Doch, es muss gesagt sein

denn so schaut’s aus, in der wirklichen Wirklichkeit!

Leon de Winter wird in der NZZ übel angesichts der Versuche «ausgewogen» zu berichten, indem man die Hamas nicht Mörder und Terroristen nennt, sondern «Kämpfer» und den Gazastreifen ein «Gefängnis»: Gaza ist «seit 2005 ein unabhängiger Stadtstaat ohne Juden oder israelische Soldaten. Die Entscheidung, Gaza zu einer terroristischen Festung zu machen, ist die Entscheidung von Islamisten, die es nicht nötig haben, ein nahöstliches Singapur zu errichten, wo doch Gaza ideal zwischen Israel und Ägypten liegt und schöne Strände oder bunte Märkte hat. Das tyrannische Gefängnis Gaza wurde von der Hamas und nicht von Israel errichtet. Die Hamas hat den Gazastreifen seit 2005, nach dem vollständigen Rückzug Israels, zu einem Stützpunkt des Terrors ausgebaut. Es glaube niemand die Lüge, Gaza sei ein Gefängnis für jeden Palästinenser. Wer die richtigen Verbindungen hat, geht über Ägypten in den Urlaub und bereist die Welt. Die reiche und korrupte Oberschicht lebt dort in riesigen Villen, besucht luxuriöse Einkaufszentren und genießt die Strandrestaurants. Schauen Sie sich die Tweets von @imshin an, der den extremen Reichtum in Gaza in seinen Videos aufdeckt.»

Fuckin NIMBYs

Vor einiger Zeit, am 5. Feb. 2022, veröffentlichte ich hier das „Gedicht“
Fuckin’ Westspießer

Es ging um die Mitmenschheit, die alles haben und genießen will, und nicht checkt, dass dies einen Preis hat.
Heute habe ich erfahren, wie dieses People heißt: Es sind sogenannte NIMBYs.
(Not in my Backyard)
Das ist es. Sie sind dafür, dass nachhaltig Energie produziert wird, aber keine Trassen in ihrer Gegend, keine Windräder, kein Atommülllager. Nichts. Bei anderen schon. Wer sind die anderen? Nicht sie, auf jeden Fall. Die anderen eben.

Und diese Spießer sind eine kleine, mächtige Gruppe.
Ich sag’s ja schon lang: Heute kannst nix mehr machen.
Nur eines geht immer und hört nicht mehr auf: Krieg.

Na gut, ist man versucht zu sagen, dann halt das.

Nobelpreis für mich!

Heute Morgen ging mein Telefon. Nummer unterdrückt, aber entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, hob ich ab.

Es meldete sich eine etwas undeutliche männliche Stimme, und sagte etwas von „Nobelpreis“.
Ich sagte: „Nobelpreis? Für mich?“
Die Stimme sagte: „Ja. Für Sie.“
Ich wusste nichts darauf sagen. Ich war etwas überrascht. Nobelpreis für mich? Natürlich der für Literatur. Was sonst. Der wird ja heute verliehen.

Nun ja, so überraschend auch wieder nicht. Hatte ihn ja längst verdient, diesen fett dotierten Preis, und diesmal würd’s auch einen treffen, der die Penunze wirklich auch nötig hat. Nach mehr als einem halben Jahrhundert Armut und Schmach, endlich die verdiente Anerkennung. Cool!

Ich überlegte mir schon mal, wie ich die Annahme anlegen wollte. Die Dylan-Art: gar nicht hingehen und ein Briefchen schreiben? Die Jelinek-Video-Ansage? Die Sartre-Ablehnung zog ich nicht in Betracht. Ich bin gerade etwas klamm.

Aber ich begann schon an meiner Rede zu schreiben. Es sollte ein schönes Stück Prosa werden. Und während ich daran schrieb, fragte ich mich, wann wohl der Raps auf meinem Konto einlangen würde? Und was ich alles mit der knappen Million machen würde. Das war bald klar: Ich würde mich ins Paradies zurückziehen. Und Paradies heißt: Kein Lärm, keine Hitze, keine Mitmenschen.
Schätze, ich würde so eine Art Farmer werden. Oder gar ein Rancher. So hätt ich neben dem Schreiben immer was Handfestes zu tun, was mich in Schuss und gesund erhalten würde.

Nun war ich soweit, mich den Träumen hinzugeben. Aber dann ging die Türklingel. „What the hack“, dachte ich, «bringen die mir den Scheck gleich persönlich vorbei? Coolio!“

Vor der Tür stand der Bote vom Bio-Betrieb, der mich hin und wieder mit Gemüse und Bio-Fleisch belieferte. Er überreichte mir ein kleines Paket.

