Im deutschen Wochenmagazin „der Freitag“ erschien dieser Tage eine Besprechung von
„COUNTRY – Fünfzehn Stories».
Für Interessierte unter diesem Link nachzulesen:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ein-starker-bass

Im Sprung. Blog.
Im deutschen Wochenmagazin „der Freitag“ erschien dieser Tage eine Besprechung von
„COUNTRY – Fünfzehn Stories».
Für Interessierte unter diesem Link nachzulesen:
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ein-starker-bass
Pepita hatte ihr tantrisches Türsteherseminar abgebrochen und wollte nun gar nichts mehr von „Aral-Leibern“ und vedischen Konzentrationsübungen wissen, sondern lehnte wieder wie eh und je murschig in der Tür, für eine 17-jährige erstaunlich schlecht gelaunt, und pflaumte alles an, was so daher kam und Einlass in die Redaktion begehrte.
„Nö, Sie komme da nischt eini, auch wenn sie Gott persönlich wärent, und nicht nur…“ An dieser Stelle blickte sie angestrengt auf den Flyer, den ihr die ältere der beiden Damen in die Hand gedrückt hatte. „Ich meine, wer sind sie überhaupt? Und wer ist dieser Jehudi? Zeugen Jehudis??? San sie teppert, oder wie oder was?»
Aber da eilte schon Marky Mark herbei, nahm Pepita am Arm und flüsterte ihr was ins Ohr.
Lady, die gerade eine Pause machte, da alle Methschälchen befüllt waren und sich einen ihrer übelrechenden Blinis gönnte, die sie von einem Großonkel aus Wladiwostock exklusiv zugeschickt bekam, beugte sich zu Oldie rüber, der sich zum Erstaunen aller nicht die Nase zuhielt, nickte anerkennend und sagte:“Der Prediger macht Mann aus dem Zniachtl.“
Oldie pflichtete ihr bei. „Der Prediger. A Hund is er scho, hä?“
Keine Ahnung was den Alten wieder ritt, aber man hatte auf seinem Tisch ein bayrisches Wörterbuch gesichtet.
Inzwischen hatte Pepita Marky Mark Platz gemacht und wir alle sahen ihn selbstbewusst, und unter Einsatz von einem beeindruckenden Satz ausladender Gesten, die beiden Damen von den Zeugen Jehovas über Gott belehren. Natürlich ergriffen alle die Gelegenheit das Pretending von Arbeit wieder mal ruhen zu lassen, um Marky Marks großen Auftritt nicht zu verpassen.
„Sie mögen als Eschatologen ja ein glückliches Leben führen, aber ich persönlich habe noch nicht entschieden, ob Gott nicht einfach ein riesiges Arschloch ist, das einen Sohn hatte, das er von ein paar dekadenten Römern hinschlachten ließ. Ob jetzt – nach ihrer Version, an einem Pfahl oder nach der unsrigen, am Kreuz, ist ja wohl Blunzn.“
An dieser Stelle gab es spontanen Applaus, wie nach einem Solo von Marky Marks Lieblingsbassisten Charlie Haden. Wir erkannten ihn nicht wieder, unseren herzigen, unmarkanten Lektor Marky Mark, der jetzt Ecken und Kanten hatte, dass man eine Flex brauchte, um sich an dem Kerle nicht zu schneiden.
„Ich halte mich an den Prediger. Und der sieht die Sache klar und nicht so optional optimistisch wie sie:
„Und ich richtete mein Herz darauf, dass ich lernte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit. Ich ward aber gewahr,dass auch dies ein Haschen nach Wind ist. Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer viel lernt, der muss viel leiden.»
„A Hund is er scho, der Prediger!“, sagte Oldie voller Respekt und mit einem anerkennenden Nicken.
Wer wollte ihm da widersprechen?
Es wäre falsch, jetzt den Hut zu werfen, denn das Handtuch fängt immer vom Kopf zu stinken an. Man weiß ja, woher der Hase weht. Dass das Leben kein Ponylecken ist, liegt doch klar auf der harten Bandage, denn man sollte nicht das Boot wechseln, wenn das Fass am Überlaufen ist. Denn jeder Maestro weiß: der späte Wurm entgeht dem frühen Vogel, und warum sollte er noch einen neuen Tanz lernen?
Eins ist auf jeden Fall sicher: Wer keinen Kopf hat, hat meist auch keinen Hals. Das sollte jeder bedenken, der jetzt schreit: Wo ein Wille ist, ist auch eine Grube, und wie man sich bettet so fällt man, ist ja logistisch. Es muss wieder mal gesagt werden: Geteiltes Gold ist halbes Leid. Und was du nicht willst, dasman dir tu, verschiebe nicht auf morgen. Nun, neue Besen kehren heiß, das weiß jeder Greis, und wer nicht hören will, der fällt selbst hinein.
