Alle haben ja so recht

Vor einiger Zeit saß ich in einer Runde mit Autoren, Verleger und Literatur-Veranstaltern. Der Veranstalter, der einem sehr prominentes Literatur-Veranstaltungslokal vorsteht, unterhielt die Runde mit seinen äußerst meinungstarken Einschätzungen der Weltlage und Personen des öffentlichen Diskurses.
Es schien nichts, aber auch gar nichts zu geben, zu dem es nicht – von seiner Warte aus – eine profunde Meinung abzusondern gab.

Meistens sind solche Leute dem ganz linken oder dem rechten politischen Spektrum zuzurechnen. In seinem Fall, war es das links-linke.
Es gab keinen Einwand oder einen Ansatz eines Einwandes, den er nicht laut und schnell mit ein paar abgepackten Sätzen bewarf und den Garaus machte. Er hatte recht. Was immer es auch sein mochte: Er hatte die richtigen Argumente.

Und tatsächlich: Er hatte ja recht. So wie alle anderen auch. Alle hatten recht. Jede Theorie war stimmig, und man musste ihr zustimmen. Das ist das Wesen von Theorien und Meinungen: Sie sind in sich stimmig. Zumeist. Wenn sie nicht von Vollidioten geäußert werden. Dann sind sie oft lustig. Oder gefährlich, wenn es gefährliche Idioten sind.

Wie auch immer. Ich finde, dass alle recht haben. Oft fehlt mir die Kenntnis, um widersprechen zu können. Oder das Interesse am Thema. Aber meistens die Kenntnisse. Also sag ich nichts. Oder melde Zweifel an. Einfach so. Weil Zweifel immer angebracht sind. Aber für profunden Zweifel fehlt mir dann wieder das Interesse und/oder die Kenntnisse.

Ist es nicht erstaunlich, wie wichtig so vielen eine Meinung ist? Warum eigentlich? Für eine Meinung braucht man kein Können in irgendeiner Art, außer dem Mund zum Formen von Worten. Wenn mir jemand erklärt, wie man mit der Axt verastete Holzklötze am Besten spaltet, so ist das mit Empirie begründet, und hat sehr wenig mit Gefühl zu tun. Während Meinungen über Politik oft nur auf einem Emotionsüberhang gründen.
Und was ist daran interessant? Nicht besonders viel, würd ich sagen. Außer der Adressat ist Soziologe.

Meinungen sind langweilig, während Abhandlungen über das richtige Spalten von verasteteten Baumstücken äußerst interessant, und vor allem hilfreich, und ein Quell der Freude sind, wenn man sie dann mal anwenden kann.
Dies ist schon wieder nur eine Meinung. Also uninteressant.
Aber falls ihr mal ein Problem mit verasteten Holzscheiten habt: Ihr könnt mich fragen. Ich kenn mich jetzt aus.

Väter-Kultur

Manchmal kommt mir mein Vater in den Sinn. Er ist tot.
Als ich ihm, als etwa 5-jähriger Junge gestand, dass ich Polizist werden wollte, sagte er: „Nein. Du gehst aufs Gericht.“
Das tat ich dann auch. Aber nicht so wie er’s von mir erwartet hat.
Es schien, als wolle er sich opfern, für all das, was er nicht getan hatte, weil er nicht wurde, was seine fette katholische Mutter von ihm verlangte: Priester werden. Er wurde Vater von vier Söhnen, und starb allein und voller Enttäuschung. Über alles. Auch über seine Söhne. Aber wenn man von allem enttäuscht wurde, dann eben auch von allem.

Ich hatte keine besondere Beziehung zu ihm, wir teilten nur die Liebe zur Literatur, und, in gewissen Maße, die zu Alkohol. Ansonsten war da nicht viel. Eher peinlich, würde ich sagen. Ich war ungern mit ihm allein, was zum Glück nicht oft vor kam. Er war ein Erwachsener. Und Erwachsene bedeuteten nichts anders als: Der Spass ist vorbei. Erwachsene waren Arschlöcher. Außer ein paar Onkels und Tanten, und ein paar coole Ausnahmen.

Wie auch immer. Mein Vater verlor nie ein Wort des Lobes für mich. Als ich einmal mit einer 1. Platz Medaille, die ich erschwommen hatte nach Hause kam und sie ihm präsentierte, sagte er nur, ohne sie eines Blickes zu würdigen: „ Es ist Zeit. Geh schlafen.“ Vermutlich war der erste Platz einfach nicht gut genug. Er konnte einem leid tun, so eingesperrt in sich selber, wie er war. Aber dass er doch so ein Arschloch war, fiel mir gar nicht auf, da ich sofort nach der Schule aus dem Elternhaus verschwand und nie mehr zurück kam.

