«Punkrock und Verbrecher»

Heute erreichte uns die Nachricht, dass der «Gentleman-Räuber» Ronald «Ronnie» Biggs diese Welt verlassen hat, just an jenem Tag, an dem Keith Richards seinen Siebziger begeht. So kanns gehen. Ob die beiden Ereignisse in irgendeinem Zusammenhang stehen? Keine Ahnung. Aber wenn einer es wissen könnte, dann ist es bestimmt Franz Dobler, denn solches zu wissen, miteinander zu verknüpfen sind seine Spezialität und gehören zu seinem Job.

In seinem neuesten Buch «The boy named Sue» Aus den Memoiren eines zerstreuten Musikliebhabers (erschienen bei der Edition Tiamat) gibt es eine Story «Punkrock und Verbrecher» in der der Autor ein Rudel Punks am Münchner Hauptbahnhof beobachtet. Und natürlich weiß Franz Dobler um die Verbindung von Ronnie Biggs und Punk und daraus zieht er seine Schlüsse. Und man muss es einfach sagen: Wenn Dobler Schlüsse zieht, sind es die richtigen. Und besser als «richtig» ist nur «klug», und vielleicht noch «gscheit» und vor allem: «humorig».

Ach was! Dieses Buch ist ein Hammer. Ganz frühe Sachen (Memoiren, hearst!!!), wie der Text über Chet Baker, erschienen in der Zeitschrift «Ziegelbrennen», den ich die Ehre hatte, 1989 an der letzten «Sage und schreibe» Veranstaltung in München zu lesen, und ganz frisch memoriertes, wie die Reminiszenzen an verflossene Filmtage mit Freund Hubl Greiner (der übrigens dabei ist, einen Film über diesen Autor fertig zu stellen) werden vorgestellt, und man muss verdammt nochmal kein Musikfreak sein, um das Buch zu mögen.
Es reicht schon, wenn man Lust auf kluge, humorvolle und machmal auch traurige Unterhaltung hat.

Franz Dobler
THE BOY NAMED SUE
Aus den Memoiren eines zerstreuten Musikliebhabers
190 Seiten  /  14 Euro
Edition Tiamat

Songdog singt für: «Mehr war nicht drin»

Ich begegnete den Gedichten von Florian Günther zum ersten Mal im Regionalexpress von Schweinfurt nach Nürnberg. Ich steckte im überfülltesten Zug, den die Welt je gesehen hat und an jeder Haltestelle rückten nochmal massige, schwarze Menschentrauben nach, bis dann im sonnig fröhlichen Haßfurt, ein Punkerpärchen mit Baby zustieg und seinen Kinderwagen  – wie den Korken auf die Flasche – in den Zug drückte.

Die Räder kamen auf meine Füße zu stehen. Und das war gut so. Denn so entstand vor meinem Gesicht eine Lücke, die ich mit Florian Günthers Buch «Mir kann keiner» füllte.

Was mich erstaunte: Die Stimmung im Zug war kein bisschen gereizt oder aggressiv, eher ruhig, gelassen und freundlich. Solidarisch. Und so stand ich da, die Gedichte direkt auf der Nase und bald wurde mir klar, dass diese Gedichte genau von diesen Leuten hier handelten. Von Alten und Punkern, von Türken und Beamten, von Reisenden, Ausflüglern und Typen mit Bierdosen in den Händen, jungen drallen Frauen in kurzen Kleidern und Mackern im Muscleshirt, von Eltern mit ihren Kindern. Von uns. Und es war in etwa auch die gleiche Stimmung. In den Gedichten, wie im Zug.
Später, im Flugzeug nach Wien, fragte ich mich, ob die Stimmung die ich wahrgenommen hatte, nicht vielleicht eine Projektion von Günthers Gedichten waren? Und wenn es so wäre: So what? Wie genial!

Florian Günthers Gedichte sind verdichtete Kurzgeschichten. Kein Wort zuviel, aber nie karg oder spröde, sondern immer prall und voll Leben. Nie belehrend. Jedes Wort hat seinen eigenen Sound, und wer ein bisschen Ahnung vom Schreiben hat, weiß, wieviel Arbeit hinter diesem scheinbar mühelos Hingworfenen steckt.