Und so kam es dann auch.
Und was ist die Moral von der Geschicht: Dämliche Postings lies lieber nicht.
Ohne das Redaktionskollektiv in die Entscheidung einzubeziehen (so sagt man das doch, n’ est ce pas?), habe ich vor einigen Wochen, ganz im absolutistischen Stil (der mir schon immer imponiert hat) entschieden, dass Songdog seinen Facebook Account auflöst.
Die Kritik folgte auf dem Fuß. Marky Mark meinte, man kündige ja auch nicht den Telefonanschluss, nur weil dauernd Idioten anriefen. Kann sein. Ich schon.
Fazebock ist scheiße. Fazebock ist für alte Arschgeigen, die zuviel Freizeit haben. Fazebock ist das Rascheln von Nagetieren unter der Spüle und hinter den Wänden. Fazebock ist für’n Hugo und für Hugine. Fazebock ist Sysiphos, der niemals oben ankommt.
Was letzlich den Ausschlag gab, den Account zu löschen?
Weiß nicht.
Vielleicht solche Sachen: Einmal stellte ich einen längeren Text auf die Site, einen, für den man schon zum Querlesen mindestens eine Minute brauchte. Als ich nach 10 Sekunden wieder auf die Site kam, weil ich was vergessen hatte, waren da 4 oder 5 Likes. Ich will jetzt keine Namen nennen.
Oder man stellt ein Buch des Verlages vor, hat etwa 500 Besuche usw. aber keine einzige Bestellung.
Wozu also die Mühe?
Die Absicht hinter einer Verlagssite auf Fazebock liegt eindeutig in einem gesteigerten Verkauf seiner Produkte. Voll die Kapitalistenschweine, die Pimperlverleger. Tja. Wir haben keine Zeit zum rumlabern. Unser Motto lautet: Be brave and stupid, buy this book.
Ein schönes Erlebnis war auch, dass die Ankündigung, Fazebock zu verlassen, vielfach geliket wurde. Und danach konnte man von den Likern in Blogs etc. erfahren, dass Fazebock zwar scheiße, aber trotzdem super sei.
Darauf lassen wir den Prediger antworten:
„Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein. Denn wo viel Mühe ist, da kommen Träume, und wo viel Worte sind, da hört man den Toren.»
Selbstkritik?
Durchaus.
Marky Mark und Lady steckten schon wieder die Köpfe zusammen. Es war wie in der Schule, sie tuschelten – da vero. Unser Lektor strahlte über alle 4 Backen (glauben wir zumindest) weil er seine Maus wieder hat, genesen und sauber und nach Kriechöl duftend, und ihre Klicks kommen wieder frisch und knackig, wie Eisbergsalat.
Sind nun alle happy? Am Welttag des Hundes? Mitnichten. Lady hasst Hunde. Außer als Rheintaler Spezialität –Welpengulasch. Soll hervorragend sein. Und für einmal soll es nicht wie Hühnchen schmecken …
Aber Oldie, der sich seit geraumer Zeit, eher im dunkleren Teil unseres beinahe unermesslichen Palais herumtreibt, und irgendwas mit den Leuten, die den Schrein mit dem letzten Fingernagelschnitt von Jim Morrison bewachen, ausheckt, kam herangestampft wie ein anlandiges griechisches Fährboot, warf seine imaginären Leinen Marky Mark und Lady zu, und verkündete in seiner tiefsten Kapitänsstimme: „Ihr Stündeler und Bibelschmecker! Hat denn der Prediger auch was zur morgigen Wienwahl zu vermelden? Der gibt seinen Senf doch zu allem, oder ?»
Pepita spitzte die Ohren (© Karl May), während sie so tat, als sei sie ganz in die Übung ihrer tantrischen Türsteherei versunken. Aber Marky Mark strahlte glückselig, wie dereinst Hubert Huncke Jack Kerouac angestrahlt haben mag, als er ihm sagte: „Ich bin beat.“
Lady blätterte mit der Bajonettspitze in der dicken Lutherbibel die Seiten um, schob das Teil dann Marky zu, tippte mit der Spitze auf eine Stelle und Marky begann zu lesen:
„Es ist eitel, was auf Erden geschieht: es gibt Gerechte, denen es geht, als hätten sie Werke der Gottlosen getan und es gibt Gottlose, denen es geht, als hätten sie Werke der Gerechten getan. Ich sprach: Das ist auch eitel. Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.»
