte, hielt inne und lauschte.
„Was is?“, sagte Pepita gereizt. „Geht’s weiter, hier gibts nichts zu sehen, und wenns was gäbe, würdet ihr Troglodyten es eh nicht schnoin.“
„Keine verbalen Schweinereien vor neun Uhr“, sagte Lady. „Bitterscheen!»
Oldie kicherte. „Troglodyten, hehe.“
„Warum nur?“, wiederholte Marky Mark und blickte Pepita unverwandt an. Da erbarmte sie sich.
„Also gut“, nölte sie, „ich sag’s euch. Aber keiner kommentiert das, ja?“
Wir alle nickten.
„Das Buch is von meim Shrink. Er ist der Ansicht, dass ich einen etwas fatalen Hang zur Misanthropie habe, was er an und für sich okay findet, denn Misanthropie, so sagt er, ist irgendwie gerecht und Anti-rassistisch und so, na, capisch? Aber jetzt, wo wir alle die Flüchtlinge lieben sollen, wenn wir keine Rassisten und so sein sollen, habe ich natürlich ein Problem. Wie erkläre ich der Welt, dass mir alle auf den Zeiger gehen, nicht nur die, die gerade neu hinzukommen. – Darum das Buch. Zufrieden?»

Natürlich waren wir nicht zufrieden. Und jeden und jedin juckte es, irgendwas zu sagen, zu widersprechen, zuzustimmen, was auch immer. Aber wir hatten nun mal versprochen, keine Kommentare abzugeben. Und so verzog sich jeder an seinen Arbeitsplatz, um wie üblich Arbeiteifer vorzutäuschen. Nur Oldie blieb an der Tür hängen und murmelte lächelnd „Troglodyten, Troglodyten“ vor sich hin.
Tja.

Das Sprüchemuseum (67)

«Zu viele Frauen definieren sich über einen Mann. In meiner Ehe war ich wie eine Amöbe.»

Glenn Close – über ihre Scheidung

Wir sagen: Nichts. Lassen aber Wikipedia sprechen:

Die Amöben (gr. αμοιβή amoibe ‚Wechsel‘)[1] oder Wechseltierchen sind eine große, vielgestaltige Gruppe von Einzellern, die keine feste Körperform besitzen, sondern durch Ausbildung von Scheinfüßchen (Pseudopodien) ihre Gestalt laufend ändern. Amöben sind eine Lebensform, keine Verwandtschaftsgruppe (Taxon).

Host Hacken

„Host Hacken?“, fragte mich ein Bekannter, der mir schon ziemlich lange nicht mehr über den Weg gelaufen ist, und der mir nun an dem berüchtigten Übergang der Wiedner Hauptstraße, wo ich einst einen Buben dem Tod entrissen hatte, über den Weg lief.
(Hatt’s mir eigentlich wer gedankt? Kriegte ich eine Seite in der „Krone?“. Natürlich nicht!)

„Host Hacken?“
Was im Wiener Proletarier Idiom soviel wie, „Hast du Arbeit?“ bedeutet.
Ich ging natürlich nicht darauf ein. Denn dieser Frage liegt ein Missverständnis zugrunde. Mein Bekannter kannte mich aus Zeiten, als ich hin und wieder oder auch oft, fürs Theater gearbeitet hatte. Richtig gearbeitet, meine ich, nicht Regie geführt, geschauspielert, Stücke verfasst. Das alles mag auch Arbeit sein, ist aber keine „Hacken“, auch wenn ein bekannter Wiener Musiker und Autor das glauben möchte.

„Hacken“ ist Schweiß, mitunter Blut, Muskelkrämpfe, Erschöpfung, Stumpfsinn, Redundanz, Abschürfungen und Stauchungen. Hacken, ist sehr wenig Geld für all die schönen Attribute, die ich damit verbinde.