Letztes Jahr hat Florian Günther einen wunderbaren Fotoband (Reisen ohne weg zu müssen) herausgebracht, und gerade eben ist im Peter Engster Verlag ein weiterer Gedichtband erschienen. «Mehr war nicht drin», 74 Gedichte.

Eins ist sicher: er ist noch besser geworden. Als Dichter, und vermutlich auch als Berliner und Friedrichshainer. Klarer, und einen Tick weicher, und freundlicher. Aber immer noch zeigt er uns die Dinge und Typen und Frauen wie sie sind, und indem er sich eines Urteils enthält, wird klar: Dieser Mann ist nicht nur ein Dichter, sondern auch ein Menschenfreund, ein Humanist. Er versteht uns. Und mich erinnert jedes Gedicht daran, dass ich mich verdammt noch mal zu bemühen habe …

Florian Günther
«Mehr war nicht drin»
74 Gedichte

Verlag Peter Engstler, 2013
128 Seiten, Broschur

Preis 14,80 Euro
ISBN 978-3-941126-53-4

Schmankerln aus Niederösterreich

«Mir gehen die Scheiß-Asylanten sowieso am Oasch, aber schuld sind die Pressefritzen, die gehören aufgehängt, de san wia de Juden!»

Ausspruch des Gföhler Bürgermeisters. ÖVP (Regierungspartei)

«Sie gehören ja aus dem Verkehr gezogen und sterilisiert, damit sich so etwas nicht auch noch weitervermehrt. Ihre Redaktion gehört angezündet und eingeäschert und das Hetzblatt ‚Profil‘ verboten.»

Josef Schlögelhofer, Lehrer und ÖVP-Gemeinderat aus dem Stiftsgymnasium Seitenstetten. Post zu einem kritischen Bericht über die Lehrergewerkschaft im Magazin «Profil».

Wohlgemerkt: Das stammt nicht von 1941, sonder von 2013.

Wer braucht schon die Neonazis, wenn’s die ÖVP dasselbe, öfter und zuverlässiger, und als Regierungspartei, liefert?

Am 6.12. erscheint der SUPERBASTARD extra#1

Dem Songdog Verlag wird die Ehre zuteil, dem Augsburger Dichter und Sänger Benedikt Maria Kramer bei der Herausgabe des SUPERBASTARD unterstützend zur Hand zu gehen.
Es ist inzwischen die 5. Nummer die so unter die Leute kommt.
Berühmt auch die Superbastard-Lesungen in Augsburg! Genau wie früher, als Lesungen auch dem Kneipenpersonal Spaß machten, und die mitunter auf der Notaufnahme ausklangen …
«…was ursprünglich eine kleine Sondernummer werden sollte, hat sich in den letzten Wochen zu einem rund 90 Seiten dicken superbastardextra entwickelt. Das liegt nicht daran, dass wir alles drucken, sondern an den vielen verdammt guten Texten, Gedichten und Fotografien, die unsere Redaktion erreichten.


*LOVE CHILD* – superbastard extra #1
Songdog Verlag Wien
Paperback, 88 Seiten
€ 9,95 (zzgl. Porto und Versand)
ISBN 978-3-9503557-2-7
Gedruckt wie immer bei MARO, Erscheinungsdatum pünktlich zu Weihnachten.
Wer vorbestellen möchte, darf das gerne tun und bekommt den Sonderbastard zum Sonderpreis von 8,00 (zzgl. € 2,00 für Porto und Versand). – Bitte bis 30. November eine E-Mail an mich.

*****
Unter den Autoren finden sich einige altbekannte Bastarde wie Florian Günther, Jerk Götterwind, Michi Sailer, Andreas Niedermann, Urs Böke und Ni Gudix, aber auch Bastard-Babys wie Christin Zenker, Marvin Chlada, Constanze Ramsperger, Marcus Mohr, Susann Klossek und Marc Mrosk.
Dazu zwei exklusive Übersetzungen: Metta Victor (Aus dem Amerikanischen von Ni Gudix) und Ingvar Ambjørnsen (Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs).

Stargast ist diesmal Georg Büchner.

Außerdem … Fotografien von Deborah ParkinJacqueline RobertsFlorian Waadt und Florian Günther!