Er sagte: „Ich habe Sie vorhin angerufen. – Hier ist Ihr bestelltes Hobelfleisch. Die Rechnung liegt bei.»





Let it be

Manchmal frage ich mich, warum die Deutschen unbedingt auch Serien und Filme machen wollen. Es machen doch viele Länder auch keine Autos.

Gestern lief gerade das vielbeworbene und viel gerühmte „Berlin Babylon“. Nun ja. Lustig war’s auf jeden Fall. Komisch gar. Gab viel zu lachen. Ich bezweifle allerdings, dass die Lacher gewollt waren.

Man wird den Verdacht nicht los, dass es in Deutschland (und vermutlich auch hier und CH) nur noch Reichen, den höheren Töchtern und Söhnen, vergönnt ist, die diversen Schauspielschulen zu besuchen, denn die Gesichter dieser Schauspielerinnen (Schauspieler mitgemeint) strahlen nur eine Erfahrung aus: Schule. Und die lässt sich auch mit einem Kilo Lehm und einem Kübel Asche nicht wegretuschieren.

Das ist der Maske natürlich bewusst, und sie ziegelt die Gesichtchen mithilfe von Schminke auf Not, Angst und schlechten Geschmack. Zumindest versucht sie es.

Als dann der östereichische Schauspieler Karl Markovics mit aufgepinselten roten Bäckchen auftauchte, die vielleicht eine Lebererkrankung oder ungesunden Alkoholkonsum verheißen sollten, da gab es, zusammen mit den Schulgesichtchen und den dicken Perrücken keinen Zweifel mehr: Hier haben sich ein paar Leute verkleidet, um in der Schulaula ein Stück von Mutzelmann dem Unfrohen zu geben.
Köstlich, geradzu.

Und natürlich: Das alles ist ernst gemeint. Wie „Der Untergang“ von Eichinger, mit Bruno Ganz als Schicklgruber, ein köstlicher Film, da vero, kann ich nur empfehlen, falls jemand mal was zu lachen braucht.
Aber natürlich todernst gemeint.

Für’sTheater geht das alles, da sieht man nicht gleich auf den Karton herunter. Aber Film?
Germans, let it be.
Griechenland baut schließlich auch keine Autos …

Austrian Beat (2)

Nach 2018, als „Austrian Beat 1“ erschien, ist nun der nächste Band rauskommen. Folgerichtig: Austrian Beat 2.

Ein Band mit Gedichten, Stories, Essays von 44 Autorinnen (Autoren mitgemeint), die 265 Seiten damit füllten. Alle aufzuzählen würde zu weit gehen, darum empfehle ich, bei Interesse, einfach den Link in der Blogroll „Edition BAES“ anzuklicken. Macht nicht viel Arbeit.

Interessant ist vielleicht auch die Frage, was „Beat“ heute eigentlich sein soll. Ist ein „literaturhistorischer“ Begriff, mit dem die Gruppe um Kerouac, Bourroughs, Ginsberg, Norse, Huncke et allis, und auch den letzten Lebenden dieser Zeit, Charles Plymell gemeint ist.

In einer Art Nachwort schreibt der Herausgeber, Verleger und Autor Elias Schneitter, was ihn dazu gebracht hat, diese beiden Bände herauszugeben. Zuallererst war er natürlich dem „Beat“ verfallen, in den 70-er Jahren. Nona, könnte man da sagen, wer wollte schon Walser, Grass, Konsorten und deren Epigonen lesen, gab es doch die Beats, und in Deutschland Fauser, Weissner, Breger, Ploog, Theobaldy, Stingl und andere, die sich ebenfalls nach der US-Literatur ausrichteten.

Für Schneitter war aber auch die Szene um den Yppenplatz in Wien Ottakring ausschlaggebend, denn er erkannte dort eine Art Boheme-Szene, die ihn an die Szene am North Beach San Francisco erinnerte.

Nun, was soll diese „Beat-Literatur“ überhaupt sein? Wer ist eigentlich ein „Beat-Autor“ (Autorinnen mitgemeint). Schneitter meinte einmal, dass er kaum einen Autor kenne, der diese Bezeichnung auf sich selber angewandt sehen wolle. Interessant. Und trotzdem sind nun 44 Stück in diesem schönen und unterhaltsamen Band versammelt.

