A däm gwöhnlichä Tag (nach Polo Hofer. Oder auch nicht.)

Es ist kurz nach 18 Uhr, in der «Inneren Stadt» hat es noch 32 Grad Celsius, und mein braver, alter Ventilator dreht sich geräuschvoll, und vorhin zog der Rom mit seiner Braut durch «meine» Gasse – wie fast jeden Sonntag – und orgelte auf seinem Akkordeon das ewig gleiche Musette-Stück runter, tja, traurig, denn natürlich war bei der Hitze niemand da, den die Braut um einen Obulus anhauen konnte. (Ich würd ihm ja was runterwerfen, wenn er nur das Stück wechseln würde. Tut er aber nicht. Kriegt er nix.)

Ich trank ein Glas «Mas des Montagnes», ass den Rest der Pizza von gestern, eine (von mir) mieserabel fabrizierte  Calzone mit Ruccola, Mozarella di buffala, Champignons und Habanero-Chilies, sah ein bisschen zu, wie Roger Federer seinen Olympiatraum nicht wahr machen konnte, und überlegte mir, wie ich an seiner Stelle im Interview reagieren würde:  «Ja, ich bin enttäuscht. Ich bin sowas von enttäuscht. Es ist entsetzlich, wie mir das auf’n Sack geht! Wirklich. Ganz fürchterlich!»

Dann schrieb ich noch an einem Artikel über einen berühmten Filmemacher, und das war auch entsetzlich.

Nur der frühe Morgen war süß, als ich im Geisteszentrum zugange war. Es ist immer wieder erstaunlich, wie ich ich mich selber überlisten muss: Ich mag eigentlich nicht trainieren (Ich bin eine faule Sau!), aber ich weiß, wie gut ich mich nachher fühle, und wie es meine Faulheit und meine Missgriffe für den restlichen Tag absolutiert.

Ich bin schon ein verdammt guter Kathole, n‘ est ce pas?

«Putain fordert Gnade für Pussy Riot»

Nun, Putain mag einiges sein: ein gerissen frettchenartiger, im KGB geschulter Hinterfotzler, ist er allemal.
Aber seine Tricks sind auch leicht zu durchschauen.
Wenn ich mich einmal als Hobby-Prophet betätigen darf: Pussy Riot wird richtig was eingeschenkt bekommen und in den Knast gehen. Putain wird dann feixend auf die Unabhängigkeit der russischen Justiz hinweisen, die sich auch nicht von Zurufen und BItten des Zaren beirren lässt.
Falls die Strafe mild ausfiele, wäre dies nur ein Beweis für die Korrumpiertheit der Justiz.

Also.

Geräusche

Heute war’s im Geisteszentrum plötzlich nicht mehr schön.
Mir war, als hätte ich einen Joint geraucht. Alles ein bisschen intensiver, paranoider.
Mit mir, waren 4 alte Kerle an den Maschinen zugange. Drei machten Geräusche. Eigentlich waren es zuerst 4, aber ich hörte mit den Geräuschen auf, als ich die der anderen hörte. Es waren nicht die Schreie und Testosteronseufzer der Anstrengung die ich vernahm, sondern einfach: Geräusche. Grochzen und verhaltenes Ächzen, lautes, unnötiges Schnaufen, schniefen und prämortales Röcheln. Es war ungut. Ich verzog mich. Ich riss vor der Wahrheit aus.
Die bittere Wahrheit ist: Irgendwann beginnt man Geräusche zu machen. Wie ein alte Treppe. Ein alter Ventilator. Ein Röhrenfernseher.
Man kann nichts dagegen tun. Ist das fair?
Ich finde nicht.

Zu Hause guckte ich ein wenig Tennis. Frauentennis. Die beiden Girls waren nicht alt. Aber eine gab Laute von sich, die mich an heute morgen erinnerten. An die alten Kerle. Ich fand’s eben so schlimm. Die jungen Geräusche einer 21-Jährigen. Es nervte gewaltig. Während die Alten ihre noch variiert hatten, ließ die Junge bei jedem Rückschlag immer den gleichen seppldämlichen Laut ab. Nicht zum Aushalten.

