Über das Frühstück

Ein Soziopath meiner Provenienz besteht zu 2/3 aus Ablehnung, und das restliche Drittel aus verweigerter Zustimmung. Im Grunde bin ich gegen alles. Sei’s drum. Aber gegen etwas bin ich ganz besonders: Gegen Sonntagsbrunch in WG’s und Zusammenkünfte von Eltern. Da fühl ich mich nachhaltig gestört. Besonders, wenn die beiden Anlässe zusammen fallen. Das tun sie glücklicherweise nicht. Wenigstens nicht mehr in meinem Leben.

Ich hege einen gesunden Hass gegen Menschen, die sich nach dem Aufstehen, gleich nach dem Wasserlassen, den Bauch voll schlagen können. In unseren Breiten tut dieser Mensch das gerne mit Milchprodukten. Die Menschen riechen noch sauer, das Milchzeugs riecht sauer, und Butter ist nichts anderes als erstarrtes Fett. Der Anblick einer Frühstückstafel ist für mich nur schmerzfrei zu ertragen, wenn über all das weiße und helle Zeugs, das man verschiedenen Paarhufern abgezapft hat, das basische Rot des Blutes vergossen würde, das aus den vielfachen Wunden hervorschießt, die dem Rehposten aus meiner Lieblingsschrotflinte zu verdanken wäre. So sieht’s aus.

Das einzige Frühstück, dass der Rede wert ist, kommt aus Bayern: Weißwurst, Brezn, Reparatur-Halbe. Das hinterlässt kaum Spuren. Und die gekringelte, erkaltete Weißwursthaut hat nicht nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Pariser, der seinen Job bereits erledigt hat, sondern regt überdies zum Nachdenken über die letzte aller Fragen an: Was bleibt schlussendlich von uns.

Und jetzt schaut euch mal die vom WG-Brunch an!

Über die Hilfsbereitschaft

Leute meiner Generation haben ordentlich was an Regeln und Werten aufgepackt bekommen. Leute meiner Generation haben diese Werte und Regeln erst mal in ihre Haschischpfeifen gestopft und geschaut, ob das Zeug auch brennt und/oder einfährt. So wurde die Bürde der Regeln und Werte sofort leichter, und dann, mit der zunehmenden Erfahrung, wieder etwas schwerer. Nicht mehr ganz so schwer wie zu Beginn, aber doch. Unter Umständen – und so ergeht es mir, wurden die Regeln und Werte zahlenmäßig dezimiert. Es gewannen aber einzelne so an Masse, dass das Paket nun insgesamt schwerer wiegt, als am Start. Nun ja. Pech gehabt. Oder auch nicht. Denn diese Regeln und Werte sind sozusagen Marke Eigenbau.

Eine davon heißt: Hilfsbereitschaft. Und als Bibelfester weiß ich, dass im Neuen Testament steht: «Bittet, und es wird euch gegeben.» Das habe ich als richtig erkannt. Und selbst der große Henry Miller hat sich in seinem «Wendekreis des Krebs» darüber ausgelassen, und kam zum selben Schluss. Nicht fordern, verlangen, heischen, erpressen usw. sondern einfach: bitten.

Dann gibt es noch den Dylan Song «The Ballad of Frankie Lee and Judas Priest», dessen Conclusio mich ebenfalls überzeugt hat:

Well, the moral of the story,
The moral of this song,
Is simply that one should never be
Where one does not belong.
So when you see your neighbour carryin' somethin',
Help him with his load,
And don't go mistaking Paradise
For that home across the road.

Also halte ich es ebenso. Ich meine, wer würde schon die Aussagen von Jesus, Henry Miller, Bob Dylan und Niedermann in Personalunion, in gröbere Zweifel zu ziehen wagen? Vermutlich jeder. Aber wurscht.

Ich denke immer wieder mal über einen Thriller nach, dessen Protagonist ein ziemlicher fertiger Kerl ist, abgebrüht, hart und spröde wie Keramik, egozentrisch, korrumpiert; einer, der jede Todsünde auf dem Kerbholz hat und dessen Werte des menschlichen Zusammenlebens auf einen einzigen eingedampft wurden: Nie und niemals jemanden abzuweisen, der ihn um Hilfe bittet.

Es könnte interessant sein, sich anzusehen was so einem zustößt, und wie er sich dabei aus der Affäre zieht.

Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Marc Sambesi schrieb dieses Gedicht über den afro-amerikanischen Schriftsteller James Baldwin. Er war u. a. ein Freund des Dichters Harold Norse, der wiederum ein Freund von Charles Bukowski war. James Baldwin war homosexuell. Und schwarz. Nicht gerade ein Zuckerschlecken im Amerika der Fünfziger Jahre. Es wird (hoffentlich) noch einige geben, die sich an ihn erinnern…

James Baldwin

Männer und Frauen
Südstaaten und Südfrankreich
Charlton Heston und Marlon Brando
Vorallem aber James
Hast du dazu gestanden
Nicht wie Hem oder Faulkner
Vielleicht war deine Schreibe
Deswegen auch immer ein Tick besser

10 (fast ernst gemeinte) Tipps für gutes Schreiben

1. Beherzige keine Ratschläge. Außer die von Ray Chandler, dem Champ.

2. Lerne Disziplin und betrinke dich, wann immer du es für angebracht hälst.

3. Lerne eine Kampfsportart, aber kein Karate.

4. Versuche deinen Hass unter Kontrolle zu bringen, und tob dich vor der Arbeit auf Onlineforen aus.

5. Schau dir hin und wieder Pornofilme an und studiere alle Kategorien. Dadurch lernst du viel über die Interessen deiner Mitmenschen.

6. Lege die Waffe neben das Schreibgerät.

7. Sperre niemals die Kinder aus. Sieh nur zu, dass sie nicht an deine Waffe kommen.

8. Sei dir allzeit gewiss, dass es kein Schwein interessiert, ob du schreibst oder nicht.

9. Sei immer hilfsbereit. Wenn dich jemand um etwas bittet, gib es ihm. Sofort.

10. Beherzige keine Ratschläge. Nicht mal die von Ray Chandler. Schreib, und schick keine Manus herum.

Ich bin…

Ich musste den Blogeintrag «Ich bin katholisch», nach den letzten Äußerungen des persönlichen Papsthasspredigers «Cappalaminggia» aus dermatologischen, und anderen Gründen der Psychohygiene, löschen.

«Mir kann keiner» von Florian Günther

Mein befreundeter Kollege Peter Engstler suchte nach der Lesung einige Bücher zusammen, eines nahm er aus dem Stapel und gab es mir. «Musst du lesen. Das wird dir gefallen. Ein großer Humanist.»
Er sagte noch einiges anderes, aber daran erinnere ich mich nicht mehr, weil ich bereits meine Nase in dem Buch hatte.
Es heißt: «Mir kann keiner» von Florian Günther.
Nun ja, es ist das, was man als Lyrik bezeichnet oder Poetry oder Gedichte und zwar von der Sorte, die Jörg Fauser einmal «komprimierte Kurzgeschichten» genannt hat. Gedichte, die Fausers eigenen sehr ähnlich sind, jenen Bukowskis, Doblers oder auch denen des früh verstorbenen Christoph Derschau.
Ich las die Gedichte dann am nächsten Tag in der überfüllten Regionalbahn, sonntags, von Schweinfurt nach Nürnberg, während der Kinderwagen eines Punkerpärchens, das gerade die Omi im schönen Haßfurt besucht hatte, auf meinem Fuß parkte. Ich las die Gedichte im überfülltesten Zug meines langen, dummen Lebens, und ich sage euch, sie haben mir, einem mitunter unbeherrscht klaustrophoben Misanthropen geholfen, diesen Trip zu überstehen.
Florian Günthers Worte sind wahr. Und jedes einzelne von ihnen tönt. Und es steht auch nicht eines zuviel auf dem Papier, und auch keines zu wenig. Um was geht es in diesen Gedichten? Er soll es uns gleich selber sagen: «… Alltag. Tod. Gewalt. Verlotterten Hausfrauen. Leuten, die unten sind und trotzdem lachen. Betrug, Versöhnung, Nutten. Dem Ringen um Würde in einer würdelosen Zeit…»
Und damit ist auch klar, dass es sich hier um Großstadtlyrik handelt, um einen Berliner Dichter aus dem Osten der Stadt.
Günther hat etwas, das nicht gerade mit dem Jauchewagen ausgebracht wird: Authentizität. Aber das ist irgendwie müßig zu erwähnen. Ich tue es trotzdem. (Auch die guten Dinge müssen immer wieder gesagt werden.)
Außerdem ist Florian Günther ein cleverer Dichter, einer der nicht rumjammert und die «Situation und die Stellung der Lyrik innerhalb des Literaturbetriebs» beklagt. Im Gegenteil. Er nimmt die Sache selbst in die Hand. Seine Bücher, deren 5 bisher erschienen sind, hat er selber verlegt und vertreibt sie in der Edition Lüük Nösens. www.edition-luekk-noesens.de
Das ist gut. Wie seine Gedichte.
Eine große, wahre Freude.

