Die allermiesesten Guten

Ohne die Hilfe des «Satans», der USA, wäre die Katastrophe auf den Philippinen noch schlimmer ausgefallen. Das wusste gestern Nacht auch der österreichische Korrespodent vor Ort zu erwähnen, vergaß aber nicht (bereits im zweiten Satz) darauf hinzuweisen, dass diese Hilfe «wohl nicht ohne Hintergedanken» geleistet wurde, gehe es doch um die Vorherrschaft im pazifischen Raum, im Wettkampf mit den Chinesen. Ja, der Ami! Er kanns nicht lassen. Während wir anderen immer nur Kraft unserer guten Herzen den Elenden beistehen, ist der Ami auch in der guten Tat getrieben von Schlechtigkeit und seiner unersättlichen Gier nach Weltmacht.

Und dass Coca-Cola mehr gespendet hat als China, beweist doch nur, dass dieser Konzern Allmachtsphantasien hat, oder?

Man stelle sich einmal vor, Israel wäre der erste großzügige Helfer bei einer Katstrophe ? Kann man sich überhaupt etwas Verwerflicheres vorstellen ?

Wertgegenstände

Drei Obdachlose, die von der Polizei aus dem Wiener Stadtpark «entfernt» wurden, und deren Habe von den Beamten «rüchsichtslos entsorgt» wurde, haben deswegen beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingelegt.

Die Polizei ließ verlautbaren, dass «man die Sachen nach Wertgegenständen überprüft habe». Ja, dann …

In dieser autoritären Schnitzelprovinz ist es nur folgerichtig, dass die Obrigkeit bestimmt, was «ein Wertgegenstand» ist und was Müll.

Gespannt warten wir auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. Wir werden berichten …

Bitte festhalten

Der Aufsichtsrat des FC Bayern steht «wie eine Eins zusammen» und hält an Uli Hoeneß fest.
Sollte sich der eine oder die andere fragen, wie so «eine Eins zusammensteht», bzw. wie man eine «Eins» so hinkriegt, dass sie nicht mehr zusammensteht, dann müsste er/sie annehmen, dass das Leben kein Ponylecken ist, Schweigen besser als sich früh zu krümmen, denn wo der silbrige Redner den frühen Wurm fängt, fällt wahrscheinlich kein Meister mehr in die Grube.

Aber so ist das in diesen Kreisen: Man weiß nie, wann selber dran ist und bei einer kleinen Hinterziehung mal «eine zusammenstehende Eins» braucht.
Hoch! die inter-natio-nale Soli-dari-tät!

«Ändert euch?»

Neben jenen Kollegen, die mir und dem Rest der Welt ihre Schwarten ans Herz legen, ihre 500-und-mehr-Seiten-Kaliber, in denen sie uns den beklagenswerten Zustand der Welt schildern, «Fragen stellen» aber «keine Antworten haben», sind mir diejenigen am Liebsten, die lauthals mit der Forderung: «Ändert euch!», «Empört euch!» u.ä. in die Feuilletons gekrochen kommen.

Wärs nicht schön, wenn hin und wieder einer der Autoren, dessen Werk 24,90 kostet und bei deren Lektüre man sich in die Hand beißen muss, eine kleine Antwort für uns hätte? Und wenns nur die genaue Uhrzeit ist?

Bei denjenigen, die vorwiegend in Stadttheatern sitzen und ihrem Publikum zurufen: «‚Ändert euch!», möchte ich zurückbrüllen (unsubventioniert, unverhohlen und unverstellt): «Denk zuerst mal nach, Armin!»
Zuviel verlangt?

Als in den achzigern das Sgraffito: «Die Phantasie an die Macht!» an den Mauern prangte, schrieb der deutsche Agent für Zweifel, der Geschäftsmann Jörg Fauser: «Ja. Aber hat man dabei auch an die Phantasie der Folterknechte gedacht?»
Nicht ganz falsch, oder?

«Ändert euch!»
Was denn? Wer denn? Warum denn? Wohin denn? Wozu denn?
Soll ich meinen Nachbarn nicht mehr freundlich Guten Morgen wünschen, sondern ins Gesicht spucken? Soll ich nicht mehr versuchen, mich zivil zu benehmen, sondern gleich zuschlagen? Oder wie, oder was?

Nun, denn. Wie auch immer. Wir werden uns nicht ändern. Das ist bei einigen ziemlich gut, bei anderen nicht so. Man kann sich nicht einfach ändern. Die meisten können nicht mal aufhören zu rauchen oder die Scheiße ihres Hundes vom Gehsteig klauben. Für das erste braucht es die Klarheit und den Willen eine Sucht zu überwinden, für das zweite die Einsicht, dass der Gehsteig auch noch für andere da ist. Schwierig, schwierig.