Ich wechselte zu den Kanadiern. Männer ohne Unterleib, in Plastik eingeschweißt, die einen Fake-Wildbach runter slalomierten. Aber die hielten ihren Mund. Und die Gischt sah schön kühl aus. Super.

Wieder mal Satire

Nun ist es raus: Die Website «Haider Gebetsliga« war ein Hoax. ( http://heiligerhaider.wordpress.com/ )

Satire, nennt der Betreiber das Ding, das er seit 2009  – auch international viel beachtet – mit bigottem und wahnwitzigem, mit dämlichem und herrlich-heiligem Haidermüll befüllt hat.

Satire? Niemand hat’s bemerkt. Aber wie denn auch?
Hier sieht alles aus wie Satire: Verurteilte Straftäter im Parlament, schmissfressige Rosstäuscher als Nationalratspräsidenten, Meineidseppeln und Beutelschneider als Finanzminister, Richterinnen und hohe Beamte als Serien-Erbschleicher, eiercoupierte Schäferhunddarsteller als Landeshauptleute, als adlige Bauern verkleidete Schmiergeldverteiler, menschlich enttäuschte Viezkanzler, die eigentlich ob der großen Zahl der Enttäuschungen längst an gebrochenem Herzen gestorben sein müssten (hätten sie denn eines…),  Ex-Politiker und Manager von Staatsbetrieben mit Gedächntnislücken die einer absoluten Demenz ähneln, und für die sie eigentlich entmündigt gehören; und über allem schwebt die «Unschuldsvermutung», ein Zusatz, den die Nachrichtensprecher schon vor beinahe jeden Politikernamen schmieden müssen.

Wie, bitte, soll man da Satire erkennen?

Es ist ein Beweis des kompletten Irrsinns, dass in diesem Land die professionellen Satiriker noch nicht Hungers gestorben sind oder bei Billa die Regale auffüllen müssen.

Warnung

Ban-ki-moon warnt vor einem religiösen Krieg in Syrien.
Juncker warnt vor einem Zusammenbruch der Währungsunion.
Putain warnt die Opposition.
Obama warnt China.
Die CDU warnt die FDP.
Rösler warnt vor den bodenlosen Fass Griechenland.
Die Uno warnt vor einer humanitären Katastrophe in Darfur.
Günther Grass warnt Israel.
Tom warnt Jerry.
Der Pappi warnt die pubertierende Tochter.
Die Tochter warnt die Mutter vor Kosequenzen die die Konsequenzen zeitigen würden.
Der Verlag warnt den Autor, das Typoskript endlich beizubringen.
Der Autor warnt die Muse.
Die FiK-er aus Kärnten warnen vor Neuwahlen.
Die Grünen warnen vor Demokratieverlust.
Der Bundespräsident warnt vor zuviel Demokratie.
Datenschützer warnen vor Facebook.
Die Anleger warnen Zuckerberg.
Zuckerberg gibt vielleicht eine Gewinnwarnung aus.
Börsenguru Soros warnt vor allzuviel Warnungen.
Demoskopen warnen vor Politikverdossenheit.
Demografen warnen vor Überalterung.
Ernährungsspezialisten warnen vor Übergewicht.
Die Antiraucherliga warnt vor Passivrauchen
Die Waffenschmieden warnen vor Arbeitsplatzabbau, sollten keine Waffen in Krisengebiete geliefert werden.
AKW-Betreiber warnen ebenfalls vor Arbeitsplatzeinbußen, sollten keine AKW’s mehr gebaut werden können.

Und sonst? Was gibt’s heute zum Abendessen?
Eierschwammerl aus Tschernobyl.
Fein.

Songdog unterstützt «Pussy Riot»

Songdog wird tun, was möglich ist, um den KGB- Schergen Putain hinter Gitter zu bringen.

Songdog setzt sich dafür ein, dass Putain-Freunde wie Gasnosse Schröder hier keinen Fuss mehr auf die Erde kriegen.