Warum ich über meinen Vater schreibe? Einfach: Es gibt ganz Kulturen, die auf den Vater aufbauen. Und den Vater des Vaters. Und dessen Vater. Und dessen. Und so weiter. Wir wissen alle, welche Kultur ich meine. Sie hat sich nicht mehr weiter entwickelt. Sie ist im Mittelalter stehen geblieben, wie ein Wecker, dessen Getriebe verrostet ist.

Es ist vielleicht ein wenig verwunderlich, dass niemand darauf gekommen ist, dass der Vater ein Idiot sein könnte. Und dessen Vater auch. Und dessen ebenfalls, Solls ja geben. Idioten kommen vor. Und so geht’s weiter mit der Idiotie, denn der Vater ist das Maß aller Dinge.

Und da ich selber Vater bin, weiß ich, dass es nicht so schwer ist, einer zu werden. Es ist schwieriger ein Buch zu schreiben, oder ein Baugerüst zu errichten.

Aber wir haben gelernt, unsere patriarchalisch sich gebärdenen Väter nicht allzu ernst zu nehmen. Und jetzt, wo wir selber welche sind, wissen wir, dass es nicht so leicht ist, sich den Respekt der Kinder zu verdienen.

Und das ist auch verdammt gut so.

Die Kämpfer

Ich sehe mir „Squid Game -the challenge“ auf Netflix an. Köstlich!
Es geht um etwa vierhundert Spieler, die um einen Pot von 4, scheißibeißi Millionen Dollar konkurieren. Die Spielleitung, die nur als Off-Stimme auftritt, lässt die Leute fiese Spielchen spielen, bei denen dann immer mehr ausscheiden.
So weit so gut.

Unter all den Interviewten gab es bisher nur einen einzigen, der gecheckt zu haben scheint, dass nichts an dem Ausgang des Spiels in seiner Hand liegt, und dass das Alianzen schmieden, die ewigen Treueschwüre einander immer zur Seite zu stehen, all die Kraft und die Fitnesss, die Durchtriebenheit und der hohe IQ, die Fiesheit und Verachtung, die Zurückhaltung oder das Auftrumpfen, dass all das, nicht wirklich relevant ist.

Wie gesagt, er ist der einzige Interviewte, der weiß was zu tun ist: Sein Bestes geben, und sich auf ein Abenteuer einlassen. Und er ist zudem noch intelligent genug, seine Einsicht für sich zu behalten. Denn, würde er sie äußern, würde er in ein Bad des Hasses gestoßen, von all den vielen „Kämpfern die niemals aufgeben“, den „Gangs“ und den „Aliierten“, den „starken Frauen, die permanent in Tränen ausbrechen“, den Verrätern und den geouteten Egoisten.

Nur einer kann den Pot gwinnen. Und so ziemlich alle sind der Überzeugung, dass gerade sie es sind, die von Gott, den Sterne, dem Schicksal, ihren woken Non-Binären ausgewählt wurden, die Millionen als einzige redlich verdient, und deswegen auch zu bekommen.

Wie gesagt: köstlich. Man sieht geistig Angeschlagenen dabei zu, wie sie lügen, betrügen, verraten, hassen, plärren, andauernd „Oh, my God“ ausstoßen, wie sie unter unsäglicher Spannung leiden, als würde man sie auf den Erschießungsplatz führen.

Ich denke, man kann unter diesen Umständen mit Recht behaupten, dass dieses „Ich kämpfe. Ich gebe niemals auf“, eine Art Geisteskrankheit ist.

Es sind dies Leute, die beim Ausfüllen eines Lottozettels immer wieder sagen: „Ich bin ein Kämpfer. Ich kämpfe bis zum Schluss. Ich mache meine Mutti stolz, weil ich ein Gewinner bin.“
Irre …

Das Sprüchemuseum (156)

Altersfreigabe: 12 Jahre
Gewalt, Alkoholkosum, Schimpfwörter, sexuelle Inhalte


„Colin from accounts“, australische Comedy Serie

Wir sagen: Bravo! Endlich können wir erkennen, wie sinnvoll solche Warnungen sind.
Falls ihr Kind gerade noch elf ist: avoid.
Gaga, gaga und nochmals gaga, wie all diese vorangestellten Horseshit-Dingers um Woke-Shitstorms umzuleiten.

Confiteor

Es ist schon einige Jahre her, seit ich erklärt habe, kein Linker mehr zu sein. Der präzise Auslöser ist mir nicht mehr erinnerlich. Vermutlich gab es keinen, sondern nur eine Kumulation von Ereignissen und den entsprechenden Kommentaren von Linken dazu. Wie z.B. nineeleven.

