Es ist

vorbei mit Covi-Diary. Was in dieser Angelegenheit jetzt noch folgt, ist entweder die Apokalypse oder Redundanz. Ich verabschiede mich. Nicht aus dem Blog, aber ich wende mich wieder wichtigeren Dingen zu. Zum Beispiel Büchern.
Ich möchte hier meinem Kollegen aus Südgermanien vollends zustimmen

http://www.franzdobler.de

wenn er über Maxim Biller spricht.
Mach Guck!

Covi-Diary (32)

Wie merkt man, wenn etwas, was nicht so normal war, nun wieder normal wird? Antwort: Es wird laut.
Ich vermisse bereits jetzt jenes Wien, das sich auch Georg Kreisler in einem Song gewünscht hat, und das er leider nicht mehr erleben durfte. Siehe Covi-Diary (6).

Jetzt wo es normal ist, dass man sich aus dem Weg geht und das Vermummungsverbot in Permanenz gebrochen wird (man könnte sagen: Mit einer Burka wär man bestens bedient), die Angst gewichen ist, und man schon bald wieder in den Arztpraxen und beim Friseur rumsitzen darf, und der Gürtel wieder röhrt und tobt, wird einem bewusst, wie beschissen diese Normalität eigentlich immer noch ist. Ohne Kneipe, ohne Wegfahren.
Es ist ähnlich wie der Spruch, der bei einer Freundin über dem Kücheneingang prangt: «Nüchtern betrachtet, war es besoffen besser.»

Ich weiß, dass diese Normalität für viele überlebenswichtig ist: Z.B. Alleinerziehende mit drei kleinen Kindern in einer 30 qm Wohnung. Und dergleichen. Das ist die Härte. Mein Beileid.

Die Radfahrer pesen auch schon wieder auf den Gehsteigen, Bauarbeiter mit ihren Smartphones in den dreckigen, verkrusteten Handschuhen, die nur noch einarmig arbeiten können, das normale stumpfsinnige Gebrüll aus der Wohnung schräg gegenüber (Ich glaube, sie nennen es feiern oder Party), Kindergestreite aus dem Hort. Wir kriegen nur den Normalitätsmüll zurück. Die guten Sachen werden wir lange nicht haben.
Und so brauch ich auch diese „Normalität“ nicht.
Ich will meinen Shutdown wiederhaben.

Covi-Diary (31)

Ich kann mich nicht erinnern jemals so lange in einer Schlange gestanden zu haben, wie heute morgen. Vierzig Minuten. Ich stell mich nie in eine Schlange, die aussieht als würde sie länger als 7 Minuten dauern. Aber heute musste ich eine Ausnahme machen. Es ließ sich nicht aufschieben. Ich musste es tun. Was für ein Erlebnis!
Es war in einem großen Hinterhof der zu einem HIntereingang führte, und ich war extra 5 Minuten vor Öffnung da. Aber vor mir waren schon etwa 10 Mitmenschen mit Mundschutz und Handy, und als ich etwa 10 Minuten stand, war der Schwanz der Schlange schon nicht mehr zu sehen. Ich aber war vorbereitet und kam mit Eike Geisel. Ich stand in ner Schlange und las. Ging ganz gut. Hatte ich noch nie gemacht. Lesen in Schlange. Die Vorstellung davon war wesentlich schlimmer, als die Wirklichkeit. Um ehrlich zu sein: Es hat mir nichts ausgemacht. Und ich empfand Mitleid mit jenen, die am gewundenen Schlangenschwanz auf dem Gehsteig standen, und nicht mal sehen konnten, wie lange der Scheiß noch war. Waren bestimmt an die 50 Leute. Wie ich beim Rausgehen feststellen konnte.

Das Rausgehen war dann allerdings nicht ganz „socialdistancing-like“. Ich stelle fest, dass gerade in diesen Zeiten das „Womenblocking», das weibliche Pendant zum „Manspreading“, etwas zugenommen hat. Ich war ja jobmässig als Koch täglich in diversen Supermärkten unterwegs, und da bekommt es oft mit Womenblocking zu tun. Es ist eine Form von Rücksichtslosigkeit (im Wortsinn), die vor allem von Frauen begangen wird, wie Manspreading von Männern.
Das Abstellen von Einkaufswägen an Engstellen, so dass kein Durchkommen mehr ist. Dann das Chatten auf Gehsteigen an verengten Stellen, wenn zum Beispiel ein Elektrokasten, ein Hydrant oder eine Baustelle den Durchgang eh schon erschweren. Und so weiter und so fort. Man müsste nur einen oder zwei Meter weiter gehen. Aber oft ist dies dem weiblichen Mitmenschen nicht zumutbar.
Sie haben bestimmt einen Grund dafür. So wie die Manspreader auch einen haben: Sie signalisieren den Mitmenschen, dass hier ein Arschloch sitzt.
Wie das bei den Womenblockern ist, werden uns dereinst die Psychologen erklären.

