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Gut, zugegeben, gestern war Fußball (nicht Handball!) und ich genehmigte mir ein halbes Stündchen und sah zu, wie meine Lieblingsmannschaft die Old Boys aus Down-under vernaschten. Halbes Stündchen ist genug. Wie die meisten Romane, sind auch die meisten Fußballspiele zu lang, und ich trete in der Literatur wie im Fußball, vehement fürs Kürzen ein.

Ich votiere für ein Fußball-Lektorat. Man sieht sich die ersten 20 Minuten eines Spiels an und entscheidet dann über dessen Gesamtlänge. Ein intelligentes, leidenschaftliches Kicken darf ruhig 90 Minuten dauern. Für die anderen gilt, was Friedrich Dürrenmatt über die Bücher von Günther Grass verlautbaren ließ: «Grass ist mir zu wenig intelligent für solch dicken Romane.» Und für die dünnen auch, möchte man hinzufügen.

Dann sah ich noch 1 Minute einer Sendung, in der es um den kürzlich verstorbenen Theatermacher Peter Zadek ging. Ich hörte dem Schauspieler Gerd Voss zu, der über Trauer und Verlust sprach, und wie ihm Zadek abging. Dann hörte ich noch Paulus Manker reden, das Genie aus Genienreich, und es sprach wie ein Schirennfahrer, ein Ösi-Fußballer oder ein anderes Mitglied dieser großen Sportnation; es sagte: «Man kann stolz darauf sein, mit ihm gearbeitet zu haben, aber jetzt muss man nach vorne schauen.»

Zadek kann noch im Jenseits stolz sein, mit Manker gearbeitet haben zu dürfen.

Es gibt ein Buch von den Mitscherlichs. Es heißt: Die Unfähigkeit zu trauern.

Es sollte in jeder österreichischen Schule zum Pflichtstoff gehören.

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Der Handball-Europameister 2004 im Fußball, Griechenland, verlor gestern gegen die fußballspielende Mannschaft aus Südkorea. Das ist ein Grund zur Freude. Die anderen Spiele waren eigentlich nicht der Rede wert, wie mir die Blitzzapps immer wieder bestätigten: Handball in Reinkultur! Und alle hofften auf einen genialen Einfall der Kreisläufer, wie Messi und Konsorten. Ich glaube, es war nicht.

Dass der wildgewordene Kapitalismus nicht nur die Wirtschaften ruiniert, sondern auch den Sport (wie sollte er auch nicht?), ist eine Binse. Die Fußballclubs sind längst Privatbesitz von «To much is not enough-Profit»- Burschen, und die Versuche der Manchester United-Fans, den guten, ehrwürdigen Club irgendwie aus den Klauen von Glazer zu retten, gleicht dem Versuch, eine alte Hure aus dem Puff wieder in eine Jungfrau zu verwandeln.

Aber wir sind dieser Kapitalismus. Er lebt durch uns. Wir lassen uns diese Handballspiele und Show-Box-Kämpfe bieten.

Ansonsten hört man, wie sich die Leute auf der Straße über die Hitze beklagen. Vor drei Tagen, beklagten sie sich über den kühlen Nicht-Sommer.

Ich beklage mich niemals über das Wetter. Aber das ist auch das einzige.

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Wer wie ich, nach einem 35 Gradtag voller Arbeit, des Abends ein bisschen Bewegungslosigkeit suchte und sich zu diesem Behufe auf die Couch fläzte, um seinen Schädel von allerlei Literarischem und/oder falschen Syntaxen, schiefen und nicht so schiefen Bildern, Metaphern, Synonymen und kaputten Sätzen, zu reinigen und die Glotze einschaltete, erfuhr Seltsames.

Denn auf einigen Sendern erscholl eindringlicher Lärm, ein Brausen wie in Jüngers Hornissen hob an und man hielt automatisch Ausschau nach der fledermausgroßen Stubenfliege, die stur und zornig, durch ein geschlossenes Fenster den Weg nach draußen suchte. Nur, diese Fliege war nirgends auszumachen.

Der geneigte Futbol-Kucker weiß natürlich sofort: Das sind die Vuvuzelas, jene genialen Hörner, deren Einton-Strategie jeden Fußballfan immer wieder aufs Neue entzückt. Sie entfachen nebenbei auch noch den stupidesten Stadionlärm seit der Erfindung des Presslufthammers. Wobei man hier dem Presslufthammer ein wenig Unrecht tut, denn der nimmt sich gegen die Tausendschaften von Vuvuzelas aus, wie die Wiener Synphoniker gegen ein ad hoc zusammengestelltes Kindergartenorchester mit Spielzeugtrompeten.

