Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Franz Dobler (*1959) hat sein ganzes Leben an Lech oder Isar verbracht und denkt manchmal schon darüber nach, ob das gut so war. Und was er schreiben muss, damit er sich ein kleines Appartement in Nashville leisten kann. Vielleicht bekommt sein dritter Gedichtband deshalb den Titel „Dracula und andere Vampirgedichte“. Warum eigentlich nicht?

WARTEN AUF WAITS

tom waits zum sechzigsten

Als ich 20 war
wollte ich sein wie Tom Waits.
Ich mochte seine Musik
ich mochte sein Image
vor allem sein Image mochte ich.

Auf Partys saß ich allein
in der Ecke, betrank mich und
versuchte den Eindruck zu machen
man solle mich besser nicht ansprechen
wenn man keine interessante Frau war.

Mein Freund, der Dichter Thomas Palzer
nannte mich, war er in Stimmung
mit nem doppeldeutigen Grinsen
Tom Waits – hey, du kannst aber
jetzt noch gar nicht gehen, Tom Waits!
Auch wenn ich gar nicht mehr ging.

10 Jahre später
war mir dieses Image längst
viel zu romantisch geworden
und meine Seele wollte nur
noch mit Prince oder Cramps schlafen
und außerdem war ich Vater geworden.

Ich schaffte es auf gewissen Partys
ohne einen Tank voll Bier, Wein, Schnaps.
Etwa zu dieser Zeit
(der Staub, der beim Mauerfall tobte
hatte sich in den Lungen abgesetzt)
verschwand Waits´ in meinem Hintergrund

zuviel Theater
zuviel Kunst
zuviel Pose, jetzt viel
zuviel Pose.

Aber ich nahm´s ihm nicht übel.
Ich versteh den Künstler, der sich ändert.
Manchmal hörte ich eine alte Platte.
Ihre Wirkung war immer noch groß
doch die Wirkung von damals
kam nie wieder, konnte nicht
ging doch nicht und machte nichts.

Als ich dann, wieder 10 Jahre später
gefragt wurde, ob ich mit Waits
in Kalifornien sprechen wollte
sprang ich also nicht an die Decke
doch erinnerte mich gut
dass ich 20 Jahre zuvor
bei diesem Angebot mehrere Decken
durchschlagen und durchschossen hätte.

„California, here I come!“

Tom Waits´ Stammkneipe war
ein allein stehender, lang gestreckter
schlecht verputzter eingeschoßiger Bau
halbe Stunde weg von San Francisco
an diesem Highway, auf dem schon
die erste Generation der Hell´s Angels
so gern gebrettert war.

Vom Basislager der Journalisten in Petaluma
fuhren mich die Männer der Plattenfirma hin
High Noon und die Sonne feuerte erbarmungslos
und er kam nicht, warten auf Waits
5 Minuten, 10 Minuten, 30 Minuten.
Doch ich blieb ruhig, weil ich sah
dass die Männer von Anti-Records
vollkommen ruhig blieben.

Es war auch so genug los.
Der holländische Wirt der Restaurant-Bar
die bei uns keine Lizenz
von der Restaurant-Polizei bekäme
zeigte mir sein von Jeanne-Claude
und Christo gestaltetes Gästebuch.
Sie hatten auf den Weiden in der Nähe
monatelang einen Zaun verkleidet
der dann meilenlang weiß im Grün strahlte
weil sie vielen Menschen nicht nur Abenteuer
sondern auch Arbeit gegeben hatten
während hinter dem nächsten Hügel
der See lauerte, an dem Hitchcock
seine Vögel gedreht hatte.

In der letzten Ecke des großen Parkplatzes
lagerten drei abgerockte Wohnwägen
und davor ein paar Leute.
Ich schlenderte rüber, blieb stehen
bei ihnen, sagte Hallo, war bereit, mich
als deutscher Journalist vorzustellen –
Hello, sagten sie vorsichtig, die White Trash-Leute
der weiße Menschenmüll.

Was ist denn hier eigentlich los?
sagte der eine Müllmann
gestern auch so viele Fremde, ist was?
Tom hat ne neue Platte gemacht
sagte der andere, der nah bei der Frau.
Ja, sagte die Müllfrau auf dem Stuhl
mit dem schlafenden Baby im Arm
neues Album von Tom, glaub ich, ganz neu.
Okay, sagte der erste Müllmann
Tom hat wieder ne neue Platte
okay, dann ist mir das klar.

Und dann fuhr ein riesiger
schwarzer Jeep auf den Parkplatz
und der Kies brüllte, als er hielt.
Da war er also, ihr Tom
und hob die Hand zum Gruß.

The End –

(geschrieben, und vom Mitteldeutschen Rundfunk in einer kürzeren Version gesendet, am Geburtstag, 7.12.2009, und fünf Tage später für Sunday Moaning Coming Down frühmorgens, als ich im Fenster allmählich den ersten Schnee erkennen konnte, stark überarbeitet)

Bin ich Gut Mensch?