Für Liebhaber anspruchsvoller Underground-Literatur das Weihnachtsgeschenk unterm Christbaum!
Danke im Voraus und herzliche Grüße!

Benedikt Maria Kramer

Quién sabe?

In Wien gibt es zwei Dinge die man seinen Kindern außer Haus beibringt: Beobachte die Autos auf der Straße und auf dem Gehsteig die Hundekacke. Das eine ist überlebenwichtig. Das andere … irgendwie auch.

Auch wenn deine Ampel auf grün ist, schärfte ich meinen Mädchen ein, guck trotzdem. Rechne immer mit den Aussetzern, Fehlern, Drogenmissbräuchen und Blackouts der anderen. Vertraue nur dir selber. Trau nicht mal deinem Alten!

Als ich heute morgen auf dem Weg ins Geisteszentrum die 4-spurige Wiedner Hauptstraße queren wollte, kam vom Südhügel her die Ambulanz des Wegs, bretterte mit Blaulicht und Tatü über die kurvige Piste. Ein etwa 10-Jähriges Kerlchen kam auf seinem Scooter ebenfalls des Wegs und querte den Zebrastreifen, denn wir Pietoni hatten gerade Grün. Der Kleine, das erkannte ich, sah nichts, hörte nichts, er blickte traumhapert geradeaus, denn er hatte das grüne Licht erblickt und wixte nun seinem Unglück entgegen. Aber bevor es dazu kam, fuhr ich meinen linken Arm aus, diesen langen, starken Arm, und riss ihn zurück. Die Ambulanz wischte vorbei und ich sah noch, wie der Fahrer die Hand hob. Zum Dank, nehme ich mal an. Ich ließ den Kleinen los. Seine Miene war nicht einen Millimeter verrutscht. Er zockelte weiter Richtung Schule.

Ich bog in die Hartmanngasse ein und dachte, dass ich womöglich gerade einen ziemlich hässlichen Unfall verhindert hatte. Ich meine damit eine Sache, die man nie mehr vergisst und die eine Menge Leute ihr Leben lang unglücklich gemacht hätte.

Ja, vielleicht hätte es der Kleine ans andere Ufer geschafft, aber durch die Vollbremsung wäre die Ambulanz ins Schleudern gekommen und hätte mich erwischt. So hätt’s auch laufen können. Man weiß es nicht. Und man will es auch nicht wissen.

Dies bedenkend trat ich im Geisteszentrum den Ergometer in Grund und Boden um das Adrenalin zu löschen, und kam dabei zum Schluss, dass es mitunter nicht verkehrt ist, einem anderen zu helfen. Denn man weiß nie, ob es einen nicht selber erwischt, wenn man es bleiben lässt …
So ein Egoschwein war ich.

Songdog singt für: «Was tun?»

Ich habe eine Schwäche für Essays, vermutlich seit Michel de Montaignes «Essais» und seither zieht es mich magisch in die Nähe dieser vitalen literarischen Gattung, in der Autor so ungeniert «Ich» sagen darf, wie Céline in «Norden».

Und vor einiger Zeit habe ich so einen Essay in die Hände bekommen, ein geradezu wunderbares kleines Werk von gut 60 Seiten, aber nichts desto trotz eine ganz große Arbeit von einem ziemlich jungen Mann (1977), der sich einen Namen als «Theatermacher» gemacht, der in Moskau in beinahe beängstigender (und gefährlicher) Weise die «Pussy Riot-Prozesse» «simuliert» und in Zürich die Journaille der «Weltwoche» vor Gerichts stellte, nämlich der Regisseur und Autor Milo Rau. Sein kleines, wunderbares Buch heißt (nach der berühmten Fragestellung Lenins): «Was tun?»

Und damit ist bereits gesagt, um was es geht. Nämlich um uns, um uns «Linke» aller Couleur, die wir uns nicht mehr so ganz sauber und zweifelsfrei zurecht finden seit 1989, um die «Verbieterli-Parteien», und die subventionierten Stadttheater-Welt-und-Gesellschaftskritiker, um uns Pflaumenkuchenkünstler und halb verzagten Biohähnchenflügelbenager, um die Bono-Fans mit dem Afrikafimmel, kurz: Um jeden und jede, die sich – zumindest einmal -, als linksstehend verortet haben.

