Es begab sich

just zu jener Zeit, als der Autor in seiner Rede das Arschloch erwähnt hatte, das an der Kasse vordrängelt, und wo er dazu riet freundlich zu lächeln (christlich). Dann geschah es tatsächlich. Vertrackt.
Der Autor lächelte nicht. Und wie so oft in unseren Tagen, drohte die Situation zu eskalieren, und es oblag dem Autor sich zurückzuhalten, obschon er sich gedemütigt fühlte. Aber wie gesagt: Er wollte die Sache nicht eskalieren.
Er versuchte sich zu erinnern, wann er das letzte Mal Protagonist eines Vordrängelversuchs gewesen war. Es gab keine verlässliche Erinnerung. Es war, als hätte er die Situation in seiner Rede an die Gemeinde herbeigeschrieben.
So beschloss er, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Denn der Autor ist nachtragend und Demütigungen werden nicht akzeptiert. Er hat sich das Gesicht des Arschlochs eingeprägt. Er wird es nicht wieder vergessen. Und er ist inzwischen Wiener genug, um bei einer allfälligen Wiederbegegnung die Schmach zu sühnen. Auf Wiener Art: Freundlichkeit vortäuschend, Entschuldigungen litaneiend und gleichzeitig Schmerzen bereitend. Denn bei ihm gilt immer noch das Wort des großen Peyton Quinn: Niemals wegen eines Arschlochs im Knast landen.

Frohe Weihnachten!

Liebe Gemeinde…

das wollt ich schon immer einmal sagen, wie: Das Buffet ist eröffnet. Das habe ich aber bereits an meinem fünfzigsten Geburtstag erledigt, bleibt also nur noch:

Liebe Gemeinde,

in den Reden, die uns um diese Zeit erreichen, wird immer von Hoffnung gesprochen. Es wird der Hoffung Ausdruck verliehen, dass es doch nicht so übel ausgehen wird, wie man es das ganze Jahr über gepredigt hat.
Man muss sich nur ein bisschen anstrengen, und das Arschloch, das sich an der Kasse vordrängelt nur freundlich  anlächeln. Das hat gute Christentradition. Die andere Wange hinhalten.

Es macht den Anschein, als wär der Hass ein gewaltiges Problem. Hört man alleweil von Leuten, die sich in den Internetkloaken wie Fazebock, Instagram und Twitter herumwälzen wie die Schweine im Morast. Ich würde mal sagen: Die können sich getrost Hoffnungen machen. Das wird sich ändern. Besserer Hass, stärkerer Hass, hässlicherer Hass. Also eindeutig Verbesserungen. Intensivierung. Viel Vergnügen!

Hoffnung machen können sich allerdings auch jene intelligenten Zeitgenossen, die der Kloakensucht entsagen. Einfach kündigen. Kostet nicht mal was.

Zudem möchte ich auch Hilfestellung geben und ein Geheimnis verraten: Man muss nicht zu allem eine Meinung haben! Und man muss sie auch nicht aller Welt kundtun. Der Welt ist unsere Meinung sowas von scheißegal. Man darf dafür den Fernseher anbrüllen, das ist audrücklich erlaubt. Oder die Computermaus an die Wand knallen. Oder im botanischen Garten spazierengehen. Nein, das dann doch lieber nicht: Er ist voll von italienischen Touristen.

Das Beste ist, alle Hoffnung fahren zu lassen. Die Hoffnung auf Hoffnungslosigkeit. Wir leben seit Jahren in einer Krise, und diese Krise wird sich nicht in etwas Nettes verwandeln. Wobei man nie wissen kann. Es gibt Wunder. Ungeahnte Wendungen. Zuvor unvorstellbare Begebenheiten. Wie z.B.: Der Fall der Mauer, das Ende des Kommunismus. Was nicht heißt, dass es dann besser wird. Die Menschheit hat eines bewissen: Sie kann und wird alles in einen stinkenden Scheißhaufen verwandeln. Sie hat es nicht drauf. Darum vergesst die Hoffnung. Lasst eure Meinung stecken, hört euch Bill Evans an oder Chet Baker. Oder Helene Fischer. Und hört auf Fleisch zu essen. Das ist gut für euch und alle anderen auch.