„No alsdann“, sagte Oldie gut gelaunt, „Mahlzeit, allerseits!»
«Hitlers Comeback»
Spiegel online
Wir sagen: Wieso Comeback? Er war nie weg. In den deutschsprachigen Ländern gibt es kein business, das so fett zu Buche schlägt wie das Hitler-business. Hitler sells. Gibt es eigentlich schon die Oper?
Wir schreiben das Libretto…
Die Lady die unsere Methschälchen befüllt, und zudem alle Romane von Joseph Roth gelesen hat, von denen sie einige auswendig hersagen könnte (wie es hierzulande heißt), ich meine, falls sie mal mehr als zwei zusammenhängende Sätze von sich geben würde, hatte sich – von den anderen nicht unbemerkt – mit Marky Mark – der immer noch der Wiederkehr seiner virenerkrankten Computermaus harrt – zusammen getan, und eine offizielle Bibelwoche ausgerufen.
Nicht dass jemand interessieren würde.
Aber was für ein Bild!
Lady, in der einen Hand das Bajonett, in der anderen die Bibel, und Marky Mark, der für Lady den Methsack bewacht, der genau an jener Stelle steht, wo sonst seine Computermaus liegt.
Pepita, die gerade für ein Weiterbildungsseminar der «tantrischen Türsteherei“ übt, und durch reine Ausstrahlung ihres „Aral-Leibes“ – wie sie es sämig nennt –, die Einlassbegehrenden abweisen will, hatte den Daumen gehoben, was bedeutet, dass sie es really bronc findet. „Bibel und so, echt voll mürbe!“, hatte sie noch launig hinterhergeschickt.
Oldie versucht es zur Abwechslung mal mit Arbeit. Oder mit dem was er dafür hält. Erzählt jedem und jederin, die es nicht wissen wollen, dass er „an einer großen Sache“ dran sei. „Na kloa“, hatte Lady geunkt. „Große Sache, kleines Zumpfi!“
Nur mit gutem Zureden und zwei Watschen war Oldie davon abzubringen, die Hose runterzulassen. Dabei hat er sich an der Gürtelschnalle den Daumennagel eingerissen, worauf er flugs auf die Sanitäststation verschwunden ist. Als er zurückkam, roch er nach Bourbon und Gras, aber der einwandfrei angelegte Schildkrötenverband machte uns alle Staunen.
Marky Mark riss sich zusammen, kletterte auf den Stuhl und machte das Intro für Lady:
„Werte Redaktionsmitglieder, heute liest uns Lady einen Kommentar vom Prediger zur letzten Demonstration. Denkt darüber nach. Meditiert darüber. Fühlt euch ertappt. Schämt euch. Geht in euch.
Bitte, Lady:
„Auch wenn der Tor auf der Straße geht, fehlt es ihm an Verstand, doch er hält jeden anderen für einen Toren.»
Tja. Und so gingen alle in sich, aber nicht auf die Straße, und die Arbeit blieb wieder mal liegen…
Vor einiger Zeit rief ein Journalist bei mir an.
(Ein paar Mal hintereinander, bis er geknissen hat, dass es besser ist, mir was auf die Box zu sprechen, da ich bei unbekannten Nummern nicht abhebe.)
Okay, dachte ich, endlich wird man auf den rührigen Pimperlverlag aufmerksam, der still und unsubventioniert, wenige, aber nicht allzu miese Bücher herausbringt. Das Gute setzt sich also doch durch. Am Ende.
Aber es kam anders. (Welche Überraschung, nicht wahr?)
Denn der Mann war Fernsehjournalist, und bei einer Recherche auf einen Blogeintrag von mir gestoßen. Mit dem knappen und schneidigen Titel: Neid ist gut.
Und nun wollte er mich überreden, zur „Barbara Karlich Show“ zu pilgern, um mich dort – mit ein paar anderen Wapplern – auf die Bühne zu setzen, und „Neid ist gut“ zu argumentieren. Natürlich für lau, no na. („Wir zahlen aus Prinzip keine Honorare!“)
Ich lehnte – wie man so sagt – höflich aber bestimmt ab. Und wieder mal wurde nichts aus der großen Reportage über den winzigen Verlag. Das Warten geht also weiter.
Nun zu etwas ganz anderem vom Gleichen:
Manchmal sehe ich mir die Statistiken an, die Blog-Quoten, sozusagen. Sehr interessiert bin an „Search Keyphrases“ (Top ten). Also, auf welchen Pfaden die Lesenden zu meinen Einträgen gelangen .