Dieses kleine Büchlein ist (wie Reich-Ranitzky gesagt haben würde) «glänzend geschrieben», in einer klaren und unterhaltenden Prosa, die Analyse hält, es ist durchzogen von einem nicht ungrimmigen Humor; und vor allem, durch was es mich – unter all den gefühlten Millionen von Schwarten in denen Autoren «keine Antwort haben, aber Fragen stellen» – ganz speziell einnimmt, ist: es gibt Antworten. Ganz konkret.
Ob sie uns schmecken, ist eine andere Frage …

Milo Rau, «Was tun?»,  Kein&Aber  € 7,90

«Was ist ein Neger?»

Neulich traf man sich wieder mal im auf Antiquariat aufgeziegelten TV-Kabuff von Sychrovskis «erlesen» und huldigte dem Genie Österreichs. Und wenn dem österreichischen Genius gehuldigt wird, muss natürlich ein geistiger Minderleister seine Prügel beziehen, und man wäre nicht in Österreich, wenn es nicht der «Piefke» wäre, und wenn’s nicht der «Piefke» ist, so ist es halt der Ami. So auch diesmal.

Da saßen sie, der Sychrovski Heinze, der Zigarettenphilosoph Robert Pfaller, der greise Journalist und Autor Hugo Portisch plus einer schweigsamen Lady, und ergingen sich in Klagen über die vermaledeite «PC», die es ihnen nicht mehr erlaubte den «Neger» auszupacken und unbeschwert im Munde zu führen. Und warum, ja, warum? Weil der dumme und grausame Ami sich nun seiner Taten schämt und die Nachkommen seiner schwarzen Sklaven nicht mehr «Nigger» nennen will.
Und büssen muss dafür das Hochkulturland Austria, weil es jetzt mit dem «Mohr im Hemd» ein Problem hat. Und auch das «Zigeunerschnitzel» muss dran glauben, die Menuekarten des Landes werden verstümmelt, und Sychrovski wusste zu berichten, dass der Ottfried Preussler noch auf dem Sterbebett dem «Neger» in seinen Hotzenplotz-Büchern abschwören musste. Es ist ein Gfrett. Und warum das alles? Dies war in dieser Runde nur eine rein rhetorische Frage: Der Ami hats verbockt und uns eingebrockt, wie den restlichen Scheiß auch, claro.
Die Sache mal vom Standpunkt der Betroffenen (um das geht es nämlich bei PC!) zu betrachten, tat man natürlich nicht, denn Neger bleibt Neger, und den «Mohr», da wusste der Pfaller Bescheid,  gibts schon seit dem Mittelalter, und was es seit dem Mittelalter gibt, das kann doch nicht falsch sein, oder? So gings also dahin, wie man so sagt.

Aber der Held der ganz jungen Österreicher ist ein dunkelhäutiger Fußballer. Er heißt David Alaba und spielt bei Bayern München. Und um die schwärmenden Jungs und Mädchen ein bisschen zu provozieren, sagte ich zu ihnen: «Hey, das ist doch ein Neger, oder!»
Sie blickten mich verständnislos an.
Und mein kleiner, kluger Neffe antwortete: » Was ist ein Neger?»

Tja, so kanns gehen. Während die ältlichen, egoistischen Dummköpfe noch über dummes Zeug lamentieren, ist für die Jugend der ganze Scheiß längst gegessen, beziehungsweise, sie wissen nicht mal mehr, über was die verhärmten Gurken abschwallen.
Find ich ziemlich gut.

Blähungen des Geistes

Gerstern Nacht sah ich es wieder einmal. Eher zufällig, als ich ein bisschen rumzappte und bei «Stöckel» landete, wo gerade ein angehender «Mister Universum» der Talkrunde erklärte, dass alle irgendwie «Bodybuilding» machen wenn sie trainieren und dass er in Wettkampfzeiten 13 Eier täglich verspeise. Staunen. Mehr über die Eier, als die Muskeln und die Aussage.
Ihm gegenüber saß der Journalist Karim El-Gawhary und lächelte dieses  Lächeln, das ich eben schon länger nicht mehr gesehen hatte, diese Mischung aus Süffisanz, Ironie und einem Spritzer Arroganz, als hörte er einem etwas ungeschlachten Kind zu, dessen Dummheit ihn amüsierte.