Ändern wir erstmal, dass wir die «Ändert euch!» Rufe aus den Stadttheatern und von den Bestsellerlisten, ignorieren …

Neues aus dem Geisteszentrum

Natürlich gibt es nichts Neues aus dem Geisteszentrum. Außer, dass die jetzt die Kraftmaschinen austauschen wollen oder zumindest einen Teil davon. Heute war ich etwas später dran als sonst, erst gegen 9 Uhr, und da es Sonntag ist, sieht man auch andere Gesichter, respektive, andere Figuren; kurz, die Wochenendnerds entern den Laden. Man erkennt sie daran, dass sie lustlos auf den Geräten hocken und in den Satzpausen ins Leere starren, als hätte die Gattin sie aus dem Hause gejagt, damit sie mal den  Glutäus maximus von der Couch lüften. Da sitzen sie nun verdrossen, und wenn man sie anspricht um in ihren Pausen das Gerät zu benutzen, reagieren sie muffig.  Dieses Verhalten sind sie der unfreundlichsten Stadt der Welt schuldig.

Ich denke mir, warum bleiben sie nicht zu Hause, warum mampfen sie nicht noch einen «Mohr im Hemd», saufen noch a Achterl zum Frühstück oder schießen sich eine Kugel in den Kopf?
Aber wenn sie auch nicht so aussehen und sich nicht so verhalten wie wir Werktagsmorgentrainierer, sind es doch Menschen, wie man sagt, trainierende Menschen; Menschen, die einen Monatsbeitrag zahlen und deswegen das Recht haben auf den verdammten Maschinen zu hocken, niemanden dranzulassen, bis sie mit ihrem Stieren fertig sind.

Zu Hause lese ich dann in einem Interview mit einem Autor, Ex-Verleger und Liedermacher, dass Wien und Österreich bei Depressionserkrankungen und Selbstmorden ganz vorne rangieren. Und dann frage ich mich, woher das rühren mag, in dieser prächtigen Stadt, mit der höchsten Lebensqualität aller europäischen Städte. Nicht mal Zürich – wo man nur schon wegen der abartig hohen Mieten Grund genug hätte, sich einen «Tunnel in den Schädel zu bauen» -, kann diese unfreundlichen Millionen schlagen. Strange. Sage ich.

Aber ich habe da meine eigene Theorie: Hier, in dieser weichgespülten DDR, wo für den Menschen von der Wiege bis zur Bahre gesorgt wird, wo das Parteibuch und andere Zugehörigkeiten das Fortkommen bestimmen, wo mit «Leistung» eben diese Zugehörigkeit gemeint ist, und nicht die «Leistung» wie ich sie kenne; in dieser fortwährenden Fremdbestimmung, in der Nepotismus und Korruption so wunderprächtig gedeihen wie Algen in einem gekippten Gewässer, da nagt dann auch der Grant an einem. Ein seltsamer Grant, ein nicht als Grant erkannter Grant, denn es gibt eigentlich keinen offensichtlichen Grantgrund, nur dieses alles anätzende Unbehagen, dieser Hass auf den anderen, den man einfach abartig hassen muss, aus den verständlichsten und bestargumentierbarsten Gründe der Welt: Weil es ihn gibt!

Zum Glück ist Morgen wieder Montag. Da haben wir wieder Ruhe für 5 lange, schöne, süße Trainingstage …

Außer, so ein Anderer kreuzt auf …

Wenn Nazis dranglauben

In Athen werden drei Neonazis vor ihrem Naziparteilokal niedergeschossen, zwei sterben. Es ist Mord.

Interessant ist, wie die Presse darauf reagiert :“Zwölf Kugeln gegen die Demokratie”, titelte die Athener Zeitung “Ta Nea” am Samstag. “Hinrichtung mit Ziel die Normalität” (sic), meinte das Boulevardblatt “Ethnos”.

Wenn  gewalttätige Faschisten die selber töten, totschlagen, niedermachen, hetzen, ins Koma prügeln, ermordet werden, ist dies dann ein Anschlag auf die Demokratie? Nach dem Gewinsel der Schurnis zu urteilen: Ja.

Aber warum? Warum ist der Mord an einem Musiker, das Verprügeln von Flüchtlingen, das Verfolgen und Verächtlichmachen von Homosexuellen, Ausländern und Intellektuellen und herausgebrüllter Antisemitismus keine “Hinrichtung der Normalität”?