Heute fand ich einen sehr hübschen: «kann man mit hämorrhoiden im arschloch ficken.»
Tja. Da Hämorrhoiden richtig geschrieben war, kopierte ich den Satz in Google, und stieß dort schon bald auf einen meiner Einträge vor 4 Jahren. Hier ist er:
http://songdog.at/blog/?p=3013
Ich fürchte, ich konnte dem oder der Ratsuchenden nicht wirklich weiterhelfen.
I’m deeply sorry!
Die unwillkürliche Denke bei unreflektiertem Konsum täglicher Nachrichten:
– Putsch in Burkina Faso? Kommt alle her.
– Überschwemmung in Indonesien? Macht euch auf den Weg.
– Taliban erobern Kundus? Na, kommt schon.
– Dürre in Somalia? Her mit euch.
– Waldbrände in California? Was hält euch zurück.
– Hochzeitsfeier im Jemen bombardiert? Ist ja nicht weit bis zu uns.
– Anschlag in Tunesien? Allez venez.
– Bombenserie in China? Auf was wartet ihr noch.
– Erdbeben in Chile? Vamonos, Compadres.
Als unser Redaktionskorrektor, Marky Mark, dessen Lieblingscomputermaus noch immer beim Virendoktor liegt, Pepita mit einem Buch in der Hand in der Tür lehnen sah, war ihm die Überraschung anzusehen. Pepita? Mit Buch? War denn der Papst zum Islam konvertiert? Lachten Islamisten über Charlie Hebdo Karikaturen?
Er lächelte auf seine stille Art in sich hinein, das erste Mal seit Tagen, denn die Sorgen um seine Maus drückten doch sehr. Aber gerade als er sich zu seinem Schreibtisch begeben wollte, wankte Oldie, von Wand zu Wand torkelnd, durch den Flur. Wir alle wussten, was das zu bedeuten hatte. Es war wieder mal „Kotz auf die Kulisse“-Gedenktag. Jährlich gedachte Oldie dem vor 45 Jahren verlorenen Job beim Theater, weil er sich betrunken auf die Kulissen erbrochen hatte. Dies soll seinem Leben die entscheidende Wendung gegeben haben. Lady hält das für baren Unsinn, aber sie spielt immer mit, und lässt Oldie an diesem Feiertag eine Extraportion Meth aufziehen.
„Was lies’n da?“ lallte Oldie, und hob Pepitas Buch an.
„Alter! Weg mit die Wixxgriffel, aber subito!“
„Leitfaden für Misanthropen?“, las er laut. «Spinnst du?“
„Warum?“, sagte Marky Mark und schüttelte traurig den Kopf. „Warum, warum?“
Lady, die gerade ihr Methsackaufstechbajonett ableckte, hielt inne und lauschte.
„Was is?“, sagte Pepita gereizt. „Geht’s weiter, hier gibts nichts zu sehen, und wenns was gäbe, würdet ihr Troglodyten es eh nicht schnoin.“
„Keine verbalen Schweinereien vor neun Uhr“, sagte Lady. „Bitterscheen!»
Oldie kicherte. „Troglodyten, hehe.“
„Warum nur?“, wiederholte Marky Mark und blickte Pepita unverwandt an. Da erbarmte sie sich.
„Also gut“, nölte sie, „ich sag’s euch. Aber keiner kommentiert das, ja?“
Wir alle nickten.
„Das Buch is von meim Shrink. Er ist der Ansicht, dass ich einen etwas fatalen Hang zur Misanthropie habe, was er an und für sich okay findet, denn Misanthropie, so sagt er, ist irgendwie gerecht und Anti-rassistisch und so, na, capisch? Aber jetzt, wo wir alle die Flüchtlinge lieben sollen, wenn wir keine Rassisten und so sein sollen, habe ich natürlich ein Problem. Wie erkläre ich der Welt, dass mir alle auf den Zeiger gehen, nicht nur die, die gerade neu hinzukommen. – Darum das Buch. Zufrieden?»
Natürlich waren wir nicht zufrieden. Und jeden und jedin juckte es, irgendwas zu sagen, zu widersprechen, zuzustimmen, was auch immer. Aber wir hatten nun mal versprochen, keine Kommentare abzugeben. Und so verzog sich jeder an seinen Arbeitsplatz, um wie üblich Arbeiteifer vorzutäuschen. Nur Oldie blieb an der Tür hängen und murmelte lächelnd „Troglodyten, Troglodyten“ vor sich hin.
Tja.