Heute bin ich fast soweit zu bedauern oder gar zu bereuen, jemals einer gewesen zu sein. Der Bruch, will man es so bezeichnen, wenn man mit einer bestimmten Lebensansicht bricht, ist ein verdammter Splitterbruch, vor dem jeder Orthopäde die Maske runterzieht und sagt: „Da ist nix mehr zu schrauben und zu schienen, da hilft nur noch amputieren.“

Ich gehe nicht davon aus, dass meine Amputation der Linken einen schiefen Gang verschafft, oder gar bemerkt wird, aber ich sag’s halt trotzdem: Wie sehr mich ihre Dummheit und Verlogenheit anwidert. Nicht nur im Fall von Israel, bei dem mir ihre Wortmeldungen und widerlichen Aktionen Brechreiz, und an Zorn grenzende Wut auslösen. Und ja, Verachtung. So von allem ein bisschen.

Ich bin fertig mit Links und Grün und Woke und den 72 Geschlechtern. Und mit einigen anderen Dingen auch.

Es ist auch eine Art Déjà vu: Ich habe den ganzen Scheiß schon 1972 von den Basler Kommunisten gehört. „Israel, der Büttel des amerikanischen Imperialisten.“
Wo man auf Anti-AKW-Demos mitmarschierte, aber eigentlich für Kernkraftkraft war. Aber halt nicht im „westlichen Kapitalismus“, sondern in der „Diktatur des Proletariats“.

Aber ich habe eine strenge katholische Erziehung hinter mir, und wer diese Schule durchlaufen hat, der ist für alle Religionen – und auch für Ideologien – verloren. Sofern er irgendwann mal aufgewacht ist.

Und das bin ich …

Das Sprüchemuseum (155)

«Es gibt im Arabischen kein Wort für Antisemitismus – Araber sind selbst Semiten“.

Karim El-Gawhari, ORF-Korrespondent

Wir sagen: Ganz genau! So wie Martin Luther, mit seinen Ausritten gegen die Juden (Von den Juden und ihren Lügen), auf keinen Fall ein Antisemit war. Denn damals im 16. Jahrhundert, gab es den Begriff Antisemitismus noch nicht.


Das Sprüchemuseum (154)

«Statements wie dasjenige von Benhabib zerstören die Hoffnung auf einen sofortigen Waffenstillstand.“
Die linke Gaga-Philosophin Nancy Fraser

Wir sagen: Ja, so wird es sein. Wenn Philosophinnen Statements absondern, dann hält die Welt den Atem an, denn diese Philo-Statements entscheiden über Krieg und Frieden.
Gaga hoch zwei.

Lektorat raten


Harry Rowohlt, der Über-Übersetzer meinte mal, dass er ein Buch zweimal übersetzt habe: Einmal aus dem Englischen und einmal aus dem Lektorat.

Es gibt ja immer wieder Lesende und KritikerInnen, die sich gerade bei Büchern von Kleinst-Verlagen über kleine Fehler beschweren oder „über mangelndes Lektorat“.

Fuck you!, rufe ich ihnen fröhlich zu.

Gestern las ich eine Rezension des neuen Buchs von Paul Auster „Baumgartner“.
Ein Gejuble sin final.
Paul Austers Werke gehören nicht gerade zu meiner favorisierten Lektüre (ohne jetzt im Detail darauf einzugehen), aber ich war doch neugierig genug, um bei Amazon die Leseprobe des von Rowohlt herausgegebenen Romans anzulesen.
Da las ich dann auf der ersten Seite:
„Plötzlich bleibt er abrupt stehen …“
Halleluja! Ist Auster jetzt gaga, oder was? Plötzlich abrupt?
Ich mache danach die englische Version auf:
„When he walks into the kitchen, however, he is stopped in his tracks …“

Seht ihr’s? Checkt ihr’s?

Zwei, drei Sätze danach:
„Den Bruchteil einer Sekunde später lässt er den Topf unter lautem Geschepper zu Boden fallen …“

Jetzt isses amtlich: Auster ist gaga.

Oder doch nicht?
Im Original heißt es:
„A fraction of a second later, he drops the pot, witch hits the floor with an abrupt, clattering ping …“

Nein, der Paul Auster ist unschuldig. Denn der Topf muss bei ihm erst auf dem Boden aufschlagen um zu scheppern.

Aber warum war in der Rezension (Spiegel?) nichts davon zu lesen, dass der Übersetzer kein Deutsch kann? Und der Rowohlt Verlag so klamm ist, dass er sich kein Lektorat leisten kann? Zumindest solches, das Deutsch kann.
Oder liegt es daran, dass die Rezensenten auch kein Deutsch können?

Fragen über Fragen.
Wer möchte da noch weiterlesen?
Ich nicht.