Liberalismus

Putin ist Demokrat. Nicht nur lupenrein.
Erdogan ist Demokrat.
Die meisten asiatischen Tyrannen sind Demokraten.
Wir sollten, finde ich, uns mal was anderes einfallen lassen, außer immer «Demokratie» einzufordern.
Demokratie bedeutet nichts mehr.
Wer das Interview von Frank A. Meyer, mit der alten Dame der Philosophie, Agnes Heller gesehen hat, weiß, um was es geht, weiß, was die Demokraten aller despotischen Couleur so auf den Zeiger  geht, und was sie mit nach Kräften unterdrücken versuchen. Das Liberale.
Ja, liberal. Scheißliberal. Das ist es.
Es geht nicht um Demokratie, es geht um Selbstbestimmung.

Und die Grünen in Ösi-County sollten aufhören sich für ihren türkischstämmigen Abgeordneten  Efgani Dönmez zu entschuldigen und/oder ihn zur Ordnung zu rufen.
Oder wollen sie noch mehr verspießern?

Sommer

Je älter ich werde, desto mehr verabscheue ich den Sommer. Wenn sich etwas Sonne putzt ziehen sich die Leute in Wien aus. Heute Mittag sah ich aus dem Fenster: Typen, die nur in Shorts durch die Straßen latschen. Shorts, Sandalen, Zigarette in der Pappen und eine Dose Red Bull/Bier in der Hand. Das ist Freiheit. Glaube ich. Frauen im mittleren Alter sehen aus wie senffarbene Kackwürste, überall quillt und überquillt und fettet es, und dazu das Geräusch der Schlappen die an die käserindefarbenen Fersen klappen: Schlapp, schlapp, schlapp.

Es ist beinahe unvorstellbar, dass es eine Zeit gab, in der Männer (auch im Sommer) in Anzügen durch die Straßen gingen, mit Hut, und die Frauen Kleider trugen die die Knie bedeckten.
Manchmal muss ich mir Filme mit Humphrey Bogart und seiner Frau Lauren Bacall ansehen. Oder einen mit Robert Mitchum als Philippe Marlowe, wie er in L.A. rumgeht, mitten im gleißenden Licht Kaliforniens. Im Anzug.

Ist supi, dass wir so unglaublich frei sind, so wahnsinnig frei, und jedem unsere Hässlichkeit in die Augen und unser billiges Deo unter die Nase reiben können.

Ich weiß den Winter zu schätzen…

Das Sprüchemuseum (25)

«… Wo, verdammt noch mal, sind die Verrückten? Die Selbstgehäkelten, die Gruftis, die Skins, die Punks, die Entrückten. Noch nicht einmal mehr schwarz gekleidete Ninjaschwertträger stehen in der Bahn herum, «666» murmelnd.»
fragt sich Frau Sibylle Berg und weint bitterlich in ihrem schmocken Zürich.

Wir sagen: Komm uns doch mal besuchen, Frau Berg. Hier, in Wien, sind sie alle. Vollzählig.

Pfahlbauer

Wer von Wien nach Nordwesten, Richtung Tulln fährt, kann, wenn er will, in der Nähe von Klosterneuburg (und auch in Greifenstein) auf ausgedehnte Siedlungen treffen, in denen die Häuser auf Pfählen stehen. Schlau, diese Agglowiener. Denn diese Siedlungen stehen in der Nähe der Donau. Da kann es ja schon mal vorkommen … Sie wissen schon.

Ich fragte mich, was geschehen wäre, wenn ich im bayrischen Deggendorf, im neuen Fischerdorf, einen Bauplan mit einem Pfahlbauhaus eingereicht hätte? Ich habe so meine Vermutungen…

Dann fragte ich mich, ob der heimische und der nahausländische Häuselbauer sich noch als Häuselbauer verstehen würde, wenn er auf seinen Keller verzichten müsst? Würde er sich nicht nächstens im Schlaf wälzen, wenn er unter sich, in der Kühle seines feuchten Betons nicht die Winterreifen des SUV, die alten Schi seiner Kinder und die abgelegten Gummistiefel mit der neckischen Masche gleich neben dem ausgemusterten Gartenzwerg aus Tschechien, wissen würde?

Der Häuselbauer braucht sei Kölla. Egal wo. Auch wenn er nicht mehr so genau weiß warum, aber, denke ich, er braucht ihn.
Scheißfluss! Der kriegt halt noch ne Mauer. Und wenn sie 5 Meter hoch wird, und wenn alle Dörfer flussabwärts, zumal jene, die sich keine Mauer von 6,20 leisten können, jedes Jahr aufs Neue absaufen …
Das Hochwasser ist schlimm. Aber nicht nur das…

Das Sprüchemsueum (25)

«Fischdi-Inseln sollen Österreich am Golan ersetzen!»