Aber ein guter Tag, auf jeden Fall. Vor allem auch, weil ich eine geniale Lösung für eine Fahhradreparatur gefunden habe. Und wie alle wissen, macht reparieren glücklich. Mich auf jeden Fall.

Covi-Diary (30)

Heute voll die Lockerung! Halleluja! jubelt der Freiheitsliebende und begibt sich mit Maske vor der Pappn in eine der tausend Schlangen vor irgendwelchen Shitläden. Die ganze Favoritenstraße über dem Gürtel war voller Schlangen, und niemand wusste mehr was Arsch und was Kopf ist. Manchmal überkreuten sich die Schlangen. Es war wie in einer Schlangengrube. (So sah es der Dichter in mir.)

Das ist also der Beginn der Freiheit? Schlangenstehen und unter der Maske schwitzen. Ich fand – hab ich schon mal gesagt – das Ungelockerte besser. Aber ich werde schon wieder mit Qualantäne bedient werden. Denn so wie das aussieht, werden wir das Virus nicht loswerden, und auf Lockerung folgt shutout, dann wieder Schlangenstehen, Shutout und so weiter und so fort, bis wir alle vollkommen Meier sind und uns Steine um den Bauch binden und von der Friedensbrücke springen.

Jedenfalls war heute wieder Lärm. Schlangestehen und Lärm, das sind die Proponenten der neuen Freiheit.

Aber natürlich, es gab auch Nettes: Der beste aller Läden hat wieder aufgemacht, und ich freute mich die genialen Kaufleute wiederzusehen, und sie freuten sich mich wiederzusehen, und ich kaufte einen Heavy-Fettlöser, bockte meinen Renner auf und begann ihn zu putzen und für die frühmorgendlichen Ausritte zu striegeln und ein paar neue Nägel in die Hufe zu treiben. Schätze, in etwa einer Woche ist die neue Donau so warm, dass ich in ihr schwimmen kann. Mehr als 16 Grad brauch nicht. (Yeah, ich bin ein hartes Kerlchen, Scheißerles!) Und an jenem Platz, wo ich um 7 Uhr bin, da gibt’s keine Schlangen. Höchstens die richtigen. Da gibt’s niemanden. Nur mich, mein Renner und die Neue Donau. Und weiter oben ein früher Angler. Dann schwimm ich über das Ding und sehe zu, wie im Gleißen der aufgehenden Sonne die S-Bahn über die Eisenbrücke rumpelt. Leer und geisterhaft. Oder aber mit einer Ladung MItmenschen, die sie zu einer Schlange karrt.

Man kann sagen, das sind sehr erfreuliche Aussichten.

Covi-Diary (29)

Die Welt erfuhr heute, und berichtete ausgiebig darüber, dass Österreich die Dingsda lockerte, die Maßnahmen, und Geschäfte wieder öffnen ließ. Vor allem Baumärkte. Es kam, wie es kommen musste: Schlangen auf den Parkplätzen und so weiter und so fort. Wir alle, sagt zumindest die Regierung, wollen den „Alltag“ wiederham.
Ich komme gerade vom neuen Alltag draußen. War auf der Post um ein Paket abzuholen. Das Gefühl war: Die Luft ist draußen. Abgeschlafft. Fahrräder wie eh und je, Muttis mit Kinderwagen, Blumenmarkt auf dem Elisabethplatz. Noch keine Leute auf den Parkbänken, weil heut noch der letzte bissige Nordwester herumfuhrwerkt, aber bald gibt der auch den Geist auf, dann ist nur noch „Badewetter“ bis im November.

