Heute habe ich zwei Stunden Gras gemäht und es danach zusammengerecht und an die Schafe verfüttert, die hinter dem Haus weiden. Diese Arbeit ist eine von denen, die man tut ohne jetzt weiter mit Struktur und Moserschen „Wie nemman denn“ beschäftigt zu sein. Aber denken tut es einem doch, da kann man nix dagegen machen, außer man ist ein weiser Zenbuddhist, ein staatlicher geprüfter Guru oder bereits tot. Dann wirds halt auch mit der Arbeit nichts mehr.
Jedenfalls denkte es mir, und es poppte die Frage auf, wie ich als Alter auf eine junge Ausgabe von mir reagiert hätte.
Als ich wieder einmal, nach Dekaden, verschiedene TV-Auftritte des jungen Autors als Bandit angesehen habe, war es mir nicht möglich, mich -sozusagen – als mich zu sehen. Ich dachte: Was für ein Arschloch! Der geht gar nicht. Dieser Typ der dauernd Kaugummi kaut und aus seinem Roman liest, während er kaut.
Oder im Interview. Schlimm. Unsympatisch, im zu engen Hemd. Und dann diese Stimme, die nicht mehr meine Stimme ist. Sie hat mich erschreckt und beschämt, weil es eben doch meine damalige Stimme war. (Ich bin sehr empfindlich was Stimmen anlangt. Okay: Nicht nur Stimmen.)
Und als ich damit durch war, dachte ich daran, wie ich als 18-jähriger Lehrling war, und so beinahe alle in der Firma hasste, die einen höheren Rang hatten, und ich ihnen meine Abneigung nicht verhehlen wollte, und mich freute, wenn es mir gelang, sie zu verunsichern.
Ein Arschloch, irgendwie. Ein Pubertier.
Ich hatte aber auch ordentliche Charakterzüge, und die habe ich immer noch: Verlässlichkeit, Loyalität, rücksichtsvoll und freundlich. Wenn man mich so behandelte, wie ich behandelt werden will.
Aber eben: Damals war ich grundsätzlich dagegen. Gegen so ziemlich alles. Vor allem, was sogenannte Autoritäten anlangte. Dabei hatte ich keine Schwierigkeiten mit wirklicher Autorität, aber mit jener, die jemandem verliehen wird. Dienstgrade, Chefmanieren usw.
Nun ja, wenn es denn soweit kommen könnte, dass ich mir in jungen Jahren begegnen müsste, wäre ich nicht sonderlich an dem Typen interessiert. Und den Autoritären lass ich sowieso nicht raushängen. Aber ich bin nicht unfroh darüber, dass diese Begegnung niemals stattfinden wird.
Ich könnte aber versuchen, beim nächsten Grasschnitt meine Gedanken auf etwas angenehmeres zu lenken …