Neulich, in der Trottel-Hölle

In der Schweiz wurden kürzlich Priester, die des Kindesmissbrauchs beschuldigt werden, verhaftet. Hier, in Ösi-County, ist Kindsmissbrauch nur ein Offizialdelikt wenn die Täter die Richtigen sind, also zum Beispiel keine katholischen Amtsträger. Das ist halt so.

Dafür bestellen die Bischöfe eine «unabhängige» Opferschutzbeauftragte, die ehemalige Landeshauptmännin Waltraud Klasnic, die vor einigen Jahren wegen Mauscheleien mit adligen Zoobetreibern und ein paar Millionen Steuergeldmiesen, ihren Steirerhut nehmen musste. Die «unabhängige» Opferschutzbeauftragte wird natürlich von der Kirche bezahlt, und ist außerdem im Verein irgendwelcher «Freunde des Priestereminars der XY» engagiert.

Nun, in jedem demokratischen Land würde diese Meldung sofort als Satire entlarvt. Aber in Österreich gibt es keine Satire. Auch wenn es Burschen und Mädels gibt, die sich als Satiriker bezeichnen und sich in der «ZEIT» über ostdeutsche Arbeitsimmigranten lustig machen. Aber es ist weit und breit keine Satire zu erkennen, außer der einen, realen.
Manch einer mag sich fragen, warum dem so ist? (Viele werden es nicht sein.)

Nun, es ist so, weil sowas für ganz normal gehalten wird. So wie es hierzulande auch normal ist, wenn ein Beamter, der einen mutmaßlichen Dealer von hinten zu Tode genotwehrt hat, diesen Fall auch selber untersuchen darf. Ist doch logisch. Kennt doch kein anderer besser die Faktenlage, oder?

Tja, Freunde, so lebt es sich in der Trottel-Hölle ziemlich gemütlich. (Außer man wird gerade von einem Prachtexemplar der kirchlichen Erziehung gevögelt oder zu Boden geschlagen. Aber das ist halt so. Kann man nix machen.) Es ist eine gemütliche, warme Hölle. So eine Art Hölle-Wellness. Da der Brennstoff,mit dem diese Hölle befeuert wird, nur aus dem normalen Grips, Demokratieverständnis, eigenständigem Denken, Anstand, und dem Peinlichkeitsempfinden gewonnen wird, gibt es auch nicht irre viel Heizmaterial ins Höllenrohr zu schieben, und so ist es toll-supi-gemütlich-plüschig-warm. Und die Aspacher «3 Bierbesteller» haben sich auch schon für ein Ständchen angekündigt. Big-Teil! Oder so.

Na ja, die Opfer sind halt ein bisschen angepisst. Aber was soll man machen? Wir sind doch alle Opfer. Am meisten die missbrauchenden Priester. Was die jetzt wieder alles aushalten müssen! An medialer Verurteilung. Wie, zum Beispiel, dieser…

P.S. Ein Evergreen in der kirchlichen Vertuschungsstrategie ist auch immer wieder das Bibelsprüchelein: «Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.»
Ich sage: Nur her mit den Kieseln.
Irgendjemand muss ja mal was tun…

Sunday moaning comin‘ down – Poetry

Nach einer kleinen Unterbrechung geht es wieder weiter mit «Sunday moaning…»

Keine One-Trick-Ponys

Mir hat immer gefallen
wenn ein Dichter oder Künstler
noch etwas anderes
konnte.
z.B. Pferde züchten, Gitarren bauen
Schiffe navigieren oder
Töten.

Mich beeindruckt ein Bursche
wie Sokrates
der konnte einfach alles
oder Lino Ventura, der Ex-Ringer,
der an einem Nachmittag
70 Bäume fällte.

Die anderen sind
One-Trick-Ponys.
Auch nicht schlecht.