Wer weiterliest, erfährt es: Die wachsweichen Demokraten fürchten die Rache der Faschisten!

Darum ist es besser, wenn Nazis Schwule, Ausländer, und Farbige umbringen. Da ist Rache nicht sehr wahrscheinlich.

Im faschistischen Petrogottestaat Russland, hat die Obrigkeit ja gerade vorgemacht was zu tun ist, wenn der Mob, wegen eines mutmaßlichen Mörders, einen Pogrom gegen Ausländer vom Zaun bricht: Man verhaftet die Verfolgten und Verprügelten.

Ich wünsche allen frohe olympische Winter-Spiele in Sotschi!

Seit etwa 2 Wochen ist 1. November

Das nervigste Gewäsch mit dem es jemand zu tun bekommt, der sich dieser Tage den Medien nicht ganz verschließt, ist die Mär vom «Tod als Tabu». Zur Zeit ist kein größerer Bullshit am Dummdödelmarkt. Nicht mal Deutschlands gekränkter Narzissmus als «Ausspähopfer von Freunden», kann da mithalten.

Der Tod ist nicht tabuisiert, liebe Schurnis und Texter und Redakteuere, die ihr meine Zeit mit eurem nachgeplapperten Gefasel stehlt, es ist schlicht dummes Zeug was ihr da unter die Leute bringt. Aber es ist euch wurscht, weil ihr sowieso nur voneinander abschreibt.

Wenn es denn ein Tabu gäbe, dann nicht der Tod, sondern das Leben in seinen diversen Gestalten. Denn wir alle denken jeden Tag an den Tod, und noch jeder Dschungelcamp-Bewohner hat  seine gedanklichen Preziosen «über den Tod oder so» in seiner Autobiographie unter die Leute gebracht.

Aber wie wir wissen, dauert es etwa 25 Jahre bis als Dummheiten erkannte Dummheiten beim Demos ankommen und angenommen werden. Beispiel? Seit etwa 10 Jahren ist bekannt, dass z.B. der Body-Mass-Index zur Bestimmung von gesundheitsgefährdendem Übergewicht soviel taugt, wie eine Waage zur Bestimmung des Intelligenquotienten. Änderts was?

Also, ihr Blattfüller, Kolumnisten, Glossierer, Schurnis und Philosophendarsteller, lasst euch zum 1. November mal was Neues einfallen, und geht mir nicht mit eurem «Tabu-der-Tod-gehört-zum-Leben-Gefasel» auf den Geist. Danke.

Zahlt sich aus

Nehmen wir mal an, ich sei einer der vielen ordentlichen österreichischen Neonazis. Nehmen wir weiter an, ich wär auch nicht faul gewesen und hätte mir ein paar Verurteilungen der einschlägigen Art (Körperverletzung usw.) zugelegt, nehmen wir weiter an,  es würde mich & einige Kameraden gelüsten den kommunistischen Türken in Wien mal zu zeigen wer hier das Sagen hat, und im Zuge dessen würden wir einen netten, kleinen Überfall auf ein Vereinslokal unternehmen und dort ein paar Vereinsmitglieder aufmischen und die Einrichtung rückbauen, und nehmen wir weiter an, die Bullerei würde mich und ein paar Kameraden in flagranti catchen, was, glauben Sie, würde dann geschehen?

Soll ich es Ihnen sagen? Eigentlich gar nichts.

Nehmen wir aber an, ich wäre ein armer Teufel und hätte Job und Familie und Obdach verloren und ich würde im Wiener Stadtpark nächtigen, wo mich die Bullerei aufscheuchen und beamtshandeln würde, was glauben Sie, was würde dann geschehen?

Soll ich es Ihnen sagen? Buße von 194 Euro oder Haft.

Fazit? Es zahlt  sich in Wien noch immer aus, ein Nazi zu sein.

Bye, Lou!

«Und dann sah ich, dass er nicht allein gekommen war. Er war in Begleitung einer Frau, die einen Stetson mit hochgebogener Krempe trug, eine blaue Jeansjacke, und sie hatte eine verdammte Sonnenbrille vor ihren Augen, eine klassische Ray Ban, Mann, hier unten, im «Asyl», inmitten der nächtigsten Nacht! Eine Ray Ban. Wie Don Johnson in Miami Vice. Aber vielleicht war‘s gar nicht Don Johnson, und schon gar nicht Miami Vice, ich war nicht gut in solchen Dingen, ich sah nie fern, las keine Zeitschriften, kümmerte mich nicht um Mode und Trends, aber ich erkannte eine klassische Ray Ban, wenn ich eine sah.
Einst, vor hundert Jahren, hatte ich selber eine besessen, damals, als ich gedacht hatte, dass sie mir das Aussehen des jungen Lou Reed verleihen würde, was vielleicht nicht ganz daneben war, denn welcher schlanke Junge mit dichtem Haarwuchs sah mit einer Ray Ban nicht aus wie Lou Reed?
»