Aber ich bin leider kein Proletarier. Aber was heißt hier leider. Ich bin ein abgehobener, stinkiger Kleinbürger, der Seneca liest und elegante Literatur liebt. Und natürlich Country-Music. Aber alles auf einem spießigem, intellektualistischen Niveau.
Hacken war früher. Aber nur, um sie mir wieder abzugewöhnen.
Man kann sagen, dass ich damit relativ erfolgreich war. Obschon ich jetzt gearade wieder etwas hackenähnliches tue. Aber nur ähnlich.

„Host Hacken?“
Es ist kurz vor 8 Uhr. Wir überquerten gemeinsam die gefährliche Straße zum „FitInn“ und ich sagte, dass ich jetzt da rein gehe, um zu trainieren. Mein Bekannter sagte:“ Gute Idee, aber ich brauch das nicht.“
Er ist dünn und sehnig und zäh und 20 Jahre jünger. Er glaubt, ich trainiere, weil ich sehnig und dünn und zäh werden möchte.
Er weiß nicht, dass die „Hacken“ ihn fertig machen wird. Dauer-Hacken ist ungesund.
Ich erinnere mich an die Kollegen, die mich belächelt hatten, weil ich, wenn ich keine Hacken hatte, wieder trainieren ging. Sie fanden, die harte körperliche Arbeit sei Training genug. Es gib kaum einen größeren Irrtum.
Schaut sie euch heute an.  Ziemlich butt.
Aber jemand muss die Scheißhacken machen.  Soviel ist sicher.
In Österreich gibt es die sogenannte „Hacklerpension“, eine Möglichkeit für Schwerarbeiter, etwas früher in Rente zu gehen.
Sie wird vor allem von Lehrern und Beamten beansprucht und genutzt.
So schaut’s aus.

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss

Die Stimmung in der Redaktion ist ja meist depressiv (darum die Lady mit dem Meth, ihr Blitzkneißer!), aber manchmal gibt es auch was zu lachen. Wie neulich, als sich unser Redaktionsoldie den linken Wadenmuskel gezerrt hat.

Alle haben es kommen sehen, als Oldie den gesunden, stabilen Sessel aus Hartholz, den ihm Lady angeboten hatte, mit großer Geste beseite schob und sich den klapprigen gartengrün gestrichenen Klappstuhl schnappte, den der Vorgänger von Pepita, ein liebeskranker Politologe auf Umschulung, im Keller der Redaktion langsam und beharrlich geschreinert hatte.

Also, genau dieser Stuhl war es, den Oldie entfaltete, unter dem Lampenschirm platzierte und sich anschickte ihn – die Lasche einer neuen Glühbirnenschachtel zwischen den Zähnen – zu erklimmen.

„Ey, Alter! Du weißt schon, was du tust, oder?“, schnarrte Pepita, die sich gerade einen fetten Batzen Bazooka-Bubblegum zwischen ihre ungeküssten Lippen schob.

„Er ist ein Mann“, sagte die Meth-Lady und lächelte süffisant. „Und ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.»

„So ist es“, sagte Oldie stolz, und dann war es für einen langen Moment lang still und man hörte nur die Ventilatoren der Computer und das leise Schluchzen von Marky Mark, dessen geliebte Maus beim Computerdoktor war, weil sie, wie Marky Mark glaubte, an einem Virus litt.

„Und warum muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss?“, fragte Pepita und setzte an, eine rekordverdächtige Kaugummiblase zu pusten.

„Um mit den Worten meiner seligen Mutter zu sprechen“, sagte die Lady, die vorsorglich ihr Bajonett aus der Gefahrenzone geräumt und in den Zargen von Pepitas Tür gestoßen hatte: „Wail Mann Idiot is.»

„Aha“, machte Pepita und stierte auf das Bajonett. „Das verschwindet aber wieder, schon wa?!»

Inzwischen hing Oldie zwischen Himmel und Erde. Er streckte sich dem Lampenschirm entgegen, wie eine übereife, ergraute Sonnenblume. Der Klappstuhl knirschte, der Klappstuhl klackte, aber der Mann schraubte die kaputte Birne raus, steckte sie zwischen die Lippen, fingerte die neue aus der Schachtel, drückte nun die kaputte mit dem Mund in den Karton und schraubte die frische in die Fassung. «Sauber, sauber“, sagte jemand aus den Tiefen des Palais.