Songdog betet Rosenkränze in Mariazell für Gasprom-Veilchen Beckenbauer, damit ihm nicht plötzlich der Saft abgedreht wird. Oder ist es andersherum?

Songdog ist solidarisch mit «Pussy Riot». Ein «lupenreiner Demokrat» wie Putain hat kein Recht, für Majestätsbeleidigung 7 Jahre Gefängnis zu fordern, und so zu tun, als gäbe es eine unabhängige Justiz.

Songdog ist der Meinung, dass der Ösi-Kranz-Schwimmer Markus Rogan heute in seinem Interview nicht Hermann Maier, sondern Putain, gemeint hat.

Free Pussy Riot!

Der Humanist

Es muss einfach gesagt werden: Wenn Wien im Juli und August keine Hitzewelle durchmachen muss, ist es richtig gut hier. Man sieht wieder mal Lücken in den endlosen Barrikaden der geparkten Autos, man denkt sich, hey, was ist denn hier los?, und dann fällt einem ein, dass Schulferien sind. 2 Monate lang.

Die Touristen krebsen für Gotteslohn durch den 1. Bezirk und begaffen den klassizistischen Mist. Aber hierher verirrt sich höchstens mal ein Italienisches Pärchen, das in fürchterlichem Englisch nach dem Belvedere fragt, und dem ich in meinem besten Italienisch eine Wegbeschreibung liefere. Auf dass sie denken mögen, wir alle hier sprächen leidlich gut italienisch, und dass sie sich nicht mehr so scheiße fühlen, wenn der gemeine Austriake, Germane oder Helvetier mit seinem heimatlichen Idiom, bei ihnen zu Hause einfällt.

So bin ich eben: Immer um Ausgleich bemüht. Um Gerechtigkeit. Immer auf der Hut, damit der andere sein Gesicht wahren kann, freundlich, hilfsbereit wie ein Pfadfinder, zuvorkommend, gütig lächelnd und gemessenen Schrittes das Geisteszentrum aufsuchend. So kennt man mich hier.
So wird der wuchtige Mann allerseits respektvoll gegrüßt, wenn er wieder mit dem Einkauf für die Familie des Weges kommt: Der Kneipier, der Schuster, die Frisörin, die Kassiererin im Supermarkt, der alte Bettler und die kauernde Bettlerin mit dem Styroporbecher voll Münzen, alle.

Das ist der Misantroph at his best: Wo der Mitmensch sich rar macht, zeigt er sein wahres Gesicht. Er ist eigentlich Humanist. Wie der Pornograf Puritaner.

Des wiad a Hetz

Es gibt hierzulande Leute, die der Meinung sind, dass es hierzulande Leute gäbe, die «Korruption für ein Kavaliersdelikt halten». Diese Leute sind herzig. Korruption wird nicht für ein Kavaliersdelikt gehalten. Korruption wird für gar kein Delikt gehalten.

Dann gibt es noch Leute, die der Meinung sind, dass das Verhalten der korrumpierten Politiker auf das System abfärbe. Die sind auch herzig. Es ist das System, dass auf die Politiker abfärbt.

Jetzt ist die Erregung wieder mal groß. Süß.
Nun wird davon gesprochen per 2/3 Bundesratsbeschluß den vollkommen maroden Kärtner Landtag aufzulösen. Das ist einfach köstlich. Und wir werden zuschauen können, wie im Arsenal der Waffen, zuerst, comme toujours en Autriche, nach der größten Keule gegriffen wird. Diese wird alsbald wieder hingelegt und man schreitet die Auslage der immer kleiner werdenden Keulen ab, bis man schließlich vor einem mit Spucke angespitzten Wattebäuschchen steht, es aufhebt, aber gleich wieder hinlegt, da es möglicherweise einem Parteigenossen ins Auge fallen könnte.