Aus „Das Glück der falschen Fährten» / Novelle / Edition BAES

Unterwegs mit Harthelm

Ich ging mit Harthelm Zonder, dem Akkordeonisten von «The Lafayette Slings» die Favoritenschlucht hinunter, um im Museumsquartier die «Independent Verlagsmesse» zu besuchen.
«Wieso ist Songdog eigentlich nicht dabei?», fragte Harthelm auf der Höhe meines Änderungschneiders, der mir vor 4 Jahren einen neuen Reißverschluss in die Lederjacke genäht hatte. Er hatte dafür 3 Wochen gebraucht. Solche Typen habens gut, die sterben nie, weil sie den Tod immer wieder vertrösten können.
«Man hat mich zwar gefragt ob ich Interesse hätte, aber nachher kam nichts mehr. Songdog ist also selbst für die Independents zu unabhängig.»
«Das ist also deine Interpretation?»
Ich sagte, klar, was sonst, und dann wechselten wir das Thema. Harthelm war von einer Tour durch Alemannien zurück und nun war er deprimiert. Nicht weil die Tour zu Ende war, sondern weil er wieder Zeit fand, deprimiert zu sein.
«Mir ist aufgefallen, dass ich mich immer irgendwie schuldig fühle», sagte er. «Eigentlich mein ganzes Leben schon.»
«Morbus katholicus», sagte ich. «Kenn ich.»
Wir gingen am besten Asian-Lokal Wiens vorbei. Es hatte geschlossen. Wenn es geöffnet war, werkten hier Generationen in diesem winzigen Laden, der aber bereits überfüllt wirkte, wenn ich mich an einen Tisch setzte.
«Du hast vermutlich recht, zumindest was unsere Generation betrifft. Wenn irgendwas in zwischenmenschlichen Bereich nicht hinhaut, dann geb ich mir die Schuld …»
«Und das macht aggressiv, was!», sagte ich aggressiv. «Das ist echt Pussy-like.»
Wir blieben an der Ampel stehen. Sie war rot und kein einziges Auto war in Sicht. Wir gönnten uns einmal den Luxus nach den offiziellen Regeln zu spielen. Es war richtig nett an einer roten Ampel zu warten und sich dabei über Schuldgefühle, Depressionen und Aggressivität zu unterhalten.
«Vielleicht ist es ja deine Schuld?», gab ich zu bedenken. «Vielleicht baust du ja wirklich andauernd zwischenmenschlichen Mist? Du bist Musiker. Dein Ego ist mächtig. Du bist kompliziert und wenn du nicht auf der Bühne stehst, bist du verletzbar wie Bob Dylan bei einer Preisverleihung…»
«Hör mir auf mit Bob Dylan … In Zusammenhang mit Schuld und Depro …»
Ich hörte also auf mit Bob Dylan. Harthelm blickte nun irgendwie trotzig und traurig der Ampel ins Gesicht, und als es grün wurde, liefen wir nicht los. Weder er, noch ich machten Anstalten uns zu bewegen. Zwei beige Wagen kamen und hielten vor ihrer roten Ampel. Wir standen festverankert auf dem Bordstein, schweigend und grimmig, und als unsere Ampel wieder auf Rot wechselte, gingen wir los. Im selben Augenblick, als die Autos die Gänge einlegten. Es waren Wiener. Sie droschen aufs Horn. Das waren sie sich schuldig. Harthelm und ich schritten würdevoll zur anderen Seite. Oldassbastards. Da war wieder ein Asia-Restaurant. Es war groß und leer, verlassen und trist und die weißen Servietten schienen in dem Halbdunkel zu leuchten.
«Wie fühlst du dich jetzt?», sagte ich zu Harthelm, der für einen langen Augenblick aussah wie Bob Dylan, als er mit Bruce Springsteen «Forever young» gespielt hatte.
«Besser. Gehn wir auf einen Sprung nach Anzengruber?»
«Zu, Anzengruber.»
«Wieso, zu? Heute ist doch nicht Sonntag?»
Den brachten wir jedes Mal. Als Ausdruck unserer Liebe zu Redundanz und faulen Witzen.
Die «Independet Verlags Messe» im MuQua haben wir nie erreicht.