Ich muss sagen, mir hat’s vorher besser gefallen. Gefahr lag in der Luft. Man konnte Fehler machen, die schlimm für einen und die Lieben ausgehen konnten. Kann man natürlich immer noch, aber das Ding ist nicht mehr drin in den Leuten. Mein Eindruck. (Ich bin da wie Handke: Es zählt das Gefühl des Dichters. Nicht die Fakten.)
Der Mitmensch ist wieder so langweilig wie zuvor. Vielleicht noch ein bisschen mürrischer, weil sie sich vor den Hämmern fürchten, die noch auf uns niedersausen werden. Wirtschaft, wie’s so schön heißt.
Das ist natürlich auch für unsereiner Shit, aber für unsereiner war es schon immer shitty, wirtschaftlich, wohlgemerkt.

Schätze mal, der ganze Scheiß wird uns noch richtig zu schaffen machen. Ein Heer von Arbeitslosen, von jungen Arbeitslosen, die jetzt nicht mehr so richtig Party machen können und einen Schleim entwickeln.

Ich hab so das Gefühl, dass diejenigen, die glauben, dass das Ding einfach wieder hochfährt – wie ein abgestürzter Computer, der aber vorher alle Dateien gesichert hat -, dass sich die vermutlich täuschen werden.

Aber wie immer gilt auch: Ich werde mich vermutlich irren. Wie fast immer.

Aber nur Mut. Solange Boccellli noch vor der Scala singt, und Trump seinen normalen Schwachsinn verzapft, ist noch nicht alles verloren.
Und außerdem gibt’s noch eine neue Folge von „Better call Saul“.

Cheers!

Covi-Diary (28)

Andrea Boccelli ist ein Sänger, dem Sportfreund bekannt als Auslöser einer Tränenflut bei Gentleman Henry Maske, als dieser den Ring für seinen letzten Kampf bestieg, der dann doch nicht sein letzter war. „Time to say goodbye“, ti ricordi?
Jetzt will er uns Mut machen,der Boccelli, und singt vor der Mailänder Scala „Amazing Grace“.
Wohlgemerkt: Boccelli ist Sänger. Und er singt. Und dann soll mir das Mut machen?
Draußen vor dem Fenster bellt ein Hund. Es ist ein Hund, und er bellt. Ich glaube, er bellt, weil er mir Mut machen will.
Ich bin Autor. Ich schreibe. Mein Schreiben soll euch Mut machen.
Ich bin Spargelbauer. Ich steche Spargel. Mein Spargelgesteche soll euch Mut machen.

Okay. Schon wieder einer in der Legion derer, die mir Mut machen wollen. Mut wozu? Es braucht keinen Mut, mit etwas klar klarzukommen, für das es keine Alternative gibt. Ein bisschen mehr Mut braucht es schon, um vom 3 Meterbrett einen Rückwärtsseemannsköpfler zu machen. Es braucht Mut, obschon einem nicht wirklich was passieren kann. Na ja, außer ein paar Minuten leidlichen Schmerz. Wenns man verbockt. Aber wenn man’s macht, dann hat man die Wahl gehabt. Man kann’s einfach auch nicht machen. Aber das Virus ist alternativlos. Es ist da, und es geht nicht weg, wenn ich Mut zeige. Oder singe. Dann erst recht nicht. Denn dann sende ich die winzigen Scheißkerle hinaus in die Welt.

Wenn Boccelli mir Mut machen möchte, dann könnte er zum Beispiel einen rückwärts Seemannsköpfler vom Dreimeterbrett machen. Er ist blind, aber dazu braucht man keine Sicht. Das wäre etwas, das mir Mut machen würde, weil ich jemanden sähe, der sich überwindet. Das ist es doch, was einem Mut macht. Das Sichtbarwerden von Furchtüberwindung. Nicht wenn Sänger singen, Autoren schreiben, Maurer mauern. Oder Rihanna mir von ihrem BiPo erzählt.

Das ist einfach nur Scheiße von Leuten, die in diesen Zeiten Reklame für sich machen wollen.
Fuck those cunts!

