HDS: PARTLY FICTION

Wer den großartigen Film von Sophie Huber über Harry Dean Stanton – «Partly fiction» – gesehen hat, der wird es nicht vergessen. Wie Harry Dean Fred Neils «Everybody’s talkin'» performt hat. Ja, performt. Im riesigen Lehnstuhl sitzend, sonst nichts. Im off die Gitarre von Jamie James, und sonst schon wieder nichts.

Und jetzt ist es da. Das Debut. Eines 87-jährigen.
Wenn jetzt einer fragt: Wer ist dieser  Harry Dean Stanton?, der fängt eine lebenslange Sperre für diesen Blog, und eine Clockworkorange-Zurichtung für  Florian von Henckel Donnersmarck-Filme.

Wenn es Harry Dean nicht völlig wurscht wäre, würde ich jetzt sagen: Schnappt sie euch! Die CD!

«Wehret den Anfängen»

Gestern habe ich etwas verstanden. Ich habe verstanden, was die österreichische Sozialdemokratie unter «Wehret den Anfängen» versteht.
Bislang war ich der Meinung, dass es um das Erkennen von aufblühenden totalitären Tendenzen geht, das Widerstandleisten gegen Diffamierung von Andersdenkenden, gegen die Unterdrückung der Opposition und damit die Ächtung von Diktatoren.
Geht es auch.
Aber – und das ist es, was mir gestern beim Anblick  der flotten Reblaus-Party mit Putin, mit der feixenden Bundesomi und den versammelten Entrepreneuren der heimischen Wirtschaft, blitzartig eingeschossen ist: Man muss das «Wehret den Anfängen», nicht nur skandieren, man muss es auch erfolgreich gestalten. Und wie macht man das? Ganz einfach: Man wehrt den Anfängen von vor 80 Jahren. Mit dem Widerstand gegen das Naziregime in den 30-ger Jahren, ist man heute, 2014, ziemlich erfolgreich.
Diese Anfänge sind gemeint.
Das habe ich jetzt kapiert.
Wer hat uns verraten?
Genau.

Der Wladimir und die Omi

Der nächste Despot reitet in Wien ein, es folgt Schlag auf Schlag, in der beliebsten City der Rechtsradikalen, SS-Philosophen, Tyrannen, Despoten, OLigarchen und den einheimischen Geschäftemachern.
Heute ist der Wladimir dran, der Putin Wladimirowitsch, dem man den roten Teppich ausrollt, die halbe Stadt absperrt, damit er von Demonstranten unbehelligt, ins Büro der Bundesomi, dem Fischer Heinzi, findet.
Österreich erweist sich wieder mal als verlässlicher Partner. Nein, nicht für die EU – für Russland.

Der leisen Kritik der anderen EU-Staaten gedenkend, hat Heinz Fischer versprochen, dass er bei Putin «für friedliche Lösungen werben» und eine «faire, klare, deutliche Sprache sprechen, zu verschiedenen Themen, die auf dem Tisch liegen».

Uns wurde – von zuverlässiger Quelle – folgender Dialog aus der Hofburg zugespielt:

Bundesomi: «Eins muss ich dir schon noch in aller Deutlichkeit sagen, Wladimir …
Wladimir: «Sprich dich aus, Omi …»
Omi: «Also, weng der Ukraine, Wladimir, – waasst eh, odrrr?»
Wladimir: «Kloa, waass i eh.»
Omi: «Supa! Und? Wie gfallt dr mei Büro?»
Wladimir: «Eh supa!»

Dolly und der Fußball

Zugegeben, der Sieg der Schweiz gegen Frankreich hätte etwas überzeugender ausfallen können. Nun gibt es nicht wenige Neider, die laut fragen, wie die überhaupt in die Endrunde geschlüpft sind, die Schweißer. Ich würde mal sagen (Spoileralarm!) : Pimperl-Quali-Gruppe.
Trotzdem, man sollte sie nicht schmähen die Weißkreuzler, denn immerhin haben die vielen Schland-Legionäre in Schland gelernt, dass es erst zu Ende ist, wenns zu Ende ist, und dass man, bis es soweit ist, sein Bestes gibt und auch sein Blut auf dem Platz lässt, wenn’s denn sein muss. Und es musste sein, wie die kickboxenden Eric Cantonas-Epigonen bewiesen.