So geht’s lustig dahin, bis alle hierzulande die gleichen Gaunerfressen haben, wie Grasser, Dörfler, Mensdorff-Pouilly, Strasser, Scheuch,  Dobernig und der Rest der Fidelen, die Österreich aus dem Gefängnis heraus regieren werden.
Des wiad a Hetz!

Ja, es ist schön heute Abend

Es ist 21h30 und ich sitze bei offenen Fenster bei der Arbeit, fabriziere den Satzspiegel für ein Buch, lese den letzten Abschnitt des Buches, meines Buches, und finde ihn schön; ein wenig traurig, wie alles Schöne, und während ich das tue, höre ich draußen im Hinterhof den südlichen Chor der Zikaden. Es werden jedes Jahr mehr.
Sonst ist es still, bis auf das gelegentliche Schmettern der Feuerwehrhörner in der Favoritenstraße und das verhaltene, aber stete Brausen des fernen Gürtel-Verkehrs. Er hört sich an wie das Meer, so wie sich das Meer anhört wie eine Autobahn, und man könnte glatt meinen, in irgendeinem Süden zu sein.

Nur die Luft ist wunderbar kühl, so kühl, wie sie es im Süden erst gegen Tagesanbruch ist.
Über den Hinterhof ziehen die Lichter der Satelliten, und der Mond gesellte sich heimlich dazu und sieht aus wie der Star in einem Kinderbuch.

Ja, es ist schön. Heute Abend.

«Welcome in Vienna»

Der neue Kassierer im Billa ist dunkelhäutig, heißt Boris und verlangte einen Blick in meine Sporttasche zu werfen. Es war mein erster Einkauf, seit ich wieder in Wien war. Normalerweise erkläre ich den KassiererInnen, wenn sie meine Sportsachen ankucken wollen, dass ihnen das eigentlich nicht zusteht, und dass, wenn sie es trotzdem begehren, sie doch bitte die Polizei hinzuziehen möchten.
In diesem Fall war ich nicht so ausführlich, denn Boris hätte dies missverstehen können, so Rassismus-mäßig, und ich ließ ihn seinen Blick tun, und er fragte, ob ich Schwimmer wäre, denn er erblickte ein Handtuch und den Restschweiß auf meiner Stirn, und dann wusste er nicht was ein Kopfsalat war und ich wusste es auch nicht, da in Wien ein Kopfsalat ein Häupelsalat ist, aber das fiel mir gerade nicht ein, und Boris klingelte und die beste Checkerin des Ladens kam und die sagte Boris die richtige Nummer und den richtigen Salat-Namen, und dann gings weiter.

Die Rechnung betrug € 44,37 und ich fand das ein wenig happig für ein bisschen Gemüse und Obst und Brot und Milch und eine Flasche perligen Rosé, nahm den Zettel und sah ihn mir an. Da war es. Boris hatte mir einen Obstkorb für 19,90 draufgepflastert, und er klingelte wieder, und wieder tauchte die Super-Checkerin mit dem Stornoschlüssel auf und zog aus Borisens Kasse 19,90 gab sie mir wortlos, und ging wieder ab.

Natürlich gab es keine Entschuldigung oder so. Wozu auch. Hier ist Wien in Ösi-County, und da ist auch nichts passiert wenn ein Landesvize die österreichische Staatsbürgerschaft gegen eine Parteispende an einen Russen verscherbeln will, die Sache dann aber auffliegt und deswegen nicht zustande kommt. Dann war einfach nix, oder?
«Wo ist das Geld, wo ist der Russ?» war der Kommentar des Landeshauptmannes Dörfler, des Parteikollegen Scheuchs. Gauner halten noch zusammen in Kärnten, und auch sonst.

So ist das hier. Gut, dass man es gleich am ersten Tag wieder erfährt.

Dann kam noch der Grünen-Abgeordnete Öllinger in den Laden, in ziemlich gräßlichen Shorts, weißen Socken, Schlapfen und einer Art Hawaiihemd, graubärtig, und grantig dreinschauend, und ich dachte an Cortis Film: «Welcome in Vienna».
Und genau das bedeutet es auch.