Ich erhielt neulich eine Mail von einem intelligenten Menschen. In dieser Mail bezog er sich auf den, oder die Blogs, in denen ich mich über den polizeilich in den Rücken «genotwehrten» Einrecher im Kremser Supermarkt ausgelassen hatte.

Er schrieb u. a. folgendes:
«Du malst einen Sachverhalt auf und man sieht einen kleinen Jungen, durchsiebt von Polizeikugeln, in einer Blutlache liegend, mit einem Lolly in der Hand.
Kein Wort von der Vermummung mit Sturmhauben oder der Bewaffnung mit Schraubenzieher und Gartenkralle.»

Da hatte er recht. Kein Wort davon. Warum? Weil es nicht wichtig war. Die Untersuchungen haben ergeben, dass der Polizist weder Gartenkralle noch Schraubenzieher gesehen haben konnte, da diese unter der Jacke steckten.

Gut. Weiter schrieb er:
«Kann sein, dass die Streifenbeamten mit der Situation überfordert waren. Kann sein, dass man taktisch anders reagieren hätte können. Kann sein, dass der Tod des Jungen hätte verhindert werden können. Aber als Beispiel für staatliche Willkür und Rassismus, taugt die Geschichte verdammt wenig. Doch der politische Mensch braucht immer ein Feindbild.»

Das stimmt auch. Zumindest zum Teil. Es ist aber nicht nur dieser eine Fall, sondern beinahe quartalmäßig werden in Österreich Leute von der Polizei erschoßen. Und niemand mag sich damit auseinandersetzen und die Verantwortung dafür übernehmen.

Ich zitiere mich – schändlicherweise – selber.
Aus «Das Flackern der Flamme bei auffrischendem Westwind» (2006)
– Innerhalb weniger Monate wurden in Wien 3 Männer von der Polizei zu Tode gebracht. Zwei starben durch Kugeln, einer wurde erstickt. Man fackelt nicht lange. Es bestand – so wurde später festgestellt – in keinem Fall die Notwendigkeit zu töten. Es kam zu Prozessen gegen die beteiligten Beamten. Die Urteile fielen ebenso lachhaft, wie – für die Angehörigen der Opfer – demütigend aus. Das überaus gnädige Urteil für einen Beamten, der einen mit Plastikflaschen bewaffneten Mann durch Schüsse in den Bauch getötet hatte, macht geradezu schwindeln: Der Richter folgte der Begründung des Verteidigers, der die Schuldlosigkeit seines Klienten damit argumentierte, dass dieser im Schusswaffengebrauch nicht richtig ausgebildet sei.
Aber die Republik ist nicht klagbar.
Der Faschismus im Rechtsstaat: Bilde die Beamten überhaupt nicht mehr aus! Seither ist mit allem zu rechnen. Man soll sich vorsehen. Keine Widerrede.
Ach ja, ich vergaß: Bei den Getöteten handelt es sich um die Adressaten des vielleicht doch nicht so speziellen Wienerrassismus: Der Tirk (Türke), der Bimbo (Schwarzafrikaner) und der Tschusch (Südosteuropäer).

Seither wuchs die Liste der Abgeknallten:
Ein Dealer, im Auto sitzend. Von hinten.
Ein Rumäne auf einer Autobahnraststation, ebenfalls im Auto sitzend. Auch von hinten.
Ein Motorraddieb. Von hinten.
Alles Notwehr?

Der Mann, der mir die Mail schickte, ist in gewisser Weise ein Privilegierter. Er ist nämlich Deutscher. Und es gibt kein mir bekanntes Land, das sich in den letzten 30 Jahren so erfolgreich Richtung Rechtsstaat und Coolness entwickelt hat, wie Deutschland. Man hat den alten Untertanengeist sehr erfolgreich gedimmt. Es gibt eine Öffentlichkeit. In Österreich gibt es «Krawallblätter» (© Hans Rauscher).
Das ist, finde ich, nicht ganz unerheblich.

Weiter war in der Mail zu lesen:
Egal Andreas, ich denke, dass du ein guter Mensch bist. Dich kotzt einfach nur der soziale Faschismus an, der in jedem zweiten Menschen steckt. Aber weder du noch ich werden die Welt ändern. Nicht mal zusammen. Und wenn doch, wird man uns vielleicht irgendwann mal erwischen, wie wir unsere eigenen Freunde foltern…als wären wir die Che´s aus Berlin und Wien…..

Nun, bin ich ein guter Mensch? Glaub ich nicht. Jedenfalls nicht mehr, als jeder andere, der sich ein wenig bemüht. Warum ich dann dauernd «rumkreische», wie das mal jemand ausgedrückt hat?
Purer Selbsterhaltungstrieb. Wenn’s durchgeht, dass man den «Bimbo», den «Tschuschen», den «Tirken» einfach konsequenzenlos niederballern kann, wie lange dauert’s wohl, bis ich, der ich vielleicht nicht gerade vor Ehrfurcht aus den Latschen kippe, wenn der Herr Polizeioberkommerzialhofrat mich anspricht, genotwehrt werde?