Na ja. Jetzt höre ich die grandiose Dolly Parton, die Marilyn Monroe des Country, mit ihrer Hammer CD «The Grass is Blue», diesen sprudelnden Bluegrass, der mich allen Fußball vergessen macht und auch, dass wir gestern, der Herr Hitz und ich, im Anzengruber umringt waren von Frankreich-Fans, die, wie ich vermute, eigentlich keine Frankreich Fans waren, sondern Knipper die nur die Schweiz verlieren sehen wollten. Alle wollen nur die Schweiz verlieren sehen. So ist das nämlich. Oder wie der Moni Youssef vor Jahren sagte: «Israel is the best Soccer-team in the world. I don’t know, why we always lose.»
Aber ich bin ja selber so ein Mieser, denn ich bin kein Costa Rica-Fan, sehe aber gerne wie die Azzuri einen einfangen. Und als es selbst  Oma Pirlo in der 3. Nachspielminute nicht gelang noch einen aufs Rohr zu flanschen, war ich irgendwie enttäuscht, denn das ist man von den Jungs in Blau nicht gewohnt, aber gar nicht.

So, und jetzt ist die sagenhafte Dolly durch, aber ich lass die Scheibe gleich noch mal kreisen … So gut ist die. So irre gut …

Piss off, Leidenschaft!

Zwischen den verschiedenen Rechtsextremendemos durch Wiens Straßen, den Besuchen diverser Despoten und Antidemokraten, russischen Kriegsgurgeln und SS-Philosophen, also all den feinen Events für’s Gemüt der berühmten «30%», und dem Stoneskonzert für den fortgeschrittenen Rock-Spießer – den wir dann möglicherweise wieder unter den Jubelpersern beim Putin antreffen -, zwischen all diesem geistigen Hämorrhoidensalben Geschmiere, gibts noch etwas: Das zarte Pflänzchen Fußball.
WM sei, hört man hin und wieder. Aber da die Türkei nicht dabei ist, bleiben wir auch von nächtlichem Auto-Corso-Gehupe verschont, es ist ruhig hier, und nicht mal aus den offenen Fenstern der Nachbarschaft brandet Jubel oder ächzt Selbstmordgestöhn, es geht allen offenbar am Glutäus maximus vorbei: Die Engländer, die Spanier  kacken ab? Na und? Wen juckts?

Ich wundere mich. Sonst war mehr los. EM oder WM, man konnte sie immer fühlen, in den Straßen, in den Smalltalks. Aber heuer? Nicht mal die Jungs und Mädels aus dem Hort kriegen sich darüber richtig in die Haare.

Aber: Heute Abend besiegt die Schweiz Frankreich. Doch werden die 2-3 Tausend Schweizer in Wien einen Auto-corso veranstalten? Wohl eher nicht. Die Schweizer die ich kenne, haben nicht mal ein Auto. Vielleicht mit dem «Velo». Zweimal die Klingel ringen. Und für die Existentialisten unter uns: 3 mal.
Ich höre schon, wie wir unseren superlativigsten Superlativ ausstreuen, nachdem die mit dem weißen Kreuz in Führung gegangen sind: «Nöd schlächt.»
Jawoll! Leidenschaft muss sein.
Muss sie? Gibts nicht schon genug davon? Doch, finde ich.

Einmal schoss einer ein wunderschönes Tor und danach setzte er sich einfach ins Gras, umschlang mit den Armen die Knie und blickte in den Himmel.
Das war der schönste und berührendste Torjubel, den ich je gesehen habe.

Danke fürs Kommen, Erdogan

Das Gesocks der «Identitären» hatte neulich seinen Wien-Auftritt, dann machten 83 rechtsnationale Burschenschafter auf 500, und ließen ihren Spaziergang durch die Innenstadt von 1000 Bullen bewachen; und heute, heute kommt der Erdogan und kurz darauf der Putin.
Die Politik ist etwas aus dem Häuschen. Die Bundesomi Heinz Fischer antichambriert schon allerorten und übt im fortgeschrittenen Alter den extremen Spagat à l’autrichien, und auch sonst: Man macht sich Sorgen.