Die Beat-Autorin der ersten Stunde, die 1931 in Wien geborene und in die USA emigrierte Ruth Klüger meinte, dass Beat eine Lebenseinstellung sei, die Kunst und Leben nicht trennen mag.
Das ist bestimmt mal nicht falsch. Passt, würd ich sagen.
Und um mit Mitherausgeber Helmuth Schönauer zu sprechen: «Die Pension des Beatautors ist der Tod.“
Das könnte auch hinkommen.

Also: Seid brav, und bestellt das schöne Buch direkt beim Verlag.
Soviel ich weiß, versandkostenfrei. Oder so.

https://www.edition-baes.com

Ein kein-Kommentar Kommentar

Soll man das eigentlich noch kommentieren? Ich glaube nicht so recht. Sollte man sich dagegen stemmen? Vielleicht argumentieren? Überzeugungsversuche? Vernunft? Logik?
Irgendwie nicht. Nein.

Wenn die meisten – oder zumindest ein guter Teil – derjenigen die angeben, die FPÖ wählen zu wollen, frank und frei zugeben, dass sie nicht erwarten oder auch nur glauben, dass diese Partei, ausgetstattet mit Regierungsmacht, irgendetwas zum Besseren wenden kann, ist das eigentlich nur eine Form aggressiven Schwachsinns und Niedertracht.

Selbst – wie sie zugeben –, dass  die FPÖ jedes Mal, wenn sie in die Regierung gewählt wird, versagt, ist ihnen wurscht.

Es ist wie in diesem Witz: Drei Leute, sagen wir drei Wähler von SPÖ, ÖVP und FPÖ sind auf einer garstigen Insel gestrandet. Eine Fee taucht auf, und bietet an, jedem einen Wunsch zu erfüllen. Der SPÖ-ler will unbedingt heim nach Wien. Zusch-Wunsch erfüllt. Der ÖVP-ler möchte heim zur Mutti. Zusch- Wunsch erfüllt.

«Und was“, fragt die Fee den FPÖ-ler, „was wünscht du dir?“
„Das die anderen beiden wieder hier sind.“

Muss man mit diesen Leuten reden?
Kann man.
Als würde man einen Schwarm Fliegen von einem Batzen Scheiße weglocken wollen.



No english!

Das erste Mal sagte ich es am Bahnhof Lauterbrunnen, als mich eine asiatische Touristin ansprach, in einem Englisch, dass so klang wie das Deutsch von Johnny Cash: Woisuausmama.
Ich sagte: „No english“. Es klang unfreundlicher, als es gedacht war. Aber, um es kurz zu machen: Ich habe die Schnauze voll, immer wieder auf Englisch angesprochen zu werden, und zwar, ohne dass man danach fragt, ob ich überhaupt englisch spreche.

Ich seh’s auch im Gym: Jeder englische Nativspeaker braucht keine Wort Deutsch zu lernen. Alle radebrechen mit denen in ihrem Pidgin ähnlichen Geschwurbel.

Ich tu’s nicht mehr. «No english!» ist in Hinkunft der einzige englische Satz, der von meinen Lippen geformt wird. Außer: Man fragt. Do you speak english?

In der Schweiz kann man mich in den Landesprachen ansprechen: Schwizertütsch, Deutsch, Französisch, Italienisch.

Als es noch britische Touristen in Interlaken gab, gab es noch eine nette Form der Höflichkeit und des Respekts. Der Brite sagte mit brutalem Akzent: «Guten Morgen. Ik spregge laida keine Deutsch. – Do you speak english?“ So geht das beim Gentleman und einem höflichen, respektvollen Menschen.

Kürzlich wurde ich in der Schweiz Zeuge eines Gesprächs zwischen einer Einheimischen und einer Italienerin, die schon über dreißig Jahre in der Schweiz lebt. Kein einziger Satz auch nur annähernd korrekt. Ich habe nach zwei Wochen in Italien besser italienisch gesprochen, als sie nach dreißig Jahren.

Wie auch immer. Für mich gilt nun die angewendete Höflichkeitsform: Do you speak english? Oder sonst ist meine Antwort, ein bisschen unwirsch, und ohne ein „Sorry“ voranzustellen: „No english!»

Hundeflüsterer

Menschen die sich Hunde halten, geraten oft in Nöte. In Liebesnöte. Sie tun alles für ihren Liebling, bestes Futter, bestes Halsband, zentraler Platz im Kreise der Familie, und Hundi bekommt immer seinen Willen. Das sind sie dem Tier schuldig. Der unschuldigen Kreatur.