Die Backgroundgeräusche bei den Übertragungen sind von einer solch infernalischen Stupidität, dass man sich automatisch denkt: Dann passt’s ja!

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Ab heute ist Futbol. Futbol mondial. Auf allen TV-Sendern: Südafrika. Vom Spitzmaul-Rhino bis zu jenem Township-Gangsterfilm, in dem ein Gangster versehentlich ein Auto mit Baby klaut, einem krähenden, männlichen Säugling. Es war ziemlich grotesk, was der Gangboy mit dem Kleinen alles anstellte. Wer je selber mit Babys zu tun hatte, weiß: So geht das nicht. Es war ein bisschen wie in Fußball-Filmen: Entweder hat man richtige Fußballer die kaum schauspielern können oder es verhält sich umgekehrt. Nicht, dass ein Baby schauspielern können sollte, aber ich hab ein Aufmerksamkeits-Problem, wenn man mir erzählt, dass ein Säugling, der stundenlang nicht gefüttert wurde, so richtig cool durchschläft. Diese Baby müsste in Serie gehen. Man würde stinkreich werden.

Also: Futbol.

Nelson Mandela soll am Eröffnungsspiel nicht anwesend sein. Er ist über 90 Jahre alt, und eine seiner Urenkelinnen kam gestern zu Tode. Wegen dem Futbol. Das ist, finde ich, ziemlich traurig.

Ich habe ein schönes Foto von Nelson Mandela über meinem Schreibtisch hängen. Es zeigt ihn zusammen mit einem Freund auf dem Dach eines Hochhauses, beim Sparring. In den Pausen seiner Prozesse. Vor 200 Jahren. Ich find’s schön ein Foto von Mister Mandela zu haben, auf dem weder Bono, noch Bob Geldoff, noch Madonna drauf ist. Ich halte es in Ehren. Wie Mister Mandela auch.

Nicht mehr links, aber irgendwie blöd

Dass sich sattgefutterte und künstlerisch stagnierende Rockstars gerne der «humanitären Welthilfe» zuwenden ist bekannt, und als Tatsache so interessant wie DJ Ötzis Meinung zu einem Flachbildfernseher. Tant Pis!, sagt da der Leopoldstädter und der Schweizer doppelt nach mit: Gschääch nüüt blöders.

Dass sich leergeschriebene Bestsellerautoren der bedürftigen Welt zuwenden, ist dagegen ein neueres Phänomen. Da haben wir zum Beispiel den «Wallander-Schmied» Mankell. Ein Mann, dem offensichtlich seine eigene Schreibe (berechtigterweise) zum Halse raus hängt, und der sich nun der Not fremder Völker mildtätig hinneigt, und uns, seine Popularität nutzend, allerlei Kenntnisse über die Ursachen dieser Not vermittelt.

Und als Bestseller-Autor ist er natürlich auch gottgefälliger Kenner des Nahen Osten, und war mit auf den «Blockadebrecher»-Schiffen Richtung Gaza. Schiffen, die wie sich jetzt nach und nach herausstellt, von islamistischen und rechtsnationalen Türkenvereiningungen dazu missbraucht wurden, mal ein bisschen Stimmung zu machen, wohlwissend, dass Israel in dieser Geschichte, auf jeden Fall die Arschkarte gezeigt wird. So oder so.

Herr Mankell wurde nicht getötet. Wie einige mitfahrende Abgeordnete der deutschen «Linkspartei» auch nicht, aber kurz festgenommen. Nun vernimmt man, dass die iranische Kriegsgurgel, die durch Falschmeldungen und manipulierte Fotos aufschießende Antiisraelstimmung nutzen will, um selber ein paar «Blockadebrecher»-Schiffe Richtung Gaza zu entsenden.

Könnte dies, ich frage, Meister Mankell, vielleicht gefährlich werden? Und, liebe Abgeordnete der «Linken», wäre man da nicht vielleicht auch bisschen mitverantwortlich? Nur so ein klitzekleines Bisschen? Oder hat man mal wieder nichts gewusst? Oder war man einfach zu blöd?

Und der Bestsellerautor schweigt.

Der wichtigste Mann

Neulich erklärte mir ein Schauspieler, dass er «Texter» überhaupt nicht ausstehen kann. Das nenn ich mal eine gute Idee. Und so originell! Das ist Theater: Alle hassen einander. Die Techniker den Ton, das Licht die Technik, die Regieassistenten die Ausstatter, die Bühnenbildner die technische Leitung, die Schauspieler die Autoren, die Autoren die Regie, die Regie die knausrige Intendanz, der Intendant die kritische Presse.