Schlagzeile des Standard-Online.

Wir sagen: Warum nur am Golan? Warum nicht auch in Wien?

Das Sprüchemuseum (24)

«Jede halbverhungerte Gonokokke im verschnittenen Gemächt eines orientalischen Eunuchen hat mehr Ehre und Anstand, als ein österreichischer Politiker.»

Kommentar von Dr. Derm. Rainer A. Senn zur parteienübergreifenden Einigkeit in Sachen österreichischer UNO-Truppen Abzug von den Golanhöhen.

Wir sagen: Können wir leider nicht überprüfen, aber ganz falsch klingt das nicht.

Pöstliche Elegie

Songdog ist laut Eigendefinition ein «Pimperl-Verlag», was auf Deutsch als «Penischen-Verlag» durchgehen könnte, wobei «Pimperl» hier als Synonym zu verstehen ist und zwar für «winzig, niedlich, süß, klein».

Songdog gibt jährlich etwa 1000 Euronen der Post, damit sie die Bücherbriefe transportiert. Die Post, so kann man sagen, ist in dem ganzen verdammten und pimperlichen Verlagsaufwand, die einzige, die an dem Pimperl Geld verdient. Nicht die Autoren, nicht der Verlag, aber die Post. In letzter Zeit häufen sich die Fälle von verschwundenen Briefen.

Hier eine Reklamationsmail an die deutsche Post. Wir warten auf die Antwort.

Betrifft: Zustellung
Nachricht: Am 2.Mai 2013 wurden von Songdog Verlag, Wien, zwei in Gewicht und Aussehen praktisch identische Briefe an diese Adresse: xxx xxx, xxx, xxxx mit Priority Post versandt.
Ein Brief (mit Bücherinhalt) wurde 2 Wochen später (Priority) von der Post ausgeliefert, der andere an den Absender zurückgeschickt, mit dem Vermerk, dass er einer bestimmten Norm nicht entspräche.
Für die Postbeamten in Wien war es nicht möglich irgendeinen Fehler an dem Brief zu entdecken und so wurde er am 22. Mai, Priority, wieder an die obige Adresse geschickt. Er ist da noch nicht angekommen.
Auf die Reklamation des Empfängers haben Sie sich wortreich entschuldigt, aber geschehen ist nichts. Es stellen sich folgende Fragen:
– Wo ist der Brief?
– Warum wurde der eine ausgeliefert, der andere aber retouniert?
– Wissen die Angestellten der deutschen  Post nicht, was ein Brief ist?
– Ist es dem persönlichen Gutdünken des Mitarbeiters überlassen, welcher Brief zugestellt wird und welcher nicht?
– Warum soll ich als Kunde für eine Leistung zahlen, die nicht erbracht wird?
– Hat man den Brief, der am 22. Mai erneut gesandt wurde und längst beim Empfänger eingelangt sein müsste, einfach entsorgt?
und als letzte Frage: Wo ist der Brief?

In diesem Sinne
mit freundlichen Grüßen
Andreas Niedermann

Anfänge

An den diesjährigen Literaturtagen in Solothurn war das Thema «Anfänge», und man konnte nun allenthalben verschiedene Schreibende in verschiedenen Kultursendung hören und sehen, die sich über Romananfänge ausließen. Es war eigentlich immer derselbe Anfang (wie mir kolportiert wurde.). Irgendwas von Kafka.  «Jemand musste… verleumdet haben.»

In Schreibseminaren wird man nicht müde, auf die Wichtigkeit des ersten Satzes, des ersten Abschnitts, der ersten Seite hinzuweisen. Man könnte sagen, dass eigentlich nur der erste Satz wirklich von Bedeutung ist, und der Rest ganz von selber kommt. Genau. Und so liest es sich dann auch.

Als ich (vor vielen, vielen Jahren) Drehbuch lernte, ging es u.a. darum einen narkotischen, verwirrenden Anfang zu gestalten, einen «hook» zu setzen, einer, der den Zuschauer verwirren und beeinflussbar machen sollte. Und seit es hierzulande an jeder Ecke «Creative Writing»-Kurse gibt, weiß nun alle Welt, wie es um den ersten Satz und die filmische Exposition bestellt ist.