Ich habe nichts gegen Polizisten. Im Gegenteil. (Und das, obschon ich persönlich ein paar kannte und sie beim Gewichtestemmen und danach erleben durfte.) Sie haben einen oft heiklen, gefährlichen Job. Ich empfinde keinen Hass gegen sie. Warum sollte ich?
Es kann vorkommen, dass die Dinge beschissen laufen. Und es gehört zum Berufsrisiko eines Kriminellen, dass er eine Kugel abkriegen kann.

Aber es gibt auch etwas anderes. Und dies hat mir der Mann aus Deutschland ebenfalls zukommen lassen, nämlich die Worte David Kronenbergs :
„
«Die Basis ist eine existenzialistische Sicht der Realität. Das bedeutet: Es gibt keine absolute Realität. Es gibt nur ein oder zwei Tatsachen über das Leben: – die eine ist der Tod, eine weitere das Leben. Dazwischen müssen wir alles selbst erfinden und hervorbringen.»

Aber das ist nicht alles, das hat seinen Preis oder eine Prämisse:

«Die Verantwortung dafür ist ganz und gar unsere eigene, –niemand nimmt uns das ab.»“

Das war die Predigt für Freitag. Ab zum Gebet!

Ich bin Hitler!

Vor einigen Jahren bezeichnete der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger Saddam Hussein als Hitler. Enzensberger ist ein kluger Mann. Er wird sich etwas dabei gedacht haben. Aber was?
Ich war bislang der offenbar irrigen Ansicht, dass nur Hitler Hitler ist, und dass es für Saddam Hussein reichte, Saddam Hussein zu sein. Aber dem ist nicht so.
Eigentlich strunzdumm, dieser Sager. Aber Enzensberger gilt nun nicht gerade als Champion im strunzblöd daherreden. Also was?

Nun, es könnte sein, dass es wieder mal mit der guten, alten «Notwehr» zu tun hat.
Hitler ist so schlecht, dass selbst Satanas in der Hölle kalte Füße bekommt. Hitler war mächtig und böse. Im Kampf gegen Hitler ist alles erlaubt. Da gilt keine Genfer Konvention. Die Regeln der Fairness sind im Klo zu entsorgen. Hitler muss man treffen, bevor er einen trifft. Hitler muss genotwehrt werden, wo’s und wie’s nur geht, und zwar subito und mit allem was man drauf hat. Im Vergleich mit Hitler, sind alle anderen Opfer. Und Opfer dürfen alles.

Seit gestern haben wir einen neuen Hitler. Er heißt Oskar Freyinger und ist «der neue Hitler Europas». Er ist auch noch zufälligerweise Schweizer und von der SVP. Assan Tamimi vom Londoner Institut für islamisches politisches Denken hat ihn, im TV (Aldjasira) so bezeichnet. Und die Schweiz hat dazu auch noch «Das Tor zur Hölle für alle Muslime in Europa geöffnet…»
Hört, hört. Hier schreit ein Opfer. Es klagt an.
Freyinger antwortete: «Hitler hätte über die Minarette nicht abstimmen lassen.»
Das stimmte. Mit größter Wahrscheinlichkeit. War er nun doch nicht Hitler?
Doch er war es. Was war Saddam Hussein, der hunderttausende umbringen ließ, gegen einen Schweizer Politiker der eine Initiative mitlancierte?

Hitler sagte dann: «Es geht nicht um Muslime, es geht um Integration.»
Sowas konnte nur Hitler sagen. Nun war es absolut klar.
Und mir wurde schmerzlich bewusst, dass auch ich Hitler war. Irgendwie. Damit werde ich mich auseinander zusetzen haben. Alle können mich nun notwehren, wie es ihnen beliebt.

Der Tag ist nicht mehr fern, an dem es auch meiner kleinen Tochter offenbar werden wird.
Eines Abends, nachdem ich sie mit einem 1-stündigen Fernsehentzug bestraft haben werde, wird sie voller Wut zischen: «Papa, du bist Hitler! Zu sowas ist nur Hitler fähig!»
Ja, das habe ich nun davon, dass ich Schweizer bin, und das Tor zur Hölle geöffnet habe.
Das wird mir zu denken geben.
Irgendjemand muss es ja tun.
Assan Tamimi tut es jedenfalls nicht.
Er ist beleidigt. Er bereitet die Notwehr vor.