Der Portier hasst alle zusammen mit ausdauernder Inbrunst, weil die nicht anerkennen wollen, dass sein Job eigentlich der wichtigste von allen ist. Denn wenn er das Haus nicht aufsperrt, passiert da rein gar nix…

Die Spargel-Tour

Ich mag Spargel. Jetzt hat er Saison und er ist gut und frisch und billig. Ich sehe ihn von weitem: Grüner Bio-Spargel im Spar. € 2,49 das Pfund. Nehm ich. Die Dame an der Kasse lebt noch im Biedermeier. Sie hat Zeit. Alle Zeit der Welt. Und wir mit ihr. Als sie den Spargel über den Leser zieht, sehe ich auf dem Display 3,49 aufleuchten. Awright. So läuft das nicht. Sie klingelt nach Hilfe. Die Schlange wächst und wächst. Wir warten. Die Hilfe kommt. Sie müsste nur einen Blick auf das Schild werfen, gleich um die Ecke. 2,49 oder doch 3,49? Sie kommt zurück. Es macht den Anschein, als hätte sie sich verirrt. Sie zeigt mir ein Schild. Bio-Spargel 4,99. Sie hat das Schild getauscht. Kein Zweifel. Warum? Weiß ich nicht.

Aber so lernt man dieses Land verstehen: Du packst den Spargel ein, weil er 2,49 angeschrieben ist. An der Kasse sollst du dann 3,49 zahlen, und nach der Reklamation wird dir beschieden, dass der fein Grüne eigentlich 4,99 kostet. Bezahlen tust dann aber 3,49. Und das, mein Freund, ist doch nur logisch.

Das ist die so genannte Spargel-Tour. So ziemlich alles was hier läuft, läuft so.

Eines fernen Tages werde ich das vermutlich nicht nur kapieren, sondern auch verstehen.

Oder auch nicht.

Porque no te callas?!

Israels Armee hat, so wie es bislang aussieht, Scheiße gebaut. Viele Tote auf den Blockadebrecherschiffen. Israel konnte, so wie sich die Lage darbot, nur Scheiße bauen. So was nennt man ein Dilemma.

Nun ist die ganze Scheißwelt empört. Und wer jetzt in die Foren guckt, weiß auf jeden Fall eins: Wenn die Anzahl der Fußballtrainer eines Landes mit seiner Einwohnerzahl ident ist, so übertsteigt die Anzahl der Nahostexperten diejenige der Einwohnerzahl. Denn selbst europäische Stubenfliegen sind in dieser Sache Experten. Und wie die Stubenfliegen, hält es auch sonst niemand für notwendig, Untersuchungen abzuwarten.

Woher kommen eigentlich diese Experten in Millionenausführung? Warum hat jeder dazu eine Meinung? Warum trifft man nie jemanden, der sagt: «Naher Osten? Da weiß ich nicht genau Bescheid.»

Ich kenne Leute, die halten Franz Vranitzky und Helmut Kohl noch immer für die amtierenden Bundeskanzler, aber ihre Meinung zum Nahen Osten ist profund.

Andere finden DJ Ötzi so bedeutend wie Jesus, und auf die Frage nach der Staatsform von Österreich antworten sie: «Keulenförmig», aber ihre Meinung zum Nahen Osten ist so ausufernd wie ein Donauhochwasser.

Es gibt welche, die jeden Rechtschreibetest, selbst den bei der Polizei, vergeigen, aber in den Geschicken des Nahe Osten lesen sie wie in einem offenen Buch.

Wiederum gibt es Nahost-Hermeneutiker die dieses Wort nicht buchstabieren könnten.

Dann gibt es miese Bestsellerautoren, die gottgegeben, über alles Bescheid wissen.

Ich habe an sie nur eine einzige – wenn auch königliche Frage – jene, die schon Juanito dem fetten Populisten Venezuelas stellte: «Porque no te callas?!

Wiener Zeitungsdiebe

Am Sonntag morgen, wenn alle anderen Haushaltsmitglieder noch schlafen, zieht’s mich raus. Erst die Viktorgasse hinab, nach links in die Carolinengasse, rechts und kurz in die Favoritenschlucht, und dann beinhart in die Rainergasse eingeschwenkt. Diese hinan bis zur Blechturmgasse, rechts runter, die Wiedner Hauptstrasse gequert und in die Hartmanngasse, und dann einfach rein ins Geisteszentrum, wo ich die sonntäglichen Gewichte stemme. Zur geistigen Erbauung und zum Behufe der körperlichen Gelassenheit.

Wenn ich dann den Weg zurückgehe, geläutert, schwitzend, müde und trotzdem sehr erfrischt, begegne ich ihnen, den «Kronedreckszeitungsklauern».