Liebe Gemeinde,

im Zuge der Restrukturierung des Songdog Verlags, wird auch dieser Blog an dieser Stelle nächstens nicht mehr weitergeführt werden, und wandert an eine andere Adresse. Sie wird zu gegebener Zeit an dieser Stelle bekannt gegeben. Wir erfreuen uns auch weiterhin an unseren drei Lesern.

In der Hoffnung, dass Sie der Hoffnung entsagen

wünsche ich allen und allinnen
frohe Tage und einen guten Rutsch!

Cheerioh

A.N.

Hitler Business

Eine österreichische  Autorin quartiert sich in Braunau ein, um ein Stück über das Hitler Geburtshaus zu verfassen. Halleluja! Endlich kommt auch das mal zur Sprache! Ich nehme mal an, der Job ist vom Steuerzahler  ordentlich alimentiert. Ja, so ist es eben: there’s no business like Hitlerbusiness. Auch nach mehr als 70 Jahren nach dem Suizid des kleinen braunen Massenmörders, ist er immer noch Garant für Bestseller und gut besuchte Dramen.

Hitler ist ein Glücksfall für die östereichischen und deutschen Schreibenden. Ein Quotengarant. Denn nirgendwo lässt sich der Nazismus besser bekämpfen als in der Vergangenheit. Und wer sagt denn, dass man dabei nicht auch ein bisschen „mitschneiden“ darf?

Ich denke, es ist an der Zeit, dass auch die Schweizer Schreibenden sich ein Stück vom Hitler-Kuchen abschneiden. Von Hitler wurde schon so einiges entdeckt, bis hin zur Phimose und seinem Stuhlgangplan.
Wie wär’s mit: Die Oma von Hitlers Leibarzt war Bünderin. Oder: Hitler zur Prostatauntersuchung bei Berner Arzt. Oder dann doch lieber: Hitler verschonte die Schweiz wegen heimlicher Glarner Geliebten.

Weiter im Text, ihr wackeren Antinazisten der Vergangenheit! Es gibt noch viel zu entdecken…

Partyservie

Es ist schon ein paar Jahre her, da sagte der inzwischen von uns gegangene Filmessayist Peter Liechti zu mir: «Ich bin noch einer der ganz wenigen in der Schweizer Filmszene, der keinen begüterten Background hat. Sonst? Alles KInder von reichen Eltern.»

Ein junger Journalist schrieb neulich etwas ähnliches im „Spiegel“, nämlich, dass nur es nur noch Privilegierten möglich sei, die Journalistenschule zu meistern, sprich, ein Leben zu finanzieren, dass dies möglich macht. Sein Fazit: Nur noch Reiche berichten.

Ein anderer Freund, auch aus der Filmbranche, singt den gleichen Song: Fast nur noch fett Begüterte am Werk.

In den Stadttheatern? Ist anzunehmen, dass es sich dort nicht wirklich anders verhält.

Und alle sind links. Wobei sich das Linkssein darauf beschränkt, allen anderen zu diktieren was diese zu tun, zu sagen, zu denken haben.

Eine Art arroganter Partyservice.

Und schon Jörg Fauser hat vor Jahrzehnten gewusst was Sache ist. Damals noch im Konjunktiv.

«Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anheuern.»

„Bern ist überall“ nennt sich eine Schweizer Autorengruppe. Ich halte dies für eine gefährliche Drohung.

Die Kunst? Wer sich über den nichtssagenden, langweiligen und von verklemmten Schuldgefühlen dominierten Kunsthochschulausschuss informieren will, kann einen Galerienschaufensterbummel in der Schleifmühlgasse in Wien machen.

Und wie schon der als rechts diffamierte Jan Fleischhauer richtig bemerkte: Ein Künstler aus Ghana ist nicht der „Fremde“. Sondern der Einheimische vom Stadtrand.

Alles Partyservice? Noch nicht ganz. Es sind noch einige Struggler am Werk. Vielleicht sollte man die unterstützen. Ist nur so ein Gedanke …

„Westhure»

Dass ein schmörer alter Kitschtrotzkopf den Literaturnobelpreis kriegt, muss man nicht beweinen. Geschenkt.