Covi-Diary (27)

Am Ufer des Kanals, nahe am Wasser bei dem großen Steinen, war ich zurück in den Frühlingen meiner Kindheit, am Ufer der Aare, wenn sie vor der Schneeschmelze in den Bergen, noch wintermager, Teile ihres Betts herzeigte, manchmal halbverendete Fische zwischen schlickbesetzten Steinen; und als sie roch, wie sie sonst nie roch: fischig, gammlig, schlickig, gärend.
Aber heute morgen war es nur der Donau-Kanal, und ich tat noch immer gerne, was ich schon als Kind am Liebsten tat: alleine umherstreifen. Die Welt war ein Abenteuer.
Und jetzt, in der Jugend des Alters, kommt sie wieder zu mir, diese Lust zu gehen, zu streifen, in Flüssen und Seen zu schwimmen, mich durchs Dickickt zu schlagen, im Freien zu schlafen.
Woher? Warum? Weshalb?

Später, auf dem Rückweg durch den 1. Bezirk, auf den leeren Kreuzungen des Ring, auf den leeren Plätzen, in den leeren Gassen die Fotografen. Und man konnte bereits die kommende Bücherflut erahnen: «Das war Corona 2020»

Dann bei der Sezession, das Marc Anton Denkmal, und die Erinnerung an (glaube ich) 1992, als ich für das Tagesanzeiger-Magazin eine kleine Repo über den damals unglaublich beliebten und noch berühmteren Dieter Moor schrieb, und der Fotograf ihn auf die goldene Blätterkugel auf dem Sezessionsdach setzen wollte, und wir war am Denkmal vorbeigingen und Moor sagte: Unglaubliche Ausstrahlung von Macht, was natürlich richtig gesehen war, und es auf der Treppe zu einem Menschenauflauf kam, und die Leute tuschelten und die Hälse reckten, weil Dieter Moor leibhaftig in die Sezession ging.

Zuvor hatte er mir im Café Museum verkündet, dass Kunst von Kommunikation komme, und dass ich «es geschafft habe», wenn das Tagi-Magi mich für eine Repo engagierte. Natürlich war das eine wie das andere völliger Blödsinn, aber immerhin hatte ich geschafft, dass ich von nun an von den Obern im Café Museum nicht mehr abgesnobt wurde, da sie mich mit Dieter Moor gesehen hatten, und das war auch das einzige, was von der Geschichte gut ausging.

Voll durch den Naschmarkt, vorbei an den Fresslokalen mit den winzigen Tischen, enger als in Paris, Lokale die bereits mit meiner Anwesenheit überfüllt wären, aber jetzt woa goa nix, und das war auch gut so.

Ein wenig wehmütig am „Anzengruber“ vorbeigstreift und dann rauf auf die Wieden, der Heimat der Mizzi Schinagl, die jetzt auch meine Qualantäne ist.

Cheers!

Covi-Diary (26)

Ich nahm wieder mal den McCarthy-Roman „No Country for old men“ in die Hand, um darin herumzulesen und zu studieren. Blumberg2 ist noch 2 mal durchgearbeitet worden, wobei ich manchmal eine Stunde über einem Satz verbrachte, und nach dem richtigen Wort fahndete. (So what?) Aber was hat das mit „No Country…“ zu tun?
Im Grunde gar nichts, denn in Blumberg2 ist viel Gefühl und Instrospektion, und in „No Country…“ wird ausschließlich Handlung beschrieben.
Die Emotionen entstehen durch McCarthys genaue Sprache. Beim Leser. Und vielleicht auch bei der Leserin. Ein Bild folgt dem nächsten.
Die Coen-Brüder brauchten für ihren Film (fast) kein Drehbuch. Lest den Anfang und seht euch den Anfang des Films an. Deckunsgleich umgesetzt. Bis in die kleinsten Details.
Die einzige Instrospektion die McCarthy liefert, sind die Seiten des Sheriffs, der der Handlung eher wie ein Zuschauer folgt, als dass er eingreifen könnte.
Warum sage ich das alles? Nun, ich möchte auch sowas machen. „No feeling ist the best feeling“ (J.J.)

Und dann las ich noch ein bisschen in der Spiegel Bestsellerliste rum. Ildiko Kürthy. Dazu sag ich jetzt nix. Und dann las ich noch eine Kurzgeschichte von Doron Rabinovic. Es ging natürlich um die Liebe in Zeiten der Ansteckung.
Dazu sage ich persönlich auch nichts, füge aber den Post einer Leserin hinzu:
«Schöne Geschichte, ich mag den Schriftsteller, habe „XXXX» am Nachtkästchen liegen.“
Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wer zum Hugo, hat heute noch ein „Nachtkästchen“? Und wie sieht so was aus? Ist da immer noch der „Scherm“ (der Nachttopf) drin? Und in der Lade das „Bettmümpfeli“ (Das Betthupferl) von „Mon Cheri“.

