Behind prison walls…

sah ich nächtens, zumindest den Anfang, mit Johnny Cash 1974, «behind the walls of the Tennessee state prison», wie er, mein Verehrter, irgendwie affig die Gitarre wiegte und dabei die Saiten gleich neben der Griffhand anschlug. Was ne warme show?! Strange. 70-er Jahre halt, könnte man sagen, sag ich aber nicht, weil die 70-er mir lieb und teuer sind. Aber was noch stranger war: Kein einziger Strafgefangener war Afroamerikaner. Schwarz oder Latino. Weißbrote, all the way.
Waren die dem Countrypublikum von damals nicht zumutbar?
Sieht ganz so aus.

Nun ja, Waylon Jennings mischte die Szene mit «Outlaw-Country» auf, und danach konnten die Studios mit dieser Scheiße «scheißen gehn» (wie der Wiener sagt).

Trotzdem. Very, very strange …

Warum nicht gleich so?

Ein katholischer Feiertag. Maria irgendwas. Schön. Für einmal. Denn dieser Höllensommer braucht eine Pause. Zumal in meiner Gegend. Hitze und Baulärm. Im Haus und ums Haus herum. Aber als ich heute das Geisteszentrum verließ, war es wieder richtig fein: Straßen, die ihre Beläge auslüfteten, ein Himmel wie das Kleid einer italienischen Brautjungfer und eine Temperatur, die, in einem Schwimmbecken herrschend, jedes kontinentale Weichei (von denen gibt es zwölf aufs Dutzend) zurückzucken ließe, als hätte es einen Viehdraht berührt, und ich denke nur: Warum nicht gleich so? Geht doch, oder?

Aber wie sagte schon der gute Brecht: Aber die Verhältnisse, sie sind nicht so.
Whatever. Ich blicke in den Hinterhof, höre eine Art Meeresrauschen und einen weit entfernten Wappler, der mit einem Winkelschleifer hantiert, auf einem Balkon spielt der sachte Wind mit einem gelben Sonnenschirm, dessen Schatten niemand nutzt, ein Bild wie von Ed Hopper; ein Polizeihubschauer knattert und entschwindet wieder, das Licht ist bereits herbstlich weich und von mir aus, könnts einfach so weitergehen.

Und dazu all die guten Sachen, die jetzt auf die Lebensmittelmärkte kommen …

Der Sommer ist vorbei

Vom Geisteszentrum kommend, ging ich am schönen Park des Palais Schönburg vorbei, am Sonntagmorgen, an dem sich nur die zeitungsklauenden Hundebesitzer und die Jogger und ich auf die Straße wagen. Es war still und die normale, werktägliche Rennbahn der Rainergasse lüftete ihren Belag aus und im Park lag das Sonnenlicht weich und smooth auf dem kurzen dürren Gras, über den Kronen der schönen Bäume spannte sich ein mediterraner Himmel und süßer Westwind frischte auf. Ich blieb stehen um das alles zu genießen. Frieden überkam mich und mit ihm das Wissen, dass dieser brutale Sommer ausgespielt hatte, denn nun wirkte er wie George Foreman, damals 1974 in Kinshasa, Runde 5 gegen Ali, die wuchtigen und vernichtenden Hämmer kamen nur noch vereinzelt, ihre tyrannische Kraft war gebrochen und Alis Ecke wusste: Dieser Mann kann unserem Mann nicht mehr weh tun.

So ist es. Sommer: Fuck off! Bis zum nächsten Jahr, und lass dir Zeit…

Das Sprüchemuseum (26)

«Bei Occupy ging es nicht nur ums Wohlfühlen, sondern um Wut.»

Kalle Lasn, 70, Mastermind der «Occupy-Bewegung».

Wir sagen: Wann fühlt man sich besser, als wenn man richtig wütend ist?

Wirklich letzter Hitzeblock

Heute soll ein Rekord eingestellt werden. Wir alle können es kaum erwarten. Wir sind so gespannt, wie, sagen wir mal Prügelknaben vor einem Spießrutenlauf: wie viel werden wir abkriegen? Wie wird der Unterschied von 39,7 zu 40,0 Grad sein?
Wir können es kaum erwarten…
Noch ein Wort zu unseren volldurchklimatiserten Pavianärschchen in den Meteo-Redaktionen des Landes: Heute, als es um 1 Uhr Nachts noch immer 30 Grad hatte und um 6 Uhr früh bereits 26, bezeichneten sie das als: «außergewöhnlich milde Nacht». «Badewetter» ging wohl schlecht, da nächtens kaum jemand in die Schwimmbäder drängt.
Sie sind wie die depperte Ausgabe jenes Mannes, der durch die Wüste irrend auf eine Karawane stößt und den Anführer fragt, wie weit es denn noch zum Meer sei? «200 Kilometer», antwortet der Beduine. «Oh! Herrlich breiter Sandstrand!!!»

Badewetter!

Der Dummsprech, der in ihren klimatisierten Büros herumplappernden Fernsehaffen -und äffinen, die durch ihre vollklimatisierte Existenz diese Hitze mitverschulden, gipfelt darin, dass sie, angegeilt durch ihre runtergekühlten Pavianärsche, 36 Grad Celsius und mehr, als «Badewetter» ankündigen.