Aber ich möchte nicht vom Platz gehen, ohne auf den Kommentar von Andreas Breitenstein in der NZZ hinzuweisen.

https://www.nzz.ch/meinung/peter-handkes-serbien-die-stunde-der-falschen-empfindung-ld.1525766

Auch möchte ich es nicht verabsäumen auf den Grund meines einzigen Leserbriefes, den ich in Wien verfasst und abgeschickt habe, zu verweisen.
Der Scheiß den die Kretzen aus Griffen da von sich gegeben hat, war einfach unerträglich:

An einem freien serbischen Geist war er (Handke) nie interessiert. Entsprechend passt es ins Bild, dass er 2007 in der Wiener Zeitschrift «Profil» die regimekritische Dramatikerin Biljana Srbljanović, die an die serbischen Opfer des Milošević-Regimes erinnerte und sich seinen Feldzug für «das serbische Volk» verbat, als «Westhure» verunglimpfte.

Was ich lese

Seit Jahren lese ich meistens frühmorgens im Gym. Auf dem Fahrradergometer. Bester Leseplatz, ever. Obschon ich da allerhöchstens eine Stunde bin, habe ich einige Bücher von Pohrt gelesen, das neue, Klassebuch von Klaus Bittermann, den „Schuss ins Blaue“ von Dobler, und einiges mehr.

Neulich habe ich gelesen, dass K.Passig für sich auch den Lese-Ergometer entdeckt hat. Und es supi findet. Aber davon wollte ich eigentlich nicht reden. Sondern von dem Buch, das ich gerade radfahrend lese.

Es heißt: Zurück aufs Eis, und ist geschrieben von Susann Klossek und Hartmuth Malorny. Untertitel: Wie man keinen Roman schreibt.

Eigentlich (schon wieder eigentlich?) möchte man einwenden, doch, genauso schreibt man einen Roman!
Worum geht’s? Schwer zu sagen. Susann und Hartmuth wollen zusammen einen Romanillo schreiben. Und so schicken sie einander abwechselnd Ideen usw. zu, die der jeweils andere ausbaut, verwirft, kommentiert, erweitert, ablehnt, sich darüber lustig macht. Sie tauschen Invektiven und prahlen mit ihrer Weltkenntnis, denn beide sind weit gereist, vor allem in Länder, in die ich niemals einen Fuss setzen würde, Länder in denen es immer heiß, feucht, überfüllt und lärmig ist. Also Asien, z.B.

Nun, Susann Klossek, die eben ihr grossartiges Buch „Varanasi“ rausgegeben hat, war und ist mir bekannt, und Garant für fetzige Texte, ob in Gedichtform, Prosa oder in ihrem Blog (Blogroll). Malorny kannte ich nicht. Jetzt lern ich ihn kennen. Zumindest sein schriftliches Ego.

Ich kann nur sagen, dass ich mich des Morgens auf den Ergometer freue, denn das Buch ist wunderbar humorig, witzig, klug, druchdrungen von persönlicher Erfahrung, eingängig und weise. Beste Unterhaltung im besten Netflix-Serien-Stil.

Lisez, frères et soeurs, lisez ce livre!

Frühes Aus für «Brüllen und nölen»

Aus für „Brüllen und nölen“ vulgo „Skylines“.
Netflix hat die Serie nicht verlängert, es gibt keine zweite Staffel.
Der „Spiegel“ war ja „voll des Lobes“ für die Serie:

«Unten im Studiokeller wird gekifft und an den Beats geschraubt, in den oberen Stockwerken werden Geschäfte gemacht: Plakativ, aber plausibel …»

Exactement. Vor allem die letzten drei Worte.

Und trotzdem geht’s nicht weiter.

Aber es ist ja nicht Schluss mit „Brüllen und nölen“. Schalten sie einfach eine andere deutsche Produktion auf. Egal welche. Brüllen und nölen ist immer dabei.

Beaucoup de plaisir, et n’oubliez pas les Ohropax!

siehe auch: http://songdog.at/blog/?p=14365

Eins für die Raucher

Es ist einfach eine Zumutung, dass man heutztage Rauchern verweigert Schuhe und Jacken zu erwerben. Gehen sie ins Beisl und wollen eine rauchen, müssen sie nach draußen, und dort vor der Tür zittern, schlottern und sich den „Arsch abfrieren“. Da werden sie sterbenskrank, kriegen Lungenentzündungen und vermutlich auch Kältekrebs. Und schreiben dann himmeltraurige, erschütternde kleine Berichte und Kolumnen und all son Zeuch deswegen.

Man sollte ihnen, finde ich, nicht vor dem Erwerb von Jacken und Schuhen stehen. Das ist einfach nicht fair. Wirklich nicht.