Aber den Bizeps                                                                                                                                             von Steve Earle                                                                                                                                              dem Countrysinger
finde ich nun mal
um Klassen
besser
als der von
Arnold Schwarzenegger
dem Governor.

Der Säumer und sein Esel «Négrr»

Neulich hatte ich die Geschichte von einem Esel und seinem Säumer gehört, damals, als ich im Berner Oberland handwerkerte. Der Esel soll eher von dunkler Farbe gewesen sein und deswegen nannte man ihn «Neger». Aber das erste «e» in Neger wird im Dialekt wie das 1. «e» in «weggehen» betont, und das zweite sowieso nicht ausgesprochen. Also hieß er «Négrr». Jedenfalls hatten «Neger» und sein Säumer teure Fracht vom Tal nach Wengen zu befördern, also richtig wertvolles Zeugs und auch sehr viel davon, und Neger hatte irgendwann keinen Bock mehr den Esel zu machen und warf ab. Alles runter und rein in die Steilheit des Geländes, wo die Fracht «vertrohlte». Der Säumer sah sich die Bescherung an, und sagte dann zum Esel: «Lue eis Négr, was du gmacht hesch!» («Jetzt schau nur, Neger, was du getan hast.») Und das soll er gesagt haben, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen.

Nun, eigentlich wollte ich nur erzählen, dass ich gestern Nacht der Verleihung des Grimme-Preis beigewohnt habe, wo ein Klassenkamerad und Schulfreund aus dem Berner Oberland ausgezeichnet wurde: Der Regisseur und Drehbuchautor Markus Imboden.

Und warum, zum Teufel, tu ich es dann nicht?

Ich gratuliere herzlich und freue mich sehr! Weiter so!

Eins für die Tierschutz-Populisten

Ich bin ein Aficionado des Stierkampfs. In Tat und Wort und Bild.
Seit es ihn gibt, soll er abgeschafft werden. Aber man hat es über all die Jahrhunderte nicht hingekriegt. Beim Stierkampf geht es um Tod, das Leben, Eleganz und Stil in Todesgefahr. Um den Triumpf des Menschen über die Urkraft der gefährlichsten Kampfmaschine dieser Welt. Stierkampf ist, wie Boxen, kein Spiel und keine Show, sondern blutiger Ernst. Er ist nicht Fußball oder Tischtennis. Er ist ein Drama, und er endet mit dem Tod des Antagonisten. Im besten Fall nur mit dessen Tod. Aber all das ist hinlänglich bekannt.

Nun möchte man ihn wieder mal abschaffen. Diesmal sind es katalanische Tierschützer. Und Deutsche. Deutsche wollten den Stierkampf schon immer tilgen. Keine Ahnung, warum. Bei den Katalanen liegt der Fall etwas anders: Den Katalanen bedeutet der Stierkampf schon traditionell nicht viel, bis überhaupt nichts. Warum wollen sie ihn dann abschaffen? Vielleicht um den verhassten Spaniern einen reinzuwürgen? Vermute ich mal. Katalanen gelten gerne als die «Deutschen» der iberischen Halbinsel.

Nun gut. Stierkampf ist nicht jedermanns Sache. Und daher macht es sich gut, wenn man ein paar nackte Mädchen, mit Banderillas bestückt, auf einer Plaza platziert, um gegen das Drama in der Arena zu protestieren. Das ist hübsch anzusehen. Gefiel mir auch ausnehmend gut. Aber es ist einfach nur Populismus.

Denn: Jeder verdammte Stier der in der Arena getötet wird, hat es im Leben und auch in seinem Tod noch tausend Mal besser, als das von allen Göttern verlassene Vieh, das um des Profites Willen, durch ganz Europa gekarrt wird. Oder all die Schweine, die hier in Österreich, Deutschland und der Schweiz in engsten Verschlägen und in Finsternis ihrem maschinellen Tod entgegen siechen, damit der Ösi, der Eidi und der piefkinesische Tierschützer und Stierkampfgegner, ein billiges Schnitzel neben die Pommes gelegt bekommt.

Es ist dies mit ein Grund, warum ich fast vegetarisch lebe.
Also ihr stierkampfgegnerischen Tierschützer: Schaut ihn eure Ställe, auf eure Teller und auf eure Straßen, wenn euch am Wohl der Tiere liegt, und verschont mich mit diesen albernen Kampagnen, die aus den Thinktanks der Rechtsnationalpopulisten entfleucht sein könnten.
Olé!