Aber die Kreatur tut dann Dinge, die diese Menschen nicht verstehen. Zum Beispiel: Er gehorcht niemals. Beißt Kinder, Gäste und Fahrradfahrer, verbellt Lastwagen und andere Hunde, zerbeißt Laptops und Kondome, kurz, führt sich auf wie Sau. Dann ist es Zeit für den Hundeflüsterer, den netten Mann mit einem etwas wildwüchsigen Ho-Chi-Minh-Bart und einem lustigen T-Shirt, auf dem lustige Sprüche stehen, die man sofort wieder vergisst.

Es ist ein schöner Beruf. Vielleicht ein wenig langweilig, aber durchaus einträglich und nicht so Anerkennungsarm wie zum Beispiel Blogger oder unberühmter Autor. Und vor allem wohnt ihm Dankbarkeit inne. Der einzige Nachteil, die Langweiligkeit, ist dem zentralen Objekt des Hundeflüsteres geschuldet: Dem hundehaltenden Menschen.

Der hilfesuchende, hundehaltende Mensch ist ein Opfer seiner dämlichen Liebe und seiner Dummheit. Er weiß nicht, wie einfach so ein Hundetier gestrickt ist, er denkt, so ein Hund sei ein hoch komplexes Wesen. Im Vergleich zum ihm selber mag das oft zutreffen, und darum wirkt die Arbeit des Hundeflüsterers auf ihn wie Zauberei.

Ich betreibe Geheimnisverrat, wenn ich jetzt ausplaudere, worin die Magie des Flüsterers besteht: Er weist dem Hund in wenigen Minuten seinen Platz zu. Und der sollte, als Rang, immer unter dem des Herrchens sein. Die Hündeler staunen. Dann versuchen sie es selber, und erfahren: es funktioniert tatsächlich. Sie sind baff.

Aber da nichts im Leben umsonst ist, hat auch die Dressur ihren Preis. Ganz abgesehen von der Gage des Mannes mit dem lustigen T-Shirt.

Sie, die Herrchens und Frauchens, müssen sich ändern. Zumindest ihr Verhalten dem Hund gegenüber. Sie müssen Verantwortung übernehmen, sogar für sich, und dürfen ihre Sehnsucht nach Unterwerfung, nicht mehr allein dem Hund aufhalsen. Es ist ein Jammer. Sie schaffen es nicht. Es ist wie dem mit Rauchstopp. Oder der Shoppingsucht, dem Phone-Wahn usw.

Wenn hier nichts mehr läuft, werde ich, so habe ich beschlossen, Hundeflüsterer. Auch so ein Beruf, der einem beibringt, dass man keine Hoffnungen mehr zu haben braucht.

„Es gilt die Unschuldsvermutung“

Okay, ich geb’s zu, ihr habt mich in flagranti erwischt, gerade wie ich die Lady vergewaltigt und solange gewürgt habe, bis sie tot war. Ich geb’s zu. Ich gestehe es.
Aber wenn einer von euch „Schurni-Schmierfinken“ im Text über mich und meinen Taten, den Satz „es gilt die Unschuldsvermutung“ nicht fein säuberlich ausformuliert hinschreibt, dann zerrt ihn mein Anwalt vor Gericht. Soviel ist sicher. Denn: dem Gesetz muss Genüge getan werden.
Und außerdem plädiere ich dafür, dass, über wen auch immer, und über was auch immer geschrieben wird, stets „es gilt die Unschuldsvermutung“ vorangestellt wird. Selbst wenn derjenige verurteilt worden ist.
Denn weiß man, wie sein Gott die Sache sieht?
Weiß man’s?
No, siggst!

Johnny und der Nine-Pound-Hammer

Schätze, man muss es nicht groß herausheben, denn es wird überall schon verkündet: Heute vor zwanzig Jahren verstarb Johnny Cash.
Aber für mich ein besonders denkwürdiger Tag, denn ich war zusammen mit meinem alten Freund und Kollegen Franz Dobler, als er die Nachricht erhielt, dass der Mann, über den er eine großartige Biografie verfasst hatte („The Beast in me“), eben diese Welt verlassen hatte. Eine himmeltraurige, und letztlich doch auch heitere Nacht, mit Freunden, Musik und Bier.

Da alles schon gesagt ist, bleibt mir nur noch darauf hinzuweisen, dass der fabelhafte Dokumentarist Ken Burns eine ebenso fabelhafte Serie zusammengebaut hat.
„COUNTRY“, heißt sie, hat 9 Folgen und ist auf ARTE-mediathek zu sehen.
Einfach nur der Nine-Pound-Hammer!