„So macht man das“, sagte Oldie und schickte sich an, den Klappstuhl zu verlassen.
Und natürlich. Da geschah es.  Ein verhaltener Aufschrei flupperte durch die unermesslichen Weiten der Redaktion. Oldie lag auf der Nase. Den platten Karton mit der kaputten Glühbirne unter seiner Bauernpranken. Aber er erhob sich erstaunlich behände, grinste und griff sich an die linke Wade.
«Gezerrter Wadenmuskel», konstatierte er gelassen. „Jetzt ist PECH angesagt.»
„So kann mans auch nennen, Alter“, grätschte Pepita von hinten rein.
„P für Pause, E für Eis, C für Compresse, H für Hochlagern.“
Was er dann alles tat.
„Da habt ihr wieder was gelernt, was?“
Das, werte Lesende, fanden nun alle, aber auch wirklich alle, sehr, sehr lustig.
Wir, und was gelernt!?
Der war gut, was?

Pepitas Obst

Heute gegen 9 Uhr, stapfte Pepita, unsere 17-jährige Türsteherpraktikantin in den Pausenraum unserer Redaktion, wo sich bereits alle um den Mülleimer versammelt hatten, um die 2. Portion Crystal reinzuziehen. Die Lady, die unsere Methschälchen befüllt, hatte bereits ihr Bajonett gezückt um den frischen Kilosack Meth anzustechen, als eben Pepita hereinplatzte, die Arme voll Obst und Kekse und hartgekochte Eier und Nussmischungen, alles en masse.

„Wo hassen das her“, war der Oldie sofort zur Stelle. „Bisse jezz vegan oder was?“
„Chill dein Leben, Alter, nie und nimmer vegan, aber ab und zu ein bisschen Affenfrass kann ja nicht schaden. Auch euch Affenärschchen nicht. Außerdem war alles umsonst.»

„Umsonst?“, meldete sich schüchtern Marky Mark, unser so wenig markanter Lektor. „Du meinst wohl gratis, oder?»

Pepita tat, als hätte sie es nicht gehört. „Könnt ihr auch kriegen. Schaut her, feines, frisches Obst, Kekse und alles. Greift zu.»

Sie ließ alles neben die Mülltonne auf den Boden fallen und die Typen aus der hinteren Ecke stürzten sich darauf, wie Veganer auf in Rapsöl frittierten Tofu mit Buchweizen-Zucchini-Bio-Basilikum-Sorbet. Die hatten’s nötig.

„Also, meine Liebe, wo hassen das her?»

„Vom Westbahnhof.»

„Vom Westbahnhof?»

„Brauchst nur ein Kopftuch und ein Pappschild mit der Aufschrift: «Hungry Syrian“ und det lööft.»

„Schämst du dich eigentlich nicht“, sagte Marky Mark voller Entrüstung, und die Lady, die noch ihr Bajonett erhoben hatte, sah aus, als schwanke sie in ihrem Entschluss es auch wirklich in den Methsack zu stechen. Es gab ja nun eine Alternative.

„Schämen ist was für Reiche“, sagte Pepita. „Für Reiche ist es leicht ein guter Mensch zu sein, ein Tugendarsch. Aber für mich, die mit dem Gehalt, dass man mir hier zahlt, kaum die Slipeinlagen pecken kann, ist es eben nicht so leicht, und man muss sehen wo man bleibt.
Außerdem sind viele dieser Flüchtlingstypen auch ein Haufen Affenärsche die keinen Benimm haben, und sich sogar an Frauen und Kindern mit Fäusten und Ellbogen vorbeidrängeln, wenn es gilt, in einen Zug zu steigen. Also: Affenärsche, wie du und ich. Und ich hab jetzt Obst. Fresstes oder laszes…»

Nun sagte niemand mehr was. Aber das würde nicht lange vorhalten …