Ansonsten sitz ich noch jeden Morgen auf dem Ergometer lese Eike Geisel, und warte darauf, dass mir der Bittermann den nächsten Pohrt-Band schickt.

Frohe Ostern!

Covi-Diary (25)

Die Sonne scheint. Die Sonne scheint. Die Sonne scheint. Die Sonne scheint den ganzen fuckin Tag, und Meterologen machen sich Sorgen, weil nun nicht mehr so viele Flugzeuge unterwegs sind, von denen sie ihre Wetterdaten haben.
Lächerlich. Die Sonne scheint, die Sonne wird scheinen und ich warte nur darauf, dass sie geschienen hat. Wozu braucht es Wetterdaten? Der Winter ist vorbei. Die Sonne scheint. Es ist nur noch ein Frage von Tagen, vielleicht von ein zwei Wochen, dass wir den ersten Dreißiger haben und dann dauerts noch mal drei Tage und wir haben 38 Grad. Und da bleibt es dann bis Oktober-November.
Schickt die Meterologen in Pension.

Aber es gibt auch Schönes zu vermelden. Ich sah, wie Julian Schnabel mit seinem kleinen nackten Sohn auf den Schultern Richtung Meer ging. Cut. Schnabel bereits Ende Fünfzig, Anfang sechzig, steht auf einer Mauer oder einem Turm. Unter ihm das Meer. Es sind bestimmt 10-15 Meter Fall. Schnabel, in Badehose, hält kurz inne, dann springt er. Sein Kopfsprung ist geradezu perfekt. Sein ganzer massiger Körper ist unter Spannung. Er trifft auf dem Wasser auf, wie eine elegante Bombe, ein starkes Tier, das im Meer lebt.
Ich sehe mir die Szene noch zweimal an. Warum?
Weil sie mich glücklich macht. Warum macht sie mich glücklich? Weil ich etwas von Turmspringen verstehe. Weil es Mut braucht. Und weil die Ausführung von einem alten, massigen Kerl perfekt war.
Es war einfach ein Sieg. Man kann es immer noch können. Auch mit 40 Kilo und 40 Jahren mehr auf und in den Rippen.

Halleluja!

Covi-Diary (24)

Gestern gab es Schönes und Trauriges, heute ist Hässliches und Böses an der Reihe.

Und wo zeigt die Hässlichkeit ihr fettes Gesicht ungenierter, als in einem Supermarkt voller in augenrollender Panik Einkaufswagen befüllender Mitemenschen? Überlegt mal.
Der Grund der Panik? Der nächste Montag ist ein Feiertag und der Laden dann zu. Jetzt ist Donnerstag. Aber man kann nicht früh genug anfangen, ein hässliches, hamsterndes Arschloch zu sein.

Da ich ja mephistolesche Züge an mir entdeckt habe, war es selbstverständlich, dass ich die neue „Corona-Stopp“-App, mit meinem Malocchio betrachtete.
Die App verleitet mein Handy über Bluetooth mit allen anderen Handys – die diese App auch runtergeladen haben – in Kontakt zu treten. Und wer nun Virusträger ist oder wird, der meldet das an einer Meldestelle, die die anderen auf der Kontaktliste informiert, damit sich diese in Qualantäne begeben.
Wenn ich genug Kontakte gehabt habe, melde ich einen Virusbefall und alle anderen verschwinden in ihren Löchern. Für zwei Wochen. So kriegt man Straßenzüge wieder leer. Lusche Feinde, beginnen sich wieder vor einem zu fürchten. I’m very powerful!

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so vonstatten gehen könnte, aber ich sehe in den ganzen Corona-Debatten nie jemanden der Fachleute und Politiker, die das Böse, die Böswillgkeit und die Niedertracht in ihre Berechnungen einbeziehen.

Ich halte das für einen Fehler.

Nachtrag: Seit einem Monat (fast) in der Qualantäne. Hier, in Austria. Ich frage mich nun, wo zum Hugo ich mich noch anstecken soll? Bei Ärzten und Krankenpflegern?
Wenn all jene, denen ich auf der Straße und im Supermarkt begegne, auch aus der Qualantäne kommen, dann sie wir alle gesund. Oder doch nicht?