Beim Drehbuchlernen haben wir uns Filme angesehen die wahnsinnig-supi-dupi-Anfänge zeigten und denen danach die Luft ausging und die abstanken wie ein Fiakerpferdfurz in einem Tornado. Irgendwie war das dann doch nicht das Wahre. Es musste also noch etwas anderes als Anfänge geben.

Dann wiederum gibt es Bücher von großartigen Autoren, wie Cormac McCarthy oder Denis Johnson, die solche erste Hammerseiten hinlegen, die einen ahnen lassen, dass da keine Steigerung mehr drin ist. Das ist ein bisschen traurig. Aber nur ein bisschen. «All die schönen Pferde» von McCarthy ist so ein Buch.
Die erste Seite ist ein Tableau, ein Archetyp, eine bildhafte Darstellung von Innenwelt und Außenwelt, und diese Bilder wirken wie Ikonen, sind so narkotisch und stark und großartig wie Bilder nur sein können, und es bleibt etwas zurück, das sich wie eingebrannt hat. Ich habe niemals weitergelesen. Aber hin und wieder ziehe ich das Buch aus dem Regal und lese diese Seiten. Verwundert, etwas beschämt und beeindruckt frage ich mich, wie er das nur hingekriegt hat.

Ebenso der 800-Seiten Roman «Ein gerader Rauch» von Denis Johnson. Nur die ersten 10 Seiten. Mir kommen die Tränen, aber weiter geht’s nicht. Muss auch nicht. Dies sind «Anfänge-Bücher». Sie waren es wert geschrieben und von mir gekauft zu werden. Und so wie es Bücher gibt, die ich von hinten zu lesen beginne oder deren Seiten ich im Zufallsprinzip aufschlage und lese, so gibt es diese «Ersten-Seiten-Bücher».

Aber das hat eigentlich nichts mit den Schweizer Literaturtagen in Solothurn zu tun. Ganz und gar nicht.

Abzug

Jetzt, wo es auf dem Golan brenzlig und gefährlich wird, hat Österreich seine UNO-Truppen abgezogen. Alle Parteien, durchs Band, findens Supi.

Versteh ich nicht, diesen Abzug. Hätte man denn nicht zum Schutz der österreichischen Truppen, indonesische, türkische, bangladeshi, polnische, ukrainische oder tunesische UNO-Truppen abstellen können?

Sonst ist denen ja auch nichts zu peinlich…

Zähne

Gestern war ich beim Zahnarzt und überredete ihn, mir jenen Weisheitszahn zu ziehen der unsichtbar zu faulen begonnen hatte. Er wollte zuerst nicht, er wollte ihn «retten». Aber ich wusste Bescheid. Er hätte ihn nicht retten können. Nerv raus. Wurzelbehandlung. Ne, ne!
Der Zahn sah furchtbar aus. Karies. Wie ein braunes Haifischmaul. Und man hatte nichts sehen können. Nur fühlen. Schmerz.

Es ist mir peinlich, dass ein Mann in meinem geöffneten Mund rumfuhrwerkt. Ich mag nicht so daliegen und diese Dinge mit mir geschehen lassen. Es ist demütigend. Es erinnert einen daran, was für eine verdammt mangelhafte Konstruktion der Mensch ist. Die Scheißwirbelsäule, und dann noch dieses empfindliche Kauwerkzeug. Zum Vergessen. Vielleicht sollte man die Zähne abschaffen. Ersetzen durch ein ordentliches Material. Wie dieser riesige Kerl in dem James Bond Film, der Mann mit seinem Stahlgebiss.

Andererseits sind die Zähne umsonst. Und sie halten unglaublich lange. Ich kaue 45 Jahre lang tagtäglich auf irgendwas herum. Sie sind kleiner geworden in dieser langen Zeit. Sie haben sich etwas verformt. Die Eckzähne sind stumpf geworden. Aber sonst? Noch immer sind fast alle drin. Und wenn ich nicht so gelebt hätte, wie gelebt habe und immer wenn der Schmerz kam, einen Zahnarzt aufgesucht hätte, wären es vermutlich noch alle. Bis auf den einen, den er mir gestern gerissen hat.

Also bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meinen Zähnen. Aber ich weiß um ihre Vergänglichkeit. Einmal nicht aufgepasst und ordentlich was auf die Fresse gekriegt, und schon sitzt oder liegt man wieder in diesem Sessel und harrt ängstlich der Dinge, die der Mann in Weiß mit einem anstellen wird.

Ich hoffe, ich sehe ihn lange, lange nicht wieder, obschon er sehr nett und aus Ostdeutschland ist.