Ja, so lächeln die Intellektuellen, Künstler, Schriftsteller, wenn sie einem Mann begegnen dessen Leidenschaft, Siegeswillen und Opferbereitschaft dem eigenen Körper gilt. Denn dies ist dumm und eitel und irgendwie abartig, aber vor allem ist es eines: Total unter der Würde eines «Geistmenschen».

So ist es. Ein wächsener Speckmantel über teigigen Muskeln war in unseren Breiten schon immer das Erkennungsmerkmal der Intelligenz. Sehen wir mal von ein paar unbedeutenden, aber sportiven Ausreißern, wie: Vladimir Nabokov, Pier Paolo Pasolini, Samuel Beckett, Ernest Hemingway, Henry Miller, John Irving oder David Foster Wallace, ab. Um nur die allerunwichtigsten zu nennen.

Der Ruch der Eitelkeit und Dummheit umweht den Bodybuilder. In den sechziger Jahren, als die ersten Bilder dieser ausserirdisch muskulösen Typen auftauchten, hieß es allenthalben, dass diese Jungs «nicht mal einen Sack Zement heben» könnten, da ihre Muskeln nur mit Luft gefüllt seien. Das war zum Wiehern! Die hauen dir den Zementsack mt einer Hand links und rechts um die Ohren, Männeken Baumalocher, that’s for shure!

Mögen sie lächeln, die Geistesgrößen im wächsernen Speckmantel. Sie sind in ihrer Eitelkeit und den geblähten Hervorbringungen ihres kreativen Potenzchens dem Posing der Bodybuilder beim Wettkampf ziemlich ähnlich. Sie sehen nur nicht so schockierend gut aus …

Das Sprüchemuseum (32)

«Wenn alles nach dem Willen der Gewerkschaft ginge, könnte man die Todesstrafe am Galgen nicht mehr abschaffenwegen des Verlusts eines Arbeitsplatzes.»

Dieter Hildebrandt (1927-2013)

Wir sagen: Warum kannte sich dieser Deutsche so gut in Österreich aus?

Jubeln und sinken

Die «Buch-Wien» hat ihre Tore geöffnet.
Man hat – dem Vernehmen nach – auch schon Leute Gutes über diese Buchmesse sagen hören.  Möglicherweise kam es von den Firmen, die die Stände an die Verlage vermieten …

Jedenfalls hat die schwäbische Büchner Preisträgerin Sibylle Lewitscharow die Eröffnungsrede gehalten. Und in dieser Rede solls richtig zur Sache gegangen sein. Vor allem Amazon hat sein Fett weg gekriegt:

«Amazon bezahlt keine Steuern in den Ländern, in denen dieser widerliche Club eine Menge Geld verdient, er bezahlt seine Angestellten empörend schlecht, ruiniert die Buchhändler und zunehmend auch die Verlage.»

Jawoll. Amazon. Schlecht. Böse. Amerikanisch. Ausbeuter. Killer.
Ich gönnte mir den Spaß und sah mich auf Amazon nach den Büchern von Frau Lewitscharow um. Und siehe da: Da waren sie alle versammelt, die schwäbischen Preisträger-Werke. Suhrkamp.
Nun, dazu kann Frau Lewitscharow nichts. Es ist der Verlag, der es sich nicht leisten kann, auf den Amazon-Vertrieb zu verzichten. Ich weiß nicht. Vielleicht könnte eine schwäbische Büchnerpreisträgerin beim Verlag darauf hinwirken, dass ihr Opus aus dem Sortiment der amerikanischen Bösmannfirma genommen wird?

Aber als Schwäbin wird sie halt auch rechnen können. Und als Katholikin hat sie ja immer noch die Möglichkeit, die ganze Kiste ins Jenseits zu schieben, und dort (göttliche) Gerechtigkeit zu erhoffen, was auch in ihrer Rede irgendwie anklingt:

«Das, mit Verlaub, ist eine ziemlich scheußliche neue Welt. Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben – was leider nicht sehr wahrscheinlich ist – werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken…»

Dann jubel mal und sink.
Derweil verkloppen wir weiter unsere paar Bücher auf Amazon. Frau Lewitscharow und Suhrkamp auch, oder etwa nicht?