Das Wort zum Sonntag und Ben Becker

Gestern ging ich, wie beinahe täglich, an der Elisabethschule vorbei. Rechts davon befindet sich die Bank, und vorne die Kirche. Bank, Schule, Kirche: die Trinität des Abendlandes, die Dreifaltigkeit unserer Hemisphäre. Und was musste ich da sehen? Angepappt an die Lithfassäule, dort, wo vor einiger Zeit der Plakatständer mit: «Daham statt Islam» der FPÖ stand, den ich mit einem E-Mail an die Bezirksvorsteherin entfernen ließ; was stach mir da ins Holzauge wie der mit Curare vergiftete Pfeil eines ausgestopften Amazoniers?
«Ben Becker liest die Bibel».
Ben Becker, der sich für einen Schauspieler hält – Gott weiß vielleicht, warum -, tourt durch die Lande und liest dem geneigten Publikum aus der Bibel vor.
Damit des Glückes nicht genug, denn ich durfte ihn dann später noch im Fernsehen sehen, kurz bevor wir das 4-fach gemoppelte Wort zum Sonntag genießen durften, das man in Ösi-County eine Diskussion nennt. Zum Thema: Minarette, Islam, usw.
Das Ding war so entsetzlich lahm, dass ich mich auf der Seite von Andreas Mölzer fand, obschon sein Christen -und Heimatfimmel mir fürchterlich zuwider ist, aber auch zuwider war mir die ins Keifen driftende Stimme von Frau Vassiliakou, und das Geknete der rosa-fleischigen Metzger-Hände von Anas Schakfeh.
Aber wurscht. Wer Ben Becker mit der Bibel sieht, der hat auch alles andere verdient.

Ben Becker im Gespräch mit einem Herrn der Kirche. Ben Becker mit Hut. Ben Becker mit 4 (in Worten: Vier) Backgroundsängerinnen, und einem etwas unterbesetzten Symphonieorchester.
Man wurde das Gefühl nicht los, dass er sich für Nick Cave hielt, der die Offenbarungen des Johannes las. Aber er kam eher wie Andy Borg rüber, der als Joseph Beuys aufgebrezelt, aus den Memoiren vom Ratzinger Karl vortrug. Ach, was! Es gab schlimmeres. Nur was?

Ich dachte daran, was so ein Orchester mit 4 Backgroundsängerinnen auf Tour wohl so kosten könnt, all die Hotels und Dinners und Gagen und Taxis und Flüge und Duschgels und Klarinetteplättchen und Sektgläser und 4-fache Whiskeys und die kalten Buffets?
Ich kam damit nicht richtig weiter, aber eins wurde mir klar: Die Suche nach Erbauung musste groß sein. Was heißt hier groß? Enorm. Riesig. Massiv. Mega. Giga.
Nicht, dass die nach Erbauung Dürstenden sich die Bibel vom Regal krallten (so dort eine stünde), nein, sie zahlten massiv Eintritt um sich das Teil von einem Schauspieler-Imitator vorlesen zu lassen, wie kleine Kinder die Gute-Nacht-Geschichte.
Als ich mir das alles vergegenwärtigt hatte, war ich wieder mal soweit es mir einzugestehen: Alles, was auch geschehen mag, wir haben es verdient.

Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Urs Böke (*1975), lebt in Essen. Veröffentlichungen in D, A, CH.
Laut seinem Debutverleger Schweisthal «der einzige richtige
ruhrpott-rimbaud.» Ansonsten: Poetry, Rot-Weiss Essen, Zyankali.

Beute für die Ewigkeit

Außerhalb des Schattens liegt kein Getreide.
In dieser Stadt wächst heute nichts. Fünf Kinder
kommen zu viert nach Hause zurück.
Nirgendwo Eltern, die sich noch wundern.

Nah der Brücke ihre Kreidereste auf der Straße.
In der Köttelbecke ein Brief ohne Leser.
Anne sagt Es geht kein Butzemann mehr
ohne Kalashnikov vor die Tür. Es wird spät.

Im Radio hören wir ein Surren. Eine Mutter
vergewaltigt ihren letztgeborenen Sohn. Er ist 17
und muß sich von ihr frottieren lassen.
Seine Scham liegt blank wie kein Entsetzen.

Als der Tag dann geht, lösen wir die Spannung.
Im Fernsehen werden wir Zeugen des Alltags.
Ich weiß von nichts und buchstabiere Erlösung.
Diese Welt lebt in mir. Nicht andersrum.

Gastblogger Günther Rabl vermeldet:

Die Kommentare zu den «Notwehr»-Blogs waren nicht gerade überschießend, und vor allem bei «Notwehr-Demos» wollte sich erst niemand die Finger verbrennen. Das hat sich geändert.

Heute gibt es Texte des Songdog Autors, Musiker, Komponisten und Pilzesammlers Günther Rabl zu lesen.
Im Frühling 2009 erschien bei Songdog sein kleines, famoses, geist -und witz sprühendes Buch «MAIL FÜR HIOB».
Es gibt noch einige wenige Exemplare.
Los geht’s!

Sehrverehrte Redaktion !