Die Seen haben sich inzwischen auf 30 Grad erwärmt, die Fische ersticken, die Gewässer kippen, die Leute hauen sich wegen eines Platzes im Teich in die Fresse, die Ähren verdorren, das Maislaub knistert wie trockenes Reisig, aber  für die Pavianärschchen ist es immer noch «super Badewetter».

Ich hoffe, sie kriegen Zahnweh in einer 35 Grad-Bude, während im Nebenzimmer ein durchdrehender Bauarbeiter mit dem Kangohammer Schneisen in die Wände gräbt.
Jawoll, es ist Badwetter!!!

(Zu solchen Bösigartigkeiten und Gemeinheiten kann einen die Hitze treiben. Seht ihr? Seht ihr?)

Politik und Wetter

Was auch immer die Beschwichtigungs-Taliban des Klimawandels und/oder die Orthodoxie der «Is eh normal, wa?» glauben, proklamieren, verneinen, abstreiten, beschönigen und leugnen, eins ist sicher: Beim Wetter tut sich was. Beim Klima vermutlich auch. The times they are a-changing, wie schon Bob Dylan wusste, und ich selber seh’s so: Die 4 Jahreszeiten werden auf zwei eingeschnurpft, auf eine Art Monsun, gefolgt von höllenartiger Hitze und Dürre.

Die Veränderungen müssen uns aber nicht betrüben, denn in Germany und Austria gibt es, zumindest in der Politik, super Konstanten. Dafür sorgen schon die Wählerin und der Wähler (deppert, fett und alt seien die beiden, vermeldete neulich ein Altpolitiker. Ich war’s nicht. Ausnahmsweise …). In beiden Ländern wird gewählt. In Österreich wird die große Koalition aus SPÖ und ÖVP weitertun, und in Germany wird sich Mutti anschicken, den Rekord des Oggersheimer zu brechen, 16 Jahre Lähmung, das schafft sie, da bin ich mir sicher.

Georg Diez sieht sich, bei null Alternativen, von seiner «Wahlpflicht» entbunden, und ich bin der Meinung, dass er recht hat. Mit dem Wetter müssen wir irgendwie klar kommen. Mit der Politik auch. Das eine können wir nicht wählen, und das andere sollen wir nicht (mehr) wählen.
Rufen wir ihnen allen die wahren Worte Jon Webbs zu: «Hört auf mich ins Ohr zu pimpern, Kumpels, fickt euch lieber ins Knie.»

Handke & Berg = Böll

In diesen süttigen Tagen, wo der Asphalt vor dem Haus flimmert wie in einem Western, siedendheiß die Luft, hab ich eine große Rolle Alufolie gekauft und damit von außen die Fenster zu geklebt, jawohl, in diesen Tagen mit 37, 38, 39 Grad, wo man Touristen für irre und Autofahrer für behämmert hält und selbst nicht dazu kommt etwas ordentliches zu produzieren, ja, an solchen Tagen ist man bereit für Jux und Tollerei, und Jux und Tollerei heißt in meinem Fall: Teile meines in Arbeit befindlichen Buches einem Test in der FAZ-Online zu überantworten welcher heißt: «Ich schreibe wie…»

http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx

Ich gab den Anfang und dann gab ich den Schluss ein (nur wenige Seiten). Der Anfang war wie von Peter Handke geschrieben, der Schluss von Sibylle Berg und alle Seiten zusammen, wie von, und jetzt kommts: von Heinrich Böll.
Madonna serpente! Handke und Berg = Böll.

Das hat was, finde ich. Nicht schlecht, für so’n Hitzetag, oder?

Endlich…

Nun endlich ist es soweit. Es hat fette 4 Jahre gedauert, aber dann war es da: Auch spiegel online hat sich getraut jene Frage zu stellen, die zu stellen sich so aufdrängt wie jene, ob man sich echt weh tut, wenn man vom Dreimeterbrett in einen leeren Pool hechtet:
Ist Putin schwul?
No na, würd man in Wien sagen, no na, a Hemd wird er sich doch noch kaufen können, der Oame?
Und wer stellt im Spiegel endlich, endlich die richtige Frage: Der S.P.O.N. Kolumnist, der Fleischhauer Jan, vom schwoazen Kanäu.

Wie schon angedeutet, unser alter Hausblogger Niedermann hat das schon vor vier Jahren gecheckt. So schaut’s aus:

Ist Putin homosexuell? Oder warum in Österreich andauernd Leute von der Polizei abgeknallt werden.

Mittwoch, 5. August 2009, 17:29 Uhr Bearbeiten
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In Österreich ist man Putin-Fan. Man mag Law and Order.
Väterchen Putin posiert mit nacktem Oberkörper, Goldkettchen, Pferd oder Fluss oder Fisch, Hauptsache, nackter Oberkörper. Nicht zu vergessen, große, coole Sonnenbrille. Wer sich in einschlägigen Magazinen auskennt, wie es z. B. Autoren tun, kennt die Codes. Man stellt sich unwillkürlich die Frage: Wann endlich folgt Putins Outing? …

Und wer vielleicht noch eines Beweises bedarf mag Putins Ex-Frau mit der Witwe von Jörg Haider vergleichen. Beide Ehefrauen schauen aus wie die Mütter der Burschis.

(Muss ich hinzufügen, dass es mir die sexuelle Ausrichtung eines Menschen so blunzn ist wie eine fette Blunzen?
Aber in Putins Fall ist das – mit den neuen Schwulengesetzen in Russland – ein etwas anderer Fall, oder?)