Ich war selber mal genötigt als Dieb zu arbeiten, und es liegt mir daher fern, einen anderen Dieb zu verurteilen (moralisch), aber die «Kronendreckszeitungsklauer», die sind schon was ganz besonderes. Meist ganz ungeniert zupfen sie sich das Papier aus der Plastiktasche und ignorieren mit der ihnen angeborenen Würde das geschlitzte Döschen für den Obulus. Nun ja. Als Süchtige brauchen auch sie ihre tägliche Dosis Niedertracht, ihren Schuss Ausländerhetze, ihr Näschen Anti-EU-Campaining, und die von der Redaktion hergestellten Leserbriefe, die unter dem Namen «Volkes Stimme» firmieren.

Es gibt kaum ein schöneres Bild der Verlogenheit, als wenn der Wiener sich die Kronendreckszeitung klaut, und sich später, nach der Lektüre, über ausländische Diebe, ereifert.

Übers Schreiben

Ich schreibe zur Zeit an einem Theaterstück. Einem Western. Das ist verrückt, ich weiß. Es ist nicht generell verrückt, aber in Wien schon. Wenn hier das Genre in Theater, Film, Literatur, Kabarett benutzt wird, müssen die «Wuchteln» als Trommelfeuer kommen. Wir aber nehmen den Western ernst. So ernst, wie jedes andere Drama auch. Es geht um Sehnsucht, Gewalt, Einsamkeit, Liebe, Tod und das übliche Unvermögen der Menschen, irgendwie miteinander klar zu kommen. Ich sage: Wir. Weil ich das Stück nicht alleine schreibe, sondern mit zwei befreundeten Kollegen zusammen. Einem Drehbuchautor und Regisseur, und einem Schauspieler.

Es ist schön so zu schreiben. Die Struktur zu entwickeln. Rumzuspinnen, zu verwerfen, den Faden wieder aufnehmen, rum zu albern, Scheiße zu labern, Quatsch zu machen und trotzdem immer hart am Ball zu bleiben. Das ist mitunter riesig.

Jetzt schreibt jeder für sich zu Hause an Szenen. Danach treffen wir uns, und lesen uns die Schreibe vor. Da geht’s zur Sache. Hart und schonungslos, die Kritik. Aber natürlich nur in der Arbeit. Da ist nichts persönliches dabei. Noch nicht. Jeder muss sich anhören, wie seine Schreibe dem anderen einfährt. Muss sein Zeug auseinander nehmen und neu zusammensetzen lassen. Manchmal. Manchmal ist etwas auch einfach nur gut. Oder Spitze. Es geht darum, ob es «funktioniert» oder nicht.

Zwei von uns kennen das Prozedere. Wir sind es gewohnt. Als ich es vor mehr als 10 Jahren zum ersten Mal erfuhr, hatte ich so meine Schwierigkeiten mit Kritik. Sie war schmerzlich. Sie brannte regelrecht. Scham. Man setzte sich aus. War schutzlos. Jemand sagte z.B.: «Das ist langweilig.» Es gab Autoren, die gegen die Langeweile ihrer Szenen Argumente ins Feld führten. Fand ich sinnlos. Wie will man gegen Langeweile argumentieren? Sie sagten z. B. : «Das hab ich anders gemeint.» Aber, muss sich der Ehrliche eingestehen, es kam offensichtlich nicht so rüber, oder?

Es gibt einen Spruch. Er kommt, wie das meiste über das szenische Schreiben, aus den USA: Writing is Rewriting. Oder ein anderer: Kill your Darlings. Oder mein Liebling: Action is character.

Das ist, genau besehen und angewandt, richtig harter Stoff. Schreiben bedeutet Umschreiben. Kein genialer Wurf, sondern Knochenarbeit. Bring deine Lieblinge um!, meint, dass wir in jenen Szenen, die uns am Herzen liegen, meist am schwächsten sind. Wer es überprüft wird schmerzlich feststellen müssen, dass es wahr ist. Action ist character, ist noch das harmloseste dieser Gesetze. Es besagt lediglich, dass das was jemand tut, seinen Charakter zeigt und nicht das, was er labert. Oder biblisch ausgedrückt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen!

Das ist szenisches Schreiben. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kein Genie zu sein (und das ist zugegebnermaßen nicht ganz leicht), aber dass sich die Dinge immer verbessern lassen, und derjenige den Willen hat, gute Arbeit zu liefern, zudem seine Kritiker kompetent und an der Sache interessiert sind, der wird in dieser Arbeit eine manchmal fast glücklichmachende Anstrengung finden.

Und das Bier schmeckt danach genau so gut, wie nach vielen Stunden Gerüstbau.

Glaubt mir. Ich weiß, von was ich rede. Wenigstens in dieser Sache.