Mit Entsetzen haben wir vernommen, dass der allseits beliebte österreichische Schauspieler Tobias Minaretti in der Schweiz ein Auftrittsverbot bekommen hat. Mein Mann hat sich daraufhin sofort erkundigt und von einer Cousine in St.Gallen erfahren, dass das aufgrund einer Volksverstimmung geschehen sein soll.
Wir können es einfach nicht glauben !
Ausgerechnet Minaretti, den wir seit vielen Jahrzehnten so sehr schätzen ! Alle Lassie-Filme, in denen er mitwirkt, haben wir auf Video !! Soviele schöne Abende hat er uns mit seinem unnachahmlichen Humor darin bereitet.
Wir sind aufrichtig erschüttert. Soetwas darf man sich als österreichischer Patriot, wie es mein Mann und ich sind, nicht gefallen lassen. Wir werden eine Petition an die schweizerische Justizministerin Ariadne Widmer-Schlumpf verfassen, die, wie man uns gesagt hat, doch auch selber schon oft in Zeichentrickserien mitgewirkt hat.
Wir hoffen dabei auf Ihre werte Unterstützung.
Mit vorzüglicher Hochachtung !
Waltraut u. Herbert Hryblicka, 1220 Wien

* * *

Bravo Schweiz ! Ein Marionettenverbot, auf sowas muss einer erst mal kommen, und dann auch noch im Parlament durchsetzen!! Na, da könnte sich unsere olle Bundesregierung gleich mal nach einem neuen Betätigungsfeld umschauen. Hoffentlich findet das auch hier an der Spree Nachahmung.
Wir rufen ein dreifaches Jawoll !
Kegelklub ‚Zum alten Fritz‘, Oberlausitz

* * *

Ich persönlich verwende Disketten ja kaum mehr. Meine favorite songs hab ich alle auf dem Ipod. Die Technologie schreitet unaufhaltsam voran und manches, das gestern noch der letzte Schrei war, gehört heute schon zum alten Eisen. Da muss man mitmachen, wenn man nicht hoffnungslos zurückbleiben will. Ein Diskettenverbot, wie man das jetzt von der Schweiz hört, halte ich allerdings für übertrieben. Aber eigentlich ist es mir egal.
Alex Vasdracil aka Aligator, Graz

* * *

Ich stamme aus einer traditionsreichen Schweizer Uhrmacherfamilie, in der religiöse Toleranz immer gross geschrieben wurde. Moderenen Ideen gengenüber sind wir stets aufgeschlossen, wenn sie sich mit unseren traditionellen Werten und unserem Brauchtum vereinbaren lassen.
Ich sehe grundsätzlich kein Hinderniss für die Errichtung eines Minarettes in unserer Ortschaft, solange man sich an die Bauverordnungen hält und sich das Bauwerk in das gewachsene Ortsbild einfügt. Ich hätte, sagen wir, kein Problem mit einem Minarett in Fachwerkbauweise, das mit Lärchenholzschindeln gedeckt ist und grüne Fensterläden hat, wie alle anderen Gebäude runderhum auch.
Den Gesang eines Muezins kann ich mir inmitten unserer ehrwürdigen Zinshäuser aber nur schwer vorstellen. Der Beginn der Gebetsstunden, für die wir grosses Verständnis haben, müsste da eher mit einem Juchezer oder durch ein Alphorn angekündigt werden.
Ferdinand Huegli jun., Appenzell

* * *

Also, das mit dem Fridattenverbot in der Schweiz kann ich einfach nicht nachvollziehen. Das klingt schwer nach einer Fehde innerhalb der Gourmet-Mafia, die uns wirklich nichts angeht. Dann nennen wir sie halt Palatschinkenstreifen !
Die Spezialitäten unserer heimischen Küche, die eine wichtige Voraussetzung für den Tourismus sind, lassen wir uns so nicht madig machen.
Remuald Trawöger, Haubenkoch, St.Pölten

* * *

Werte Redaktion !
Eine veraltete Nahkampfwaffe wie ein Bajonett hat an einem modernen Sturmgewehr nichts verloren. Auch in der Nahverteidigung bedient man sich heute ganz anderer Methoden, in denen neue, saubere Technologien, wie zum Beispiel Laser oder Pfefferspray, zum Einsatz kommen. Ein Bajonettverbot, zu dem sich die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung durchgerungen hat, ist daher aus militärischer Sicht nur zu begrüssen.
Oberstleutnant Semmler, Berg Isel

* * *

Gerade in einem gebirgigen Land wie der Schweiz, ist binaurales Hören ganz wichtig. Nur so können die vielfältigen Echoerscheinungen richtig gedeutet werden und ist eine sichere Orientierung in unserer schönen Landschaft möglich. Natürlich müssen wir in Zeiten wie diesen sparen, wo wir nur können. Aber mit einem Binauralitätsverbot sparen wir an der falschen Stelle. Es gibt so viele andere unnötige und geldaufwendige Gewohnheiten, die wir getrost weglassen könnten: Das Rauchen von zwei Zigaretten gleichzeitig, um nur ein Beispiel zu nennen. Hier müsste man einmal beginnen !
Dipl. Ing. Schausgruber, Schruns

* * *

Es ist beleidig das Minotauros und Labyrinth in Schweizer Unternehmen der Hotel verkauf werden sollen. Minotauros ist der Markenstein von das Kreta. Dort gehört es dort und es soll dieses bleiben. Von den allen anderen Meinung ist es die Meinung, dass die Schweiz geteilt werden soll ihre Anliegerstaat.
Vlakis Polymeridis, Iraklio