Aber wir müssen doch dem Erdogan dankbar sein, dass er nach Wien kommt, um hier seine Anhänger gegen Demokratie, Integration und «Antitürkentum» aufzuhussen. Warum? Weil nun endlich sichtbar wird, was vorher niemand sehen wollte: Wie ein großer Teil der hier lebenden Türken tickt. Das wird vielleicht unschön. Vielleicht gucken auch mal die großen Parteien in ihre Reihen und sehen sich mal an, wen sie als Vorzeigemigranten angeworben haben? Und vielleicht geschieht gar etwas bei der Linken, und man denkt auch mal nach, bevor …

Dem FPÖ- Strache und den anderen gefühlten 82% rechten Austriaken, würd der Erdogan ja schon gefallen, so resch und fesch und autoritär und humorlos, spießig und anitdemokratisch wie er daherkommt, aber leider, leider hat der Mann die falsche Nationalitität – die falsche Religion.
Aber am 24. Juni kommt  der Vladimir Vladimirowitsch Putin. Da stimmt dann einfach alles …

Das Sprüchemuseum (38)

«Früher, als mein Haar länger und der Rock etwas kürzer war, war man auf einem Konzert der Rollings Stones vor den Squares (Spießern) sicher. Heute sind die alle auf dem Konzert.»
Dr. med. Anna Rainesen

Wir sagen: Jo mei, wenn sonst nur Fußball ist?

Das Sprüchemuseum (37)

Mit diesen 3. Liga-Schiris ist das Toreschießen wie beim Prostatapatienten: 3 mal aufstehen, um einmal zu pissen!

Saerdna Namredin, indischer Poète maudit

Wir sagen: 3 mal pissen und nur einmal aufstehen, ist auch nicht das Wahre.

Im Zweifel für den Zweifel (Fauser lV.)

Nun wurde von unserem Lieblingskommentar (F. D. ) moniert, «… dass das angekündigte Fauser-Blog-Projekt etwas müde abläuft …» Völlig zu recht. Wobei «müde» ein Euphemismus ist. Die Fauser-Sache läuft nämlich überhaupt nicht ab.

Ich frage mich seit längerem warum? Es könnte daran liegen, dass mir einfach nichts Neues zu Fauser einfallen will. Ist alles schon gesagt? Oder ist es einfach nur zu heiß?

Ich kenne ein paar Linke, die Fauser für sich neu entdecken und nun auf ihn schwören. Aber ich frage mich warum? Denn Fauser war keiner von ihnen. Man könnte ebenso gut behaupten, dass Hemingway ein Linker war. Oder Henry Miller. Arthur Köstler war mal Kommunist, aber er blieb es nicht. Er blieb Schriftsteller. Geht beides schlecht zusammen. Auch Fauser entschied sich im Zweifel immer für den Zweifel. «Ja, die Phantasie an die Macht. Aber hat man dabei auch an die Phantasie der Henker gedacht?»

Fauser war ein Wunderkind. Wer die Aufsätze des 15-Jährigen liest, ist beschämt. Fauser war ein verdammter Mozart des Wortes. Man soll sich nicht täuschen lassen. Die Spritzen, der Suff. Fauser liebte Joseph Roth, und wie der, arbeitete er Stunde um Stunde, schrieb und schrieb, und machte sich nächtens dicht. Sie wurden auch etwa gleich alt. Lastwagen oder Herzinfarkt im unerkannten Delirium tremens, wo liegt da der Unterschied?

Wenn ich im Bücherregal (sowas habe ich, echt!) auf Fausers komplettes Werk blicke, so sieht das für mich nicht nach dem Werk eines 43-Jährigen aus. Tausende von Seiten. Nur schon die von Alexander Wewerka herausgegebenen gesammelten journalistischen Arbeiten von 1957-1987 «Der Strand der Städte» bringen 1600 Seiten zwischen zwei Buchdeckel.

Fauser. Irgendwann, so um 1995 herum,  lernte ich im «Bane», einem bekannten Nachtlokal in Wien, den Schriftsteller Helmut Eisendle kennen. Er war mit Fauser lange befreundet gewesen. Ich wusste das, weil Fauser in einem Interview von Eisendle gesprochen hatte. Ich sprach ihn darauf an, und Eisendle sagte nur: «Ah ja, der Fauser …»
Ich konnte es kaum glauben …