* * *

Es ist erwiesen, dass unsere Jugend immer dicker wird. Viele ernsthafte Studien belegen diese erschreckende Tatsache. So lag zum Beispiel das durchschnittliche Verhältnis von Körperbreite zu Körpergrösse bei den unter Fünfzehnjährigen im 19.Jahrhundert noch konstant bei 10%. Ab der Mitte des 20.Jahrhundert stieg das Verhältnis sprunghaft auf 35%. Nach den Prognosen namhafter Marktforschungsinstitute wird es 2025 die 100%-Marke erreicht haben, wenn wir nichts dagegen unternehmen ! In diesem Sinne ist ein Nougettenverbot, wie es das Schweizer Gesundheitsministerium empfiehlt, zwar lobenswert, aber doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Man muss die Ursache bei der Wurzel finden !
Mag. Gudrun Winterbichler, Tamsweg

* * *

Wie ich höre, sollen die Baguette in die deutsche und in die italische Schweiz verbot werden. Das finde ich richtisch. Die Deutsche und die Italier könne back gute schwarz Brot, aber back eine gute Baguette, dass sie könne nisch.
Jacques Bretzlinger, maitre boulanger, Neuf Chatel

* * *

Nur dem tatkräftigen Einsatz unserer Burschenschaft ist es zu verdanken, wenn heute nicht Halbmonde anstelle der Gipfelkreuze auf allen unseren Berggipfeln prangen. Nun bedroht eine neue Attacke islamischer Fundamentalisten und ihrer linken Sympartisanen unsere christlichen Werte. In unserem Bruderland will man alle Kirchtürme durch Minarette ersetzen ! Wir werden auch das zu verhindern wissen. Und wir werden nicht ruhn, bis endlich auch der Halbmond am Firmament seine angestammte Kreuzform wiedererlangt.
Wotan Stricherl, Bruderschaft zur Ewigen Paranoia

* * *

Wir werden nicht ruhen, bis unsere Kamele in den saftigen Oasen von Helvetien weiden und ein Elefant das Wappen der Metropole Bernuntum ziert !
Hannibal, Feldherr, Karthago

* * *

Kunden, die sich für Minarette interessiert haben, haben sich auch für folgende Produkte interessiert:

Der Koran – in einer Neuübersetzung durch Martin Buber
Die Welt der Moscheen – ein etwas anderer Reiseführer
Mini-Set – alles in einem
Manierismus – Knaur’s Kunstgeschichte Bd.33
Minimalismus – Knaur’s Kunstgeschichte Bd.2
Minotaurus – Mythos oder Wirklichkeit ? Taschenbuch
Florettfechten für Anfänger, Perlenreihe
Unterm Halbmond – beliebte Märsche (2 CD-set)
…..

Notwehr-Demos unterm Halbmond

Die Schweiz hat wieder einmal bewiesen, dass Timing ihr Ding nicht ist.
Jetzt hat der Souverän des Alpenstaates doch glatt durchgesetzt, dass ein Minarett-Verbot in der Verfassung festgeschrieben wird. Die Empörung ist allerorten groß. In Schweizer Städten wird fremdgeschämt was das Zeug hält, und in den islamischen Ländern werden von den regierungen Notwehr-Demonstrationen verordnet.
Das muss man verstehen.
Denn just in dem Moment, wo der sanftmütige und grundgütige Revolutionär Ghaddafi seine Schweizer Gäste business-class-mäßig nach Hause entlässt, in allen muslimischen Ländern christliche und jüdische Gotteshäuser nicht nur gebaut, sondern auch erwünscht sind; der feinsinnige Kunstfreund aus dem Iran, Herr «ich will doch Israel nur vernichten»-Ahmadinejad sein Atomprogramm das Klo runterspült, die Todestrakts mit den politischen Oppositionellen öffnet, jetzt wo die Beschneidung der Frauen ab sofort eingestellt und die Burka in europäischen Städten abgelegt wird, ja, und sogar eine Bibel im Gepäck eines Touristen kein Grund mehr ist, in den Knast zu wandern, jawoll, genau zu diesem Zeitpunkt, wo islamische Konvertiten in Pakhistan und Afghanistan nicht mehr des Todes sind, justament jetzt kommt das unselige Bergland daher und stellt die alte Asymetrie wieder her. Nur halt verdreht.

Man weiß nicht, was die Eidgenossen da geritten hat.
Da wird die Außenministerin wieder zu Kreuze kriechen und antichambrieren müssen. (Aber darin hat sie ja Übung.) Die Industriellen werden schäumen und sich die Politiker vorknöpfen.

Und in den muslimischen Ländern wie Ägypten und Indonesien wird man wohl ein paar Notwehr-Demonstrationen abhalten müssen, um der Welt zu erklären, wie beleidigt man ist.
Beleidigt ist man ja immer, man erklärt es nur nicht so oft.
Vielleicht müssen ein paar Schweizer Fahnen brennen und ein paar Steine und so, auf die Botschaften fliegen, nur so zum Zeichen, um zu zeigen, dass man voll friedlich ist. Niedliche Notwehr-Demos, eben.

Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Jörg Herbig (*1975) kommt selten zum Reisen, und deshalb träumt er sich oft weg. Manche seiner Tagträume hält er anschließend in Liedern, Erzählungen, Zeichnungen und Hörspielen fest. Aber seine Gedichte, so sagt er, hätten häufig einen Tagebuch-Charakter.

Auf dem Opernplatz

Trotz Eiseskälte treiben sich
Ein paar Skater auf den Treppen
Herum, springen die Stufen
Herunter, rutschen das Geländer
Entlang, stürzen zu Boden, stehen
Auf, wischen sich den Schweiß
Von der Stirn, trinken Wasser
Am Brunnen veranstalteten
Exil-Iraner eine schwach besuchte
Kundgebung gegen die Unterdrückung
Der Frauen in ihrem Heimatland
Plakatwände informieren über die
Hintergründe, die Teilnehmer sind
Leise, halten nur ihre Schilder hoch
Vor der U-Bahnstation begrüßt ein
Großer Mann eine kleine Frau mit
Einem langen Kuss, anschließend
Überreicht er ihr ein Geschenk
Lächelnd verschwinden sie Arm in Arm
In Richtung Wohngebiet, weg von den
Straßencafés, weg von der Einkaufsmeile
Kaum ein Mensch interessiert sich für
Den anderen, nur den Überwachungskameras
Hoch über den Köpfen der Passanten
Entgeht nichts…

Der Notwehr-Hass-«Schang» in Wien

Jean Ziegler ist ein guter Mensch. Vor dem «Gutmensch-sein» bewahrt ihn etwas, das nicht so gut ist, und seiner Güte das Beste beschneidet: Ideologie. Man könnte auch sagen, Jean Ziegler ist die Alice Schwarzer der Armen.

Nun war er also in Wien und predigte den «vernünftigen Hass» auf den Westen. Vernünftiger Hass. Der ist gut. Als würde man von «gemütlichen Massakern» sprechen oder «friedliebender Aggression». Bullshit. Schang Ziegler hat kein Abo auf Nonsens-Sprüche, aber doch einige davon auf Lager. Sein Werk besteht genau genommen, aus Anekdoten.
Eine seiner Lieblingsanekdoten ist jene, als Che Guevara in Genf war, und der junge Schang ihn in der calvinistischen Bankenmetropole herumkutschierte und dem Che gestand, dass er auch ein kämpfender Revolutionär sein wolle, um die unterdrückten Völker Lateinamerikas zu befreien. Darauf hatte Che weise geantwortet, dass sein Platz hier sei, inmitten dieser Geldpaläste, und er die Revolution hierher tragen soll. Das tat er dann auch. Und tut es immer noch.
So enstanden eine Reihe Bücher.

Schang Ziegler ist ein lauter, leidenschaftlicher Mann, der gerne alles wiederholt. So entsteht der Eindruck, dass seine Sätze bereits abgepackt sind. Die meisten haben ihr Ablaufdatum schon überschritten, andere müffeln schon ein wenig. Und so verfährt er halt wie jene Supermärkte, die das abgelaufene Hackfleisch frisch verpacken und eine neue Etikette draufpappen. Merkt eh niemand, bei der herrschenden Fleischgier. Und schaden tut’s auch nicht, solange man das Zeug noch einmal richtig erhitzt.

Herr Ziegler sprach im besetzten Audimax zu den Studenten. Die mochten ihn. Als Ideologe hat er auf alles Antworten, auch wenn sie vielleicht Faktenmäßig herausgefordert sind, und einige so falsch, dass nicht mal das Gegeteil davon wahr ist.

Am Mittwoch abend war Herr Ziegler in den «Club 2» geladen, wo über den «Hass auf den Westen» diskutiert wurde. Es war sehr interessant zu sehen, wen die Redaktion für den «Nicht-Westen» hielt. China, Indien, Russland, Süd-und Zentralafrika, das war alles Westen. Nicht-Westen war, tja, was wohl? Genau. Die arabischen Länder. Nordafrika und der nahe Osten. Und so waren auch die Diskussionspartner geladen: Außer Ziegler auf seiner Couch: Karim El-Gawahry ORF-Korrespondent in Kairo, der iranische Schriftsteller Bahman Niramand; als Neutraler sozusagen im Sessel, der Ost-Korrespondent Fritz Orter, und als «Westen», der «Standard» Journalist Eric Frey und Barbara Kolm vom Hayek-Institut. Fein.
Und so dauerte es gefühlte 3 Sekunden, bis der Fernsehzuschauer bereits Gaza, Massaker, Palästina, Israel, Kriegsverbrechen zu hören bekam.
Hatte irgendjemand etwas anderes erwartet?
Ich nicht.
Die Linke liebt den Zionismus. Da ist nach 89, wenigstens noch ein Fetzen Fleisch auf dem Knochen geblieben. Da gibt’s noch was zu benagen.

Ziegler redete dann auch nicht soviel, weil ihm Frey und die Hayek-Lady in die Parade fuhren und einige Facts zu seinen Anekdoten und Wiederholungen beisteuerten. Dafür kamen der ägyptische ORF-Mann und der iranische Schriftsteller gut zu Wort, und so durften wir erfahren, dass WIR an allem schuld sind. Ganz besonders fein war das Bekenntnis des Schriftstellers, dass die Amis ihn, über die Ami-Marionette Schah, daran hinderten, im Iran westliche Denkungsart zu verbreiten. Nun, bei Chomeni und Ahmadinejad gings dann irgendwie auch wieder nicht, und da waren auch die Amis und der Westen daran schuld. Vermutlich auch an der Vertreibung Bani Sadrs. Eigentlich an allem. Die ewige Klage des Islam.
Mich erinnern diese Elegien immer an das Stück «Arbeit macht frei» des Akko-Theaters, in dem Moni Youssef sagte: «Israel is the best soccer-team of the world, and I don’t know, why we always loose».

Will ich damit etwa sagen, dass im Westen alles paletti ist? Mitnichten. Aber Ideologie ist einfach Scheiße!
Und für die Sklaverei waren auch nicht nur die bekackten, grausamen Weißen verantwortlich. Es waren auch Schwarzafrikaner, Brüder, die ihnen andere Schwarzafrikaner zuführten und verkauften. Auch Frauen waren glühende Nazis gewesen.
Und viele Antifaschisten hatten Pistolen in ihrer Schubladen, weil sie wussten, dass sich der Faschismus nicht nur mit guten Worten bekämpfen ließ. Gut, das gehört nicht hierher.
Aber irgendwie doch.

Notwehr-Hämorrhoiden

Seit gestern ist die Welt eine bessere. Die Nachrichten sind voll der frohen Kunde. In der Schweiz ein bisschen voller als anderswo, aber auch hier und in Germany, ist man frohen Herzens.
Roman Polanski ist frei!!!
Nicht frei eigentlich, aber gegen 4,5 Millionen CHF Kaution, in sein Chalet ins schöne Berner Oberland entlassen. Die schnöde Justiz hat sich erweichen lassen den schnöden Auslieferungsantrag der schnöden Amis auszusetzen, auf die Wartebank zu schieben.
Machen wir ein Fass auf, Freunde des alkoholiserten Jungmädchen-Sex!

Schon bei seiner Verhaftung in Zürich, warf sich die ganze Kulturerei in die Bresche und verlangte von der Justiz, sie möge doch nicht walten, wie sie zu walten habe, sondern…irgendwie anders tun, halt. Schliesslich ist Polanski ein Genie! Und die Sache (Vergewaltigung einer Minderjährigen) schon mehr als dreißig Jahre her, und selbst das Opfer verlange nur noch nach Ruhe und nicht nach Gerechtigkeit, und außerdem habe die Sache ein Gschmäckle, weil gerade die Auseinandersetzung Schweiz-USA in Sachen Bankgeheimnis stattfinde, und es sei eine Schande für das Land, und man könne doch nicht, und andere Länder hätten auch nicht, und so weiter und so fort, ein vielstimmiger Chor der Empörung erhob sich, und das hatte schon was, aber ich fragte ich mich auch, was, wenn ich zum Beispiel das Arschloch gewesen wäre, der die Kleine mit Dope und Boose gefügig gemacht hätte? («Alte Männer wollen jungen Mädchen ficken.» R.Polanski)
Oder ein anderes, unberühmtes Arschloch?
Gelten die Gesetze für berühmte Arschlöcher nicht so sehr, wie für unberühmte, normal verhämorrhoidete? War es das, was uns die Kulturnis mit ihren Aufrufen sagen wollten? Auch wenn’s z.B. die eigene Tochter gewesen wäre?
Und als kleine Zwischenfrage: Sollte man denn die Schweizer Beamten in ihrem Pflichtgefühl unterschätzen?

Jedenfalls zeigte uns gestern 3Sat den erleichterten Grass-Bücher-Verfilmer Volker Schlöndorf, der nicht müde wurde zu betonen, dass es «Zum Lachen wäre, wenn es nicht zum Weinen ist». Dabei lachte er bereits die ganze Zeit über, und befand, dass Herr Polanski doch auch minderjährige Kinder habe, und man doch bitte, bitte, an die denken solle, wenn man deren Vater wegsperre, da solle man doch gefälligst anfangen…
Gut gesagt, fürwahr, ein Modell, wie man auch in künftigen Verbrechensprozessen verfahren könnte, das war ausbaufähig. Freiheit für Kinderficker mit eigenen Kindern! Zum Beispiel.
Aber mit Menschen die Bücher von Günther Grass verfilmen, muss man ein wenig nachsichtig sein und sie nicht gleich überfordern.

Nun, die Sache ist für Roman Polanski noch nicht durch.
Ich möchte nicht, dass er sein Leben im Gefängnis beendet. Das wäre ein Jammer.
Aber, so sind die Gesetze in diesem Leben: Man muss sich den Konsequenzen seiner Taten stellen.
There’s no other way out!
Auch wenn man berühmtere Hämorrhoiden hat, als ich und andere Arschlöcher.
(Dabei hab ich nicht mal welche!)